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Tracy Gilliland (gi)18.02.02

Auberjonois bei "Enterprise"

Der DS9-Star spricht über seinen Gastauftritt

René Auberjonois spricht mit Steve Krutzler von TrekWeb über seine Wiederkehr zu "Star Trek" in der kommenden "Enterprise"-Folge "Schiff der Geister" ("Oasis"), über Odo und "Deep Space Nine".

Eine neue Episode von "Enterprise" wird einen der talentiertesten Schauspielern des "Star Trek"-Universums genau dahin zurückholen; René Auberjonois, der den Formwandler Odo in "Deep Space Nine" sieben Jahre lang gespielt hat. In "Oasis", eine Folge, die letzte Woche erst abgedreht wurde, entdeckt die Crew der Enterprise eine ausgesetzte Gruppe Außerirdischer, während sie nach Duratanium auf einem Planeten suchen. Chefingineur Trip Tucker verliebt sich in die Tochter von Auberjonois' Figur Elcazar.

"Es ist ein interessanter, und sehr netter Charakter. Ich trage kein schweres Make-up. Ich bin zwar ein Außerirdischer, habe aber nur eine Art Punkte auf meiner Stirn. Deshalb hat das Schminken nicht so lange wie bei Odo gedauert", erzählte Auberjonois in seinem Haus in Südkalifornien.

Auberjonois in seiner "Enterprise"-Rolle
Zusätzlich zu kleinen Interaktionen mit Trinneer und Jolene Blalock in der Episode, werden Renés Hauptszenen mit dem Captain der Enterprise sein. "Meine zwei großen Szenen mit Scott Bakula waren großartig, weil er einer der wärmsten und nettesten Schauspieler ist. Er hat wirklich das ganze Feeling der Serie beeinflusst."

"Verglichen mit Avery [Brooks], der von Anfang an so intensiv war und eine solch komplexe und dunkle Figur [gespielt hat] - er wollte nicht [auf DS9] sein - und er musste mit schwierigen, emotionalen Beziehungen fertig werden, ist Scott lockerer, sogar humorvoll - entspannter. Das mag ich sehr gerne. Ich denke, dass das ein interessanter Mix ist für einen Captain."

Auberjonois vergleicht "Schiff der Geister", seine erste Wiederkehr zu "Star Trek" seit "Deep Space Nine", mit "Der Sturm" von William Shakespeare; die Folge folgt ähnlichen Gratwanderungen. Aber er ist nicht bereit zu verraten, wie die Geschichte endet: "Die Folge beinhaltet eine interessante Überraschung, die ich nicht verraten möchte", sagt er cool.

Der 61 Jahre alte Schauspieler erzählt, dass er die Gelegenheit gerne annahm, als ihn der ausführende Produzent Rick Berman darum bat, Teil von "Star Treks" neustem Epos zu sein. "Ich brauchte nicht mal das Drehbuch zu lesen, ich war glücklich gefragt zu werden, ob ich ein Teil davon sein wollte. Ich bewundere die Serie und ich hatte viel Spaß. Es ist die gleiche Crew [hinter den Kulissen], die damals bei 'Deep Space Nine' angefangen hat, also war es wie eine Art Déjà-vu."

Auberjonois gibt zu, dass er kein wirklicher Kenner der neuen Serie ist, sagt aber, dass seine Arbeitserfahrungen bei "Enterprise" und das Anschauen einiger abgedrehter Szenen "eine Wiederkehr zu dem ursprünglichen 'Star Trek' aufweisen, was 'Voyager' bereits wieder aufgenommen hatte, aber nicht völlig ausführen konnte, da die Handlung darauf basierte, dass sie im Weltraum verloren waren. Das scheint mir eine Wiederkehr zum ursprünglichen 'Star Trek'-Konzept zu sein und wenn man 'Star Trek' weiterführen möchte, glaube ich, dass dies eine schlaue Art und Weise war, es zu tun."

Zuvor verkörperte er sieben Jahre lang Sicherheitschef Odo bei DS9
Tatsächlich hat sich die dritte "Star Trek"-Serie, "Deep Space Nine", schließlich dazu entschlossen, sich einen Stil des Geschichtenerzählens anzueignen, der serieller gewesen ist als bei den Vorgängern und Nachfolgern. Aber Auberjonois ist diplomatisch und sagt, "Ich bin froh, dass wir das getan haben - ich denke manchmal, dass die Serie deswegen etwas gelitten hat - denn manchmal ist es schwierig, eine Serie zu verkaufen, wenn es zu sehr ins Serielle geht. Ich glaube nicht, dass man viel verliert, wenn man sich hütet, es mit seriellen Geschichten zu übertreiben. Ich glaube, sie tun [bei 'Enterprise'] das Richtige; wenn ich produzieren würde, würde ich auch die Richtung einschlagen."

"Deep Space Nine" ist bei den Fans und Kritikern gleichermaßen dafür berühmt, dass es eine der besten Serien im Fernsehen geworden war, ohne dass das Studio es bemerkt hatte. Auberjonois kann mitfühlen. "Ich würde sagen, dass es wahr ist, dass DS9 wirklich so eine Art mittleres Kind der Familie war und die Serie bekam nie wirklich die Chance, für sich alleine zu stehen; wir überlappten uns mit 'Next Generation' und 'Voyager' und wir hatten nie wirklich eine Chance, irgendwie das einzige zu sein, und ich denke, dass es nicht immer für uns gearbeitet hat."

Aber für den (zugegebenermaßen unwahrscheinlichen) Fall, dass die Serie in einem neuen Projekt wiederaufleben könnte - als Fernsehfilm oder Kinofilm - sagt der Schauspieler, dass die Wiederkehr als Odo ihn sehr ansprechen würde, auch wenn er es nicht garantieren könne. "Ich sage niemals nie, aber ich wäre sehr überrascht (lacht), wenn wir Odo jemals wieder sehen würden. Ich habe den Charakter geliebt. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, würde ich sie bestimmt in Erwägung ziehen. Warum ich manche Sachen mache, ist manchmal ein Geheimnis für mich. Ich habe Dinge gespielt, wo Leute denken, 'Warum sollte irgendjemand 'Police Academy 5' drehen?' Ich habe es getan, weil es mir die Möglichkeit gab, einen Charakter zu spielen, den mich sonst niemand spielen lassen würde - ich hatte viel Spaß dabei, bereue es nicht eine Minute lang und würde es jeder Zeit wieder tun. Ich muss mir die Rolle ansehen und herausfinden, ob es einen Grund gibt, sie zu spielen. Genau so würde ich es auch mit Odo machen."

Die Figur des Odo bot dem Charakterdarsteller interessante Herausforderungen. Er sagt, dass es in seiner Jugend sein Traum gewesen sei, in der Lage zu sein, alles zu machen. "Ich wurde sehr von Charakterdarstellern wie Alec Guinness beeinflusst, der sowohl Komödien als auch ernste Rollen gespielt hat; wenn man zum Beispiel Guinness in 'Die Brücke am Kwai' [1957] sieht - das ist ein sehr ernster Charakter im Vergleich zu einigen seiner früheren komödiantischen Rollen. So ein Schauspieler wollte ich sein und das ist eines der Dinge, was 'Star Trek' mir ermöglicht hat."

Keine Angst davor, auf Rollenklischees festgelegt zu werden
"Es ist als Schauspieler sicher sehr herausfordernd, mit einer Maske zu arbeiten und es hat mich sehr viel gelehrt. Ich komme vom Theater, wo man einen großen Raum füllen muss; Ich habe im klassischen Theater gearbeitet, wo man mit großen Übertreibungen arbeiten konnte. Ich fühle, dass ich von 'Star Trek' gelernt habe, sehr subtil zu arbeiten: Obwohl es ein unrealistischer Charakter war, musste ich eine Wahrheit in der Situation finden. Es war sehr wichtig für mich als Schauspieler und ich denke, das hat mir geholfen, über mich hinaus zu wachsen", sagt er über den formwandelnden Charakter, welcher ihn unter Latex verborgen hielt für ganze sieben Staffeln.

Ein Grund, weswegen René bereit war, sich Odo so vollkommen anzueignen, war eine herabgesetzte Angst davor, auf bestimmte Rollen festgelegt zu werden. Es ist "eine potentielle Gefahr für einen Schauspieler, wenn er Teil des 'Star Trek'-Mythos wird. Ich bin erst ziemlich spät in meiner Karriere als Schauspieler zu 'Star Trek' gestoßen, und sieben Jahre unter Gummi verbracht zu haben, nimmt einem solche Sorgen. Bis zum heutigen Tag werde ich die Hälfte der Zeit eher wegen 'Benson' erkannt und nicht wegen 'Star Trek'."

Aber nur wegen seiner umfassenden Geschichte bei "Star Trek" hat er dennoch keine besondere Formel parat, um einer "Star Trek"-Figur Leben einzuhauchen. "Ich denke nicht 'Oh, ich werde alles tun, um anders zu sein!' [aber] wenn ich einen Charakter spiele, ist es mir egal, dass es 'Star Trek' ist, ob es ein Mensch oder ein Alien ist, den ich mir annehme und zu dem ich ein Teil werde."

Auberjonois ist zufrieden mit seinem Leben; er baut gerade ein Haus in Nordkalifornien und sagt, dass er glücklich ist, darauf zu warten, bis ihm Angebote entgegenkommen. Gerade in dieser Staffel war er in "The Practice – Die Anwälte" zu sehen und in mehreren "Judging Amy"-Folgen zusätzlich zu seinem "Enterprise"-Gastspiel. Letzte Season tauschte er mit "Doktor Frasier Crane" psychologisch-komödiantische Sprüche in der beliebten NBC-Sitcom. Außerdem genießt er weiterhin die "Ancestral Voices"-Tour in Kalifornien und die "Theatrical Jazz"-Auftritte mit seinem ehemaligen DS9-Kollegen Armin Shimerman bei "Star Trek"-Conventions in ganz Amerika.

Genau wie es Captain Sisko in der letzten Folge angedeutet hatte, dass weder Zeit noch Raum den Zusammenhalt der "Deep Space Nine"-Crew mindern könnten, so sagt René Auberjonois, dass er glaube, die Zeit würde der ultimative Verteidiger der oft vergessenen "Star Trek"-Serie sein. "Ich glaube, dass je mehr Jahre vergehen und je mehr Abstand wir zu DS9 bekommen, desto mehr wird es als eines der originellsten und herausforderndsten 'Star Trek'-Serien gelten - zumindest für diejenigen, die es gemocht haben und die verstanden haben, was wir uns vorgenommen hatten. Nicht, dass wir besser wären, wir waren eben ganz anders. Ich bin sehr stolz darauf."

(gi - 19.11.10 - Quelle: TrekWeb.com)

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