Alexandra Rimpler (re)
20.07.08
Koreaner, Asiate oder Amerikaner?
Sulu-Darsteller John Cho über seine gespaltene Identität
Schauspieler John Cho, 35, spielte 2007 in der Marihuana-umnebelten Komödie "Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay" und in "West 32nd". Dieses Jahr hat er "Star Trek XI" abgedreht. Im Interview mit New America Media spricht er über die gesamtasiatische Identität von Sulu und Vorurteile gegenüber asiatischstämmigen Schauspielern in Hollywood.
Frage: Was ist Ihre liebste Erinnerung an das College in Berkeley?
John Cho: Ein Jahr lang lebte ich in einem Apartmenthaus in Nord-Berkeley und es war voll von den seltsamsten Leuten. Wir hatten einen Typ unter uns, der die ganze Nacht jammerte "Ich hasse mich selbst!" und wir hörten ihn jede Nacht. Nebenan gab es eine Frau, die völlig irrsinnig war. Sie lief vor mir davon, weil sie dachte, ich verfolge sie.
Frage: Und Sie haben sie nicht verfolgt?
 |
 Für John Cho ist Sulu ein gesamtasiatischer Charakter |
Cho: Nein, ich wohnte nur neben ihr! Dann gab es noch einen Typ, der uns andauernd in einen Reggae Club einlud. Er trug ständig einen Trainingsanzug. Es war wirklich ein tolles Apartmenthaus. Ein sehr unterhaltsames Apartmenthaus.
Frage: Denken Sie, die Rolle der asiatisch-amerikanischen Männer in Hollywood hat sich in den letzten Zehn Jahren geändert?
Cho: Sie hat sich geändert und sie hat es nicht. Es mag größenwahnsinnig erscheinen, aber ich kann sehen, dass meine Rollen etwas bewegen. Meine Frau hat eine Freundin, deren Mann Schauspieler ist. Er sagte, dass er zu einem Vorsprechen für einen Werbespot gegangen ist und als "John-Cho-Typ" eingeordnet wurde. Und das, obwohl er weiß ist! Wir haben zwei oder drei Jahre lang versucht, daraus schlau zu werden. Trotzdem glaube ich, dass es insgesamt etwas besser geworden ist, denn man sieht mehr asiatische Männer im Fernsehen.
Ich fühle mich wie der Bursche, den ich in "American Pie" gespielt habe, wo mich die Leute zum ersten Mal gesehen haben. Er war ein großmäuliges A...loch, der nach und nach ein wenig mehr Charakter bekam. Doch auch wenn die Dinge etwas besser geworden sind, dürfen wir uns selbst nicht vergessen und wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es ist noch nicht, wie es sein sollte.
Frage: Sie spielen (Hikaru) Sulu im neuen "Star Trek"-Film. Wie fühlt man sich, wenn man eine japanische Rolle spielt, obwohl man ein koreanischer Amerikaner ist?
Cho: Ich bin beleidigt! (sarkastisch) Nein, stimmt nicht. Ich glaube nicht, dass es einen besonderen Einfluss auf die Rolle hat, dass er ein japanischer Amerikaner ist. Ich würde keine Rolle eines japanischen Japaners oder eines frisch eingewanderten japanischen Immigranten übernehmen, weil ich nicht glaube, dass ich den Akzent echt und überzeugend hinbekommen würde.
Was den Nachnamen und den kulturellen Hintergrund betrifft, glaube ich, dass das irrelevant ist. Ich glaube, es ist eher die Frage "Kannst du als Schauspieler überzeugend sein?". Manchmal ist es besser, jemanden zu nehmen, der wirklich diesen kulturellen Hintergrund hat, weil die Rolle einen Akzent erfordert, der überzeugend sein muss. Aber ich sprach mit George [Takei, der ursprüngliche Sulu-Darsteller] darüber und er sagte, dass [Gene] Roddenberrys ursprüngliches Anliegen war, dass jeder auf der Brücke der Enterprise die gesamte Welt repräsentieren kann.
Er sagte, dass Sulu den asiatischen Kontinent repräsentieren sollte. Sie hatten keine besondere Intention, was seinen kulturellen Ursprung anging, bevor die Serie besetzt war. Dann wurde George für die Rolle ausgewählt und er musste einen Namen bekommen. Gene sah auf eine Karte und sah den Namen Sulu-Meer, das an verschiedene asiatische Länder angrenzte. Er fand, dass dies ein panasiatischer Name sei. Als sie sich seinen Vornamen überlegten, gaben sie ihm den Namen Hikaru, weil George ein japanischer Amerikaner ist. Aber die Intention war nicht, einen japanischen Charakter zu erschaffen, sondern einen panasiatischen Charakter.
 |
Werbeplakat für "Harold & Kumar" |
Frage: Was denken Sie über Kritik an der negativen Darstellung asiatischer Frauen oder Frauen im Allgemeinen im ersten "Harold & Kumar"-Film? Manche Leute haben die koreanische Szene kritisiert, oder diese "Jutesack"-Geschichte, bei der Kumar träumt, dass er einen Sack voller Marihuana heiratet und ihn dann zu Hause misshandelt und als "Schlampe" bezeichnet.
Cho: Okay, das ist krass. Aber ich kann sehen, woher das kommt. In gewisser Weise gefällt mir die Sequenz sogar irgendwie. Ich habe das Gefühl, dass sie einen Teil der Spannung zwischen asiatisch-amerikanischen Männern und asiatisch-amerikanischen Frauen widerspiegelt.
Es gibt gewisse Hinweise darauf, dass sie den Eindruck haben, dass asiatisch-amerikanische Frauen sozial besser akzeptiert sind. Ich denke, dass es so etwas wirklich gibt. Andererseits wollen die Filmemacher das eigentlich gar nicht. Ich halte es einfach für erwachsene Comedy und diese Sex-Witze sind ein Teil des Humors. Meistens gerät man dabei in einen Bereich, in dem Frauen in solchen Sex-Witzen beleidigt werden, das ist einfach so.
Frage: Viele Rollen in Hollywood zeigen einen typisch unromantischen Asiaten. Jackie Chan zum Beispiel hätte niemals eine Sex-Szene gehabt. Glauben Sie, dass sich das geändert hat?
Cho: Ich bin nicht der beste Ansprechpartner für diese Frage. Ich lese und sehe nicht alles und ich glaube nicht, dass ich genug Hintergrundwissen habe, um das beantworten zu können. Ich kann das nur im Bezug auf meine eigene Karriere beantworten: Es hat sich etwas geändert, aber ich finde, nicht genug. Damit bin ich noch nicht zufrieden.
Es gibt eine positive Bewegung, davon bin ich überzeugt. Seltsamerweise freut es mich sogar, dass mehr Asiaten in der Werbung gezeigt werden. Was ist daran erfreulich? Es ist ein Anzeichen dafür, dass sie versuchen, asiatischen Amerikanern Produkte zu verkaufen, egal ob Waschmittel oder GMC-Fahrzeuge. Wenn sie versuchen, uns diese Dinge zu verkaufen, versuchen sie auch, uns Filme und Fernsehserien zu verkaufen. Wenn sie das Geld riechen, ist das eine gute Sache.
Frage: Glauben Sie, dass viele asiatische Schauspieler diese Mentalität haben? Dass es für asiatische Amerikaner schwieriger ist, Rollen zu bekommen und man dadurch nur die Wahl hat, Arbeit zu haben oder nicht?
Cho: Es ist leicht, diesen Fehler zu machen. Es erscheint in vielen Dingen so logisch. Man denkt: "Oh Mann, wer bin ich überhaupt?" Aber wenn du selbst nicht stolz auf das bist, was du machst, schuldest du es dir selbst, deine Meinung kundzutun und stolz auf deine Arbeit zu sein, auch wenn du damit untergehst. Es gibt einen passenden Ausdruck dazu: "F..k you money!" Man sagt: "Ich habe genug 'F..k you money', deshalb kann ich jedem in diesem Business den Stinkefinger zeigen." Ich glaube nicht, dass man je genug Geld haben kann, um an diesen Punkt zu kommen. Wenn man einmal angefangen hat, Kompromisse zu machen, ist es schwierig, damit wieder aufzuhören, also sollte man es frühzeitig tun.
Man wird nicht des Geldes wegen Schauspieler, weil eigentlich alles dagegen spricht. Vielleicht wirst du es, um eine tolle Zeit zu haben und etwas zu tun, das du gern tust und worauf du stolz bist. Wenn erst der Punkt gekommen ist, an dem man zu Vorsprechen für Rollen geht, die einem überhaupt nicht gefallen, bekommt man natürlich keine einzige davon, weil man nicht engagiert genug ist und eine schlechte Vorstellung abliefert. Damit tut man sich selbst keinen Gefallen.
(re - 15.08.08)
Weiterführende Links