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Sebastian Kowald (sk)10.09.08

Pegg träumt seinen Geek-Traum

Simon Pegg über seine Serie "Spaced" und die Geek-Kultur

Der Schauspieler Simon Pegg kämpfte gegen Zombies in "Shaun of the Dead", hat Mördern nachgespürt in "Hot Fuzz" und spielt den Ingenieur Scotty in J.J. Abrams' neuem "Star Trek"-Film. Bevor er sich dieser großen Rollen angenommen hat, wurde seine britische Fernsehserie "Spaced" Kult in den Neunzigern.

Die Serie, welche mit nur einer Kamera gedreht wurde, folgt dem Leben der beiden Drückeberger-Twens Tim (gespielt von Pegg) und Daisy (Serien-Co-Autorin und -Initiatorin Jessica Hynes), zwei komplett Fremden, die sich als Paar ausgeben, um eine Wohnung zu bekommen. Vollgestopft mit Anspielungen auf "Star Wars" und "Resident Evil", wurde "Spaced" in Großbritannien sehr populär. Im Juli erschien ein DVD-Set der Show. Pegg, Hynes und der Regisseur Edgar Wright begaben sich auf eine Vier-Städte-US-Tour, um die DVD zu bewerben.

Wired.com hat mit Pegg über die Glaubwürdigkeit von "Spaced" als Geek-Serie, die Schönheit der amerikanischen Science-Fiction und die unverschämte Möglichkeit, einen guten "Star Trek"-Film mit ungerader Nummer zu machen, gesprochen.

Simon Pegg drehte "Spaced" von 1999 bis 2001
Frage: U.S.-Zuschauer hatten bisher kaum die Möglichkeit, "Spaced" zu sehen. Können Sie mir ein bisschen über die Serie erzählen und was Ihre Inspiration bei der Erstellung war?

Simon Pegg: Als wir die Serie schrieben, haben (Co-Autorin und Co-Star) Jess und ich uns das Fernsehen der späten Neunzigerjahre angeschaut, und es gab keine einzige Sitcom, die nicht auf Twens abgezielt hätte. Alles war irgendwie daneben. Es gab hell erleuchtete Sets mit attraktiven Menschen, die über Sex geredet haben. Das war so ungenau. Es gibt noch eine Menge mehr als Sex. Wir fühlten uns nicht angesprochen. Als Zuschauer genieße ich es, wenn ich explizit angesprochen werde. Es ist erstaunlich, wenn man sich auf einer persönlichen Ebene verbunden fühlt. Wir sagten uns: "Lass uns etwas schreiben, das genau auf unsere eigenen Erfahrungen ausgerichtet ist."

Frage: Und es gab auch nicht wirklich etwas da draußen, was die Geek-Kultur angesprochen hätte?

Pegg: Es war einfach so, dass wir die Geek-Kultur waren. Andere Komödien fanden wir nicht ansprechend, weil wir die Leute in den Serien nicht kannten. Wir sagten: "Lass uns Comedy über uns selber schreiben."

Frage: Geek-Kultur war einen bisschen außerhalb des Durchschnitts zu dieser Zeit. Waren Sie überrascht, als so viele Leute darauf angesprungen sind?

Pegg: Ich hatte so ein Gefühl, dass es funktionieren würde. Das Gefühl, "es zu kapieren", ohne dass man eine Hilfestellung bekommt, ist so befriedigend. Wir haben immer Geek-Anspielungen in die Show eingebaut, die absichtlich schwer zu kapieren waren. Ich kann mich daran erinnern, wie ich als Kind "E.T." gesehen habe und die Szene, als sie an Halloween rausgegangen sind und E.T. sieht ein Kind als Yoda verkleidet und sie haben die Yoda-Melodie aus "Das Imperium schlägt zurück" gespielt und ich habe das erkannt und kapiert. Jess und ich wollten, dass "Spaced" voll von solchen Sachen ist.

Wir haben uns an eine unspezifische Gruppe von belesenen Twens gewandt, die mit dem Konsumieren von Pop-Kultur aufgewachsen sind. Das Letzte, was wir wollten, war, die Leute von oben herab vollzutexten. Wir wollten zeigen, wie es ist, wenn man in dem Alter ist.

Frage: Denken Sie, dass das immer noch zeitgemäß ist, obwohl die Serie schon vor sieben Jahren veröffentlicht wurde?

Pegg: Ich glaube, dass die übergeordneten Motive für die Ewigkeit sind. Die Serie handelt von Freundschaft und Liebe. Es ist ein bisschen wie in einer Zeitkapsel - die Jahrtausendwende, diese Zeit. Aber als historisches Dokument ist es immer noch akkurat. Die Anspielungen sind eigentlich ziemlich klassisch. Die "Star Wars"-Anspielungen werden mit der Zeit ein bisschen langweilig und wer konnte ahnen, dass "Matrix" so schlecht werden würde? Außerdem wird es Zeugs wie britische Fernsehanspielungen geben, welche die amerikanischen Zuschauer nicht verstehen werden.

Frage: Es gibt nur ein paar wenige Folgen, die im US-Fernsehen gelaufen sind. Aber Geeks haben so ihre Mittel und Wege, um an Geek-Kultur ranzukommen. Glauben Sie, dass es [in den Vereinigten Staaten] schon eine Fanbasis dafür gibt?

Pegg: Es gibt eine Menge von Leuten, welche die Serie schon gesehen haben, weil wir uns durch "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" eine solide Fanbasis aufgebaut haben. Die Leute sind hingegangen und haben die Serie importiert. Es gibt eine riesige amerikanische Präsenz. Sie kapieren es. Weil wir großen Wert darauf gelegt haben, unsere Zuschauer nicht zu unterschätzen. Die Zuschauer werden in der Lage sein, sich damit zu identifizieren, auch wenn sie ab und zu mal etwas nicht kapieren. Ich meine, das passiert mir bei den "Simpsons" und ich liebe sie trotzdem. Wir wollten die Serie so schreiben, dass man sie kapiert, auch wenn man keine einzige Filmanspielung kennt.

Der Cast von "Spaced"
Frage: Denken Sie, es liegt daran, dass auf eine gewisse Art und Weise die Geeks überall auf der Welt gleich sind?

Pegg: Sie sind wie ein globaler Stamm - wir interessieren uns alle für das gleiche Zeugs. Es wäre unterhaltsam für die amerikanischen Zuschauer zu sehen, dass es sogar in fernen Länden Geeks wie sie gibt. Ich weiß vom Teilnehmen an Comic-Conventions, dass Leute, die Interesse an Genre-Filme und TV-Serien haben, alle irgendwie gleich sind.

Frage: Sie haben eine Menge Hollywood-Geeks, wie Tarantino, Kevin Smith und Matt Stone, dazu gebracht, auf der DVD zu kommentieren. Waren die schon Fans der Serie?

Pegg: Sie waren schon Freunde von uns. Ich war begeistert, dass sie die Serie schon gesehen hatten. Wir haben sie Quentin und Kevin gegeben, damit sie sie genießen können. Wir schulden ihnen etwas, weil sie uns als Filmemacher und Autoren beeinflusst haben.

Es war wundervoll, den Kommentar zur Episode einzuspielen, als Daisy reinkommt und die Waffe findet und wir die "Pulp Fiction"-Sequenz machen. Es war großartig, nun sieben Jahre später diesen Kommentar mit Quentin zu machen. Sein Zitat war brillant. Er hat sein eigenes Zitat aus Jackie Brown geklaut: "Die Eine, die Einzige, 'Spaced'. Akzeptiere keinen Ersatz!" Er ist eine wandelnde Enzyklopädie. Er ist der ultimative "Spaced"-Zuschauer. Er kapiert jede einzelne Anspielung.

Frage: Nun, da Sie sich dazu entschlossen haben, auch in anderen Ländern zu arbeiten, haben Sie eine einzigartige Sichtweise auf die Science-Fiction-Welt. Glauben Sie, dass es große Unterschieden zwischen US-amerikanischer und britischer Science-Fiction gibt?

Pegg: Ihr Jungs habt die beste Science-Fiction in der Welt. Ihr habt auch die Kapazitäten dafür. Ihr könnt Serien wie "Heroes" machen.

Frage: Aber was ist mit "Doctor Who"? Das ist eine fantastische britische Science-Fiction-Serie mit Kultcharakter.

Pegg: "Doctor Who" ist ein interessantes Beispiel. Es bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Aber amerikanische Science-Fiction ist die letzte Grenze im Weltraum. Sie ist kraftvoll nach vorne gerichtet und neues Gebiet erobernd. Wir haben einfach nicht die Ressourcen, um solche Serien zu machen.

Frage: Aber ihr Jungs wisst, wie man Science-Fiction und Comedy kombiniert, wir scheinen das irgendwie nicht richtig hinzubekommen.

Pegg: In Sachen Filme und sogar TV-Serien haben wir uns auf Komödien spezialisiert, weil wir uns von der großen Bildfläche ein bisschen zurückziehen mussten, um es klein zu halten und andere Techniken auszuprobieren.

Es hat eine Menge zu tun mit der nationalen Psyche. Die USA hat global eine signifikante Rolle zu spielen und ist in einer gefährlichen Position. Fantasy reflektiert immer unsere eigenen realen Leben. Das kann man auch auf Nationen anwenden. Wenn man sich "Star Wars" anschaut, wäre es interessant darüber nachzudenken, ob es ein anderes "Star Wars" geben wird nach dem Irak. Nach Vietnam hat man eine Nation, die verwirrt ist über den Konflikt, welcher das Verschwimmen der Grenzen von Gut und Böse mit sich bringt. "Star Wars" hat Amerika im Weltraum gefeiert. Die guten Jungs haben weiß getragen und die bösen Jungs schwarz. "Star Wars" ist eine Reflektion der Nach-Vietnam-Paranoia.

Man kann dieses Argument an vielen Beispielen in der Filmen der 80er- und 90er-Jahren nachweisen. So beschäftigte sich der Film "Die Fliege" mit dem Feind von Innen in Reaktion zu dem Aufkommen von Aids. Heutzutage ist der Feind unter uns, durch einen Anstieg des Terrorismus, und schon sind die Zombies zurückgekommen - sie sind deine Nachbarn.

"Doctor Who" ist unser Science-Fiction-Programm, was am längsten läuft. Es ist auch eine interessante Serie, weil eine raffinierte Mythologie dahintersteht. Der Doktor regeneriert sich. Aber dann ist "Star Trek" genauso, in Sachen ein wegweisendes und intelligentes Stück zu sein.

Frage: Wenn wir gerade schon beim Thema "Star Trek" sind, in einer Episode von "Spaced" sagt Ihr Charakter Tim, dass es Dinge gibt, die einfach Fakt sind. Und eines davon ist die Tatsache, dass alle ungeraden "Star Trek"-Filme Schrott sind. Aber nun sind Sie gerade dabei, eine Hauptrolle in "Star Trek XI" zu übernehmen.

Pegg: Offensichtlich gibt es Ausnahmen zu jeder Regel. Das ist wie eine Naturkonstante. Ich wurde gemacht, um daran Teil zu haben, wie ich mich selbst widerlege. Das Schicksal hat mich in diesen Film gebracht, um zu zeigen, dass ich damals Unsinn geredet habe.

J.J. Abrams hat die Angewohnheit, mich in Situationen zu bringen, wo ich mir selbst widersprechen muss. Als ich ein Interview für "Shaun of the Dead" gegeben habe, fragte mich ein Journalist, ob ich jetzt als Nächstes in Hollywood arbeiten würde. Ich sagte: "Ich werde nicht weglaufen und so einen Film wie 'Mission: Impossible III' machen." Ich habe mir den Film einfach nur ausgedacht. Vier Monate später ruft mich J.J. [Abrams] an und fragt mich, ob ich in "Mission Impossible III" mitspielen möchte und ich sagte: "Ja!" Oh Mann! Dieser ungerade nummerierte Film wird erstaunlich werden!

Pegg in "Spaced"
Frage: Der historische Charakter von Scotty ist ein bisschen stereotypisch. Er ist ein schottischer Ingenieur mit dem Namen Scotty, der gerne trinkt. Mussten Sie den Charakter in dem Sinne aktualisieren, wie Sie ihn spielen, um ihn mehr politisch korrekt zu machen?

Pegg: In einigen Aspekten ist er ein klassischer Stereotyp. Aber ich kenne eine Menge Schotten, die gerne einen trinken und den Vornamen Scott haben.

Es ist sehr wichtig, feinfühlig zu sein und keine Verallgemeinerungen über Gruppen von Leuten zu machen, aber man kann es auch übertreiben. Scotty ist ein sehr herzlicher Stereotyp. Er ist ein beliebter Charakter in Schottland. Er ist kein negativer Stereotyp - er ist ein lustiger Stereotyp. Die Unterschiede zwischen uns selber können sehr lustig sein. Aber Schotten sind die Ersten, die über die Tatsache lachen, dass sie ein bisschen trinken und sich prügeln.

Außerdem ist es kein Zufall, dass der Chefingenieur der Enterprise ein Schotte ist. Eine ziemlich große Anzahl von sehr wichtigen Erfindungen kamen aus Schottland. Der schottische Ingenieur folgt der Tradition von John Logie Baird, welcher das Fernsehen erfunden hat oder Alexander Graham Bell.

Frage: Also konnten Sie damit leben, ihn als Stereotyp zu spielen ohne ihn zu parodieren?

Pegg: Ganz gewiss nicht parodieren. Es war nur eine Frage ihn zu spielen. Ich bin die Rolle genauso angegangen wie James [Doohan, der ursprüngliche Scotty] damals, als er die Rolle bekommen hat. Man muss darauf schauen, wer er ist. Er ist ein versierter Ingenieur, ein bisschen vorlaut, der gerne trinkt und sich prügelt.

Frage: Es ist schwer, sich vorzustellen, wie man eine Rolle spielen kann, ohne den ursprünglichen Charakter nachzuahmen. Das gilt nicht nur für Sie als Scotty, sondern auch für Chris Pine, der Captain Kirk in dem neuen Film spielt. Wie spielt man Kirk, ohne Shatner zu spielen?

Pegg: Als ich die Sache angegangen bin, habe ich mir die gleichen Fragen gestellt. Wie werden all die anderen Schauspieler die Aufgabe angehen, einen Charakter zu spielen, bei dem der Schauspieler genauso berühmt ist wie der Charakter? Shatner und Nimoy haben ihren Rollen solch Leben eingehaucht, mit solcher Überzeugung und Können gespielt. Alles, was man machen kann, ist, den Charakter im Geist dieser Schauspieler zu spielen - es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und es nicht parodieren. Als ich Chris Pine und den anderen Schauspielern zugeschaut habe, hatte ich einige Gänsehautmomente. Ich habe gesehen, wie sie ihre Sachen gemacht haben, und mir dabei gedacht: Die haben das so verdammt richtig gemacht. Chris hatte den Stolz und die Selbstsicherheit und ich glaube, er hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Frage: Wenn wir gerade von Parodien sprechen, mit "Spaced", und "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" sieht es so aus, als ob Sie all die guten Parodien machen. Sie kommen alle von wahren Fans - und das ist vielleicht der Grund, warum sie so erfolgreich sind. Aber haben Sie jemals darüber nachgedacht, einen Genre-Film zu machen, der keine Parodie ist, aber stattdessen dem Genre eine neue Facette hinzufügt?

Pegg: Nun, wir haben unsere Filme nie wirklich als Parodien angesehen. "Shaun of the Dead" ist keine Parodie, es ist ein Zombiefilm. Ich glaube, es gibt mehr Elemente in "Hot Fuzz" als in "Shaun of the Dead", bei denen man nicht abstreiten kann, dass sie aus einer Parodie sind.

Die nächste Sache, die Nick Frost und ich geschrieben haben, ist ein Genrefilm und keine Parodie. Es hat eine Science-Fiction-Handlung. Ich bin so glücklich damit, es könnte sogar das Beste sein, was ich jemals geschrieben habe. Es heißt "Paul" und ist auf IMDb. Wir haben einen Regisseur, mit dem wir wirklich gerne zusammen arbeiten wollen, aber ich kann noch nicht wirklich darüber reden. Wenn er unterschreibt, wird es ein großartiger Mix aus dem, was ihr macht und dem, was wir machen.

Frage: Also, jetzt mal zu was ganz Anderem und total Aberwitzigem. Wir haben viele Gerüchte gehört, dass David Tennant womöglich bald "Doctor Who" verlassen wird. Wenn wir darüber nachdenken, wer unsere britischen Lieblingsschauspieler sind, die die Rolle übernehmen könnten, steht Ihr Name ganz oben auf unserer Liste. Da Sie schon bei der Serie mitgespielt haben, ist man auf Sie zugekommen? Würden Sie es tun, wenn Sie gefragt würden?

Pegg: Der Doktor sein? Ich denke nicht, dass ich das tun würde, und zwar aus zwei Gründen. Erstens mag ich es wirklich sehr, Filme zu drehen. Ich habe Spaß daran, in den Staaten zu arbeiten. Ihr habt eine unglaubliche Arbeitsmoral. Zweitens mag ich "Doctor Who" wirklich sehr gerne, und ich würde es hassen, jeden Samstagabend dazusitzen und zu sehen, dass ich das bin. David hat so eine unglaubliche Arbeit geleistet, es wird schwer sein, in seine Fußstapfen zu treten. Ich würde mich schrecklich fühlen, wenn ich das machen würde und das Franchise in eine Krise stürzen würde, weil ich es nicht hinbekomme.

Außerdem würde ich, glaube ich, Ärger mit meinen eigenen Leuten bekommen. Ich habe gerade damit angefangen, Geek-Sachen zu machen. Ich werde bei "Star Trek" mitspielen. Mein ganzes Leben ist wie der Traum eines Geeks, der in Erfüllung geht.

Es ist lustig und es erstaunt mich immer noch. Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt. Ich habe neulich Spielberg getroffen und mit ihm ein bisschen geplaudert. Das war sehr cool und wir hatten eine brillante Unterhaltung und innerlich habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind.

(sk - 10.09.08 - Quelle: Blog.Wired.com)

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