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Peter Tigmann (pt)08.11.09

Vom Fensterputzer zum Vulkanier

Ben Cross über seine Karriere und seine neue Heimat

Im Gespräch mit dem bulgarischen "Standart"-Reporter Krum Blagov in Sofia und seiner offiziellen Website erklärt Ben Cross, der erfahrene Darsteller von Spocks Vater im neuen Trek-Kinofilm, wie ihn das Leben in seiner neuen Heimat Bulgarien verändert hat, was für ihn die bewundernswertesten Eigenschaften eines Menschen sind - und wie er die "Star Trek"-Premiere erlebt hat.

Ben Cross wurde am 16. Dezember 1947 in London geboren. In Schulaufführungen, in denen er unter anderem Jesus spielte, entdeckte er schon früh sein Interesse für die Schauspielerei. Mit 15 Jahren verließ er sein Elternhaus und die Schule und hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, unter anderem als Fensterputzer. Nachdem er es zum Materialverantwortlichen des Alexandra Theatre in Birmingham gebracht hatte, nahm ihn mit 22 Jahren schließlich die Royal Academy of Dramatic Arts (RADA) in London auf. Nach zahlreichen Bühnenstücken, auch bei der Royal Shakespeare Company, war er 1976 zum ersten Mal in einer größeren Rolle im Kino zu sehen. Seither spielte er in Filmen wie "Die Bibel – Salomon", dem mehrfach oscargekrönten "Die Stunde des Siegers", "Exorzist: Der Anfang" oder "War, Inc." mit.

Mittlerweile ist der Engländer auch als Regisseur, Autor und Musiker tätig. Er hat einen Sohn und eine Tochter und lebt wie erwähnt inzwischen in Bulgarien. In seiner Freizeit versucht er sich neben dem Schreiben und Musizieren für Kinderhilfswerke zu engagieren.

Frage: Mr. Cross, warum sind Sie Schauspieler geworden?

Schauspieler Ben Cross
Ben Cross: Ich bin Schauspieler geworden, weil ich erstens großen Erfolg mit Auftritten während meiner High-School-Zeit hatte, und zweitens, weil ich durch den vorzeitigen Abbruch der Schule auch gar nichts anderes hätte machen können.

Frage: Was ist für Sie das Interessanteste daran, Schauspieler zu sein?

Cross: Am meisten liebe ich die Herausforderung, einen Charakter, der einem geschriebenen Skript entstammt, in Fleisch und Blut eine Form zu geben. Was ich am meisten am Schauspielerberuf hasse, ist, dass man teilweise um vier Uhr morgens aufstehen muss...

Frage: Welche Eigenschaften muss ein Mensch besitzen, damit Sie ihn respektieren?

Cross: Großzügigkeit, Liebenswürdigkeit, Wohlwollen, Güte... kurz gesagt: Ich freue mich immer, Leute zu treffen, die dem Materialistischen abgeschworen haben. Das sind Eigenschaften, die ich versuche, auch selbst zu verinnerlichen. Mit unterschiedlichem Erfolg...

Frage: Wann haben Sie angefangen, Bulgarisch zu lernen?

Cross: Ich habe vor drei Jahren damit angefangen. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich mich tatsächlich für Bulgarien als mein neues Zuhause entscheiden sollte, aber nachdem das beschlossen war, habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, die Sprache zu lernen. Sie ist sehr schwierig, vor allem für einen Engländer.

Frage: Warum haben Sie sich dazu entschieden, in Bulgarien zu bleiben?

Cross: Das war auch für mich selbst eine große Überraschung. Ich habe mich da einfach vom Wind treiben lassen.

Frage: Warum waren Sie noch in keinem bulgarischen Film zu sehen?

Cross: Vielleicht wird mir auch hier mal ein Film angeboten, wenn ich die Sprache perfekt beherrsche.

Frage: Warum entscheiden sich so viele Engländer dafür, in Bulgarien zu leben?

Cross: Das ist offensichtlich. Es gibt zwei Hauptgründe dafür. Noch bevor Bulgarien der EU beigetreten ist, habe ich ein Interview mit dem bulgarischen Präsidenten gelesen. Er hatte damals vorhergesagt, dass viele Ausländer nach Bulgarien kommen werden, um dort zu leben. Ich weiß nicht, ob er tatsächlich geahnt hat, dass es wirklich so viele werden würden.

Die meisten Leute, die sich in Bulgarien niederlassen, haben vor 20 oder 30 Jahren ein Haus in Großbritannien gekauft. In all den Jahren seitdem sind die Immobilienpreise stark gestiegen. Wenn man vor 20 Jahren ein Haus für 80.000 Pfund gekauft hat, ist es jetzt 300.000 Pfund wert. Wenn man heute also in Rente geht, kann man es verkaufen und dabei viel Gewinn machen. Danach ist es natürlich eine nette Sache, nach Bulgarien zu gehen und sich ein schönes Haus für 50.000 Euro zu kaufen und den Rest auf der Bank anzulegen.

Frage: Also hat es hauptsächlich mit den günstigen Immobilien zu tun?

Cross: Nein, nicht nur. Engländer würden nie in einem Land leben, das ihnen nicht gefällt. Wenn ein Ausländer mich fragt, wo ich lebe und meine Antwort hört, sagt er "großartig". Ein Bulgare fragt mich eher "warum?".

Frage: Wie erklären Sie sich diese unterschiedlichen Antworten?

Cross als Sarek in "Star Trek XI" (mit Winona Ryder als Amanda Grayson)
Cross: Nach 500 Jahren unter osmanischer Herrschaft und kurz darauf mit einem kommunistischen Regime und jetzt einem totalitären System, das sich Demokratie nennt, nach so vielen Jahren ohne ihren eigenen Staat bevorzugen es viele Bulgaren, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Es macht mich traurig zu sehen, wie viele junge Leute ins Ausland gehen, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ich hoffe wirklich, dass sie zurückkommen werden und ihr verdientes Geld und Wissen hier investieren. Für einen Ausländer wie mich ist Bulgarien ein wunderschönes Land, das eines Tages ein stolzer Staat sein könnte.

Frage: Inzwischen waren Sie im neuen "Star Trek"-Kinofilm zu sehen.

Cross: Es ist viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal in einem Film mitspielte, der ein solch großes Budget hatte. Ich freue mich sehr für den jungen Cast, die sich alle darum bemüht haben, neuen, frischen Wind in das Franchise und all die legendären Charaktere zu bringen. J.J. Abrams ist der richtige Mann dafür. Ich war sehr glücklich darüber, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, die vulkanischen Ohren aufsetzen zu können. Hört lange und in Frieden!

Frage: Wie war die "Star Trek"-Premiere?

Cross: Meine Tochter, Lauren, kam per Flugzeug aus New York und begleitete mich auf dem schwarzen Teppich. Der war tatsächlich schwarz! In der Limousine, mit der wir zur Premiere gebracht wurden, hatte ich sieben Freunde dabei. Wir genossen die Fahrt sehr, und wir nutzten auch die Limousinen-Bar rege... Ach ja, den Film fanden wir auch toll. Genauso wie die Party danach.

Wenn ich noch ein Erlebnis erzählen darf: Vor kurzem traf ich den Musiker Claude J. Woods, den ich sehr bewundere, als er in einem Club in Sofia spielte. Als ich versuchte, mit ihm ins Gespräch zu kommen, stellte sich heraus, dass er ein Trekkie ist. Das war ein tolles Gespräch!

Dieses Interview ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um "Star Trek" in der November-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(pt - 08.11.09 - Quelle: StandartNews.com, BenCross.net)

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