In einem jetzt online aufgetauchten Video-Interview aus dem Jahr 2006 eröffnet der ehemalige Produzent neue Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen aus 18 Jahren "Star Trek".
Das Interview mit Rick Berman wurde vom Archive of American Television am 31. Mai 2006 geführt, entstand also gut ein Jahr nach der Entscheidung, "Enterprise" abzusetzen und stammt aus dem letzten Jahr, in dem Berman bei Paramount unter Vertrag stand. Es wurde im April 2009 auf YouTube veröffentlicht.
Für all diejenigen, denen drei Stunden zu viel des Guten sind, hat sich TrekMovie die Mühe gemacht, das Wichtigste aus dem Inhalt zusammenzufassen.
Das Video beginnt mit einigen Fragen zur Person Rick Berman und die ersten 20 Minuten widmen sich seiner Kindheit und den Anfängen seiner Karriere in Hollywood. Danach spricht Berman über die vier modernen "Star Trek"-Serien und zum Schluss auch über die TNG-Kinofilme und das einstweilige Aus für "Star Trek" nach den Misserfolgen von "Enterprise" und "Nemesis".
The Next Generation (19:30 – 1:17:15)
Von Gene Roddenberry sei er auch deshalb verpflichtet worden, weil es diesem gefiel, dass Berman "Star Trek" nie gesehen hatte. Die Serie wurde damals nicht für ein großes Network produziert, sondern direkt in die Syndication verkauft, weil Paramount so größere Kontrolle über die Marke "Star Trek" behielt und mehr Geld damit verdienen konnte. Für die Besetzung von Picard fiel am Ende die Entscheidung zwischen Stephen Macht und Patrick Stewart, der auf Geheiß Roddenberrys mit Perücke vorsprach. Paramount-Manager John Pike sagte schließlich: "Nehmt den Engländer, aber lasst die Perücke verschwinden." Weitere Beinahe-Castings: Für Worf wäre James Avery Bermans erste Wahl gewesen, aber Roddenberry setzte Michael Dorn durch. Als Riker hätte man beinahe Billy Campbell gesehen, fand aber schließlich, dass er eine Autoritätsperson nicht glaubhaft verkörpern könne und nahm Jonathan Frakes als zweite Wahl für den Part an.
Gates McFadden wurde nach der ersten Staffel aufgrund von persönlicher Differenzen mit dem damaligen Chefautor der Serie, Maurice Hurley, dem ihre Darstellung nicht gefiel, entlassen. Nachdem Hurley in Staffel 2 nach Streitigkeiten mit Gene Roddenberry die Serie verlassen hatte, brachte Berman McFadden für Staffel 3 wieder zurück. Ursprünglich hatte man Whoopi Goldberg nach McFaddens Ausscheiden zur neuen Chefärztin der Enterprise machen wollen, aber entschied sich am Ende für die neue "Yoda-artige" Figur Guinan, weil man sich Goldberg als Ärztin nicht vorstellen konnte.
Roddenberrys Gebot, dass es im 24. Jahrhundert keine Konflikte mehr zwischen den Charakteren geben dürfe, bezeichnet Berman als die schwierigste Regel für den Autorenstab. Die Idee zum Zweiteiler "Wiedervereinigung?" mit Leonard Nimoy entstand in einem Gespräch mit Nicholas Meyer, dem Regisseur von "Star Trek II" und "Star Trek VI", der auf Berman mit der Idee zukam, den sechsten Kinofilm mit der "Next Generation" zu verbinden. Die Serie nach sieben Staffeln zu beenden, sei eine Entscheidung des Studios gewesen. Ausschlaggebend gewesen seien finanzielle Gründe und der Wunsch, einen TNG-Kinofilm zu drehen.
Deep Space Nine (1:17:15 – 1:43:10)
Obwohl Berman nicht mehr mit Gene Roddenberry über DS9 sprechen konnte, meint er, die Serie sei den Idealen des "Star Trek"-Schöpfers treu geblieben. Bei den religiösen Elementen, die in die Serie Einzug hielten, habe er manchmal daran gezweifelt, aber fand am Ende, dass sie einen ausreichenden Science-Fiction-Bezug hatten. Die Cardassianer und Bajoraner brachte man ein, um Konflikte in der Besatzung darstellen zu können, ohne Roddenberrys Ideal des friedlichen Miteinanders der zukünftigen Menschheit in der Sternenflotte zu verletzten.
Die neue Serie wollte man bewusst "dunkler und kantiger" gestalten, um einen Gegenpol zu TNG zu schaffen, der vorgeworfen wurde, zu weich zu sein. Eine der ersten Ideen für die neue Serie war, eine Art "Westlich von Stanta Fe" im Weltraum daraus zu machen, in der Vater und Sohn im All für Gerechtigkeit kämpfen; bis auf die Vater-Sohn-Beziehung überlebte von dieser ersten Idee aber nichts.
Michael Pillers Einfall war es, einen schwarzen Schauspieler für die Hauptrolle zu verpflichten. Benjamin Sisko werde heute von Veteranen als der glaubwürdigste Kommandant der Trek-Captains empfunden, so Berman. Auch Alexander Siddig hatte man für die Rolle als Sisko in Betracht gezogen, fand ihn aber zu jung und gab ihm schließlich die Rolle des Arztes. Colm Meaney bezeichnet Berman als seinen Lieblingsschauspieler, seine Figur Miles O'Brien ist nach Bermans Neffen benannt. Am schwersten sei die Figur Dax zu besetzen gewesen, da Schauspielerinnen, die den Anforderungen an Schönheit und Schauspielvermögen entsprechen und fürs Fernsehen arbeiten wollen, rar gesät seien. Davon, dass man Worf mit Beginn der vierten Staffel an Bord holte, erhoffte man sich eine Belebung der sinkenden Zuschauerquote. Gebracht hat es nach Bermans Einschätzung am Ende aber wenig.
Voyager (1:43:10 – 2:08:20)
Paramount wollte nach dem Ende von TNG eine weitere neue Serie, Berman und Piller hätten damit lieber gewartet. In den Delta-Quadranten verschlug es die Voyager, weil man ohne die Enterprise-D im Fernsehen zwar wieder auf ein Schiff zurückkehren konnte, aber "etwas Neues machen" wollte. Die zunächst als Janeway verpflichtete Geneviève Bujold, die nach ihrem zweiten Drehstart ausstieg, hielt Berman bereits von Anfang an für eine Fehlbesetzung, seine Serienmitschöpfer Michael Piller und Jeri Taylor hätten sie aber durchgesetzt. Als die Schauspielerin dann hinwarf, verspürte Berman "ein wundervolles Gefühl der Genugtuung". Kate Mulgrew, die die Rolle dann erhielt, sei immer seine erste Wahl gewesen.
Jennifer Liens Charakter Kes wurde durch Seven of Nine ersetzt, weil die Figur laut Berman nicht mehr funktionierte und überflüssig geworden war. Bei der Ausarbeitung von Seven of Nine spielten Sorgen des Studios über fallende Quoten erneut eine Rolle. Dass Jeri Ryans Rolle so viel Beachtung erfuhr, führte zu Problemen mit Kate Mulgrew und zu Reibereien zwischen den beiden Schauspielerinnen. Robert Beltran sei mit der Zeit frustriert geworden, dass sein Charakter nicht so stark entwickelt wurde, wie er gehofft hatte. Tim Russ war die zweite Wahl für Geordi in TNG gewesen und Berman freute sich über die Möglichkeit, ihn nun als Tuvok zu "Star Trek" holen zu können.
Die Autoren hätten sich so stark auf das Holodeck und Geschichten mit dieser Technologie gestürzt, weil man dazu in DS9 kaum Gelegenheit hatte. Quarks Holosuiten seien schließlich "Bordelle für ungezogene Zwecke" gewesen. Für das Serienfinale habe man unter anderem in Betracht gezogen, dass die Voyager nicht zur Erde zurückkehren werde und dass Seven oder Janeway sterben würden.
Enterprise (2:08:20 – 2:39:15)
Paramount wollte - so Berman - bereits vor dem Ende von "Voyager" eine neue Serie auf den Sender bringen, Berman hätte sich hingegen eine mehrjährige Pause gewünscht. Er konnte das Studio am Ende dazu bringen, mit der neuen Serie bis zum Finale von "Voyager" zu warten. Die Kritik, dass man bei "Enterprise" den Trek-Kanon nicht beachtet habe, kann Berman nicht nachvollziehen: "Wir haben versucht, darauf größte Rücksicht zu nehmen." Die Technologie der Zukunft mit dem Stand der Gegenwart einerseits und dem in den später spielenden Trek-Serien andererseits in Einklang zu bringen, sei allerdings frustrierend gewesen. Die Kulissen sollten nach dem Willen der Serienschöpfer Berman und Brannon Braga an ein U-Boot erinnern, das Studio hingegen wollte "Farbe, Farbe, Farbe" im Schiff sehen.
Man wollte für "Enterprise" einen jüngeren Cast, damit sich die Zuschauer besser mit den Figuren identifizieren können. Scott Bakula für den Hauptcharakter zu besetzen, sei eine Entscheidung des Studios gewesen, Berman selbst war vom Schauspieler aber ebenso beeindruckt. Connor Trinneer sei der einzige Schauspieler in allen vier Serien gewesen, für den Berman kämpfen musste. Paramount wollte einen typischen Hollywood-Schönling besetzen. In Jolene Blalock sieht Berman ebenfalls den Zusammenfluss von Schönheit und Schauspielkönnen.
Die Serie zunächst nur "Enterprise" zu nennen, ohne "Star Trek", war ein Vorschlag von Berman, der dachte, damit ließen sich neue Zuschauer einfacher anlocken. Nachdem die Quoten fielen, entschied sich der Sender, "Star Trek" wieder in den Titel aufzunehmen. Mit dem neuen Konzept eines staffellangen Handlungsbogens wollte man in Staffel 3 die Quoten verbessern, was laut Berman erfolgreich war.
Der Erfolg der vierten Staffel gebührt laut Berman Manny Coto und den Bezügen zur Classic-Serie. Dazu dass diese vierte Staffel zustande kam, habe auch beigetragen, dass Paramount die Lizenzgebühren für "Star Trek" gesenkt habe und man so die Produktionskosten senken konnte. Berman meint auch, dass "Enterprise" das Zeug zu drei weiteren Staffeln gehabt hätte, hätte man die Chance dazu bekommen. Er fragt sich, ob das Serienfinale ein Fehler war, da manche es respektlos fanden.
TNG-Kinofilme (2:39:15 – 2:43:40)
"Der erste Kontakt" ist Bermans TNG-Lieblingsfilm. "Nemesis" hält er für einen klassischen "Star Trek"-Film in der Linie derer von Nicholas Meyer. Dass die Konkurrenz mit dem kurze Zeit später anlaufenden "Herr der Ringe" der Grund für das schlechte Abschneiden war, glaubt Berman nicht, er kann sich die schlechten Reaktionen auf den Film aber auch bis heute nicht erklären. Einzig Franchise-Müdigkeit auf Seiten der Zuschauer fällt ihm ein.
Abschluss (2:43:30 - Ende)
Gegen Ende des Interviews spricht Berman noch einige weitere Aspekte seiner Zeit bei "Star Trek" an. So sei TNG seine Lieblingsserie, weil er dort das Handwerk erlernt habe und mit den meisten Castmitgliedern sei er noch heute befreundet. Auf Platz zwei landet "Enterprise", weil er dort so stark in das Schreiben der Drehbücher involviert war. Seine Lieblingsepisoden sind die, in denen es um Zeitreisen geht, besonders "Die alte Enterprise". An erster Stelle kommt für ihn aber "In den Händen der Borg"/"Angriffsziel Erde".
Die letzte Frage war, wie Berman in Erinnerung bleiben möchte. Seine Antwort: "Auf die Gefahr hin, kitschig zu klingen, würde ich gern in Erinnerung bleiben wollen als jemand, der Gene Roddenberrys Vision, was 'Star Trek' bedeutet, angenommen hat. Die Leute haben nicht geglaubt, dass er in der Lage wäre, noch eine Serie zu machen es war so herzerwärmend zu sehen, wie ihn die Reaktionen auf 'Next Generation' freuten, nachdem er so viele Jahre lang keine Fernsehserie produziert hatte. Ich würde gern in Erinnerung bleiben wollen als jemand, der seine Vision der Zukunft und die Idee, was 'Star Trek' sein sollte, annahm und versucht hat, bei diesen vier Serien und vier Filmen, die wir gemacht haben, seinen Idealen treu zu bleiben. Ich frage mich, ob das in Zukunft auch so sein wird. Ich hoffe, dass ich das geschafft habe."