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Johannes Sawerthal (sa)26.12.04

Frühstück mit John Billingsley

Ein Interview mit dem Doktor der Enterprise

Ende September führte TrekNation ein Interview mit John Billingsley, dem Schauspieler hinter dem denobulanischen Schiffsarzt Phlox aus "Star Trek: Enterprise". Wie nicht anders zu erwarten, dreht sich natürlich hier alles um den anstehenden Start der vierten Staffel. Was John Billingsley an den neuen Episoden gefällt und was nicht, können Sie hier nachlesen.

"Wir sind derzeit bei der achten Episode. Die ersten beiden drehten sich um Nazis, auf welche ich im Übrigen ehrlich gesagt auch hätte verzichten können. Die dritte Episode, 'Home', fand ich sehr stark, es geht ums Heimkehren und wie wir uns anpassen ... oder vor allem wie sich der Captain an die neue Situation anpasst, welche Emotionen hier hochkommen. Dann kam der Handlungsbogen um Brent Spiner. Und jetzt befinden wir uns in einer Geschichte über einen vulkanischen Bürgerkrieg. Ich stehe in diesen Episoden nicht wirklich im Vordergrund, das erklärt auch, warum ich an einem Freitagmorgen bei einem gemütlichen Frühstück ein Interview geben kann."

Billingsley als Doktor Phlox, hier mit Jolene Blalock als T'Pol
Die angesprochene Nazi-Handlung, die die dritte mit der vierten Staffel verbindet, brachte die Crew ins 20. Jahrhundert. "Ich persönlich wäre froh, wenn ich nie wieder Nazis im Fernsehen sehen würde. Sie sind einfach beliebte Bösewichte", erklärt Billingsley. "Ich stecke nicht in der Haut der Autoren. Ich weiß nicht, was die Idee dahinter war. Aber ich reagierte auch eher negativ, als ich diese Episode sah. Ich mochte das Ende der dritten Staffel wirklich sehr. Mir gefiel es, wie die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten wurde. Nur um dann am Ende diesen Schlag ins Gesicht zu bekommen."

Nicht nur das Ende der Nazi-Handlung, auch das des Temporalen Kalten Krieges, welcher seit der allerersten "Enterprise"-Episode ein Thema gewesen war, brachten die ersten beiden Episoden der vierten Staffel. John Billingsley spricht sich darüber positiv aus: "Ich habe da ein ganz klares Gefühl, dass da von oben Druck gemacht wurde, den Temporalen Kalten Krieg umgehend zu beenden. Ich bin selbst der Meinung, dass dieser Krieg nie wirklich abheben konnte, die Geschichten waren zu dünn. Gleichzeitig finde ich aber, dass das Network das Ende zu abrupt erzwungen hat, was es leider sehr seicht aussehen ließ. Daher bin ich der Meinung, dass wir wohl durch diese wenigen Episoden durch müssen, bevor es dann wirklich losgeht."

In den Episoden der vierten Staffel wird die Enterprise praktisch von Geistern der Vergangenheit gejagt. Sowohl in Bezug auf die Storys - etwa ein Besuch von Noonien Soongs Vorfahr Arik Soong, Orion-Mädchen, eine Geschichte rund um die Eugenischen Kriege - als auch hinter der Kamera, denn Brent Spiner hatte bereits seinen Auftritt und William Shatner wird auch noch umworben. Ist das eine gute Idee oder sollte "Enterprise" mehr eigene Dinge finden? "Ich hatte nicht die Gelegenheit, die Orion-Mädchen zu treffen - Mist, da war ich nicht am Set!", so Billingsley. "Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass es wirklich einen Unterschied macht, solange die Storys stetig voll Überraschungen sind. Einer der Kritikpunkte bisher war, dass die einzelnen Episoden nicht so spannend geschrieben waren, wie manche es vielleicht erwarten würden. Ich denke sicherlich nicht, dass das generell wahr ist, aber ich denke doch, dass ein Schub in der Qualität der Erzählungen kommen musste, um die Zuschauer zu erreichen und an die Serie zu fesseln. Ich glaube, das haben wir nicht immer geschafft."

John Billingsley
Aber viel Positives ist bereits passiert: "Einige der Episoden dieser Staffel sind mit ausreichend Überraschungen gefüllt, um die Zuschauer im Dunkeln tappen zu lassen, was letztendlich das Ziel einer Geschichte ist. Die Zuschauer wollen eine Story verfolgen, sie wollen ihr nicht davonlaufen. Ob es Sinn macht, Episoden um altbekannte Charaktere zu schreiben, kann ich nicht sagen. Ich denke, es ändert nichts. Wenn man Episoden um alte Charaktere schreibt, aber die Storys schlecht sind, würde es keinerlei Unterschied machen."

Der Handlungsbogen um Publikumsliebling Brent Spiner hat laut Billingsley aber gut funktioniert: "Ich hatte Brent sehr gerne dabei und mir gefielen auch die Episoden. Die Arbeit mit Brent war wundervoll, er ist ein toller Schauspieler und ein netter Kerl. Ein absoluter Gentleman, ich hatte sehr viel Freude mit ihm am Set.

Teil 2

Im zweiten Teil des TrekNation-Interviews spricht John Billingsley über Senderpolitik und zeigt Verständnis für die Entscheidungen des Networks.

"Enterprise"-Produzent Manny Coto
Anführer der neuen Herangehensweise an "Enterprise" ist Manny Coto, der sich letztes Jahr dem Autorenstab angeschlossen hat und jetzt die wichtigste Person der Serie ist. Genauso wie die anderen Schauspieler glaubt John, dass Manny eine gute Neuaufnahme für den Autorenstab gewesen ist. "Ich liebe Manny, ich bin der Meinung, dass er ein hervorragender Schreiber ist", sagt John. "Ich denke, dass er viel Neues der Serie hinzufügt. Ich muss aber jedes Mal vorwegsagen, dass das in keinster Weise irgendeine Art von Reflektion auf unsere bisherigen Autoren ist. Fürs Fernsehen zu schreiben ist eine der schwierigsten Sachen, die man machen kann; es gibt einen unsinnigen, unsinnigen Abgabetermin, nach dem man sich richten muss, und ich denke, dass die Autoren immer gute Arbeit geleistet haben. [Aber] ich glaube, dass Manny ein Element zur Sprache bringt, das gefehlt haben könnte, und ich glaube auch, dass es eine große Bereitschaft gibt, mehr Aktualität zur Sprache zu bringen, was ich sehr begrüße."

John mag besonders die Struktur der Geschichten der vierten Staffel. "Ich weiß nicht genau wie die Budgetbeschränkungen aussehen; ich weiß auch nicht genau, wie die Vorgaben von Paramount sind, um über die Parameter sprechen zu können, in denen sie arbeiten müssen. Basierend auf dem, was ich bisher gesehen habe, glaube ich, dass es echte Stärke beweist, diese Mini-Handlungsbögen über drei oder vier Episoden zu machen. Das schafft die Voraussetzung für eine verschachteltere und ausgedehntere Erzählweise. Der erste Mini-Handlungsbogen, der die Eugenischen Kriege beinhaltete, war stark und ich denke (obwohl ich bisher dabei nicht viel auf dem Set war), dass der Mini-Handlungsbogen über den vulkanischen Bürgerkrieg ebenfalls sehr stark ist, basierend auf den Drehbüchern, die ich bis jetzt gelesen habe."

"Ich glaube nicht, dass wir zurückgehen und das wiederholen wollten, was wir letztes Jahr gemacht haben, nämlich einen Handlungsbogen über die ganze Staffel. Ich denke, das ist etwas, was letztes Jahr wirklich gut funktioniert hat, aber ich bin nicht der Meinung, dass man es noch mal so gut machen kann. Ich glaube, dass das eine der Sachen ist, die zum Beispiel mit '24' passiert ist, welche ein großartiges, wunderbares Konzept hat, aber es ist schwierig, eine Geschichte über eine ganze Staffel zu erzählen. Das kann man einmal oder zwei Mal machen, aber dann fängt es an, formelhaft zu werden."

Dennoch werden Phlox-Fans warten müssen, bevor John Billingsley ein beachtliches Maß an Zeit auf dem Bildschirm bekommt. "Meine allgemeine Antwort, die immer wie aus der Pistole geschossen kommt, ist - und dafür entschuldige ich mich -, dass ich mir dessen bewusst war, als die Staffel begann. Dessen war ich mir auch bewusst, als die Serie begann, nämlich dass ich eher in einer Nebenrollen-Funktion benutzt werden würde. Im Lauf der Staffeln habe ich, offen gesagt, immer weniger zu tun bekommen auf Grund der Vorgabe, sowohl vom Network als auch vom Studio, Action, Abenteuer und Sex-Appeal zu betonen - auf Kosten der Charakterentwicklung. Darum ist alles an diesem Punkt eine Art Überraschung, es gab für mich dieses Jahr nicht wirklich viel zu tun. Aber das ist in Ordnung. Ich bekomme einen netten Gehaltsscheck und ich mag die Leute, mit denen ich arbeite, wissen Sie, und letzten Endes - hey, das ist großartig!"

Billingsley spielt den Doktor der NX-01
Deshalb, erklärt John, hat er keinen richtigen Kontakt mit den Autoren in Bezug auf seine Rolle. "Ich kann nicht sagen, dass das auf alle Schauspieler der Serie zutrifft. Ich bin mir sicher, dass Scott mehr laufende Gespräche mit den Autoren hat. Ich vermute, dass Jolene und Connor das ebenfalls machen und das ist bei ihrem Status als Serienhauptdarsteller auch angemessen. Für den Rest von uns ist die Schablone die Schablone. Offen gesagt gibt es nur sehr wenige Gelegenheiten, meinen Charakter in unerwartete oder unentdeckte Richtungen laufen zu lassen. Falls und wenn ein Drehbuch sich abzeichnet und falls oder wenn ich dann Fragen habe, werde ich sie anrufen und ein Gespräch anfangen. Die Drehbuchautoren haben nie eine Konversation mit mir begonnen und ich kann nur vermuten, dass das daher kommt, weil sie mit der Richtung meines Charakters, die wir alle gewählt haben und in die er sich entwickelt, zufrieden sind."

John erwähnt einen Mangel an Charakterentwicklung, aber ein wohl beträchtlicher Teil an Entwicklung ist der einer romantischen Beziehung. In "Enterprise" ist die einzige Beziehung zwischen Trip und T'Pol. Aber weder Connor Trinneer noch Jolene Blalock scheinen wirklich glücklich zu sein mit dieser Geschichte. Ist die Beziehung also eine gute oder eine schlechte Sache für die Serie? "Mir ist klar", sagt John, "dass sich - ausgehend von den Drehbüchern, die ich lese - eine Beziehung entwickeln wird, ob es ihnen gefällt oder nicht. Es wird von der Laufzeit der Serie abhängig sein, ob sie eventuell ein Paar werden. Sie werden natürlich die Standard-Fernseh-Hürden überwinden müssen, das ist die Natur des Fernsehens. Gott weiß, es hat zehn Jahre gedauert bis Rachel und Ross [aus 'Friends'] zusammengekommen sind, also denke ich mal, dass T'Pol und Trip unsere Rachel und Ross sein werden."

So ist es halt, aber die Beziehung zwischen Trip und T'Pol fühlt sich Johns Meinung nach nicht so an, als wäre sie einfach eingeführt worden. "Ich persönlich habe das Gefühl, dass diese Beziehung nicht ... gerechtfertigt ist", gibt er zu. "Man weiß in dieser Branche nie, wer was sagt, welche Entscheidung von wo kommt. Ich bin mir sicher, dass UPN gesagt hat, dass wir mehr Sex in der Serie brauchen. Ob die ausführenden Produzenten dem jetzt zugestimmt haben oder nicht, sie mussten ihren Marschbefehl in einem gewissen Maß von den Leuten entgegennehmen, die die Rechnungen bisher bezahlt haben, und die Frage ist jetzt: 'Verdammt, wie bekommen wir mehr Sex in die Serie?' Ich glaube nicht, dass wir es rechtfertigen können, wenn der Captain mit T'Pol was anfängt. Der Sex soll offensichtlich von T'Pol kommen. Wer bleibt also übrig? Leider ist für Trip und T'Pol kein Fundament gelegt worden, um plötzlich eine Beziehung zu haben, und ich denke nicht, dass einer von beiden Anzeichen dafür gesehen hat, bis dieser Kurswechsel stattgefunden hat. Als Schauspieler mussten sie da Anziehung hineinbringen. Ich denke mal, dass sich beide wahrscheinlich gedacht haben: 'Gut, es wäre nett gewesen zu wissen, dass das die Richtung ist, die ihr haben wollt. Dann hätten wir das mit hineinspielen können.'"

"Es ist, wie es ist und so, wie es ist, fühlt es sich so an, als hätte man zwei Personen genommen, die bisher irgendwie immer die ganze verdammte Zeit über ... 'Grrrr' zueinander waren und auf einmal wird aus dem Nirgendwo ein Schalter umgelegt und jetzt sind sie vermutlich [in einer Beziehung]. Auch wenn ich das gesagt habe, denke ich doch, dass sie es sehr gut spielen. Ich denke, dass sie diese Anziehung sehr gut spielen, jetzt müssen sie sie spielen und es gibt Aspekte dieser Anziehung, die der Handlung geholfen haben. Ich glaube also nicht, dass es die schlechteste Idee der Welt war, ich denke einfach nur, dass es - wie es oft der Fall ist - eine Idee der Bosse war, die nicht im ursprünglichen Handlungskonzept der Produzenten vorkam. Das passiert ständig."

Teil 3

Im vorletzten Teil des TrekNation-Interviews erzählt Phlox-Darsteller John Billingsley unter anderem von der Atmosphäre am "Enterprise"-Set und überlegt, was den Geschichten bisher fehlt.

Jolene Blalock und Connor Trinneer
Am Beispiel der Beziehung zwischen Trip und T'Pol hat John bereits die Charakterentwicklung angesprochen, die in seinen Augen nicht besonders gut funktioniert. Braucht "Enterprise" bei den Geschichten mehr persönliche Füllepisoden - zum Beispiel Aufbau von Familien, Kinobesuche, Abendessen in der Offiziersmesse? Er gibt zu, dass er deswegen "im Zwiespalt" ist.

"Meine eigene Ästhetik und mein eigener Geschmack würden mich, wenn ich das Sagen hätte, den Schwerpunkt auf charakterliche Entwicklung legen lassen, weil ich denke, dass das Wachsen eines Charakters, seine Veränderung, Weiterentwicklung und seine Kämpfe mit moralischen Dilemmas das ist, was eine Fernsehserie interessant macht. Ich denke, was sie gewissermaßen gemacht haben, ist, dass sie vier der sieben Mitglieder der Besetzung nehmen und sagen, dass es bei ihnen im Wesentlichen nur sehr wenig charakterliche Entwicklung geben wird. Das bedeutet für mich offensichtlich, dass die Serie auf einer Ebene weniger interessant wird."

John ist aber der Ansicht, dass solche Entscheidungen nicht ohne Grund sind. "Es fällt mir schwer, nicht zuzugeben - ob es mir gefällt oder nicht -, dass das Fandom, wie ich glaube, in den ersten zwei Jahren nicht extrem gut auf die Serie reagiert hat, als sie versuchten, charakterliche Entwicklung hervorzuheben. Das ist in gewissem Maße auch der Grund, weshalb wir uns in Staffel 3 eher in eine Action-/Abenteuer-orientierte Richtung bewegt haben - die Quoten schienen es zu verlangen. Und wissen Sie, letztendlich ist es schwer, mit den Quoten zu streiten. In einem Ausmaß, dass [wenn sie] Szenen [haben], wie wir Filme schauen oder Szenen von uns in der Offiziersmesse, dass es sich in einem gewissen Maße verkümmert anfühlt, als ob es nötig wäre, dem Konzept zu soufflieren: 'Hey, das sind echte Menschen! Hey, sie tun reale Dinge! Hey, vergesst nicht, dass sie dreidimensionale Charaktere sind und sie schauen Filme und gehen ins Badezimmer und bla bla bla.' Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass diese Szenen Füllmaterial sind und der Serie eine ganz bestimmte Marschrichtung vorgeben: Action, Action, Action."

Eine derartige Szene in einer kommenden Folge zeigt die Enterprise-Crew beim Basketball spielen. "Diese Szene ist ein perfektes Beispiel dafür", sagt John. "Mein Gefühl sagt mir, dass Dr. Phlox besonders bei neuen Autoren hauptsächlich als Mittel dazu dient, um interessante digitale Technologie vorzuführen. Sie können Dr. Phlox ein gigantisches Lächeln geben, seinen Kopf aufblasen wie einen Kugelfisch. In der Basketball-Episode geben sie Dr. Phlox diese willkürliche Fähigkeit, einen Basketball von jeder Stelle des Feldes aus zu werfen und er trifft den Korb ... zisch! Das ist der ganze Gag. Jeder rennt herum, schwitzt, spielt Basketball. Ich stehe da, jedes Mal, wenn ich den Ball fange, werfe ich ihn in den Korb, punkte und mein Team gewinnt immer. Es ist irgendwie lustig, sorgt bei mir aber für ein willkürliches Gefühl. Es ist eine weitere von diesen, na ja, magischen Fähigkeiten, die Dr. Phlox hat. Scheinbar können Denobulaner Felswände hochklettern, sie haben lange Zungen... Es ist wie ein Einkaufszettel an besonders lustigen Eigenschaften. Es wird aber zu einer Art Ersatz für den Charakter."

"Es gibt da einen Teil von mir, der sich manchmal wünscht, dass sie sich tatsächlich mehr Gedanken machen würden über das Wesen und die Natur der denobulanischen Gesellschaft und wie die Weltsicht dieser Lebewesen ist. Ich denke, dass das etwas ist, was sie zurückhalten zugunsten der Dringlichkeit, temporeiche Action-/Abenteuer-orientierte Geschichten zu erzählen. Ich kann es wieder nicht verurteilen, weil ich verstehe, woher es kommt. Das lässt für mich dann aber nicht mehr viel übrig, was ich machen kann."

Es ist wichtig anzumerken, dass Johns Ton, der in einem geschriebenen Interview verloren gehen könnte, nicht negativ ist, es ist einfach nur Pragmatismus über die Natur seiner Rolle und das Fernsehen im Allgemeinen; wir sehen natürlich keine Wiederholung bestimmter Interviews von Besetzungsmitgliedern aus "Star Trek: Voyager". In der Tat ist John, Beobachtungen und Analyse mal beiseite gelegt, sehr glücklich, am Set der Enterprise zu sein. "Das Vergnügen an der Serie für mich ist zuallererst und am herausragendsten, dass es wirklich eine großartige Gruppe von Leuten ist", sagt er. "Das fängt - und das kann ich wirklich nicht genug betonen - schon bei einer Crew an, die in vielerlei Hinsicht seit über einer Dekade zusammen ist. Du kommst also dorthin und es herrscht eine familiäre Atmosphäre und die Leute haben eine ernsthafte Verbindung miteinander und haben Interesse am anderen und sorgen sich um dessen Leben. Der wahre Job des Schauspielers ist offen gesagt also nicht, auf einer bestimmten Ebene für Aufruhr zu sorgen. Ich denke, dass es eine sehr nette Gruppe von Leuten bei dieser Serie ist und ich denke, dass sich das auf die Schauspieler ausdehnt. Wir kommen also alle recht gut miteinander aus. Es gibt offensichtlich nicht viel sozialen Umgang miteinander außerhalb der Arbeit, was aber mit der Natur dieser Branche und mit dem eigenen Mangel an Freizeit zusammenhängt. Aber ich glaube, dass es eine aufrichtige und tiefe Zuneigung gibt, die alle bei der Arbeit miteinander teilen."

Sorgt für gute Stimmung: Scott Bakula
John glaubt, dass die gute Atmosphäre auf dem Set von Scott Bakula kommt, gewissermaßen ein Captain sowohl auf als auch abseits vom Bildschirm. "Ich glaube wahrhaftig, dass er der wohlwollendste Schauspieler ist, mit dem ich jemals gearbeitet habe. Ich kann nicht genug gute Dinge darüber sagen, wie nett er ist. Er kennt den Geburtstag von jedem auf dem Set, ich habe ihn niemals gereizt oder bissig gesehen. Ich habe nie gesehen, dass er eine Kamera aufgehalten hat. Er hat großen Respekt vor der Zeit anderer Leute. Ich habe mit einer Menge Leute in diesem Geschäft gearbeitet, die einen Vorteil aus ihrer Berühmtheit ziehen und sie dazu benutzen, um weniger Licht zu erzwingen. So etwas macht Scott Bakula nie im Leben. Und das legt den Ton für alle anderen fest."

Viele Serien neigen dazu, ihre Besetzung durch Entfernen oder Hinzufügen von Mitgliedern auszuwechseln, wobei "Star Trek" nicht dazu tendiert, das häufig zu machen. Obwohl es das familiäre Gefühl auf dem Set verletzen könnte - hat John das Gefühl, dass einige Veränderungen in der Besetzung "Enterprise" auf einer Ebene des Geschichten-Erzählens aufpeppen könnte? "Ich weiß nicht, ob das eine Frage ist, die man beantworten kann, es ist so unterschiedlich von Serie zu Serie", sagt er. "In der langen Geschichte des Fernsehens konnte man sich Sendungen anschauen, die vom Hinzufügen neuer Besetzungsmitglieder profitiert haben und es gab andere Serien, über die man sagen konnte, dass etwas verloren gegangen ist aufgrund der Veränderungen. Und ich denke nicht, dass es eine Möglichkeit gibt, das zu wissen, ohne genau zu wissen, wer dazukommen, wer weggehen würde, inwiefern dies das Erzählen der Geschichten beeinflussen würde, ob es eine gute oder eine schlechte Sache sein würde.".

"Offensichtlich wäre es auf einer persönlichen Ebene, da ich mich mit jedem verbunden fühle, der mit mir arbeitet, traurig, jemanden gehen zu sehen. Allerdings ist es eine Branche und ich bin ein Geschäftsmann und ich bin 45 Jahre alt und ich war mein ganzes Leben in dieser Branche. Wenn sie mich morgen töten würden, wäre es eine nette Erfahrung gewesen, ich hatte Spaß und keine bösen Gefühle. Ich bin vorher schon mal gefeuert worden und ich bin mir sicher, dass ich irgendwann wieder gefeuert werde und ich würde hoffen, dass jeder in dieser Branche das einsieht. Man sollte nichts persönlich nehmen. Nachdem ich das gesagt habe, während ich vermute, dass dies das letzte Jahr der Serie sein wird, sehe ich das nicht als Problem an. Falls wir es irgendwie schaffen sollten, in eine fünfte Staffel zu überleben, na ja, dann nehme ich an, dass es möglich ist."

Wie man aus seinen Kommentaren entnehmen kann, ist es fair zu sagen, dass John in Bezug auf das Fortbestehen von "Enterprise" nicht sehr zuversichtlich ist. "Ich denke, dass sie 100 Episoden wollen, um die Serie besser verkaufen zu können", erklärt John. "Das erreichen wir dieses Jahr. Wenn man sich UPNs Widerwillen anschaut, den vollen Preis zu zahlen, und wenn man sich die Tatsache anschaut, dass die Quoten die Quoten sind und sich auch nicht verändern werden, weiß ich nicht, ob es genügend wirtschaftlichen Anreiz für Paramount gibt, sich auf ein Verlustgeschäft einzulassen, das über 22 oder 24 Episoden pro Staffel und über dieses Jahr hinausgeht. Damit will ich nicht gegen meine eigene Serie sprechen, ich hoffe, dass es weitergeht. Ich habe eine Hypothek abzuzahlen und ich mag es, jeden Morgen zur Arbeit zu gehen, in einem unsicheren Markt ist das eine großartige Sache. Aber als Geschäftsmann, der sich hoffentlich Dinge pragmatisch anschauen kann, kann ich verstehen, wenn Paramount sich dazu entscheidet, die Serie nicht mehr zu produzieren, das Franchise für ein paar Jahre auf Eis legt und es nach einer Auszeit mit einer neuen Crew und neuen Ideen zurückbringt."

Fankampagnen versuchen oft zu erreichen, dass eine Sendung nach Absetzung von einem anderen Network übernommen wird. Jedoch ist John nicht zuversichtlich, dass dies bei "Enterprise" der Fall sein könnte. "Natürlich könnte Paramount es theoretisch irgendwo anders zeigen, aber das Problem ist, dass es da beträchtliche laufende Kosten gibt. Die Serie kostet etwa 1,6 Millionen Dollar und ich denke nicht, dass man darunter produzieren kann. Auf 1,2 Millionen könnte man vielleicht kommen, aber das wäre noch immer zu teuer für den Sci Fi Channel. Die wollten nicht einmal 'Farscape' behalten, weil es ihnen zu teuer war, obwohl sie damit die höchsten Quoten erzielt haben. Daher kann ich mich zu diesem Thema nur am Kopf kratzen und fragen: 'Welcher Sender?' Ich weiß, dass darüber geredet wird, dass wir UPN verlassen könnten und die Serie an jemand anderen verkaufen. Aber ich habe keine Ahnung, an wen."

Teil 4

Im vierten und letzten Teil des TrekNation-Interviews mit John Billingsley, bekannt als Dr. Phlox aus "Star Trek: Enterprise", spricht der Schauspieler über die Quoten der Serie und mögliche daraus resultierende Entscheidungen seitens UPN.

"Ich denke, UPNs endgültige Entscheidung [über die Fortsetzung von 'Enterprise'] wird davon abhängen, wie sich die anderen neuen Shows schlagen und ob sie es sich leisten können, sich von 'Star Trek' wegzubewegen", meint Billingsley. "Wenn man hier erfolgreich ist, dann werden sie sich bei UPN anstrengen, darauf aufzubauen und es werden im nächsten Herbst noch mehr neue Shows auftauchen und Freitagabend wäre damit für uns weg. Ich glaube nicht, dass sie bereit sind, auf den Samstagabend zu setzen. Erst muss sich der Freitagabend etablieren. Ich bin jedoch Gott sei Dank kein Verantwortlicher beim Network!"

Hat "Enterprise" also eine Chance, seine Quoten zu verbessern, jetzt, wo die Serie im so genannten "Death Slot", dem Freitagabend, gespielt wird? "Nein", sagt John. "Meine Frage lautet: Können wir unser Publikum halten? Ich spreche nicht von den hohen Zahlen, die wir hier und da einmal hatten. Ich frage, können wir unseren Durchschnitt, den wir letztes Jahr festgelegt haben, halten? Wenn wir das schaffen und UPNs restliches Angebot nicht so toll ist und der Sender nicht in eine entsprechende Richtung schauen kann, dann könnte es passieren, dass sie sagen: 'Wisst ihr was, nehmen wir, was wir haben und lassen 'Enterprise' noch ein Jahr laufen. Etwas anderes haben wir leider nicht.' Fraglich ist jedoch, ob sie jemals wieder bereit sein werden, mehr als 800.000 Dollar für eine Episode zu bezahlen. Und damit stellt sich wieder die Frage, ob Paramount bereit ist, 20 Millionen an fixen Kosten zu schlucken, die nicht gekürzt werden können."

Der Sender UPN wurde oft kritisiert, er habe zu wenig Werbung für "Enterprise" gemacht. John ist jedoch der Meinung, dass es den Quoten ohnehin nichts gebracht hätte: "UPN wollte genau wie Paramount sehen, ob 'Enterprise' die Fanbasis vergrößern kann. Sie machten viel Werbung während der ersten drei oder vier Wochen der ersten Staffel. Als jedoch offensichtlich wurde, dass es nicht funktionierte, dass die so genannten Nicht-Fans, die aus Neugier in den ersten paar Wochen aufdrehten und uns tolle Quoten brachten, entschieden, dass es noch immer 'Star Trek' war, stellte UPN die Werbung ein. Die 'Star Trek'-Fans werden es sich ansehen. Die Nicht-Fans nicht. Daher glaube ich nicht, dass uns mehr Geld für Werbung bessere Quoten bringen würde."

"Ein Punkt, der sehr schade ist, ist, dass UPN die Serie an verschiedene regionale Sender weitergibt. Diese Sender zeigen dann manchmal lokale Sportereignisse oder Ähnliches anstatt unserer Serie. Das regt dann sogar die interessierte Fanbasis auf, die dann möglicherweise aufgibt, weil sie die Serie ohnehin nicht regelmäßig sehen kann. Ich denke, UPN könnte bessere Quoten einfahren, wenn sie ihre Vorgehensweise diesbezüglich ändern würden. Ich schätze aber, dass ihnen auch diese besseren Quoten nicht gut genug wären. Ich glaube nicht, dass Les Moonves, der praktisch sowohl UPN als auch Paramount übernommen hat, ein großer Fan unserer Sendung ist. Ich bin mir auch nicht sicher, dass er ein Fan des Franchise ist. Das spricht wiederum gegen eine Fortsetzung."

Trotzdem ist John keineswegs verärgert über derartige Entscheidungen. "Ich denke, dass jemand, der eine erfolgreiche Karriere macht, Emotionen aus dem Geschäft heraushalten und pragmatische Entscheidungen treffen muss. Ich würde niemals jemandem vorwerfen, eine derartige Entscheidung getroffen zu haben, die diese Serie einstellt, weil die Quoten zurückgegangen sind. Alles hat ein Ende. Das ist nun einmal so im Leben. Ich würde niemanden verachten, weil er sagt: 'Die Serie muss weg.' Ich würde mich glücklich fühlen, dass ich die Gelegenheit hatte, vier Jahre lang mitzumachen."

(sa - 15.08.08 - Quelle: TrekNation)

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