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Johannes Sawerthal (sa)02.01.05

Andorianer vom Dienst

Im Gespräch mit Jeffrey Combs

Jeffrey Combs hat bereits eine recht lange Karriere bei "Star Trek" hinter sich und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Fans. Bei "Deep Space Nine" spielte er sowohl Quarks Erzfeind, Liquidator "Brunt, FCA", als auch den mächtigsten Vorta des Alpha-Quadranten, Weyoun, sogar in den Ausführungen 4 bis 8. Auch in der neusten "Star Trek"-Serie, "Enterprise", spielt er seit der ersten Staffel den beliebten wiederkehrenden Charakter Shran, einen andorianischen Commander. Im Interview mit StarTrek.com spricht er über alle diese Rollen und noch mehr.

Frage: Wer sind Sie und woher kommen Sie?

Jeffrey Combs: Ich bin Jeffrey Combs und ich komme aus Kalifornien. Bin aufgewachsen einige Kilometer nördlich von L.A. Wunderschöne Gegend, göttlich. Dort liegen meine Wurzeln, dort habe ich begonnen.

Jeffrey Combs
Frage: Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Combs: Sehr selbstsüchtig und naiv. Ich war ziemlich schüchtern als Kind, hatte aber zwei sehr aktive Brüder, die oft ausgingen. Daher fühlte ich mich immer ein wenig anders und fand diese Welt, wo ich mich zu Hause fühlte, als ich anfing, Theater zu spielen. Ich brauchte viel Überredungskunst, um es zu tun. Da gab es eine Schauspielklasse an der High School. Ich sprach nicht vor, aber schließlich fiel jemand aus und der Schauspiellehrer kam zu mir. Ich sagte nein, aber er arbeitete einige Zeit an mir und, na ja, ich bin froh, dass er es getan hat. Seither habe ich es nie bereut.

Frage: Wann haben Sie begonnen, Science-Fiction- und Horrorfilme zu machen?

Combs: Wenn man das erste Mal nach L.A. kommt, will man zunächst einfach nur irgendetwas vor der Kamera tun. Und der erste Horrorfilm, den ich machte, war ein schrecklicher Film namens "Frightmare". Später erfuhr ich, dass ich die Rolle bekommen hatte, weil ich braune Haare hatte, genau wie die Maske, die ich aufsetzen musste. (lacht) Das gab mir wirklich das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. So richtig begann es dann mit "Reanimator". Ich war gerade bei einem Theaterstück dabei, als ich angesprochen wurde. Ich wusste damals nichts über Lovecraft, ich war einfach froh, arbeiten zu können.

Frage: Wie kamen Sie zu "Star Trek"?

Combs: Die erste Rolle, die ich bei DS9 spielte, war eine Gastrolle in der Episode "Meridian". Ich war Teil der B-Story. Ich spielte so einen Perversen, der zu Quark kommt und ein Hologramm von Kira haben will. Er verspricht ihm eins. Es gibt dann dieses Bild von dem wunderschönen weiblichen Körper mit Quarks Kopf darauf. Vielleicht haben Sie es ja gesehen. Wenn Sie es nicht gesehen haben, wollen Sie das vielleicht auch gar nicht (lacht), aber das war dann eben so ein Gag am Ende der Episode. Das war mein erstes Mal bei DS9 und ich dachte bereits, es würde dabei bleiben, denn wenn man einmal eine Gastrolle in einer Serie hatte, dann spielt man für gewöhnlich nicht so bald wieder mit. Aber nur ein oder zwei Monate später wurde ich wieder angerufen und sie gaben mir die Rolle des Brunt. Als ich in "Meridian" mitspielte, bereitete René Auberjonois, der ein alter Theaterfreund von mir ist, sich gerade auf seine erste Regiearbeit vor, eine Ferengi-Episode. Er suchte mich als Brunt aus. Erst sagte man ihm nein, er hat erst mitgespielt, er kann nicht noch einmal. René bestand darauf und so kam es dazu.

Frage: Welchen Ihrer DS9-Charaktere haben Sie lieber gespielt?

Combs: Nun, mir war Weyoun lieber, einfach weil er mir mehr zu entdecken gab. Brunt ist eine großartige Rolle, aber ich musste mich einfach nur bei Armin Shimermans toller Arbeit einklinken. Da war schon alles klar. Weyoun war für mich ein unentdecktes Land. Wir konnten noch erforschen, wer er ist, wer diese Spezies ist, wie sie sich verhalten.

Frage: Haben Sie eine Lieblingsepisode?

Combs: "Verrat, Glaube und gewaltiger Fluss" ist meine Lieblingsfolge. Nicht weil ich darin unbedingt meine beste Arbeit machte. Aber es bekamen in dieser Episode viele Nebendarsteller die Gelegenheit, sich zu entwickeln. Es gab ohnehin schon neun reguläre Rollen bei DS9 und trotzdem konzentrierten sich die Autoren hier auf uns. Es war auch eine Erforschung der Vorta. Sie sind einfach genetisch verbessert, um diese Leute zu sein, loyal den Gründern gegenüber. Es gefiel mir auch, dass ich mich in dieser Episode zweimal spielte. Den defekten Weyoun, der überlaufen will, und den verbesserten Weyoun, der den defekten Überläufer töten will. Ich hatte also ein Subraumgespräch mit mir selbst. Es war auch eine Herausforderung, denselben Charakter zu spielen, aber komplett anders. Der eine irgendwie gut und wissbegierig, der andere rau und skrupellos. Das war alles zusammen einfach toll und ich hatte wieder die Gelegenheit, mit René Auberjonois zu arbeiten, was immer ein Vergnügen ist.

Frage: Haben Sie jemals Angehörige zweier außerirdischer Rassen in einer Episode gespielt?

Combs als Andorianer Shran
Combs: Ja, das war die drittletzte Episode. Da spielte ich Brunt und Weyoun in derselben Folge. Es gab sogar eine Szene, wo wir beide uns im Korridor begegnen und gegenseitig ansehen, so auf die Art "Kennen wir uns?". Aber das stellte sich als technisch zu schwierig heraus. Aber es gab einige Momente, wo praktisch von mir zu mir geschnitten wurde. Sehr aufregend. Das ist die Arbeit von Ira Steven Behr, er ist ein wunderbarer Kerl.

Frage: Hat es Ihnen Spaß gemacht, so viele Charaktere zu spielen?

Combs: Für mich war es einfach wundervoll. Als Theaterschauspieler hat man ein gewisses Repertoire, weil man jeden Tag etwas anderes spielt. Näher kommt man im Fernsehen nicht daran. Wenn mein Agent mich anrief und mir sagte, sie wollten mich bei DS9 haben, konnte ich fragen: "Welche Rolle?" Und er darauf: "Ich weiß nicht, ich ruf dich zurück." Das war einfach ein Spaß.

Frage: Wie gingen Sie an die Rolle des Andorianers Shran in "Star Trek: Enterprise" heran?

Combs: Ich kannte die Andorianer aus der Classic-Serie, weil ich ein großer Fan bin. Aber bei Classic waren die Andorianer eher Diplomaten. Das Drehbuch von "Doppeltes Spiel", das ich bekam, zeigte ganz andere Seiten. Hier handelte es sich viel mehr um rebellische, bittere Krieger, die das Gefühl hatten, zu lange am kürzeren Ast gesessen zu haben. Also holte ich mir meine Inspiration anderswo. Es gab bei Classic nicht allzu viele Episoden, die sich mit Andorianern beschäftigten. Und die Maske war früher auch sehr einfach. Sie haben sie jetzt wirklich sehr cool gemacht, den Andorianern mehr Kanten verpasst.

Frage: Wie funktionieren die Antennen?

Combs: Der Kerl, der die Antennen gebaut hat, und ich arbeiten sehr eng zusammen. Er sieht sich die Proben an, ich sage ihm, wo ich mir denke, dass sich etwas tun sollten. Wir versuchen, herauszufinden, was die verschiedenen Bewegungen bedeuten. Er ist großartig und ich vertraue ihm voll und ganz. Die meiste Zeit weiß ich gar nicht, was da oben vor sich geht. Ich kann hier und da ein Summen hören, meistens bekomme ich nichts mit. Manchmal helfen mir die Dinger sogar, ich kann sie hören und entsprechend reagieren. Meine Antennen arbeiten für mich, ich muss nichts mehr tun.

Nach vorne gerichtete Antennen bedeuten Neugier oder den Versuch, eine Täuschung zu entdecken. Wir sind sehr misstrauische Aliens, also dachten wir, dass die Antennen dieses Misstrauen auch nach außen zeigen sollten und eben auf die Umgebung reagieren sollten. Rückwärts heißt einfach nicht glücklich. Wie bei einem Hund. Wenn der Schwanz nach unten hängt, besser aufpassen!

(sa - 24.08.08 - Quelle: StarTrek.com)


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