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Susanne Grahn (gra) Der lange Weg zu sich selbst Tom Hardy über Erfolg, Sucht, Rückkehr Durch "Star Trek: Nemesis" ging es schnell nach oben, danach folgte der Absturz. Inzwischen ist der Shinzon-Darsteller wieder gefragt und spielt in "Inception", "The Dark Knight Rises" und "Mad Max". Lodown Magazine sprach mit Tom Hardy. Tom Hardy ist heute an dem Punkt angekommen, an dem er schon vor neun Jahren zu stehen glaubte: Er steht kurz vor einem echten Durchbruch. Nach seinem Auftritt in "Star Trek: Nemesis" im Jahr 2002 schien Hardy sich dem allgemeinen Trend widersetzen zu können, dass viele Schauspieler es nicht schaffen, außerhalb eines Franchise erfolgreich Karriere zu machen. Seine grüblerische Darstellung des gequälten Bösewichts Shinzon ließ ahnen, dass Hardy zu weit größeren Leistungen fähig war, zumal er sich schon mit Rollen in "Black Hawk Down" und der viel bejubelten Mini-Fernsehserie "Band of Brothers" einen guten Ruf erworben hatte. In dieser Zeit traf ich ihn zu einem Interview in einer surrealen Umgebung, der "Star Trek"-Ausstellung im Londoner Hyde Park. Wir saßen nur wenige Meter entfernt von der Kulisse der Brücke der Enterprise aus der Classic-Serie. Damals wussten nur wenige, dass Hardy in einen Teufelskreis aus Alkohol- und Drogenabhängigkeit geraten war. Das drohte ihm alles zunichte zu machen. Ein Jahr später brach er in Soho in der Old Comton Street nach einem Drogenexzess zusammen und machte danach endlich eine Entziehungskur. Nun sitzt er mit dem "Lodown Magazine" in einem Londoner Hotel und wechselt mit der Reibeisenstimme eines starken Rauchers spielerisch vom Oxford-Englisch in den Slang der Londoner Straßen. Hinter seinem draufgängerischen, charismatischen Äußeren verbirgt sich zweifelsohne eine verwundete Seele, denn immer wieder webt er Selbsthilfe-Mantras in seine eloquent vorgebrachten und freimütigen Antworten.
Er spielt eine Hauptrolle in "The Wettest County in the World", John Hillcoats Krimi-Drama über Alkoholschmuggler in der Zeit der Prohibition. Außerdem wird er nach seiner Rolle in "Inception" erneut mit Christopher Nolan zusammenarbeiten, und zwar als Bösewicht und Batman-Gegenspieler Bane in "The Dark Knight Rises". Danach erwartet Hardy seine vielleicht größte Herausforderung in der Neuverfilmung von "Mad Max". Die Dreharbeiten zu "Mad Max: Fury Road", die eigentlich Ende letzten Jahres beginnen sollten, werden nun erst 2012 starten. Zuerst werden wir Hardy aber in Gavin O'Connors "Warrior" sehen. Er spielt Tommy Conlon, einen von seiner tragischen Vergangenheit verfolgten Ex-Marine. Nachdem dieser aus der Armee desertiert ist, kehrt er in seine Heimatstadt Pittsburgh zurück und überredet seinen Vater (gespielt von Nick Nolte), einen trockenen Alkoholiker und ehemaligen Boxtrainer, ihn für einen Kampfsport-Wettbewerb zu trainieren. Sein Bruder Brendan (Joel Edgerton), von dem er sich entfremdet hat, ist ein ehemaliger Kampfsportler, unfähig, als Lehrer mit seinen Einkünften auszukommen. Auch Brendan will in den Ring zurückkehren, um seine Familie versorgen zu können, und nimmt an demselben Wettbewerb teil. Obwohl viele Jahre vergangen sind, gären noch immer bittere Schuldzuweisungen in der Familie und bringen die Brüder innerhalb und außerhalb des Rings auf Konfrontationskurs. Das klingt nach einer simplen Story, aber nach dem letzten Film des Regisseurs O'Connor, "Pride and Glory" zu urteilen, und natürlich dank Hardys Beteiligung könnte dieser Film sehr interessant werden. Um sich auf diese Rolle vorzubereiten, hat Hardy hart trainiert. Er baute Muskelmasse auf, verlor 15 Prozent seines Körperfetts und erlernte verschiedene Kampfsportarten wie Boxen, Muay Thai, Kickboxen und Jiu-Jitsu. Von Christian Bale, der zurzeit als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler bezeichnet wird, ist Hardy nicht weit entfernt. Zuerst schrumpfte er praktisch zu einem Nichts zusammen, um in der Verfilmung des preisgekrönten Buches "Stuart: A Life Backwards" die Figur des Stuart Shorter verkörpern zu können, ein drogenabhängiger Obdachloser, der an Muskelschwund leidet. Anschließend nahm er innerhalb von fünf Wochen gut 15 Kilogramm zu, um Charles Bronson zu spielen. Der Mann, der für Hardys erneute Verwandlung zuständig ist, ist sein umgänglicher Personal Trainer und Freund Pnut, ein muskelbepackter schwarzer Ex-Marine. Pnut, der drei Jahre im Rollstuhl verbracht hat, ist nun Hardys rechte Hand und sitzt zusammen mit Hardy beim Interview mit Lodown in London. Lodown Magazine: Lassen Sie uns zuerst über den Film "Warrior" sprechen. Es muss eine Herausforderung gewesen sein, mit Nick Nolte zu spielen, der im Film Ihren Vater verkörpert. Ich habe einmal ein 30-minütiges Interview mit ihm geführt, das nur aus einer einzigen Frage bestand. Er versank in einem Monolog, der ihn bis zum Vietnamkrieg führte! Tom Hardy: Oh ja, er ist außergewöhnlich. Nick kann wirklich reden. Er kommt dabei oft in so einen Zustand, aber er weiß, wovon er redet. Er leidet an ADD (AufmerksamkeitsDefizitSyndrom) und steht ständig unter Strom. Da ich selber auch ein bisschen hyperaktiv bin, weiß ich seine Tatkraft und seine Einstellung sehr zu schätzen. Er ist ein sehr umgänglicher Typ und hat manchmal eine wunderbar kindliche Art. Er ist 70 Jahre alt, hat also in seinem Leben schon eine Menge durchgemacht. Lodown Magazine: Zur Zeit der Dreharbeiten für diesen Film waren Sie körperlich vermutlich so fit wie noch nie zuvor? Hardy: Ja, ich wog etwa sechs Kilo mehr als in "Bronson", hatte aber überhaupt kein Fett mehr. Bei den Dreharbeiten für "Bronson" wog ich etwa 80 Kilogramm und hatte ziemlich viel Körperfett, so dick war ich noch nie! Danach ernährte ich mich fast ausschließlich von Huhn und Brokkoli. Einen Körper so in Form zu halten, ist unheimlich anstrengend, und auch das Arbeiten hat sehr viel Kraft gekostet. Das war für mich eine gewaltige Belastungsprobe. Ich war definitiv das schwächste Glied in diesem Film und habe ziemlich viel gelitten und rumgejammert. Lodown Magazine: Die Vorbereitung auf diese Rolle war vermutlich knallhart. Welche Vorteile hat es, wenn der Fitnesstrainer gleichzeitig ein guter Freund ist? Hardy: Ich bin keine Maschine, und er kennt meine Grenzen. Wenn ich sage: "Ich kann nicht mehr", dann kann ich wirklich nicht mehr. Natürlich hat er mich angetrieben, aber ich musste ja nicht wirklich ein Kämpfer werden, sondern nur wie einer aussehen. Dennoch musste ich natürlich ein gewisses Niveau erreichen, und dabei gab es zwangsläufig ein paar gebrochene Knochen. Ich habe mir meine Rippen angebrochen und in der rechten Hand ist ein Band gerissen, die ist nun also hinüber. Außerdem habe ich mir gleich während der ersten zwei Wochen den kleinen Zeh gebrochen, und es ist erstaunlich, wofür man einen kleinen Zeh so alles benutzt. Bei jedem Schlag oder Tritt, den man im Film sieht, treffen wir tatsächlich den Körper des Gegners. Körpertreffer sind eigentlich nicht so schlimm. Man vermeidet natürlich die Nase, die Augen und überhaupt das Gesicht, aber wenn du sechs Wochen lang, sechs Tage die Woche und 16 Stunden am Tag Kampfszenen drehst, kann alles Mögliche passieren. Es waren ziemlich viele Volltreffer dabei.
Hardy: Zumindest war es mal etwas Neues. Vor etwa vier Jahren habe ich dann begonnen, das Training wirklich ernstzunehmen. Ich war sehr diszipliniert, aber irgendwann fand ich das Gewichtestemmen langweilig und fing jedes Mal an zu denken: "Verdammt, ich muss heute noch trainieren". Also habe ich mir überlegt, wie ich das Training umgehen könnte. (sieht Pnut an und lacht) Pnut: Ich ging zu seinem Haus, aber er war nicht da. Ich fuhr zu seinen Eltern, aber da war er auch nicht. Ich habe seine Freundin angerufen, aber er war nicht dort. Hardy: Niemand ging ans Telefon, also musste Pnut mich suchen. Er muss sich sein Geld schließlich verdienen. Da er nicht nur mein Trainer sondern auch mein Bodyguard ist, hat er ein Problem, wenn er mich nicht finden kann! Lodown Magazine: Egal was passiert, er bekommt sein Gehalt ... Hardy: Ich zahle ihm eine lächerliche Summe, und es wird sich stark auf sein Weihnachtsgeld auswirken, wenn ich für "Mad Max" nicht verdammt heiß aussehe, aber ich habe keine Lust, mich dafür anzustrengen. Pnut: Die beste Methode ist, ihn an den Füßen zu packen und gegen einen Baum zu knallen, dann wird er irgendwann gut aussehen ... Hardy: Wir streiten uns manchmal wie Ren und Stimpy, bis die Leute uns anstarren und denken: "Mein Gott!" Ich schreie Pnut an und er schreit zurück. Dann heulen wir und umarmen uns, und danach machen wir weiter mit der Arbeit wie echte Kerle! Lodown Magazine: Wird "Mad Max" ein hundertprozentiger Action-Film? Hardy: Ich denke schon. Im Moment formen wir den "Mad Max"-Körper. Er wird wieder etwas dünner und animalischer, ein bisschen hundeähnlich. Lodown Magazine: Mel Gibson war damals auch kein wirklicher Muskelprotz. Hardy: Nein, absolut nicht. Er ist eine Legende, aber er hat noch nicht einmal die Hälfte von dem Zeug gemacht, das wir in diesem Film zeigen werden - die ganze verdammte Trilogie passt in die ersten 20 Minuten unseres Films. Er ist eine Legende, und ich muss in seine Fußstapfen treten, was schon schwierig genug ist, aber die komplette "Mad Max"-Trilogie ist quasi nach 20 Minuten zu Ende. Das ist unglaublich, einfach lächerlich. Lodown Magazine: Warum hat George Miller sich diesen Film vorgenommen? Hardy: Das ist eine gute Frage. Ich habe vor, das herauszufinden. Lodown Magazine: Vielleicht weil er gerne viele sehr unterschiedliche Filme macht ... Hardy: "Ein Schweinchen namens Babe", "Happy Feet" ... Deshalb finde ich ihn so großartig. Lodown Magazine: Ich habe ihn nie kennen gelernt. Er wirkt ein bißchen wie ein alter Dandy. Hardy: Er ist sehr analytisch, er ist nämlich auch Psychiater. Er analysiert alles sehr genau und ist sehr sensibel und einfühlsam. Er arbeitet immer mit der gebührenden Sorgfalt. Er kann sich sehr sensibel und einfühlsam mitteilen, er ist einfach ein großartiger Mensch. Lodown Magazine: Sie haben viel von Action gesprochen, aber mit George als Regisseur wird der Film auch ein Charakterstück werden, oder? Hardy: Er muss das in eine Welt voller Bescheidenheit, Sensibilität und Verwundbarkeit einbetten, alles Eigenschaften, die er selber ausstrahlt. Lodown Magazine: Geht das aus dem Drehbuch hervor? Hardy: Nein. (lacht) Im Drehbuch steht nur blutiges Gemetzel! Gott weiß, wie er das anstellen will. Wenn der Regisseur nicht George Miller wäre, würde ich das Ganze wohl nicht sehr ernstnehmen. Es könnte leicht ein x-beliebiger Actionfilm werden, der erfolgreich wird oder eben auch nicht.
Hardy: Das gibt es, aber in diesem Fall ist es anders. Es ähnelt mehr der Neuverfilmung von "Batman" durch Christopher Nolan. Immerhin hat George Miller die ursprünglichen "Mad Max"-Filme ja selber geschaffen, und er hatte 30 Jahre Zeit, um darüber nachzugrübeln und schließlich das Thema noch einmal aufzugreifen. Pnut: Es ist fast wie ein kleiner Independentfilm, nur in epischer Breite erzählt. Es ist furchterregend! Lodown Magazine: Tina Turner ist diesmal nicht mit dabei ... Hardy: Gott sei Dank! Ich will nicht lügen, Mel hat gut gespielt, aber Tina war nicht so toll, oder? Sie ist eine Legende, aber nicht für die Kinoleinwand geschaffen. (lacht) Sie ist immer noch eine Ikone, dagegen steckt meine Karriere noch in den Anfängen. Ich habe vielleicht das Potenzial dazu, aber ich bin noch keine Legende. Lodown Magazine: Bei unserem ersten Treffen sprachen wir über "Star Trek: Nemesis". Das war damals für Sie persönlich eine schwierige Zeit ... Hardy: Das kann man wohl sagen, ich war damals so was von high! (bricht in Gelächter aus) Ich war nicht mal mehr auf diesem verdammten Planeten! Genau genommen ist das nicht ganz richtig - ich war da, im Stil von "New Jack City" [amerikanischer Gangsterfilm über Crackdealer, Anm. d. Übers.]. Es lässt sich nicht verheimlichen, ich trank damals reichlich Rocket Fuel [knapp 50-prozentiger Wodka, Anm. d. Übers.]. Mir ging es damals richtig dreckig! Und ich dachte, der Film würde mich zum Superstar machen. Da habe ich ganz schön danebengelegen, was? Lodown Magazine: Dennoch ... Hardy: Ich bin immer noch dabei, um irgendwann zu gewinnen. Lodown Magazine: Sie haben damals trotz der schwierigen Situation weiter Theater gespielt und sehr viel Beifall bekommen. Das war nicht nur eine Jagd nach immer neuen Höhepunkten, Sie waren in mancher Hinsicht sehr mit Ihrer Arbeit verwurzelt. Hardy: Irgendjemand da oben kann mich wohl ganz gut leiden, und anscheinend mache ich auch einiges richtig. Lodown Magazine: Sie haben zum Beispiel vor kurzem unter dem Regisseur Philip Seymour Hoffmann Theater gespielt (der mit Hardy bereits in Brett C. Leonards Stück "The Long Red Road" gearbeitet hatte), und der arbeitet sicher nicht mit jedem. Hardy: Das ist richtig, und ich bin für diese Zusammenarbeit sehr dankbar. In den zehn Wochen, die ich mit ihm in Chicago verbracht habe, habe ich buchstäblich an seinen Lippen gehangen, und er hat mich so intensiv betreut, dass wir Freunde geworden sind. Ich liebe meine Arbeit wirklich. Glücklicherweise verfüge ich über eine Reihe von schauspielerischen Fertigkeiten und auch ein gewisses Maß an Talent. Das ermöglicht mir, mit verschiedenen Leuten bestimmte Projekte zu verwirklichen, und darauf gründen sich meine Selbstachtung und Zielsetzungen, mein Ehrgeiz und das Bedürfnis, bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Lodown Magazine: In meinen Augen war es zur Zeit von "Nemesis" offensichtlich, dass Sie ein großes Talent sind, wie aber haben Sie selbst Ihre Arbeit beurteilt? Waren Sie von Ihrem Können überzeugt, oder haben Sie sich mit anderen britischen Schauspielern verglichen, um Selbstvertrauen zu gewinnen? Hardy: Eine interessante Frage. Wenn man wenig Selbstvertrauen hat, schaut man auf andere und sagt sich: "Ich bin doch besser als dieser Phrasendrescher hier", und daraus resultiert falscher Stolz und unverhältnismäßiger Ehrgeiz. Ich stand damals wirklich neben mir. Wenn ich jemandem die Schuld geben wollte, zeigten gleich drei andere mit dem Finger auf mich. Inzwischen bin ich natürlich älter geworden und habe aus meinen Erfahrungen gelernt. Es geht mir nicht mehr darum, der Beste zu sein, was damals ziemlich kindisch und arrogant war. Ich möchte das Beste aus mir herausholen und so gut sein wie möglich. Ich möchte Teil eines Teams sein. Obwohl ich noch nicht viel Erfahrung hatte, war ich erfolgreich und weckte das Interesse von Leuten, die meiner Ansicht nach verdammt gut in ihrem Job sind. Sie haben meinen Erfolg bestätigt, indem sie sagten: "Komm her, Tom, wir möchten mit dir arbeiten." Lodown Magazine: Sie hatten keine Angst, Charaktere zu spielen, die Ihnen sehr ähnlich waren - Sammy in dem Stück von Philip Seymour Hoffman oder die Figur des Stuart. Hardy: Wir wissen, was für Charaktere Stuart und Sammy sind. Stuart ist mir sehr ähnlich. Ich bin nicht Stuart, aber ich identifiziere mich sehr stark mit ihm. Ich kann die gewaltigen Kämpfe, die diese Menschen austragen, auf eine molekulare, eine sehr individuelle Ebene bringen - es geht nicht um den Präsidenten der USA, sondern um einen Menschen, der in Cambridge ums nackte Überleben kämpft. Das eigentlich Wichtige für mich an so einer Rolle ist, die Botschaft von Zuwendung, Liebe und Verständnis zu vermitteln und dieser Figur, diesem Individuum eine Stimme zu geben, weil ich sie wirklich verstehe. Andere Schauspieler verkörpern lieber andere Charaktere. Ich suche mir diese Figuren aus, weil ich sie faszinierend finde und mich mit ihnen identifizieren kann. Es ist gleichzeitig eine Art Selbsttherapie. Ich bringe für ein solches Projekt bestimmte Erfahrungen mit und muss diese dann in die Schauspielerei umsetzen. Ich bin ein Künstler. Es klingt vielleicht absurd, aber ich verstehe mich als Künstler. Ich sage das nicht so oft, aber letztlich stimmt es. Lodown Magazine: Es ist also wirklich echte "Schauspielerei". Hardy: Absolut. Das Wichtigste an einem guten Film sind die Individuen und Teams wie zum Beispiel die Coen-Brüder. Die beiden machen großartig gearbeitete Filme und schaffen damit letztlich wirklich Kunst. Die beiden sind so gute Beobachter unserer Gesellschaft und reflektieren das, was sie sehen, auf eine unnachahmlich treffende und charakteristische Weise. Lodown Magazine: In Christopher Nolans nächstem "Batman"-Film werden Sie den Bösewicht Bane spielen. Wie ist Nolan auf Sie aufmerksam geworden, hatte er Sie in "Bronson" gesehen? Hardy: Ich flog zu ihm, wir haben uns kurz unterhalten und ich bekam den Job. Lodown Magazine: Das ist ja ein bisschen so wie bei einem Casting von Woody Allen ... Hardy: So etwas passiert doch normalerweise nie! Es war großartig. Lodown Magazine: Wie haben Sie die Rolle des Mad Max bekommen? Hatte das etwas mit Ihrem Auftritt in "Bronson" zu tun? Hardy: Ich flog hin, wir haben uns unterhalten, (lacht) ich bekam den Job! Das ist mir in einer Woche zweimal passiert. (erneut Gelächter) Genau genommen sogar dreimal, mit Tony Scotts "Potsdamer Platz" war es genau das gleiche. Das war eine super Woche! Es gab keinen erkennbaren Grund; zehn Jahre lang habe ich darum gekämpft, endlich ernstgenommen zu werden, und plötzlich heißt es: "Können wir uns mal unterhalten?" - "Ja." - "Sie können die Rolle haben!" - "Was?! Was fällt Ihnen ein?! Ich will diesen Job nicht!"
Hardy: Keine Ahnung. Lodown Magazine: Besonderes Charisma? Hardy: Besondere Genugtuung! Das hat so verdammt gut getan. Ich habe allerdings wirklich keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist. Ich habe keine Kontrolle über diese Entwicklung. Aber so gehe ich eigentlich sowieso an meine Arbeit heran. Es ist einfach in Gottes Hand. Das Angebot für "Mad Max" kam zu einem interessanten Zeitpunkt. Ich habe eine Frau kennengelernt, die ich heiraten und mit der ich sesshaft werden möchte, und ich habe meinen wunderbaren Sohn, an dessen Leben ich teilhaben möchte. Ich möchte und müsste eigentlich zu Hause bei meiner Familie sein, aber stattdessen bin ich plötzlich auf dem Weg in mein größtes Abenteuer - und weiß natürlich ganz genau, was für ein Reinfall das werden kann. Es ist wirklich schwer - ich muss gegen Mel Gibson antreten, und das ist eigentlich unmöglich. Lodown Magazine: Und Sie müssen für die Dreharbeiten ans andere Ende der Welt, nach Australien ... Hardy: Ja, abgesehen von allem anderen werde ich weit weg in Australien sein, und man darf nicht vergessen, dass ich Schwierigkeiten mit Isolation und Verzicht habe und früher suchtkrank war. Nach sieben Jahren ohne Rückfall wird es Zeit, dich aus deiner Kuschelecke wieder herauszuholen, und wir versprechen, es wird dir gut tun ... oder auch nicht. (lacht) Wir werden sehen, was passiert. Lodown Magazine: Für Sie ist das Ihre größte Herausforderung? Hardy: Es ist jedenfalls die größte Rolle. Stuart und Bronson waren sehr komplexe Figuren. Dies ist ebenfalls eine komplexe Rolle, aber es kommt auch noch dieser Star-Anreiz dazu. Es gibt nur alles oder nichts - kann man das, was "Mad Max" ausgemacht hat, beim zweiten Mal wieder erreichen? Ich weiß nicht, ob ich es kann. So gesehen ist es eine Herausforderung. Lodown Magazine: Sie müssen sich von diesen Erwartungen distanzieren, denn sie sind ja nicht real ... Hardy: Ja. Was würden Sie tun? Genau das meine ich. Es ist nicht so, dass ich nicht das nötige Handwerkszeug hätte, die Frage ist, welches sind die richtigen Werkzeuge? Also setze ich erst mal auf die "Basics" und nähere mich dieser Figur genauso wie allen anderen ... Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück. Es fühlt sich an, als würde ich den Kilimandscharo des Filmemachens besteigen. Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm deine Pläne - genauso wird es sein. Lodown Magazine: Danach müssen Sie aber wieder hinuntersteigen ... Hardy: Ja. Bring die nötige Leistung, dann kommt das Ergebnis von alleine. Irgendwann muss man dann eben wieder runterkommen, und eine Familie hilft einem dabei, wieder zur nötigen Bodenständigkeit zu gelangen. Letztendlich wird man sowieso immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Lodown Magazine: Sie können ja nur Ihr Bestes geben. Hardy: Es wird jedenfalls verdammt noch mal nicht daran liegen, dass wir es nicht versucht hätten. Ich werde für "Mad Max" so hart arbeiten wie noch nie, und jeder, der das Gegenteil behauptet, bekommt eins auf die Rübe. Ich begebe mich wieder einmal in die Schusslinie. Aber ich habe Feuer, und außerdem bin ich inzwischen ein bisschen klüger - ich weiß, dass ich zum Scheitern verurteilt bin. Deshalb bin ich jetzt vor meiner Reise nach Australien schon sauer. Vergessen Sie den "Wütenden Max", ich bin der "Stinksaure und angepisste Max"! Lodown Magazine: Wie bereiten Sie sich auf diese Rolle vor? Hardy: Wenn ich mit dem Rauchen aufhören muss und anfange, Mahlzeiten zu überspringen, werde ich automatisch ziemlich aggressiv werden, und Mad Max wird auf alles Gute und Schöne schießen wollen. Lodown Magazine: Da kann ich nur sagen: viel Glück! Hardy: Vielen Dank, das werde ich verdammt noch mal brauchen. Ausführliche Interviewübersetzungen wie diese finden Sie jedes Wochenende in unserem Newsletter "TrekZone Weekend". Falls Sie die "TrekZone Weekend" noch nicht abonniert haben, können Sie den Newsletter zusammen mit unserem monatlichen Internet-Magazin "Incoming Message" hier kostenlos bestellen. (gra - 16.01.12 - Quelle: TomHardyParty.com) Weiterführende Links
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