Portal Daily Trek Cast & Crew
Star Trek XI Enterprise
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel
Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Facebook Twitter Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Christiane Gref (gr)01.11.08

Der Mann hinter der Maske

Avery Brooks spricht über schwarze Kultur

Er ist kein Space-Commander, aber fürs Fernsehen spielte er einen. Avery Brooks alias Commander Benjamin Sisko aus "Star Trek: Deep Space Nine" hat ein Gesicht, das man unter tausenden sofort erkennt. Viele wissen nicht, wie weit sein Talent in Wirklichkeit reicht oder kennen die Bandbreite seiner Fähigkeiten nicht. Betty Gabrelli vom Oberlin College Office of Communications sprach mit Avery Brooks und erweckt alte Erinnerungen zum Leben.

Avery Brooks ist sich seiner Herkunft deutlich bewusst
Ein erschöpft wirkender Avery Brooks betritt den Ankleideraum unter der Bühne von Finney Chapel. Er ist gerade erst in Oberlin angekommen, ist die ganze Nacht von der Westküste hierher geflogen, um in wenigen Stunden eine kostenlose öffentliche Vorführung seiner bejubelten Ein-Mann-Show, "Paul Robeson", zu geben. Und anschließend, nur wenige Stunden nach dem Auftritt, wird er zurück nach Los Angeles fliegen, wo er einen bislang noch unbetitelten Film abdrehen will.

Als er für das Interview in den hochlehnigen Stuhl sinkt, merkt man ihm seine Berühmtheit nicht an. Die hellen Lichter der Zweitkamera betonen seinen ausgewaschenen blauen Fransenponcho, der einen Kontrast zu seiner Anzughose bildet. Da sitzt ein ganz gewöhnlicher, freundlicher und abgekämpfter Mann.

"Ich bin passend gekleidet", sagt er erstaunt, schwelgt in Erinnerungen an seine Zeit im Oberlin-College-Chor. Brooks belegte in Oberlin Romanistik als Hauptfach und zeigte keinerlei Interesse an Theater. Möglicherweise entdeckte er seine Leidenschaft dafür, als er sich in Studienkurse für African-American Studies and Government [im Deutschen gibt es kein vergleichbares Äquivalent zu diesem Studiengang, Anm. d. Übersetzers] einschrieb. Es trug den Namen Psuekay, man konnte es wohl kaum Theater nennen. Es war eine Theatergruppe schwarzer Studenten, die auf dem Campus in den 60er-Jahren ins Leben gerufen wurde.

Professor Calvin Hernton, der den Lehrstuhl des afroamerikanischen Fachbereichs innehatte und zudem ein alter Freund von Brooks ist, erinnert sich: "Er war ein großartiger Schauspieler, so glaubwürdig. Er hat die herausragende Gabe, die Menschen, die er darstellt, zum Leben zu erwecken. Er wird zu dieser Persönlichkeit - und ganz ehrlich, er beweist mehr Größe als die Persönlichkeit selbst."

Brooks' Talent zog landesweite Aufmerksamkeit auf sich, als er in die Rolle des gewieften Hawk, Kämpfer gegen die Kriminalität, in der Fernsehserie "Spenser" ("Spenser for Hire") schlüpfte. Allerdings waren seine Erlebnisse nicht so glorreich wie die Fans geglaubt haben. "Sie haben mir befohlen, meinen Text aufzusagen und den Anforderungen zu entsprechen", sagt Brooks, der sich die Auseinandersetzungen mit den weißen Produzenten ins Gedächtnis ruft. Streitpunkt war das stereotype Schubladendenken Schwarzen gegenüber. Aber Brooks, der sich nachhaltig seiner Verantwortung als Künstler bewusst war, mehr tat als nur seinen Text herunterzuleiern. Er hauchte dem Charakter eine glaubhafte "schwarze Kultur" ein, indem er bei den Dialogen improvisierte, sie wirklicher werden ließ.

Brooks' Darstellung von Hawk, dem zeitgemäßen schwarzen Stadthelden, musste die Erwartungen weit übertroffen haben. Der Charakter bekam eine eigene Serie, "A Man Called Hawk", durch die Brooks berühmt wurde. Und er fuhr fort, an seiner beeindruckenden Karriere zu schmieden, weigerte sich beleidigt, klein beizugeben, wenn er mit Vorurteilen oder Ignoranz konfrontiert wurde. Leider sind die Erfahrungen mit Hawk nicht die einzigen Erinnerungen. "Ich weigere mich, die Würde meiner Leute mit Füßen zu treten", sagt er.

Brooks als Benjamin Sisko in "Deep Space Nine"
Brooks mag es nicht, wenn man ihm das Etikett "Schauspieler" verpasst. Diese Bezeichnung ist oberflächlich, denn "ihre Realität hängt von Zeit und Raum ab und dauert nur genau so lange, wie eine Person eine Rolle spielt. Man ist Mutter, Vater, Ehemann, Geliebter, Bruder. Man ist all das." Konzentriert man sich auf Brooks' Berufsleben, muss man noch Regisseur und Musiker auf der Liste seines Wirkens ergänzen. "The Offering", "Ein Sommernachtstraum", "Othello, der Mohr von Venedig" und "Are You Now or Have You Ever Been?". Er singt unter anderem. Seine wunderbare Gesangsstimme - ein Opernbass - ermöglichte es ihm, die Hauptrolle in der Oper "The Life and Times of Malcolm X" zu bekommen und ist ihm bei seiner Darstellung von Paul Robeson behilflich.

1978 gab James Earl Jones "Paul Robeson" am Broadway. Seit 1988 wird das Stück wieder aufgeführt. Brooks gab seitdem mehr als 300 Vorstellungen in verschiedenen Städten der USA. Und er will auf unbestimmte Zeit weitermachen. "Ich will diese Geschichte erzählen, solange ich atmen kann", sagt er und zitiert Frederick Douglass: "Es wird keine neuen Wahrheiten geben, solange die alten nicht zu Staub zerfallen und neues Licht auf eine Sache werfen."

Paul Robeson war "ein Mann, der ein großes Herz, großen Mut, einen enormen Intellekt und eine tiefe Verbundenheit seinen Mitmenschen gegenüber empfand". Auf die Frage, warum er das Stück wieder aufführe, ruft er sich ein anderes in Erinnerung, das er mit Hernton in den 60er-Jahren aufgeführt hatte, "The Place". Es erforschte, was sie "soziogeschichtliche Hypnose" nannten, einen Zustand, in welchem die Leute ihren Bezug zur Vergangenheit verlieren. "Die Menschen haben keinen Bezug zu dem, was eine Woche zuvor passiert ist, geschweige denn zu dem, was vor 20 Jahren einmal war." "Robeson" aufzuführen, sei kein Versuch, Robesons Erinnerungen zu bewahren, es sei ein Aufruf mit dem Ziel, die Leute herauszufordern, "in Erfahrung zu bringen, wer er wirklich war".

Brooks leidet nicht an soziogeschichtlicher Hypnose. Das Gespräch flößt einem das Gefühl von Beständigkeit seiner Anschauungen ein. Als er gefragt wird, welche Menschen ihn beeinflusst haben, zählt er viele auf, die, wie er sagt, das Leuchten in ihm gesehen und es genährt hätten - unter den genannten auch seine Eltern, seine Frau Vicki Bowen Brooks und die Professoren des Oberlin Colleges Hernton und Robert Fountain. Ungeachtet dessen, wie viele Jahre inzwischen vergangen sind, die er sie nicht mehr gesehen hat, spricht er von ihnen und ihren Auswirkungen als immerwährendem Einfluss. "Die letztendlichen Folgen kenne ich nicht", sagt er, "weil es nicht vorbei ist... Verstehen Sie? Es ist nicht vorbei."

(gr - 01.11.08 - Quelle: Oberlin.edu)

Weiterführende Links


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2012