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Marcus Erbar (me), Marvin Luchs (ml)22.09.02

Keine Kopie der Classic-Serie

Scott Bakula schaut zweiter "Enterprise"-Staffel entgegen

Steve Krutzler vom amerikanischen TrekWeb hatte die Gelegenheit mit "Enterprise"-Star Scott Bakula über seine Gedanken zu Archer und die Zukunft von "Enterprise" zu reden.

Mit der Veröffentlichung des außergewöhnlichen Namens der fünften "Star Trek"-Serie Anfang 2001 durch die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga schien es mit einem Mal ein ganzes Stück einfacher zu sein, "Star Trek" neues Leben einzuhauchen und den etwas tiefer wehenden Banner des Franchises mit dem neuen Titel in das 22. Jahrhundert zu führen. Eine weitere "Star Trek"-Serie nach drei untereinander konkurrierenden Serien und Kinofilmen auf den Markt zu bringen, war bestenfalls bedenklich, aber eigentlich schon fast tollkühn. Und jemanden zu finden, der in die Schuhe eines erdnäheren "Star Trek"-Helden passte, bedeutete nicht nur, dass man jemanden finden musste, der in die Rolle passt, sondern schon jemanden, der sich auch noch von seinen Vorgängern abhebt.

Scott Bakula: "Keine Garantie auf sieben Jahre."
Mit Scott Bakula haben die Macher beides gefunden. Einen populären Schauspieler, der vier Jahre lang Sam Beckett in "Zurück in die Vergangenheit" ("Quantum Leap") verkörperte und dafür vier Emmy-Nominierungen sowie einen Golden Globe als herausragender Darsteller bekam und sich damit als Fernseh-Star etablierte. Dadurch wurde seine Verbindung zu dem, was "Enterprise" einmal werden sollte, zu einer sehr wichtigen Komponente bei der Überzeugung der Zuschauer, dass "Star Trek" noch immer seine Kraft hat.

Bakula wurde letzten Herbst, als die Serie ihre Premiere feierte, nicht nur der erste Captain des ersten Raumschiffs Enterprise, sondern auch der Erste, der sich auf den Sessel in der Mitte setzen durfte und bereits eine eigene Fangemeinde und eine Science-Fiction-Karriere besaß. Seine Leistung als der liebenswerte, aber nicht gerade unerschütterliche Captain Jonathan Archer brachte ihm in der ersten Staffel bereits eine Saturn-Award-Nominierung und die von Lesern gewählte Ernennung als bester Schauspieler in einer neuen Serie ein. Zwar waren die Kritiken für "Enterprise" gemischt, aber für UPN, welche wieder einmal mit einer neuen Führung in die zweite Staffel gehen, hat es sich bereits jetzt gelohnt. Die Entertainment-Journale "Variety" und "Hollywood Reporter" nannten die Serie einen absoluten Hit und die Star-Power des freundlichen Schauspielers hat ohne Zweifel zum Erfolg beigetragen.

Diese Woche saß Scott mit TrekWeb und weiteren Science-Fiction-Journalisten in den Paramount Studios und gab uns einen Eindruck von der Aussicht vom Sessel des Captains. Und es dauert nicht lange, bis man merkt, dass er eine ziemlich gute Aussicht hat.

"Wir wurden von der Presse und den Fans so nett empfangen und ich habe mich unheimlich gefreut", meint der Darsteller mit strahlendem Enthusiasmus. "Es war ein großes Fragezeichen: Kamen wir zu früh zurück? Eine Menge Leute waren der Meinung, dass wir ein Jahr hätten warten sollten, um etwas Abstand von 'Voyager' zu bekommen. Man geht also in das Jahr und denkt darüber nach, ob diese Leute Recht haben oder nicht."

Bakula meint weiter, dass die seit langem bestehende Sieben-Jahre-Garantie, die über bisher alle "Star Trek"-Spin-offs hängt, alles sei, nur keine Sache der Sorglosigkeit. In Wirklichkeit hat der Schauspieler für dieses Jahr der Serie seine eigenen beeindruckenden Erwartungen. "Ich kann eigentlich nicht sagen, dass diese garantierten sieben Jahre in meinem Kopf sind, das scheint mir nicht richtig zu sein", sagt er ehrlich. "Ich denke, das ist auch gut so. Alle denken, dass wir weiterhin gute Stunden produzieren müssen. Man möchte, dass die Leute einem zusehen. Ich möchte, dass unsere Zuschauerschaft das kommende Jahr an uns festhält, und wenn sie es nicht tun, wenn wir schlechter werden, wird es auch für mich persönlich ein enttäuschendes Jahr sein. Ich finde, die Serie hat viel zu erzählen und ich denke, dass da eine gute Arbeit gemacht wird, sie ist stilvoll und einfach gut gemacht. Wir müssen die Leute so von uns überzeugen, dass sie uns nicht verpassen wollen. Wir machen auf uns aufmerksam und wir ruhen uns ganz sicher nicht aus."

Die Pause am Wochenende ist für ihn und seine vier Kinder absolut wichtig und das ist nur ein Grund, warum der Schauspieler der bisher einzige Darsteller der "Enterprise"-Besetzung ist, der seit dem Start der Serie noch keinen Convention-Auftritt hatte. Neben seinem Familienleben, Ausflügen für die Presseabteilung des Networks und Teilnahmen an Spendenaktionen wie die St.-Louis-Bühnenproduktionen "I Do, I Do!" in diesem Sommer sind Auftritte auf Conventions weiter unten auf der Prioritätenliste. "Der Kontakt, den ich bisher mit den Fans hatte, war beeindruckend. Vom Sozialhilfe-Empfänger - dem Taxi-Fahrer vor ein paar Tagen auf der Straße, der auf seine Hupe drückte, ich sah zu ihm rüber, er salutierte und fuhr weiter - bis zum Pilot, der das Flugzeug betritt und zu mir sagt: 'Sie sind mein Lieblingscaptain!' Und man will eigentlich selbst sagen: 'Moment, Sie sind der Captain hier!' Ich hatte bisher noch keine tief gehenden Gespräche mit Fans, aber ich habe Freunde, die mir berichten, was ihre Freunde meinen: 'Wir hassen den Hund, wir wollen sehen, wie du ein paar Leute zusammenschlägst, wir wollen sehen, wie du die Vulkanier verprügelst!' Die Leute müssen immer zu allem ihre Meinung abgeben und so bekomme ich, obwohl ich nicht viel unterwegs war, eine Menge Feedback."

Das Bedürfnis, die Arbeit vom Privatleben zu trennen, bedeutet nicht, dass er sich schon hundertprozentig auf Captain Archer eingestellt hat. "Ich glaube nicht, dass ich mich schon vollständig an den Charakter gewöhnt habe", antwortet er. "Ich denke, man fühlt sich erst so, wenn man ein Drehbuch bekommt, und man meint, 'Das haben wir schon einmal gehabt.' und 'Ich möchte etwas anderes machen.'. Oder man ruft sie an und fragt: 'Fällt dir nicht etwas anderes für mich ein?' Es gibt so viele Verflechtungen, Eigenarten und Gebiete, die wir noch immer erforschen und zu denen ich bisher noch keine Antworten habe."

Commander Tucker und Captain Archer in "Durch die Wüste"
Captain Archer hat am Ende der letzten Staffel mit Episoden wie "Lautloser Feind", "Durch die Wüste", "Lieber Doktor" und "Die Schockwelle" einen Handlungsbogen begonnen, der die Komplexität der interstellaren Raumfahrt erforscht. Die Frage nach Schuld und Unschuld war auch ein wiederkehrendes Thema der ersten Staffel, aber Bakula meint, die Autoren hätten eine gute Balance gefunden. "Ich mochte es, dass er Schuldgefühle hatte und kein unbekümmerter Forscher war", erzählt er. "Ich mochte die Folge mit John [Billingsley], in der wir diskutierten, was wir mit einer sterbenden Spezies tun sollten, und die, die danach kam. Ich denke, das sind großartige Themen. Wenn es eine reale Situation wäre und man die Bürde hätte, als Mensch die Menschlichkeit in das Universum zu bringen - dann haben Brannon [Braga] und Rick [Berman] das richtige Gefühl dafür, dass der Typ nicht in der Lage wäre, morgens aus dem Bett zu kommen", meint er humorvoll. "Er wäre so 'Redet mit keinem, geht einfach nur weiter, bis es Zeit ist, nach Hause zu gehen', weil überall, wo wir hingehen, würden wir in der Wirklichkeit zu viel riskieren. Wenn ich diese Seite zeige, dann wird es wirklich ein guter Charakter - so belastet, dass man nichts mehr sieht, außer dieser Düsternis und seiner belasteten Seele. Ich finde es gut, dass es dieses Gefühl für Verantwortung gibt und ich denke, das zeigt die wirkliche Nachricht von 'Star Trek'."

Der Darsteller von Captain Archer gibt offen zu, dass gewisse Erwartungen der "Enterprise"-Rezeptur nicht so verwirklicht wurden, wie es letztes Jahr noch beabsichtigt war, und bezieht sich damit unter anderem auf die ursprüngliche Idee, die Originalserie zu kopieren, die sich dann jedoch in etwas Besseres verwandelt hat. "Was mich und auch alle anderen überrascht hat, war die Idee, mich als den 'neuen Kirk' darzustellen", meint er rückblickend. "Ich war der neue Captain da draußen, der eine schöne Zeit hat, sich an den Ladys erfreut und so weiter. Ich denke, sie wollten - so haben sie es mir zumindest in dem Konferenzraum verkauft - diese Freundschaft zwischen Kirk, Spock und Pille, diese Kameradschaft und Sorglosigkeit dieser drei Typen wieder haben ... das ist nie wirklich passiert."

"Wir hatten einige kleine romantische Ideen, aber nicht so was, wie die 'Jungs' es 'damals' hatten. Ich denke, die Überraschung war, dass es eine andere Art von Energie ist, wenn man doch eine Frau - und noch dazu eine Vulkanierin - in das Trio packt. Es macht die Serie nicht so vorhersehbar, wie sie es mit drei Kerlen wäre. Ich denke, so ist das bei uns herausgekommen und es hat die ganze Sache sicher ein wenig holpriger gemacht. Aber wenn man den Luxus hat, in einer Serie zu sein, die, theoretisch zumindest, für eine Weile laufen wird, dann sind all diese kleinen Stolpersteine ganz gut!"

Ein Element, das sich nicht als Stolperstein herausgestellt hat, ist der komplizierte Handlungsbogen um die Zeitreisen mit den Suliban. Durch die Erfahrung mit seiner früheren Serie "Quantum Leap" war Bakula auf den Cliffhanger der letzten Staffel, "Die Schockwelle", in der er im 31. Jahrhundert landet, gut vorbereitet. "In den frühen Tagen von 'Quantum' bekam ich ein Buch und einen verärgerten Brief von einem Fan, der meinte: 'Wie könnt ihr es wagen, ihr brecht alle Regeln des Zeitreisens. Bitte lies dieses Buch und du wirst verstehen, dass du gegen das Zeitraumkontinuum verstößt...'", erinnert sich der Schauspieler erfreut. "Ich bin mit 'The Next Generation' und 'Voyager' und dem ganzen Kram nicht wirklich vertraut, ich weiß also nicht, wie man bisher in der Zeit gereist ist. Ich finde es jedenfalls großartig. Immer, wenn wir über Zeitreisen reden, muss ich diesen 'Oh wow'-Modus abschalten und mich daran erinnern, wo und wann ich bin, und zwar 150 Jahre in der Zukunft. Die Idee, dass es in 150 Jahren Zeitreisen gibt..."

Zum Glück haben die Erklärungen der Details dieser paradoxen Handlung längst nicht so viel zungenbrechenden Technobabble erfordert, wie bei Bakulas Vorgängern - beziehungsweise Nachfolgern. Trotz der Komplexität dieses durcheinanderbringenden Themas hofft er, dass die Staffelpremiere am nächsten Mittwoch gut ankommt. "Ich habe keine Ahnung, wo all das hinführt, aber mich zurückzubringen, ist sicher ziemlich verzwickt und kompliziert. Ich hoffe, dass es trotzdem für jeden Sinn macht", meint er. "Man hat all diese Tricks, um etwas zu versuchen oder sich einzuprägen, aber für so was hat man einfach kein Verständnis. Ich hatte nur einmal eine Episode, wo ich eine Dialogseite hatte und meinte: 'Das ist alles totaler Quatsch.' Die meiste Zeit sprachen wir mit Wörtern und Sätzen, die man verstand und für die man ein Gefühl hatte, und man wusste, worüber man sprach. Ich denke, wenn wir plötzlich anfangen würden, dieses ganze Technobabble herunterzurasseln, würde das nicht zu uns, nicht zu unserem Schiff, nicht zu unserer Arbeit passen. Wir machen unsere Hände auch schmutzig, nehmen Dinge auseinander und versuchen, sie so zu verstehen. Ich denke, sie haben es ganz passend gemacht."

"Enterprise" kommt in der zweiten Staffel mit einer Fülle von Überraschungen, mit neuen interessanten Charakterelementen daher, die offen für die Erforschung sind, bei denen Bakula selbst auch dem Autorenteam seine Gedanken mitgeteilt hat. "Einige der Episoden im zweiten Jahr sind aus Gedanken hervorgegangen, die ich am Ende der letzten Staffel hatte", erzählt er uns. "Ich sagte zu ihnen 'Wisst ihr, da gibt es diese Beziehung, die wir aus diesem und jenen Grund noch erforschen könnten.' und daraus wurde dann eine Folge. Ich meinte zu ihnen, dass es da etwas auf unserem Schiff gibt, was wir seit dem Pilotfilm nie wieder benutzt haben und daraus wurde wieder eine große Story. Ich hatte auch fast eine ganze Episode mit Dominic [Keating in 'Das Minenfeld'], was wir letztes Jahr nie wirklich hatten. Ich hatte auch viel mehr mit Jolene [Blalock] zu tun - wir lernen uns also alle viel besser kennen, vor und auch hinter der Kamera. Es gibt außerdem eine großartige Episode mit Jolene, in der wir erfahren, dass der erste Kontakt [mit den Vulkaniern] nicht dann war, wann wir bisher dachten ['Carbon Creek']."

Die Beziehung zwischen Archer und Phlox wird vertieft
Eine weitere Freundschaft, die in diesem Jahr weiter vertieft wird, ist die zwischen Bakulas Captain Archer und Billingsleys einzigartigem denobulanischen Doktor Phlox. Aber der Schauspieler wollte uns nichts über diese interessante Konstellation verraten. "Wir haben eine große Episode produziert, die in gewisser Weise nur von meinem Hund handelt. Er ist der Hintergrund einer ganzen Episode. Er wird krank und muss eine ganze Folge auf der Krankenstation bei Doktor Phlox verbringen und ich bin total fertig. Die Folge heißt 'Eine Nacht Krankenstation', eine Nacht mit Doktor Phlox - mehr verrate ich nicht. Wir erfahren eine Menge über ihn, was wir vielleicht gar nicht alles wissen wollten; zum Beispiel, was er in seinem Privatleben macht ... er hat etwas, was er schneiden und trimmen muss!"

Viel von der Arbeit an "Star Trek" beinhaltet heutzutage umfassende Sequenzen, die später mit visuellen Effekten nachbearbeitet werden. Bakula ist kein Neuling bei der Arbeit mit Effekten, aber er meint auch, dass die Technologie einen Quantensprung [engl. "Quantum Leap"] seit, na ja, Sie wissen schon, gemacht hat. Die dritte Folge der zweiten Staffel, "Das Minenfeld", zeigt mehrere beeindruckende Szenen, bei denen es erforderlich war, mehrere Sequenzen komplett vor dem Greenscreen zu drehen. "Viel von der Arbeit, die ich in den späten 80ern und frühen 90ern gemacht habe, war längst nicht so komplex und aufregend wie das, was wir heute machen", erzählt er erstaunt. "Und heute muss man nur in einen Raum gehen, in dem der Fußboden grün ist, und die Wände grün sind, ein wenig herumgehen, sich umdrehen und einige Zeilen sagen, und schon ist man überall, wo man gerne sein möchte. Wir sind wortwörtlich auf der Schiffshülle. Es ist eine großartige Folge in Raumanzügen und in einem Minenfeld - so was wurde bisher noch nie gemacht."

"Dominic und ich sind schließlich draußen im Weltall und drehen alles vor einem Green Screen - es ist gewaltig. Wir gehen nach draußen auf die Hülle und hinter uns sieht man die Warpgondeln, und es sind einfach Dinge, die visuell bisher nie gemacht wurden. Es gibt da einen Moment, in dem sich hinter Dominic ein Schiff enttarnt. Es ist einfach beeindruckend."

Zu den Berichten über das Auftauchen der Romulaner in der zweiten Staffel verrät Bakula: "Habe ich einen Romulaner getroffen? Nein, aber wir sind ihnen doch irgendwie über den Weg gelaufen. Ihre Namen werden in einigen Episoden auftauchen und wir werden ihnen auch begegnen, sie aber nicht zu Gesicht bekommen."

Nach dem Aufeinandertreffen in "Das Minenfeld" trifft die Enterprise auf eine "Todesstation", um danach eine Kolonie gegen "Marodeure" zu verteidigen. "Wir müssen das Schiff reparieren und gelangen an eine automatische Reparaturstation", sagt Scott Bakula über die fünfte Episode der zweiten "Enterprise"-Staffel, die vor "Eine Nacht Krankenstation" laufen wird. "Niemand ist dort und es ist eine ziemlich interessante Folge. Wir haben gerade eine Episode beendet, in der wir landen, um etwas Deuterium aufzunehmen und finden heraus, dass die Bewohner des Planeten praktisch von den Klingonen gefangen gehalten werden, die sich alles von ihnen nehmen, was sie brauchen."

In der Episode wurden die bisher längsten Außenaufnahmen der Serie gemacht. Es wurde eine ganze Kolonie in der kalifornischen Wüste nachgebaut. "Es ist das größte Set, das sie je gebaut haben; die Dreharbeiten haben wir gerade abgeschlossen. Wenn man das Set draußen in der Wüste sieht..." - sein Ton wird ganz ehrfürchtig. "Wir waren vor wenigen Wochen fünf Tage da draußen und die Leute meinten nur: 'Oh, ich kann gar nicht abwarten, wieder zurück im Studio zu sein.' Wir waren noch nie solange draußen. Man schaut sich um und sagt: 'Wir sind so verwöhnt!' Wir waren nicht vor neun Uhr am Samstagmorgen mit der Arbeit des Freitags fertig - ich glaube, ich kam um zwei Uhr früh nach Hause, was ungewöhnlich spät für uns ist. Ich glaube, wir fühlen uns alle unheimlich glücklich."

Trotz der beeindruckendsten Special Effects und eines der teuersten Produktionsdesigns im US-Fernsehen legt Bakula Wert auf das, was er am interessantesten und so einzigartig an der Serie findet - seine Wurzeln, die aus so etwas wie "kosmischer Naivität" bestehen. "Wir sind uns alle einig darin, das Gefühl des Neuen und der Aufregung innerhalb der Crew so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Nichts ist einfach, und nichts läuft gut. 'Bitte lasst uns den Transporter eine Weile noch nicht reparieren', sagte ich, da ich die Shuttles liebe. So schmerzhaft und herausfordernd es auch ist, in ihnen zu drehen, so hat es doch seine eigene Atmosphäre und hält uns von den einfachen Dingen wie 'rein- und rausbeamen' fern."

Er meint auch, dass kleine Dinge wie die Raumanzüge genau den Kern dessen treffen, was die Serie erreichen will. "Einfach, weil es so primitiv aussieht, passt es so perfekt zu 'Enterprise' und keinem anderen Teil des Franchises. Wir können sie wirklich mit unseren Jungs auf dem Mond in Verbindung bringen und sie sind nicht einmal so weit davon entfernt. In gewisser Weise bin ich dafür verantwortlich, dass sie wieder in der Serie auftauchen, zum Teil auch, weil den Fans die Episode auf dem Kometen gefallen hat - genau das ist 'Enterprise' für mich, weil es eine Freude für uns alle ist, und eine Verbindung zu den Kids auf der Erde herzustellen versucht. Dies mag sich mondän im Vergleich zu anderen Trek-Standards anhören, aber ich glaube, es spricht klar dafür, was diese Serie ausmacht."

Unpraktische Raumanzüge bleiben Bestandteil der Serie
Wenig überraschend sind seine Lieblingsepisoden der ersten Staffel Charakterstücke wie "Allein", die, wie er sagt, nicht immer in die üblichen Erwartungen einer TV-Show passen. "Wir hatten 'Allein', mit diesen beiden Typen, die zusammensitzen und sich darüber unterhalten, wer sie sind und wo sie herkamen. Ich liebe diese Art von Episoden. Die Folge mit Doktor Phlox und mir ['Eine Nacht Krankenstation'] ist 'Allein' sehr ähnlich. Der Stil, wie man einstündiges Fernsehen macht - wiederum ist dies Teil davon, was das Studio, das Network und Rick Berman wollen - sie wollen einen gewissen Actionanteil, sie wollen einen gewissen Teil an anderen Elementen und eine Vielzahl von Storys, nicht immer die Charaktergeschichten. Natürlich ging 'Voyager' mehr in Richtung denkender Köpfe, und ich denke, wir sind, im wörtlichen Sinne, mehr 'dort draußen'."

Diese Idee eines praktischeren, auf Pionierarbeit setzenden Geistes verkörpert seine Darstellung des Jonathan Archer. Scott identifiziert den Captain als einen wahren Entdecker, eine Rolle, die er in der heutigen Gesellschaft vermisst. "Was ich an diesem Typ mag, ist weiterhin seine treibende Motivation, dass er Neues entdecken muss. Ich glaube nicht, dass wir so etwas in unserer Gesellschaft noch haben, die 'großen Entdecker'. Vermutlich sind die Wissenschaftler das beste Beispiel, die Jungs, die Seuchen, die Seele und den Körper erforschen. Aber was große Entdecker angeht, solche, die barfuß zum Südpol gehen (zittert) ... davon gibt es nicht allzu viele. Ich identifiziere mich wirklich mit diesem Entdeckergeist und mag die Vorstellung, eine Welt zu entdecken, in der es keine Regeln gibt. Manchmal klären uns die Vulkanier über gewisse Regeln auf, aber sie sind die Einzigen, die uns an irgendwelche Standards dort draußen binden. Ich mag es also, jede Situation auszukosten und untereinander zu diskutieren, was zu tun ist."

Wie wir in der ersten Staffel erfahren haben, sind die Vulkanier nicht besonders erfreut über die Einstellung der Menschen. Die veränderte Darstellung der legendären "Star Trek"-Aliens hat sich zu einem der am kontroversesten Themen unter den Fans entwickelt. Jolene Blalocks Charakter, T'Pol, war das wichtigste Vehikel für die neu gefundene Spannung, und wir werden dieses Jahr mehr davon in "Der Siebente" sehen, in dem ein Darsteller mit mehr als einer Verbindung zu Trek mitspielt - in "X-Men" ist er als Gegenspieler von Patrick Stewart zu sehen; einen Gastauftritt hatte er in der "Voyager"-Episode "Das Erinnern" ("Remember") im Jahr 1996. "Ich meine, es wurde toll gemacht, dass man uns alle hat raten lassen, wer die Vulkanier wirklich sind, und man sie von diesem Image der 'guten Seelen des Universums' und der Hüter des Guten befreit und dies geändert hat", sagt Bakula. "Wir haben vor kurzem eine Episode gedreht, in der Bruce Davison einer der Gaststars ist. Wir finden heraus, dass T'Pol eine Karriere vor dem Wissenschaftsdirektorat hatte."

Obwohl traditionelle "Star Trek"-Allegorien nicht allzu häufig in "Enterprise" aufgetaucht sind, enthüllt Bakula, dass mindestens eine kommende Episode noch mehr Interventionen beinhaltet - die Grundlage jeder klassischen Story um die oberste Direktive. "Wir mischen uns in eine fremde Kultur ein, da wir versehentlich etwas zurücklassen. Wir müssen später dorthin zurück, um es zu bergen", sagt er und merkt gleichzeitig an, dass keine Anspielungen auf unsere Zeit in der letzten Staffel zu nah an die Grenze zur Realität kamen. "Ich war nervös wegen 'Durch die Wüste', weil wir dort dieses fundamentale 'Richtig' und 'Falsch' hatten. Diese Leute wollen, dass wir gegen die Menschen in der Stadt kämpfen, die wir aber gar nicht wirklich kennen - die in der Wüste könnten ja auch die Bösen sein... Aber das Internierungslager der Suliban [in 'In sicherem Gewahrsam'] war großartig. Es fühlte sich richtig an, über die Internierungslager während des Zweiten Weltkrieges hier in den Vereinigten Staaten zu sprechen."

"Sie haben bisher nicht allzu viel über Archers Zukunft enthüllt, und das finde ich okay, es lässt mehr Raum für die Dinge, die da noch kommen werden", meint Bakula gegen Ende des Interviews. "Ich vertraue auf Rick und Brannon, auf deren Überblick über das ganze Franchise. Ich mache einfach jede neue Erfahrung mit. Es ist etwas Erfrischendes an dem, was wir machen. Es ist kein Drama über einen Rechtsgehilfen in Downtown L.A. oder so was. Dass wir unseren Lebensunterhalt auf diese Weise verdienen, ist ein Vergnügen, Punkt!"

(me, ml - 02.12.08 - Quelle: TrekWeb.com)

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