Lorenz Ulrich (ulr)
14.04.01
Q² – Vater und Sohn de Lancie
Gespräch mit den beiden Q-Darstellern zur Folge "Q2"
In der Episode "Q2" in der letzten "Voyager"-Staffel hat John de Lancie Verstärkung aus der eigenen Familie mitgebracht: Sein Sohn Keegan ist in der Rolle von Qs Sohn zu sehen. Passend zur US-Erstausstrahlung der Episode ist in der neusten Ausgabe des amerikanischen "Star Trek Communicators" ein Interview mit Vater und Sohn de Lancie erschienen, in dem die beiden über das Casting und die Dreharbeiten zur Episode sprechen, ihre gemeinsamen Szenen, oder auch über die Zukunft der Qs.
Die Story von "Q2", verfasst vom Ausführenden Produzenten Ken Biller und geschrieben von Story Editor Robert Doherty, beginnt, als Q seinen Sohn für einen kleinen Urlaub auf die Voyager bringt und dann verschwindet. Die Crew muss nun damit umgehen - aber das Interessante daran ist, dass der junge Q von de Lancies ältestem Sohn, dem 16 Jahre alten Keegan, gespielt wird.
Die Rolle wurde nicht speziell für Keegan geschrieben, "aber mein Agent meinte, dass ich möglicherweise gut wäre für diese Rolle", sagte Keegan gegenüber dem "Star Trek Communicator". "Natürlich hatten sie den Auftrag, mich nur zu verpflichten, wenn ich wirklich die beste Person für die Rolle wäre. Sie wollten mir die Rolle nicht nur wegen meines Vaters geben."
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 John de Lancie |
"Ich denke, dass dies der Fall war, aber am Ende war es nur ein vorgemachtes Casting", sagt John etwas unverschämt. "Wenn das nicht funktioniert, ist man eben nicht gut dran." Wie auch immer, es klappte alles.
Regisseur LeVar Burton, auch bekannt als Geordi La Forge von der Enterprise-E, wurde zitiert bei der Feststellung, dass Keegan schon sein eigenes Kränzchen mit der Crew hält - immerhin kennen sich die de Lancies und die Crew der Voyager, sei es wegen der Freundschaft zwischen Kate Mulgrew und John oder wegen den gemeinsamen Ferien, die die Kollegen ab und zu verbringen.
Er stellte vor einigen Jahren sein Schauspieltalent unter Beweis, als er zusammen mit Ethan Phillips Comedy inszenierte, um eine TV-Show der Firma seines Vaters, Alien Voices, zu eröffnen. "Er schrieb sich seine Rolle selbst, ging dorthin und spielte sie. Wir waren alle begeistert davon", meint John dazu.
John ist zweifelsohne stolz auf Keegan. Sein Sohn ist zweifelsohne ein talentierter, junger Mann. Er hat bereits eine ansehbare Zahl an Auftritten hinter sich und einige kleine TV-Auftritte, wie zum Beispiel bei "Ally McBeal". Und - nicht zu vergessen - er hat bereits einige Opern absolviert; als Knabensopran (vor dem Stimmbruch) und trat so schon zusammen mit Placido Domingo in der Oper von Los Angeles auf.
"Wir gingen jedes Wort durch", meint John über den ersten Durchgang des Drehbuchs zur Episode, "wir analysierten es, was ein Unterschied ist zum Vorbereiten oder Auftreten. Ich arbeitete nicht mit ihm, wie wenn er gerade an einer Szene wäre und man nur lokal auf Probleme und Fragen eingeht. Man schaut, wohin die Szene überführt und was gerade zuvor passierte, was die Möglichkeiten sind und welche Dinge einer gerade im Kopf hat. Ich machte das nur einmal und das war's dann."
John meinte, dass er Keegan nicht zu viel belehren wollte, wie man einen Q spielt, weil er nicht wollte, dass der Charakter von Qs Sohn nur eine Imitation von Q selbst wird. "Mein Vater versuchte, sich da rauszuhalten", bestätigt Keegan. "Ich hatte einige seiner Episoden angeschaut, als ich klein war und er hatte an einigen mitgewirkt, seit ich die ganze Sache verstehen konnte. Ich wusste, welche Art von Charakter er war, aber es gab einige Aspekte, welche Arbeit erforderten, um Q-ähnlich zu werden. Ich habe ihn dann gefragt, ob wir das nicht einmal proben könnten. Über die meiste Zeit wirkten meine Gesten und Handlungen denjenigen meines Vaters sehr ähnlich und ich habe auch einige visuelle Ähnlichkeiten mit ihm, welche sie noch verstärkten, indem sie mein Haar so machten, dass ich ihm noch ähnlicher schien."
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In "Q2" tritt auch Keegan de Lancie als Q auf. |
Die Story stellt die Erlebnisse in den Mittelpunkt, welche Q Junior macht, um aufzuwachsen und den Erwartungen seines Vaters an ihn zu entsprechen. Weil der junge Q zusätzlich allmächtig ist, hat er einige Tricks mehr, um die Teenie-Rebellion auszuüben. Er kann Holodeck-Programme verändern, Sternenflotten-Personal zum Verschwinden bringen und Kriege zwischen der Voyager und anderen Alien-Schiffen auslösen. Wie man es sich von guten Trek-Geschichten gewohnt ist, sind die besten Momente die kleinen. Q Junior schließt auch Freundschaft mit Icheb und lernt einige Dinge, welche ihn auf seinem Lebensweg begleiten werden.
"Der Grund, wieso der Charakter meines Vaters so populär ist, ist, weil er in jeder Szene irgendetwas anderes macht", sagt Keegan. "Er läuft nicht nur einen Korridor entlang und geht in einen Raum. Die Leute erwarten, dass Q etwas tun und irgendwelchen Blödsinn anstellen wird."
"In jeder Szene versuche ich herauszufinden, was ich gerade spiele. Wenn man versucht, die ganze Szene unter dem Motto 'Ich langweile mich wirklich mit dir' zu spielen, wird das auch wirklich langweilig. Ich versuchte quasi verschiedene Stufen aus. Q ist bekannt für seine Schizophrenie und die resultierenden Veränderungen, welche vom spielerischen Typen zur echten Bedrohung reichen. Eben das versuchte ich auch."
Das Q-Dasein einmal beiseitegelegt, war es für Vater und Sohn natürlich interessant, Vater und Sohn auch zu spielen. Eine solche Kombination ist nicht die erste, die wir bei Trek erleben. Patrick Stewarts Sohn Daniel spielte den Sohn von Picards Kamen in der Episode "Das zweite Leben". Auch war es Michael Pillers Sohn Shawn, der mit der Story von "Todessehnsucht" eine interessante "Voyager"-Episode ins Leben rief.
"Wir hatten nicht so viele Szenen zusammen, wie wir es gerne gehabt hätten", meint Keegan. "In dieser Episode ist mein Vater hauptsächlich 'der Vater', aber wir versuchten, mit dem zu arbeiten, was wir hatten. Wir haben sicherlich an der Beziehung gearbeitet. Ihr werdet in der Episode ganz sicher bemerken, dass er mein Vater ist und ich sein Sohn. In unserer letzten Szene wird man sicherlich sehen können, dass wir zusammengehören. Man kann wirklich sehen, dass wir eine Familie sind. Und genau so passt es eben in die Familie Q."
"Die Episode wurde eigentlich nicht verfasst, um die Vater/Sohn-Beziehung groß zu erforschen", sagt John, "aber an ein bis zwei Stellen wird man sicherlich bemerken, dass wir Vater und Sohn sind. Es ist nicht wirklich eine Story über die Beziehung zwischen Q und klein Q, aber es ist wohl eine Episode über die Jugenderfahrungen von Q2. Genau so kamen dann auch die Szenen rein, in denen die Verbindung zwischen uns zu sehen ist."
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Als Q gehört de Lancie zu den beliebtesten Gaststars aus "Star Trek". |
Was dachte John über die Arbeit mit seinem Sohn? "Er war sehr mühsam und ein großes Hindernis", lacht John. "Es war einfach großartig. Ich freute mich am meisten darüber, dass ich sehen konnte, wie er sich selbst spielte, was wirklich sehr gut war."
Keegan fand, dass LeVar Burton ein genialer Regisseur sei. "Weil er ein Schauspieler ist", sagt Keegan, "kennt er auch die Seite des Schauspielers, die emotionale Seite, anstatt immer nur auf die Aufnahmen zu schauen. Wenn er dann dachte, das zu haben, was er wollte, aber ich das nicht dachte, sagte ich ihm 'Lass' es uns noch einmal tun'."
De Lancie senior ist bekannt dafür, in jeder Episode, in der er als Q zu sehen ist, den Charakter etwas anders zu spielen. Er hat das Gefühl, dass sich am Storybogen seines Charakters etwas verändert hat, das man nicht im Drehbuch findet. "Ich habe das Gefühl, dass der Charakter langsam aufgebraucht ist. Ich habe einen neuen Q erschaffen und mit diesem Q ist es vorbei. Das stand nicht im Skript, aber dieses Gefühl habe ich."
So gesehen könnte zwar Q in der fünften Trek-Serie Auftritte haben, aber de Lancie fühlt, dass es eine Veränderung braucht. "Mit jedem weiteren Einsatz ist Q einfach ein alter Hut. Eines der Probleme des Charakters ist es, dass die Zeit vorangegangen ist und er etwas weniger kratzbürstig wurde. Wenn er nun noch mehr Episoden kriegen sollte, denke ich, dass es besser ist, Q2 einzubringen."
Sowohl Vater als auch Sohn sind wieder an anderen Arbeiten. John beschäftigt sich gerade mit einer Bühnen- und Orchesterproduktion von "Oedipus Rex". Er und Spock-Darsteller Leonard Nimoy werden mit ihren Alien Voices live auftreten und "Spock & Q" sowie eine Fortsetzung präsentieren. Währenddessen lebt die de-Lancie-Familie, welche nebst Keegan noch den 14-jährigen Bruder Owen umfasst, in Los Angeles.
Keegan ist in der High School und schaut bereits vorwärts in Richtung Karriere - aber überraschenderweise ist es nicht die Schauspielerei. Er träumt davon, auf dem Ausländeramt als Diplomat zu arbeiten. "Meine Eltern haben immer gesagt, dass ich, wenn ich nichts anderes tun will, Schauspieler sein soll. Ich sehe aber die Schule immer zuerst. Ich schauspielere nur, weil es Spaß macht."
(ulr - 11.12.10 - Quelle: VoyagersDelights.com)