Susanne Grahn (gra)
21.03.10
Stewart vor dem 70. Geburtstag
Rüstig, und längst noch kein Rentner
Patrick Stewart wird dieses Jahr 70, und er sieht noch genauso aus wie damals vor fast 23 Jahren, als er den Stuhl des Captains auf der Enterprise in "Star Trek": The Next Generation" übernahm. Ein Interview von G. Allen Johnson, erschienen im "San Francisco Chronicle" (via SFGate.com).
An einem der letzten Samstagabende während des Wild & Scenic Environmental Film Festival nahm Stewart im Chefsessel eines Büros Platz, von dem aus man einen weiten Blick über die historische Miners Foundry in Nevada City hat, und bestellte sich ein Glas Wein. Er war in der Stadt, um eine Dokumentation vorzustellen, die er begleitend kommentiert: "Nature Propelled", ein Extremsport-Film seines Freundes Seth Warren. In der darauffolgenden Woche sollte Stewart, nach ein paar Skiurlaubstagen mit seiner Freundin, nach San Francisco reisen, um eine "Star Trek"-Convention zu besuchen und mit dem Chefdirigenten des San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas, ein Stück von Strawinski zu proben, das sie nächsten Monat im Chicago Symphony Center aufführen wollen. Später in diesem Jahr wird Stewart in den Fernsehverfilmungen von Shakespeares "Hamlet" (als Claudius) und in der Titelrolle von "Macbeth" zu sehen sein.
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Patrick Stewart wird in diesem Jahr 70 Jahre alt |
Frage: Sie führen also "
Oedipus Rex" von Strawinski zusammen mit Michael Tilson Thomas auf - sind Sie Musiker?
Patrick Stewart: Nein, es gibt darin einen Geschichtenerzähler, der mit der Musik verwoben ist. Wir haben so etwas Ähnliches vor ungefähr sechs Jahren zusammen in San Francisco gemacht, und die Zusammenarbeit hat uns großen Spaß gemacht... Musik ist meine Leidenschaft - sie erfüllt mein Leben. Fünf Tage mit einigen der besten Musiker der Welt zu verbringen, ist für mich wirklich das Allergrößte.
Frage: Sie haben in letzter Zeit nicht viele Filme gemacht. Gönnen Sie sich eine Pause?
Stewart: Ich habe mich in den letzten fünf Jahren fast ausschließlich auf das Theater konzentriert, weil ich auf diesem Feld einigen Nachholbedarf verspürte. (lächelt) Es ist genau das, was ich immer machen wollte. Ich hatte gar nicht die Ambition, für das Fernsehen zu arbeiten, ich hatte nie den Ehrgeiz, Filme zu machen, weil mir das immer unwahrscheinlich und unrealistisch vorgekommen war. Alles, was ich je machen wollte, war, auf der Bühne zu stehen, weil die Bühne, nun ja, etwas salopp gesagt, der sicherste Ort für mich war. Weitaus sicherer als die Außenwelt... Alles andere, was dann passiert ist, war ein Zufall. Ein wunderbarer Zufall.
Frage: Ein Zufall, der zu zwei Hauptrollen in zwei sehr großen Franchises führte: "Star Trek" und "X-Men".
Stewart: Ich habe das Gefühl, das man in einer Karriere gar nicht genug Franchises haben kann! Mein guter Freund Ian McKellen hat in "X-Men" und der "Herr der Ringe"-Trilogie gespielt und wird bald mit dem "Hobbit" drei daraus machen.
Frage: Sie wurden kürzlich während der 2010 New Year Honour zum Ritter geschlagen, sind also nun Sir Patrick Stewart. Sie haben eine lange und bedeutende Bühnenkarriere hinter sich, aber hätte man Sie zum Ritter geschlagen, wenn Sie nicht Captain Jean-Luc Picard gespielt hätten?
Stewart: (überlegt lange) Es ist ein Resultat davon. Ich bin Ihnen dankbar dafür, dass Sie mich zum Nachdenken darüber gebracht haben. Denn der geballte Erfolg von "Star Trek" und "X-Men" ... als ich nach 15 Jahren Abwesenheit nach Großbritannien zurückkehrte, habe ich ein Stück von Ibsen gespielt ("Baumeister Soneß"). Nicht gerade ein Autor, der die Theatersäle füllt. Das Verdienst von "Star Trek" ist, dass es mich aus der Welt des elitären Shakespeare-Darstellers mit einem sehr kleinen Publikum herausgeholt und mich auf eine internationale Bühne gestellt hat... Nach dem Ende dieser Rolle war ich in der Lage, Bühnenprojekte auf die Beine zu stellen, die ich vorher niemals realisiert hätte.
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Der Part als Jean-Luc Picard hat beim Ritterschlag eine Rolle gespielt, meint Stewart |
Frage: Ich weiß, dass
William Shatner eine Phase hatte, in der er es hasste, Captain Kirk zu sein. Was ist mit Ihnen? Haben Sie jemals bedauert, dass man Sie mit Jean-Luc Picard identifiziert?
Stewart: Nein, ich bin dankbar. Ich habe eine Ein-Mann-Show gespielt, die sehr gut lief, "A Christmas Carol". Wir haben die Karten für die erste Woche am Broadway über die "Star Trek"-Fanclubs verkauft. (lacht) Das war die Vermarktung! Und sie haben die Ränge gefüllt. Es spielt keine Rolle, warum sie kommen... Ian und ich haben uns im Jahr 2009 für sieben Monate eine Garderobe geteilt, als wir "Warten auf Godot" spielten. Ich glaube wirklich, dass wir erheblich daran beteiligt waren, ein neues Publikum für das Theater zu gewinnen.
Frage: Sie werden also im Juli 70. Sie sehen aus wie ein 50-Jähriger. Machen Sie sich irgendwelche Gedanken zu der großen 7-Null?
Stewart: Ich glaube, ich habe großartige Bauern-Gene. Sie sollten sich meine Oberschenkel ansehen! Ich habe tolle bäuerliche Oberschenkel - und Hände. Und ich muss Hollywood danken. Ich denke, die 17 Jahre in Hollywood, in denen ich wirklich gut für mich gesorgt habe - haben wirklich auch gut für mich gesorgt.
Tatsache ist, ich war noch nie in meinem Leben so glücklich, ich war noch nie so erfüllt, und ich war noch nie so optimistisch - nun, abgesehen davon, dass wir in England wohl eine konservative Regierung bekommen werden... Meine Kinder sind wunderbar, meine Enkel sind großartig. Ich habe gerade fünf Jahre damit verbracht, ein Haus in England zu renovieren. Und jetzt ist es geschafft! Und ich habe das nur für mich gemacht. Ich kann es morgens gar nicht erwarten, endlich aufzustehen.
Nun ja, in zehn Tagen werde ich in Los Angeles alle meine Ärzte aufsuchen, und wir werden sehen, was die sagen. Ich hatte vor fünf Jahren eine Herzoperation. Kam aus heiterem Himmel. Und wow, das war ein Schock. Hoffentlich werden sie mir wieder gute Gesundheit bescheinigen, wie sie es seitdem jedes Jahr getan haben.
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(gra - 21.03.10)
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