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Sebastian Kowald (sk)25.02.10

Beide Seiten der Medaille

Ein Interview mit Tom Hardy

Als Shinzon in "Star Trek" wurde er bekannt, danach folgte der Absturz mit Alkohol und Drogen. Doch Tom Hardy hat sich wieder zurück nach oben gearbeitet. 2009 war ein fantastisches Jahr für den britischen Schauspieler, wie er im Exklusiv-Interview mit MTV News verrät.

Tom Hardy ist schon seit Jahren so ein "Oh ja, es ist dieser Bösewicht"-Schauspieler: Man erkennt ihn, man weiß nur nicht woher. Nachdem er am Anfang der 90er-Jahre mit Rollen in "Band of Brothers - Wir waren Brüder" und "Black Hawk Down" groß rausgekommen war, stand er kurz vor dem Aufstieg in die Top-Liga Hollywoods. Doch eine Hauptrolle in "Star Trek: Nemesis" - nicht gerade der Höhepunkt des "Star Trek"-Franchises - und ein Alkohol und Drogen bedingter Zusammenbruch trugen zu seinem professionellen Niedergang bei, von welchem Hardy sich nur langsam erholte, indem er ausnüchterte und wieder am Theater arbeitete.

Schauspieler Tom Hardy
Jetzt ist er zurück - in dem von Kritikern vielgelobten Film "Bronson", in welchem er den berühmten britischen Gefangenen mimt, und Hollywood nimmt wieder Notiz von ihm. Christopher Nolan gab ihm eine Rolle in "Inception" und er übernimmt Mel Gibsons abgefahrene Rolle in "Mad Max 4: Fury Road".

MTV: Dieser Auftritt in "Bronson" kam irgendwie aus dem Nichts für die Leute in den Staaten. Waren Sie überrascht davon, wie sehr die Kritiker ihn gemocht haben?

Tom Hardy: Ja, es war wirklich schön zu sehen, wie die Leute in den Staaten reagiert haben. In England ist der Kriminelle Charles Bronson ein bekannter Charakter in der Presse. Es wurde erwartet, dass eher die Zuschauer in England den Film sehen würden und wissen, wer das ist. Aber ich wusste nicht, dass er so viel Aufmerksamkeit in Amerika bekommen würde. Es ist ein kleiner Independentfilm. Er wurde auf dem Sundance Film Festival gezeigt, aber das war ein Glücksspiel. Es war schön, so ein großes Echo von der Industrie zu bekommen.

MTV: Und Sie kennen zweifelsfrei beide Seiten der Medaille, da Sie auch schon in Filmen mitgewirkt haben, welchen viel Aufmerksamkeit zuteilwurde, die aber nicht hielten, was sie versprachen. Aber so, für solch einen Liebesdienst, das muss doch die ultimative Belohnung sein?

Hardy: Ja, es ist großartig für jeden, der mitgemacht hat, dass der Film so eingeschlagen hat, und es brachte mir gewiss einige Vorteile ein.

MTV: Es macht den Anschein, als würden Sie das Gefühl kennen, auf Listen mit Leuten zu stehen, nach denen man Ausschau halten sollte. Hat diese Rolle wirklich etwas daran geändert an der Art und Weise, wie Sie in Hollywood wahrgenommen werden?

Hardy: Es hat die Art, wie ich arbeite, überhaupt nicht geändert. Aber es ist schon eine gute Sache, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Es kommen jetzt Rollenangebote rein, die früher nicht hereingekommen sind. Aber es gibt zwei Versionen der Geschichte. Ich weiß nicht, wie die Filmindustrie funktioniert, wie jemand zum gefragten Star wird oder nicht. Aber "Bronson" war definitiv eine gute Visitenkarte.

MTV: Wenn Sie zurückschauen, können Sie den besten oder surrealsten Moment beschreiben?

Hardy: Ich hatte nicht erwartet, "Mad Max" zu bekommen. Wirklich nicht. Ich hatte niemals erwartet, die Hauptrolle in einem Hollywood-Film zu bekommen. Und dann kam Chris Nolan und bot mir aus dem Stehgreif die Rolle in "Inception" an ohne ein Vorsprechen. Und dann saß ich noch mit dem Regisseur George Miller bezüglich "Mad Max" zusammen, und arbeite nun mit ihm zusammen, ohne wirklich vorgesprochen zu haben; in dem konventionellen Sinne von Vorsprechen. Dieses Jahr war einfach verrückt. Ich arbeite nun schon seit einer langen Zeit als Schauspieler und habe immer auf einen Independentfilm gewartet, in dem ich eine Rolle als Charakterschauspieler bekommen würde und dann auch noch eine Hauptrolle - wo man glaubwürdig sein muss, aber auch noch vorzeigbar. Es ist sehr schwierig, da reinzukommen, wenn es viele Leute gibt, die man nehmen könnte für die Rolle, die Publikum anziehen und die Kinositze füllen. Also dieses ganze Jahr war einfach atemberaubend.

Tom Hardy als Shinzon in "Star Trek: Nemesis"
MTV: Sie hatten zuerst eine Kostprobe vom Ruhm mit "Star Trek: Nemesis" im Jahre 2002. Wenn Sie zurückdenken an die Zeit, hatten Sie damals das Gefühl, dass Sie es jetzt geschafft haben und es von nun an einfacher werden würde? Und als das nicht passiert ist, wie hat das Ihr Leben für die nächsten Jahre beeinflusst?

Hardy: Das war ein sehr wichtiger Moment. Ich habe die Schauspielschule vorzeitig verlassen - ich habe Glück gehabt - und wurde für die Rolle in "Band of Brothers - Wir waren Brüder" verpflichtet. Aber ich war sehr jung, sehr naiv und sehr eifrig. Ich habe angefangen, ständig zu arbeiten. Nach "Band of Brothers - Wir waren Brüder" machte ich mit "The Reckoning" mit Willem Dafoe und "Black Hawk Down" und "Star Trek" weiter. Und das alles in 16 Monaten. Ich dachte: Das ist es! Aber ich war in keiner Weise auf den Druck vorbereitet.

Der schlimmste Druck war in meinem eigenen Kopf, die Angst des Erfolges und des Versagens. Und ich habe mich nicht auf mein Handwerk konzentriert. Ich war nur darauf bedacht, die nächste Rolle zu bekommen. Es hat sich in Angst und Panik manifestiert und jeder Menge Trinken, um mein Selbstbewusstsein zu stärken. Nach "Star Trek" hatte ich ein mieses Jahr. Ich wartete darauf, dass "Star Trek" endlich in die Kinos kam und meine Karriere auf die nächste Stufe hievt. Am Ende kam ich ins Krankenhaus, kurz nachdem der Film in die Kinos kam. Ich brach zusammen, physisch und mental. Und ich musste feststellen, dass dieses Den-Träumen-Nachjagen, diese Panik, und diese konstante nervöse Energie nicht gesund für mich waren. Eine Menge Leute trinken aus Genuss, sie feiern hart, aber für mich hat das nicht funktioniert. Das Beste, was mir passieren konnte, war, ganz damit aufzuhören. Also ging ich zurück zum Theater und kämpfte mich langsam dorthin vor, wo ich jetzt bin. Aber ich bin mir darüber im Klaren, dass es jederzeit wieder vorbei sein kann, und das ist okay so.

MTV: Mit dem ganzen Erfolg, den Sie haben, und mit den neuen Filmen noch haben werden, machen Sie sich Sorgen, dass die alten Dämonen wieder zurückkommen?

Hardy: Ich bin mir dessen bewusst. Es ist gesund, eine gewisse Menge Angst und Respekt davor zu haben, dass ich mich wieder isolieren könnte. Ich habe jetzt einen Sohn - er ist 18 Monate alt - und er nimmt einen großen Platz in meinem Leben ein. Ich muss ein guter Vater und eine starke männliche Figur in seinem Leben sein. Wenn ich merke, dass mich irgendetwas davon abhält, sauber zu bleiben und meinem Leben ein Sinn zu geben, dann werde ich davon Abstand nehmen. Ich war schon einmal sehr nahe daran, alles zu verlieren und das hat mir Angst gemacht. Ich bin sehr stolz darauf dies überwunden zu haben, aber ich will nie wieder dahin zurückgehen.

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(sk - 25.02.10 - Quelle: MTV.com)

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