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Alexandra Rimpler (re) Ein Leben für die Bühne Patrick Stewart über sein privates und berufliches Leben Bevor Patrick Stewart zu "Star Trek" kam, war er erfolgreicher Bühnenschauspieler und jetzt ist er es erneut. Dem britischen "Telegraph" gewährte er Einblicke in sein Privatleben mit einer Kindheit in Armut, Therapiesitzungen und zwei zerbrochenen Ehen. Es machte ihn reich, berühmt und brachte ihm den Neid seiner Kollegen ein - ob sie es zugeben oder nicht. Aber "Star Trek: The Next Generation" erlaubte es Patrick Stewart, zu seiner ersten Liebe, dem Theater, zurückzukehren und letztendlich seinen Frieden mit seinem gewalttätigen Vater zu finden. Derzeit spielt er neben Ian McKellen die Hauptrolle in "Warten auf Godot". Er sprach mit John Preston.
Das Buch ist "Warten auf Godot", welches Stewart derzeit zusammen mit Ian McKellen probt. Er kennt seinen Text zwar bereits, aber so wie immer, wenn er ein Stück spielt, taucht er komplett in den Text ein. In dieser Phase blendet er alles andere in seinem Leben - Beziehungen eingeschlossen - vollständig aus. Er ist, wie man ganz offensichtlich sieht, ein sehr intensiver, sehr getriebener Mensch. Widerwillig schließt er sein Buch und sagt: "Ich werde mal so tun, als würde mir Simon Callow nicht die ganze Zeit über die Schulter sehen." Sicherlich wird Simon Callow seinerseits so tun, als würde Patrick Stewart nicht die ganze Zeit über seine sehen. Callow ist auch in dem Stück, aber zwangsläufig ist es die Kombination aus Stewart und Ian McKellen als Wladimir und Estragon, die die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht, denn sie macht diese höchstwahrscheinlich zur Produktion mit der größten Starbesetzung in der 50-jährigen Geschichte des Stücks. Wenn Stewart spricht, artikuliert er in so wunderschönen, sorgfältig bemessenen Ausdrücken. Er mag 17 Jahre lang in Los Angeles gelebt haben, aber er kürzt es nie als "LA" ab. Dies zu tun, mag man meinen, hätte den Beigeschmack von Schludrigkeit. Zwischendurch gibt es lange nachdenkliche Pausen und er tendiert zu ausdrucksstarken Seufzern. Wenn er etwas betonen möchte, gibt er den Worten enormes Gewicht, so als würden sie alle mit Großbuchstaben beginnen. Ihn und Ian McKellen hinter der Bühne zu belauschen, muss sein, wie einen Meisterkurs in theatralischem Ausdruck zu besuchen. In der Tat werden sie sich auch während "Warten auf Godot" ganz hervorragend unterhalten, denn sie haben sich entschieden, während der viermonatigen Laufzeit eine Garderobe zu teilen. "Es schien einfach ... nicht hilfreich zu sein, dass jeder von uns in einer einzelnen Stargarderobe sitzen und dann auf die Bühne gehen soll. Dies ist so sehr ein Stück über die Beziehung der beiden Hauptpersonen und wir fühlten beide, dass eine große Vertrautheit zwischen uns besser wäre. Aber wer weiß? Vielleicht reden wir am Ende nicht mehr miteinander." Dies scheint allerdings eher unwahrscheinlich. Die beiden Männer kennen sich seit den 80ern, als sie beide bei der Royal Shakespeare Company waren. Anfangs fand Stewart, dass McKellen eine "distanzierte, Ehrfurcht gebietende Person" sei. Seither haben sie zusammen an den drei "X-Men"-Filmen gearbeitet und wurden gute Freunde. "Oh ja", sagt Stewart und lässt einen weiteren seiner ausdrucksstarken Seufzer hören. "Wir sind vom Alter her nur 18 Monate auseinander, wir wurden auf unterschiedlichen Seiten der Pennines geboren und wuchsen dort auf. Wir wurden unterschiedlich erzogen - Ian war in Oxford, während ich auf einer Gesamtschule war und mit 16 zu arbeiten begann - aber beide wollten wir immer klassisches Theater machen, mehr als alles andere."
"Ich erinnere mich, bei der RSC in Stratford in der Schleuse gestanden und darauf gewartet zu haben, auf die Bühne zu gehen um "Antonius und Cleopatra" zu spielen. Und während ich dort wartete, erwischte ich mich dabei, im Kopf Kritiken zu schreiben. Im Grunde sagten sie alle das Gleiche: 'Wer zum Henker glaubt er, wer er ist? Glaubt er, er kann nach 17 Jahren einfach so zurückkommen und in eine großartige Shakespeare-Rolle schlüpfen? Ich glaube nicht.'" Aber während Stewart die britische Presse beschuldigte, vielleicht ein bisschen überheblich ihm gegenüber zu sein, fühlte er sehr sicher, dass seine Schauspielkollegen nicht so wertend sein würden. "Eine Sache, mit der ich mich in den 17 Jahren in Los Angeles trösten konnte, war, dass die meisten Schauspieler, die ich in England kannte, sofort den Platz mit mir getauscht hätten..." Er lehnt sich vor, um die Worte zu betonen. "Auf der Stelle." Einmal, als er schon mehrere Jahre in LA war, organisierte Stewart eine Theater-Benefizveranstaltung mit vielen britischen Theatergrößen. "Ich sah mich in dem großen Raum um und da waren all die gekrönten Häupter des britischen Theaters. Und ich schwöre Ihnen, dass an einem bestimmten Punkt des Abends jeder von ihnen zu mir kam und fragte 'Wie viel verdienen Sie?'" Verriet er es ihnen? "Selbstverständlich nicht! Ich sagte nur 'Och, eigentlich so gut wie gar nichts.'" Von außen sieht es tatsächlich so aus, als hätte Stewart es geschafft. Er wurde sehr berühmt, verdiente fantastisches Geld, er hatte ein schönes Haus und eine neue amerikanische Ehefrau, Wendy Neuss, eine Produzentin von "Star Trek: The Next Generation". Seine erste Ehe endete 1990 - er und seine erste Frau haben zwei Kinder. Stewart und Neuss heirateten 2000 mit Brent Spiner als Trauzeugen.
"Das 'Star Trek'-Angebot kam, als ich gerade 'Wer hat Angst vor Virginia Woolf?' im West End machte. Wir mussten die Rolle der Martha neu besetzen und ich saß eines Tages im Büro des Produzenten, als er sagte: 'Nun, es ist mir egal, wen ihr besetzt, aber ihr solltet eine Person in diesem Stück haben, von der die Leute schon einmal gehört haben.' Ich muss sagen, dass ich das sehr schmerzhaft fand." "Als also das 'Star Trek'-Angebot kam, dachte ich 'Warum nicht? Was habe ich zu verlieren?'" So wurde er Jean-Luc Picard - und natürlich lief es deutlich anders, als er es erwartet hatte. Stewart betont eifrig, dass er die Zeit in Los Angeles in keiner Weise bereut. Es ist nur so, dass sich, während die Jahre vorbeizogen und eine "Star Trek"-Serie der anderen folgte, sein Gehirn anfühlte, als hätte er eine vulkanische Gedankenverschmelzung mitgemacht. "Natürlich begann sich der Glanz nach einer Weile abzunutzen. In vielerlei Hinsicht genoss ich es sehr, aber ich hatte irgendwann auch schreckliches Heimweh. Und ich trauerte meiner Karriere hinterher. Alles, was ich in meinem Leben bisher hatte tun wollen, war klassische Rollen am Theater zu spielen, und je länger ich dort heraus war, umso unwahrscheinlicher war es, dass das passieren würde." Zurückblickend sagt er, dass eines der besten Dinge in seinem Leben war, zur Therapie zu gehen. "Ich wurde jemandem vorgestellt, der erwiesenermaßen ein erfolgreicher Therapeut war. Mehrere Jahre lang haben wir meine...", er pausiert wieder einmal - etwas nachdenklicher als sonst, "...meine frühen Erfahrungen aufgearbeitet." Als er über seine Kindheit spricht, greift Stewart nach oben und richtet seine Schirmmütze. Es ist eine unbewusste Geste, aber sie ist aufschlussreich. Er wuchs in der Nähe von Huddersfield in einem Haus mit nur einem Zimmer im Erdgeschoss und einem im ersten Stock auf. Das war's. Sein Vater war während des Kriegs Feldwebel und seine Mutter war Weberin. Er war der jüngste von drei Brüdern. "Wir waren sehr arm und es gab keine Privatsphäre außer auf der Toilette. Sie wurde meine Bücherei, im Winter und Sommer." Armut war jedenfalls nicht das Einzige, gegen das er kämpfen musste. "Mein Vater war ein Wochenend-Säufer. Montags bis Freitags trank er nicht einen Schluck. Er begann Freitagabend und zog durch bis Sonntagabend." Das Trinken machte seinen Vater gewalttätig. Bei verschiedenen Gelegenheiten sah Stewart ihn seine Mutter schlagen. Auch wenn er das nicht zugibt, kann man sich vorstellen, dass er selbst dabei auch nicht ungeschoren blieb. "Mein Zuhause konnte ein gefährlicher Ort sein, sagen wir es mal so."
Jahrelang konnte Stewart keine echte Wut spielen, weder auf der Bühne noch im Film. "Ich habe es vorgetäuscht. Ich hatte Angst davor, es herauszulassen, weil ich davon so viel zu Hause gesehen hatte. Es war die Bürde des Erbguts - die Angst, dass ich all dieses Zeug auch in mir tragen könnte. Ich wollte es mir nicht erlauben, dorthin zu gehen, nicht einmal gespielt. Aber jetzt, als Ergebnis meiner Therapie, fühle ich, dass ich es herauslassen kann. Ich denke - ich hoffe -, dass ich dadurch ein besserer Schauspieler geworden bin." Er war, wie er sagt, ein schüchterner Junge - weder selbstbewusst noch akademisch begünstigt. Außerdem war er gehemmt, weil sein Haar bereits mit 17 durch Alopezie auszufallen begann. "Oh Mann, das war entsetzlich, einfach entsetzlich." Aber dann fand er trotz allem heraus, was er in seinem Leben tun will. "Ich begann mit der Schauspielerei, als ich zwölf war, und ich wusste es sofort." "Die Bühne war ein weitaus sicherer Platz für mich als der Rest der Welt. Ich konnte dort jemand anderer sein, was mir unendlich viel besser erschien, als immer ich selbst sein zu müssen." Ich erwähne die häusliche Gewalt, die er als Kind sehen musste. Offensichtlich fühlte er sich für den Schutz seiner Mutter verantwortlich... "Oh ja", sagt er, "sehr sogar." Außerdem war sein Vater bei der Armee... "Das stimmt." Es ist schwierig, an einen Zufall zu glauben, dass er ausgerechnet viele heroische Figuren spielt. Einige von ihnen mit ernsten Schönheitsfehlern, aber trotzdem heroisch... Stewart lacht laut auf. "Überhaupt ein Zufall! Definitiv nicht. Oh, ich bin das alles mit meinem Therapeuten durchgegangen, glauben Sie mir. Ich hoffe, dass ich dadurch auch meinen Vater besser verstehen kann. Zu meinem Leidwesen werde ich diese Unterhaltung mit meinem Vater nicht mehr führen können, denn er ist natürlich bereits tot. Er wäre so stolz auf 'Star Trek' gewesen. Ich war der Einzige in unserer Familie, der nicht zum Militär ging, wissen Sie. Ich glaube, mich als Captain zu sehen, wäre ein enormer Kick für ihn gewesen." Er ist einfach stolz auf 'Star Trek' - immer noch besucht und genießt er Trekkie-Conventions. Auch in Comedy ist er sehr geschickt und bewandert, wie jeder weiß, der ihn in Ricky Gervais' "Extras" gesehen hat. Aber es sind die großen Rollen auf der Bühne, die ihm die meiste Befriedigung gebracht haben. Wie er schon als Junge wusste: Hierhin gehört er. "Heute Morgen bin ich sehr früh aufgestanden, um ein bisschen zu drehen. Dieses Projekt ist so geheim, dass es nicht einmal einen Namen hat. Ich dachte bei mir, da sind wir wieder. Jemand bringt mir Frühstück und ein anderer hängt meine Sachen auf. Da waren all die Hätscheleien, die es beim Film eben gibt. Und plötzlich erkannte ich, wie mich das langweilt." Er tippt mit der Spitze seines Zeigefingers sehr fest auf seine Ausgabe von "Warten auf Godot". "Das hier ist wichtig für mich." Mit 68, sagt Stewart, ist er glücklicher als er es je war - trotz seiner zweiten zerbrochenen Ehe. Er traf sich mit der Schauspielerin Lisa Dillon, die neben ihm in einer Produktion von Ibsens "Baumeister Solneß" spielte - sie war 40 Jahre jünger als er. Zurzeit ist er Single, wie er sagt, obwohl er sich immer noch auf seine "entzückende Freundin, die in New York lebt" bezieht. Glaubt er, dass es schwierig ist, mit ihm zusammenzuleben? "Ja, ja ... ich weiß, ich bin umtriebig, auch wenn es sich für mich selbst nicht so anfühlt. Aber für die Leute, die ... die in deiner Nähe sein wollen, ist es so. Wer kommt überhaupt nahe an dich heran? Meine Arbeit ist es, was mich definiert. Das ist die Wahrheit. Irgendwann muss das aufhören; es muss einfach. Aber ich fürchte das viel mehr als den Tod. Ich habe mehr Angst davor, meinen Job nicht mehr machen zu können, als davor, nicht mehr da zu sein. Genau jetzt zum Beispiel, in diesen frühen Wochen der Probenzeit, interessiert mich nichts anderes mehr. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Papiere, ich habe unzählige E-Mails, die ich beantworten muss, aber ich bin einfach zu konzentriert, um mich darum zu kümmern." Wieder tippt er mit dem Finger auf die Ausgabe von "Warten auf Godot". "Ich weiß, dass das absolut durchgeknallt klingt, aber so ist mein Leben zurzeit nun einmal. Und je tiefer ich in diese Welt eintauchen kann, um so glücklicher werde ich sein." Ausführliche Interviewübersetzungen wie diese finden Sie jedes Wochenende in unserem Newsletter "TrekZone Weekend". Falls Sie die "TrekZone Weekend" noch nicht abonniert haben, können Sie den Newsletter zusammen mit unserem monatlichen Internet-Magazin "Incoming Message" hier kostenlos bestellen. (re - 26.05.09 - Quelle: Telegraph.co.uk) Weiterführende Links
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