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Randolph Sutter (su), Alexandra Rimpler (re)03.02.11

"Wie schmecken Tribbles?"

John Billingsley im Interview

StarTrek.com traf John Billingsley zum Interview, in dem er Leserfragen beantwortete - unter anderem zum Finale der Serie und zu künftigen Auftritten von Phlox. Er antwortete sogar auf einige Fragen als Dr. Phlox selbst und verriet ein für allemal, wie Tribbles schmecken.

John Billingsleys Rolle als Dr. Phlox in "Star Trek: Enterprise" war für ihn etwas ganz Außergewöhnliches: Eine feste Rolle in einer Serie - und dann auch noch als einer der Guten. Und auch wenn "Enterprise" nach nur vier Seasons vorzeitig eingestellt wurde, hat er doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Star Trek"-Fans lieben Dr. Phlox immer noch - als Arzt so unbekümmert wie fähig - und sie erkennen seine Arbeit an dieser Figur immer noch an.

StarTrek.com: Als Sie für die Rolle des Dr. Phlox unterschrieben, haben Sie da wirklich erwartet, Dr. Phlox sieben Jahre lang zu spielen? Denn so lange liefen die vorhergehenden Serien.

Billingsley hatte sich auf sieben Jahre Phlox eingestellt.
John Billingsley: Ich denke, das habe ich wirklich. Ich erinnere mich, dass die Produzenten das Okay gegeben hatten. Ich glaube, es war [der ausführende Produzent] Rick [Berman], der sagte: "Richten Sie sich auf eine siebenjährige Reise ein." Ich wusste nicht so viel über "Star Trek". Ich hatte als Kind die Originalserie gesehen. Ich war mir bewusst, dass das Franchise ein Phänomen ist und dass es eine unglaublich große und loyale Fangemeinde gibt. Aber mein erster Gedanke war: "Ich bin kein hungernder Schauspieler mehr!" Es ging mir zwar einigermaßen gut, aber in einer Serie zu spielen, bringt dich einfach in eine andere Steuerklasse.

StarTrek.com: Haben Sie eine Lieblingsepisode, die keine Phlox-Episode ist? Eine, von der Sie einfach nur denken, dass es gutes "Star Trek" ist?

Billingsley: Ich denke, diejenige, in der wir Trip [Connor Trinneer] geklont haben ("Ebenbild"). Die halte ich aus vielen Gründen für die beste Episode. Jeder aus dem Ensemble war daran beteiligt und jeder war emotional daran beteiligt. In einigen Episoden, in allen Serien, müssen Schauspieler Informationen übermitteln oder sie werden herausgestrichen. Diese Episode ist in meinen Augen eine der besten unseres Ensembles, denn sie tat genau das, worin "Star Trek" am besten ist. Sie handelte von einer wichtigen Frage, die soziologische Bedeutung hat und sie tat es, indem sie humanistische Werte mit in die Schauspielerei einbrachte. Und ich musste mich um ein Baby kümmern.

StarTrek.com: Und welche war Ihre unliebsamste Folge von "Enterprise"?

Billingsley: Ich glaube, es war die Episode mit Padma Lakshmi ("Kostbare Fracht"). Es war nicht ihre Schuld, aber sie spielte eine außerirdische Prinzessin. Sie und Trip waren auf der Flucht vor jemandem, der sie verfolgte. Ich erinnere mich nicht mehr an alle Einzelheiten. Ich fand, dass es eine insgesamt unglückliche Folge war. Sie funktionierte einfach nicht. Aber das lag nicht an den Schauspielern, das möchte ich noch einmal wiederholen. Es passte einfach nicht. Und es war an einem heiklen Punkt in unserer zweiten Staffel. Wir hielten eine nicht besonders berauschende aber stabile Zahl an Zuschauern und nach der Folge stürzten die Quoten in den Keller und wir bekamen die Zuschauer nie wieder.

"Kostbare Fracht" ist für Billingsley die schlechteste "Enterprise"-Folge.
StarTrek.com: Welche Handlungen hätten Sie gern weitergeführt, bekamen aber nicht die Chance dazu?

Billingsley: Das behalte ich für mich, denn man hat als Schauspieler nie die Kontrolle darüber, außer man ist der Hauptdarsteller und einer der führenden Produzenten und hat damit in der Hand, wie die Geschichte sich entwickelt. Es ist fruchtlos, sich solche Fragen zu stellen, vor allem wenn man nur ein Nebendarsteller ist. Man hilft sich nicht damit, wenn man solche Phantasien hat.

Bob Picardo hat meiner Ansicht nach einen wunderbaren Job in "Voyager" gemacht, indem er nach Geschichten fragte und Handlungsideen einbrachte. Ich habe in den ersten Jahren so etwas auch manchmal gemacht, aber da ich keine Fortschritte bemerkte, hörte ich damit auf. Für mich hätte es etwas mit der denobulanischen Kultur zu tun gehabt. Ich hätte gern mehr über Phlox' Art herausgefunden und über seine Leute und woran sie glaubten. Jedes Mal wenn ich ein bisschen Information über Denobula erhielt, war es wundervoll. Es half mir, den Charakter zu formen. Jede Geschichte, die in dieser Welt gespielt hätte, wäre phantastisch gewesen.

StarTrek.com: Was passierte mit Dr. Phlox' Frauen?

Billingsley: Meine Idee war, dass Bonnie Friedericy (Billingsleys Frau im echten Leben, die eine Gastrolle als Rooney in der Episode "Regeneration" hatte) all meine Frauen spielen sollte und dass wir jedes Mal, wenn wir einen anderen männlichen Denobulaner gesehen haben, ich es hätte sein sollen. Dann wären alle auf Denobula entweder John Billingsley oder Bonita Friedericy gewesen.

StarTrek.com: Was von der Enterprise vermissen Sie am meisten?

Am meisten vermisst der Schauspieler seine damaligen Kollegen.
Billingsley: Die Leute. Es war eine sehr nette Gruppe von Leuten und ich vermisse es, mit ihnen zu arbeiten. Sieben Jahre schweißen zusammen wie eine Familie und vier Jahre tun das eben nicht so sehr. Trotzdem mögen wir einander und es ist immer eine Freude, die anderen auf Conventions zu treffen, aber ich denke, die Mitglieder der anderen Serien haben viel tiefere Bindungen zueinander aufgebaut ... Ich glaube, wir waren nicht lange genug zusammen, um dorthin zu gelangen. Das also ist es, was ich am meisten bedaure. Den Jungs auf Wiedersehen sagen zu müssen, die ich wirklich kennen und mögen lernen wollte.

StarTrek.com: War es nötig, Dr. Phlox so unglaublich breit grinsen zu lassen, vor allem weil Sie es nur drei oder vier Mal während der gesamten Laufzeit tun durften?

Billingsley: (lacht) War es nötig? Ich weiß es nicht. Ich denke, die Idee war, es zu seinem Markenzeichen zu machen. Und dann merkten sie, dass es sich ziemlich schnell abnutzen könnte. Außerdem mussten, als das Budget in der zweiten Staffel gekürzt wurde, die digitalen Effekte vermindert werden und das war einer davon. Ich weiß nicht, was es gekostet hat, aber jedes Mal wenn man einen digitalen Effekt hatte, gab es ein kleines Kassenklingeln und ich denke, dass sie beschlossen haben, dass der Bumms das Klingeln nicht wert war. Ich fand die Idee gut, dass ich mich in der vierten Staffel wie ein Kugelfisch aufblies. Es war einer meiner Lieblingsmomente.

StarTrek.com: Ein Fan nannte Dr. Phlox positiv, reizend, friedvoll, freundlich und so weiter. Und dann fragt er, wie viel davon Sie selbst waren. Wie viel davon war die geschriebene Rolle und wie viel davon bauten die Autoren auf das auf, was sie in Ihrem Spiel sahen und/oder umgekehrt?

Billingsley: Ich vermute, es war eine Mischung aus allem. Wenn die Autoren dich kennenlernen, schreiben sie deinen Stärken entgegen. Ich fand es zuerst nicht gut, dass der Doktor hauptsächlich komisch sein sollte. Ich war froh, als sie ihn mit so viel Ernsthaftigkeit ausstatteten, dass er als Arzt ernstgenommen werden konnte, aber ich glaube, die Idee war, dass er immer ein Optimist sein sollte und als Schauspieler spielt man die Rolle so, wie sie geschrieben wurde. Dr. Phlox ist vielleicht meine Lieblingsrolle, weil ich schon so viele Psychopathen, Soziopaten und Serienmörder und verwirrte Seelen gespielt habe. Drogenabhängige und Irre. Es war die Chance, vier Jahre lang euphorisch und entzückend zu sein. Die Gelegenheit, ein solcher Kerl zu sein, habe ich selten.

Rückkehr als Phlox nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich
StarTrek.com: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Dr. Phlox wieder in irgendeinem "Star Trek"-Projekt zu spielen, wären Sie bereit dazu?

Billingsley: Ich wäre sehr erfreut, aber würde dafür jemals die Möglichkeit bestehen? Ich verwette mein Haus, das wird nicht passieren, aber wenn, sicher, ich würde mitmachen wollen. Ich habe es sehr genossen, Phlox zu spielen.

StarTrek.com: Das "Enterprise"-Finale war sehr kontrovers, weil es die ganze Serie in eine TNG-Holodeck-Sequenz gepackt hat. Was denken Sie darüber?

Billingsley: Unter den Fans gab es offensichtlich gemischte Gefühle über das Vermächtnis von Rick Berman und Brannon Braga, aber sie waren weitgehend verantwortlich, das Franchise durch viele, viele Jahre von Fernsehserien, das Leute geliebt und weiter angeschaut haben, zu leiten. Deswegen verdienen sehr viel Anerkennung. Ich denke, für die beiden hatte die Vorstellung, "Star Trek" Tschüss sagen zu müssen, ein extrem emotionales Gewicht. Aus diesem Grund mussten sie, und ich kann das verstehen, die letzte Episode von "Enterprise" schreiben.

Die letzte Staffel trug so sehr Manny Cotos Handschrift, dass ich denke, die Fans fühlten eine fast spirituelle Trennung zwischen dem Wesen der Drehbücher der vierten Staffel und dem letzten Drehbuch. Es war, als ob plötzlich jemand aus einem anderen Kosmos hereingeschneit wäre und das Finale geschrieben hätte, so dass die Geschichte der Enterprise von der Rahmenhandlung verschlungen worden ist. Ich glaube, die Leute haben sich einfach an Mannys Stimme gewöhnt. Das habe ich in der letzten Episode vermisst. Offen gesagt, es hätte ein Zweiteiler sein sollen. Unsere Geschichte hätte zu Ende gebracht werden sollen.

Anders ausgedrückt, ich habe gemischte Gefühle. Mein Problem mit der letzen Folge ist, dass durch das Vorwärtsspringen die dritte und vierte Staffel an Gewicht verloren hat. Es hatte den Anschein, dass die dritte und vierte Staffel ausgelassen worden sind, was sicher nicht die Absicht war, aber das war etwas, das mich gestört hat.

"Gemischte Gefühle" beim Finale der Serie
StarTrek.com: Okay, manche Leute hatten Spaßfragen, und andere hatten Fragen für Dr. Phlox. Sind Sie bereit?

Billingsley: Ich bin so bereit, wie ich nur sein kann.

StarTrek.com: Wie schmecken Tribbles?

Billingsley: Wie Hühnchen.

StarTrek.com: Wie viele Frauen hat Dr. Phlox jetzt?

Billingsley: Drei. Uns werden drei zugeteilt.

StarTrek.com: Gibt es ein Heilmittel für die Orionische Geschlechtskrankheit?

Billingsley: Bananen.

StarTrek.com: Dr. Phlox, wussten Sie, dass Ihre Stirn wie ein faltiger Arsch aussieht?

Billingsley: Ja, das wusste ich, aber das sind gefährliche Worte auf Denobula, Baby!

StarTrek.com: Sind die Denobulaner mit den Cardassianern verwandt?

Billingsley: Ich weiß nicht. Jetzt spricht John wieder. Das wurde nie diskutiert. Was ich gerne wissen würde, ist: Was ist mit den Denobulanern passiert? Es gibt augenscheinlich keine Denobulaner in der Zukunft. Ich glaube, wir sind eine Inzucht-Spezies, und wir sind wahrscheinlich den Weg gegangen, den die meisten Inzuchtgesellschaften gegangen sind.

StarTrek.com: Die letzten zwei Fragen sind an Sie, nicht an Dr. Phlox, gerichtet. Die erste: Woran arbeiten Sie gerade?

Billingsley: Ich habe gerade eine Episode von "Leverage" oben in Portland beendet. Ich habe mit einem wundervollen Regisseur namens Arvin Brown gearbeitet, der der künstlerische Direktor des Long Wharf Theater in Connecticut war. Ich habe schon mehr mit ihm gemacht. Er ist ein wahnsinnig netter Kerl. Ein tolles Ensemble. Lustige Episode. Sie heißt "The Rashomon Job". Und dann habe ich bald darauf angefangen, in einer Episode von "Outlaw" mitzuarbeiten, welche eine neue Jimmy-Smits-Serie ist. Ich spiele einen verschrobenen Richter mit einer schlechten Frisur. So wird man ein älterer Herr in Hollywood. Anstatt der feurige Staatsanwalt zu sein, ist man jetzt der barsche Richter.

Billingsleys aktuelle Projekte: "Leverage", "Outlaw" und zwei Indie-Filme
Und ich habe einige Indie-Filme gedreht, von denen einer "Sironia" heißt. Das ist ein wirklich liebenswürdiger Film, und ich hoffe, er wird das Tageslicht erblicken. Es geht um einen unzufriedenen Folksänger, gespielt von Wes Cunningham, der selber ein Folksänger ist, der sich aus L.A. rettet und versucht, sich mit seiner jungen, schwangeren Frau in Sironia, Texas niederzulassen. Und es geht um seine schwierige Zeit, sich an einen weniger schnellen Lifestyle zu gewöhnen. Ich spiele einen Obdachlosen, der gerettet wird und Schnellkoch in einem Restaurant wird, das unser Held führt. Die Geschichte basiert sehr locker auf Wes' Leben. Das ist sein erster Job als Schauspieler, und ich glaube, er hat das toll gemacht. Tony Hale spielt noch mit und Amy Acker aus "Angel".

Der andere Film heißt "Losing Control". Das Ensemble ist unbekannt, aber es hat ein charmantes Drehbuch über eine Frau [Miranda Kent], die eine Wissenschaftlerin ist, die versucht, die Regeln der Wissenschaft auf ihr Liebesleben anzuwenden. Sie möchte beweisen, dass der Typ, mit dem sie sich trifft, der Richtige ist. Es ist eine romantische Komödie, und ich spiele den Bösewicht.

StarTrek.com: In Ihrer bisherigen Karriere, welches sind Ihre Lieblingsrollen neben Phlox?

Billingsley: Ich hatte eine lange Bühnenkarriere und möglicherweise das Beste, was ich jemals gemacht habe, oder das, was mir am meisten Spaß gemacht hat, war die Arbeit an Tschechow, besonders eine Produktion von "Die Möwe", die ich mit einer Frau namens Robin Smith gemacht habe. Sie war Lehrerin und meine Kollegin an einer Schule, wo ich gearbeitet habe, und sie war Regisseurin dieser Produktion. Es war eine wundervolle Gelegenheit für mich. Ich spielte Treplyov, der ein junger Möchtegern-Dichter mit Mutterkomplex ist und im Zentrum von "Die Möwe" steht.

Am anderen Ende des Spektrums liebte ich meine Episoden von "Cold Case". Ich spielte einen schrecklichen psychotischen Killer für einige Folgen. Und ich liebte es, mit Denzel Washington an "Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit" zu arbeiten. Carl Franklin, mit dem ich einen anderen Film gemacht habe, war sehr offen dafür, mich ein wenig improvisieren zu lassen, was sehr nett war, weil es eine Komödie war. Und Denzel, wenn die Kameras liefen, war sehr offen, darauf einzugehen. So, das sind die Produktionen, welche mir gerade in den Sinn kommen.

Diese Interviewübersetzung ist vorab in unseren Newslettern "TrekZone Weekend" und "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die Internet-Magazine noch nicht abonniert haben, können Sie sie hier kostenlos bestellen.

(su, re - 03.02.11 - Quelle: StarTrek.com)

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