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Henning Koonert (hk)16.05.09

James Doohan

Montgomery "Scotty" Scott

Als Scotty setzte James Doohan den Standard für alle künftigen Chefingenieure in "Star Trek". Sie alle mussten aus dem Schiff etwas mehr herausholen als möglich schien.

James Montgomery Doohan wurde am 30. März 1920 als jüngstes von vier Kindern der Eheleute Sarah und William Patrick Doohan in Vancouver geboren. Seine Eltern waren zuvor wegen des Kriegs zwischen Großbritannien und der IRA aus Nordirland nach Kanada ausgewandert. Später zog die Familie in die Stadt Sarnia um, wo der junge James Doohan an die Sarnia Collegiate Institute and Technical School ging. Mathematik und Naturwissenschaft lagen dem Jungen besonders. Zu Hause litt die Familie unter den Misshandlungen des alkoholsüchtigen Vaters. James Doohan schrieb sich ins Kadetten-Corps der kanadischen Armee ein und verließ sein Elternhaus im Alter von 19 Jahren.

James Doohan
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Doohan einer Infanterie-Einheit des kanadischen Heeres zugeteilt und 1940 in Großbritannien stationiert. Nach Beförderungen bis zum Sergeant durchlief Doohan das Offizierstraining und wurde schließlich zum Leutnant befördert. Am 6. Juni 1944, dem D-Day, wurde Doohans Einheit erstmalig in den Kampf geschickt. Bei der Landung am Juno Beach an der Küste der Normandie befehligte der spätere Schauspieler 120 Mann.

Nachdem die Stellung gesichert war, wurde Doohan, der zwischen zwei Kommandoposten wechselte, in der Dunkelheit von einem nervösen Wachposten für einen feindlichen Soldaten gehalten und unter Feuer genommen. James Doohan wurde von sechs Kugeln getroffen. Vier trafen ihn ins Bein, eine ging in den Mittelfinger seiner rechten Hand und nur eine silberne Zigarettenschachtel, die Doohan in der Tasche verstaut hatte, verhinderte einen tödlichen Treffer der sechsten Kugel in die Brust. Sein Finger aber musste amputiert werden; bei zukünftigen Dreharbeiten verbarg Doohan diese Versehrtheit meist geschickt.

Trotz der Verletzungen, die er in England auskurierte, blieb Doohan weiter in der Armee und absolvierte ein Pilotentraining. Er wurde für Aufklärungs- und Beobachtungsflüge in einer Auster Mark V ausgebildet und im holländischen Apeldoorn stationiert. Doohans Einheit wurde nicht mehr in den Kampfeinsatz geschickt, er absolvierte bis zum Kriegsende Transportflüge.

Nach dem Krieg kehrte James Doohan nach Kanada zurück, wo er zunächst als Sprecher beim CBC Radio auftrat. Doohan aber wollte mehr als in Radiosendungen zu spielen, und nahm zunächst Schauspielunterricht in Toronto. Später bekam er ein zweijähriges Stipendium am renommierten New York Neighborhood Playhouse, wo unter anderem Leslie Nielsen zu seinen Klassenkameraden zählte. Dazu gründete Doohan eine Familie: 1949 heiratete er Janet Young. Das Paar hat zusammen vier Kinder, darunter die Zwillinge Montgomery und Christopher.

Doohan hatte das Sprungbrett für seine Karriere gefunden und in den 50er-Jahren spielte er in hunderten Theater, Fernseh-, Film- und Radioprogrammen in Toronto und New York mit, womit er eindrucksvoll seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Schließlich verschlug es auch ihn von der Ostküste nach Hollywood.

Mit Beginn der 60er-Jahre sah man Doohan dann vermehrt als Gastdarsteller in bekannten US-Serien. Darunter waren Western wie zum Beispiel "Rauchende Colts", "Der Mann ohne Namen", "Die Leute von der Shiloh Ranch" und "Bonanza" (bei einem von zwei Gastauftritten gemeinsam mit Majel Barrett). In Genre-Serien wie "Twilight Zone" und "The Outer Limits" war er ebenso zu sehen wie in der Familienserie "Verliebt in eine Hexe" und der Agentenreihe "Solo für O.N.C.E.L.". In zwei Folgen der Serie "Die Seaview - In geheimer Mission" spielte er einen Mitarbeiter des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Für zwölf Folgen spielte er 1965 und 1966 Thomas in "Peyton Place". Privat hatte Doohan weniger Glück, 1964 ließen er und seine Frau Janet sich scheiden.

Als Scotty wurde Doohan weltberühmt
Beim Vorsprechen für die Rolle des noch namenlosen Chefingenieurs der Enterprise demonstrierte Doohan eine Reihe von ausländischen Akzenten und überzeugte Serienschöpfer Gene Roddenberry damit offensichtlich. Dieser fragte ihn, welchen er am liebsten verwenden würde, woraufhin Doohan entgegnete, dass seiner Erfahrung nach die besten Ingenieure alles Schotten seien. So wurde der Chefingenieur zu "Scotty" Scott und erhielt dazu Doohans zweiten Vornamen Montgomery. Scotty, so sagte der Schauspieler einmal, das seien 99 Prozent James Doohan und ein Prozent Akzent.

Während seiner Zeit bei der Classic-Serie heiratete Doohan ein zweites Mal. Die Ehe mit Anita Yagel hielt von 1967 bis 1972. Nach der Absetzung der Classic-Serie sah man Doohan in weiteren Gastauftritten in den Serien "Then Came Bronson", "Daniel Boone" und "Dr. med. Marcus Welby" sowie in "Return to Peyton Place" und den Filmen "Eine nach der Anderen" und "Ein Mann in der Wildnis". Als man 1973 die Besatzung der Enterprise für neue Abenteuer in Zeichentrickform wieder zurück auf den Bildschirm holte, stellte James Doohan sein Sprachgeschick unter Beweis, indem er nicht nur Scotty, sondern in fast jeder Episode auch Gastcharakteren die Stimme lieh, häufig auch mehreren in ein und derselben Folge. Der neu eingeführte wiederkehrende Charakter Arex wurde ebenfalls von Doohan gesprochen.

1974 lernte Doohan bei einer Theatervorstellung die 17-jährige Wende Braunberger kennen. Im Herbst desselben Jahres heirateten die beiden. Mit ihr zeugte Doohan drei Kinder, seine jüngste Tochter Sarah kam im Jahr 2000 zur Welt. Die Bekanntheit als Scotty erwies sich für Doohan später als zweischneidiges Schwert. Viele Rollen bekam er künftig gerade aufgrund dessen, dass die Zuschauer ihn mit dem Chefingenieur aus Schottland in Verbindung brachten, nicht mehr. In einer weiteren, wenn auch diesmal für ein jüngeres Publikum gedrehten, Science-Fiction-Serie sah man ihn dennoch Ende der 70er-Jahre: In "Jason of Star Command" spielte er Commander Canarvin.

Auf die Kinoleinwand kehrte er gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Classic-Serie 1979 in "Star Trek: Der Film" zurück, obwohl er kurz zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte, und war als Scotty in sechs weiteren "Star Trek"-Kinoabenteuern mit dabei. Für "Star Trek: Der Film" dachte Doohan sich die ersten Brocken Klingonisch aus, die man hier zu hören bekam. Auch am Klang der vulkanischen Sprache arbeitete er mit. Nicht zu allen seiner Kollegen hatte Doohan ein gutes Verhältnis: Besonders von Leonard Nimoy hatte er eine hohe Meinung, William Shanter dagegen konnte er überhaupt nicht leiden. Die beiden söhnten sich allerdings noch vor Doohans Tod aus.

In den 80er-Jahren, in denen er das Rauchen aufgab und daraufhin deutlich an Gewicht zunahm, sah man Doohan in Gastauftritten in populären Serien wie "Fantasy Island", "Hotel" und "Magnum, P.I.". 1987 wurde James Doohan das erste Mal Großvater. In den 90ern trat er auch in "MacGyver" auf; als "Jimmy Doohan, der Kerl, der Scotty gespielt hat" hatte er 1991 einen Cameo-Auftritt im Fernsehfilm "Knight Rider 2000" und auch ein Cameo zwei Jahre danach in "Loaded Weapon 1" basierte auf seiner bekanntesten Rolle.

1992 war er in seiner bekanntesten Rolle auch in "The Next Generation" zu sehen
1992 war Doohan noch einmal in einer "Star Trek"-Serie zu sehen. Die "Next Generation", inzwischen in ihrer sechsten Staffel, stieß im All auf Scotty, der sich in der neuen Zeit nicht so ganz zurechtfand. Neben William Shatner als Kirk und Walter Koenig als Chekov war Doohan einer von drei Schauspielern der ursprünglichen Besatzung, die den Staffelstab im siebten Film auch auf der großen Leinwand an die "Next Generation" weitergaben. Hier sah man ihn auch das letzte Mal als Scotty. Doohans Autobiographie "Beam Me Up, Scotty" erschien im Jahr 1996.

Nach der Classic-Serie war Doohan zwar weniger häufig im Fernsehen zu sehen, dafür umso öfter auf Conventions, wo er durch seine heitere, verständige und umgängliche Art beeindruckte. Doohan galt als einer der Fan-freundlichsten Schauspieler aus dem "Star Trek"-Franchise. Viele Kinder und Jugendliche hat die von James Doohan geschaffene Figur des Scotty zudem dazu inspiriert, selbst Studiengänge der Ingenieurwissenschaften zu belegen. Dafür wurde Doohan von der Milwaukee School of Engineering die Ehrendoktorwürde verliehen.

1996 war Doohan in der Weltraum-Komödie "Homeboys in Outer Space" und als Damon Warwick in zwei Folgen der Seifenoper "Reich und Schön" zu sehen. 1998 spielte er im Film "Bug Buster" Sheriff Carlson. Seine letzten Rollen spielte James Doohan 1999 in der Familienkomödie "Lord Hubert - Hundeadel verpflichtet" und dem Thriller "Mit den Augen einer Toten". Im Gegensatz zu seinen Kollegen verweigerte Doohan im Jahr 2002 als Einziger der "Futurama"-Parodie auf "Star Trek", "Where No Fan Has Gone Before", seine Mitwirkung, auch untersagte er die Verwendung seines Bildnisses.

2004 gab Doohan bekannt, dass man bei ihm die Alzheimer-Krankheit festgestellt hatte. Im gleichen Jahr zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Sein letzter öffentlicher Auftritt war die Einweihung seines Sterns auf dem Hollywood Walk of Fame im Beisein seiner Kollegen Nichelle Nichols, George Takei und Walter Koenig.

Doohan litt schon seit längerem an der Parkinson-Krankheit, Lungenfibrose und Diabetes. James Doohan verstarb im Beisein seiner Familie am 20. Juli 2005 in seinem Haus in Redmond, Washington an den Folgen einer Lungenentzündung. Er hinterließ seine Frau Wende und seine sieben Kinder, Larkin, Deirdre, Montgomery, Christopher aus erste Ehe und Eric, Thomas und Sarah, die er gemeinsam mit Wende hatte.

Doohans letzer Wunsch war es, dass seine Asche in den Weltraum befördert würde. Am 28. April 2007 wurde ihm dieser Wunsch erfüllt, als ein Teil seiner sterblichen Überreste mit einer SpaceLoft-XL-Rakete für kurze Zeit ins All geschossen wurden. Ein zweites Mal sollte dies am 3. August 2008 geschehen, doch der Trennungsmechanismus der Rakete versagte und sie stürzte mitsamt ihrer Fracht in den Pazifik. Der Rest seiner Asche wurde über dem Puget Sund in Washington verstreut.

Episoden mit James Doohan

Classic-Serie

James Doohan gehörte in allen drei Staffeln der Serie zur Stammbesetzung und war in 65 der 79 Folgen zu sehen.

Zeichentrickserie

James Doohan war an allen 22 Folgen der Serie beteiligt.

Kinofilme

  • "Star Trek: Der Film"
  • "Star Trek II: Der Zorn des Khan"
  • "Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock"
  • "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart"
  • "Star Trek V: Am Rande des Universums"
  • "Star Trek VI: Das unentdeckte Land"
  • "Star Trek: Treffen der Generationen"

The Next Generation

  • 6.04 "Besuch von der alten Enterprise" ("Relics")

(hk - 23.06.09)

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