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Henning Koonert (hk)14.09.08

George Takei heiratet

Ein Statement für die Demokratie

George Takei (Sulu) hat seinen langjährigen Partner Brad Altman geheiratet. Im Interview mit Southern Voice sprach der "Star Trek"-Star vor der Feier über Diskriminierung, Demokratie und natürlich die Hochzeit selbst.

Eine von George Takeis frühesten Erinnerungen ist, hören zu müssen, dass er und seine Familie anders und möglicherweise gefährlich sind. "Ich erinnere mich noch gut an den angsteinflößenden Tag, an dem zwei amerikanische Soldaten mit Bajonett-besetzten Gewehren auf unser Haus zu stapften und uns rauswarfen." Der damals fünfjährige Takei und seine Familie, Japan-Amerikaner in der zweiten Generation, wurden zu einem Internierungslager in Arkansas, später dann nach Nordkalifornien, gebracht. Die Takeis waren unter den mehr als 100.000 Japan-Amerikanern, die während des Zweiten Weltkriegs aufgrund von Ängsten vor Abtrünnigkeit eingesperrt wurden. Davon betroffen waren alle Einwohner der Westküste, die zu mindestens einem Achtel japanischer Abstammung waren.

Takei mit Ehemann Brad Altman
"Meine Mutter wurde in Sacramento geboren, mein Vater kam aus San Francisco. Ich wurde in Los Angeles geboren", sagt Takei. "Aber das machte keinen Unterschied. Es gab keine Anklage, es gab keine Verhandlung." Takeis Eltern sprachen beide Japanisch und wegen ihrer Antworten auf einem "Loyalitätsfragebogen" wurden sie in dem am stärksten bewachten Internierungslager eingesperrt. Takei sagt, er hat sich mit der Anpassungsfähigkeit eines Kindes an die Umstände im Lager gewöhnt, aber eine gewisse Ironie ist ihm nicht entgangen: "Ich ging zur Schule in einer schwarzen Baracke aus Teer und Pappe und jeder Schultag begann mit dem Fahneneid. Ich blickte auf den Stacheldrahtzaun und ich konnte die Wachtürme sehen, während ich die Worte 'Freiheit und Gerechtigkeit für alle' aufsagte."

20 Jahre später, 1965, bekam Takei die Rolle als Hikaru Sulu in "Star Trek" - einer der ersten Fernsehserien mit einem mehrfarbigen Cast. Obwohl er Teil des Strebens war, eine idealisierte Version der Zukunft zu zeigen, hielt Takei sein Leben und auch seine sexuelle Orientierung privat. "Produzenten suchen immer nach Gründen für eine Ablehnung - zu groß, zu klein, zu schwul - und ich wollte ihnen keinen Grund liefern, mich abzuweisen. Ganz ehrlich, ich lebte ein Doppelleben. Ich bin mit Frauen ausgegangen. Ich habe sie mit zu Premieren und so genommen."

Trotz dieser Mühen fanden seine Freunde es heraus. Frauen in knapp sitzenden Kostümen und hübsche Männer in engen Uniformen waren in "Star Trek" keine Seltenheit. Einer dieser Komparsen outete Takei unfreiwillig gegenüber einem seiner Kollegen. Walter Koenig (Chekov) trank eines Morgens Kaffee gemeinsam mit Takei und deutete auf einen bestimmten Statisten.

"Ich schaute hinüber und da war ein Statist in Uniform mit diesem irgendwie offenen Hemd und er war atemberaubend. Da wusste ich, dass Walter es wusste und ich sagte: 'Walter, du hast Recht.' Ich war also geoutet, aber das war nicht bekannt." Während der vergangenen 40 Jahre hat Takei einige tiefe Freundschaften mit Mitgliedern von Cast und Crew entwickelt. William Shatner gehört wohl nicht dazu: "Bill Shatner kann meinen Namen immer noch nicht richtig aussprechen", sagt Takei und kann sich den Seitenhieb, dass "Star Trek"-Erfinder Gene Roddenberry dies schon beim zweiten Mal korrekt hinbekommen habe, nicht verkneifen. "Es heißt Takei, wie Toupet. Vielleicht haben Sie den Roast gesehen, wo ich versucht habe, das in seinen Kopf zu kriegen, aber ich glaube, ich bin bloß bis zum hohlen Bauch vorgedrungen."

Am 17. Juni 2008 schrieb Takei Geschichte, gemeinsam mit seinem Partner Brad Altman, mit dem er seit 21 Jahren zusammen ist. Das Paar kündigte seine bevorstehende Hochzeit an, wobei damit das zweite Mal innerhalb von zwei Generationen ein Mitglied von Takeis Familie auf die Erlaubnis des kalifornischen Obersten Gerichts warten musste: "In den 40er-Jahren wollte meine Tante einen kaukasischen Mann heiraten, was nicht ging, bis der kalifornische Oberste Gerichtshof es 1948 erlaubte, und die beiden sind noch immer glücklich verheiratet. Damals sorgte man sich um die Reinheit der Rasse. Heute ist es als ein Mann oder eine Frau definiert. Wir finden heraus, worum es in der amerikanischen Demokratie wirklich geht. Man sollte heiraten, wen man liebt, nicht künstlich durchs Geschlecht bestimmt."

George Takei in den 60er-Jahren als Sulu
Am 14. September 2008 haben Takei und Altman geheiratet, mit einer Zeremonie, die amerikanische Vielfalt zelebriert und ein bisschen auch das Showbusiness. "Wir wollten eine Hochzeit, die ganz auf uns zugeschnitten ist", so Takei. Trauzeugen waren Walter Koenig und Nichelle Nichols (Uhura). Die Feier wurde von einem mexikanisch-amerikanischen Geistlichen gestaltet; mit schottischem Dudelsack (Altman hat schottische Vorfahren) wurden die Gäste vom Democracy Forum zum Japanese American National Museum zum Empfang geleitet. Der Los Angeles Gay Men's Chor sollte singen und ein Musiker auf einem alten japanischen Instrument, dem Koto, Jazz spielen.

"Es lehnt sich ans Show-Bizz, Musik, Comedy an", so Takei. "Tatsächlich ist unser Hochzeitsmarsch 'One Singular Sensation' aus 'Chorus Line'. Das ist vielleicht ein bisschen tätä, aber so sind wir. Wir lieben Musicals."

Jenseits des Humors, den Takei nutzt, um seinen Punkt rüberzubringen, ist ihm politisches Engagement ernst. 1973 unterlag er knapp im Rennen um einen Sitz im Stadtrat von Los Angeles, später saß er im Rapid Transit District Board von Südkalifornien, wo er das Metro-System der Stadt mit aus der Taufe hob.

Takei war im Kampf um die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien sehr aktiv und ist auch der Bürgerrechtsbewegung treu geblieben. Teil seiner Motivation sind einige Worte, die sein Vater ihm hinter den Stacheldrahtzäunen des Internierungslagers mit auf den Weg gab: "Unser Vater sagte uns, dass unsere Demokratie sehr zerbrechlich ist und dass Amerikaner der Hysterie verfallen können, wenn so etwas wie Pearl Harbor geschieht. Daher ist es wichtig, dass gute Menschen im politischen Prozess aktiv bleiben, um die Demokratie an ihre Verantwortung zu erinnern."

(hk - 15.09.08 - Quelle: SoVo.com)

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