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Sven Rogge (ro)26.08.07

Die Rückkehr des Spock

Interview mit Leonard Nimoy zum neuen "Star Trek"-Film

Exklusiv für TrekMovie.com spricht Leonard Nimoy zum ersten Mal über seine Rückkehr als Spock in J.J. Abrams' neuem "Star Trek"-Film.

Der Original-Spock spricht über das Drehbuch und das neue Team, warum er nicht in "Star Trek: Treffen der Generationen" erschien und warum er für den neuen Film den Ruhestand verlässt. Weiterhin spricht er über seine Gedanken zu dem neuen Spock (Zachary Quinto), dass William Shatner (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht im Film ist und über J.J. Abrams' Fähigkeiten als Regisseur und über Technobabble.

TrekMovie.com: Ich weiß, dass Sie mit J.J. Abrams und seinem Team erst zum Ende des letzten Jahres sprachen, aber wann war es für Sie und die klar, dass Sie in dem Film mitmachen würden?

Leonard Nimoy: Als ich zum ersten Mal das Drehbuch las, was ungefähr drei Monate her war. Ich nahm sofort Kontakt zu J.J. auf und sagte: "Ich denke, es ist fantastisch. Ich denke, dass ihr eine großartige Arbeit abgeliefert habt. Es gibt zwar noch einiges zu tun, aber es ist klar, dass Sie und Ihre Autoren wissen, was Sie tun und Sie wissen, wie dieser Film zu machen ist und worum es gehen soll … und ich bin sehr interessiert." Nach einiger Zeit haben wir was mit Paramount ausgearbeitet, aber am wichtigsten waren J.J. und das Drehbuch. Ich kann Ihnen erzählen, dass sie ein ausgezeichnetes Drehbuch haben und J.J. ein großartiger Regisseur ist und dass sie die Aufgabe, jemanden wie Zachary Quinto zu finden, der mir nicht nur ähnlich sieht, sondern auch ein perfekter Schauspieler ist, hervorragend gemeistert haben. Ich bin sehr zufrieden damit und auch, wohin das Ganze geht. Ich denke, dass die Autoren Fantastisches geleistet haben. Sie haben einen echten Sinn für die Charaktere und das Herz von "Star Trek" und worum es eigentlich wirklich geht. Ich glaube, wir haben die Möglichkeit, einen richtig tollen Film zu machen.

TrekMovie.com: Wenn Sie von einem Sinn für das Herz, für das, worum es eigentlich geht, sprechen, was denken Sie, was das Herz von "Star Trek" ist, das sie eingefangen haben?

Leonard Nimoy auf der Comic Con 2007

Nimoy: Es ist die Kameradschaft... Ich rede vom ursprünglichen "Star Trek", ich kann nicht für "Next Generation" oder "Enterprise" oder "Deep Space Nine" oder eines von ihnen sprechen. Ich spreche vom ursprünglichen Konzept von Kameradschaft zwischen diesen Leuten. Die Professionalität dieser Leute. Ihren Sinn für Humor, den ich für unheimlich wichtig halte. Und die Idee, dass dies sehr professionelle Leute sind, die zusammenarbeiten, um ein Problem zu lösen. Und die Probleme existieren nicht zwischen oder unter ihnen, sondern kommen von außen in verschiedenen Formen und sie müssen sich ihnen stellen und mit ihnen umgehen. Dies sind Leute, die man gerne unterstützt und denen man vertraut und ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Und auch zu wissen, dass, wenn sie miteinander scherzen, sie dies aus Respekt tun - sie respektieren und bewundern sich gegenseitig und zählen aufeinander. All diese Elemente existieren und [Co-Autoren Bob] Orci und [Alex] Kurtzman verstehen das und J.J. versteht es ganz gewiss und beherrscht es.

TrekMovie.com: Sie erwähnten den Humor. Humor hatte eine Schlüsselstellung in der Originalserie und natürlich in den Filmen, bei denen Sie mitgewirkt haben, insbesondere in "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart". Ist der jetzige Film lustig?

Nimoy: (lacht) Ich denke, er hat seine Portion Humor. Es wird ein großartiges Abenteuer. Ich glaube, dass der Gedanke an die Herkunft dieser Charaktere wunderbar gewahrt wird, mit einem guten Gespür für Respekt und einer vorsichtigen Annäherung. Ich gehe davon aus, dass sie ihre Sache sehr gut machen werden.

TrekMovie.com: Viele "Star Trek"-Fans haben Befürchtungen über den neuen Film und seinen Platz im so genannten "Star Trek"-Kanon geäußert. Wie, denken Sie, passt der Film in das "Star Trek"-Universum?

Nimoy: Ich habe keine Bedenken. Ich glaube, dass diese Autoren und J.J. keine Mühen gescheut haben, die Geschichte von "Star Trek" und den Kanon zu wahren. Ich denke nicht, dass es überhaupt ein Problem damit geben wird, das ist kein Thema. Ich habe Andeutungen im Internet gesehen von besorgten Leuten, die sagen: "Wer sonst kann Kirk und Spock spielen ... es ist nicht möglich." Nun, es ist möglich. Keine Sorge. Wenn die Leute erst mal den Film sehen und sehen, wie gut er ist, werden diese Andeutungen auch verschwinden. Sind die respektvoll? Treten sie die Geschichte mit Füßen? Bleibt der Kanon erhalten? Nichts von alledem wird eintreten.

TrekMovie.com: 1993 wurden Sie angesprochen, an der Seite von William Shatner in "Star Trek: Treffen der Generationen" mitzuspielen und Sie lehnten ab...

Nimoy: (unterbrechend) Es gab keine Rolle für Spock in dem Drehbuch!

TrekMovie.com: Gab es nicht?

"Generations": Keine Rolle für Spock im Drehbuch

Nimoy: Es gab keine Rolle für Spock, nur fünf oder sechs Zeilen, die Spock gewidmet waren, in einer Szene mit Chekov, Uhura und Kirk und wer auch immer sonst noch da war, aber es hatte nichts mit Spock zu tun. Es gab nirgends etwas Spock-ähnliches. Ich sagte zu Rick Bermann: "Du kannst diese Zeilen irgendeinem der anderen Charaktere widmen und es würde keinen Unterschied machen." Und genau das tat er. Es gab keine Spock-Funktion im Drehbuch. Ich habe immer versucht, einen Beitrag zu diesen Filmen zu leisten. Für jenen Film gab es dazu einfach keine Möglichkeit. Es war wie "Lass uns Nimoy auch noch hereinnehmen." Ich sagte, hier sei nichts, was ich tun könne und so sagte ich: "Danke, aber ich passe."

TrekMovie.com: Sie haben sich vor Jahren von der Schauspielerei zurückgezogen. Was war es, das Sie dazu bewegt hat, wieder anzufangen und wieder durch die Maske zu gehen? Was hat Sie dazu bewegt zu sagen: Ich möchte das wirklich machen?

Nimoy: Sie haben recht, dies ist eine besondere Situation. Erstens ist es "Star Trek" und somit muss ich dem Aufmerksamkeit schenken. Das schulde ich "Star Trek". Zweitens ist es J.J. Abrams, von dem ich eine hohe Meinung habe, er ist sehr begabt. Dann kam das Drehbuch und es war klar, dass ich etwas beitragen konnte. Der Spock, den ich spiele, der ursprüngliche Spock, ist essentiell und wichtig für das Drehbuch. Auf der Basis jener drei Elemente war es also einfach, die Entscheidung zu treffen. Zusammengefasst sind dies: "Star Trek", J.J. Abrams und eine interessante Spock-Rolle.

TrekMovie.com: Also haben Sie eine gehaltvolle Rolle in dem Film?

Nimoy: Ich würde sie nicht als Cameo bezeichnen, wie in einigen Presseberichten. Ein Cameo ist ein kurzer Auftritt in einer Szene. Diese Rolle hat eine Funktion in dem Film.

TrekMovie.com: Also haben Sie mehrere Szenen in dem Film?

Nimoy: Ja.

TrekMovie.com: Können Sie sagen, ob sie in den Film eingebettet sind oder ob sie am einen oder anderen Ende sind?

Nimoy: Treiben Sie es nicht zu weit. (lacht)

TrekMovie.com: Nachdem Sie auch als Regisseur gearbeitet haben, ist es für Sie schwierig, wieder Schauspieler zu sein und Anweisungen entgegenzunehmen?

Nimoy: Nein, insbesondere wenn ich wie bei J.J. Respekt vor dem Regisseur habe. Ich freue mich so sehr auf diesen Film, wie ich mich schon lange nicht mehr aufs Spielen gefreut habe - wirklich. Weil ich große Erwartungen habe, dass der Charakter gut spielt und eine extrem gute Regie geführt wird, mit einem Gespür für die Charaktere und wie man ein Drama in einer Szene erzeugt. Ich freue mich sehr darauf, Teil davon zu sein.

TrekMovie.com: Was denken Sie über Zachary Quinto als den neuen Spock?

Nimoy: Als J.J. mir eine Zusammenstellung seiner Arbeit auf DVD sendete, war ich sehr beeindruckt. Er ist ein äußerst zuverlässiger Schauspieler. Jemanden zu finden, der richtig aussieht, ist schon schwierig genug, aber jemanden zu finden, der das richtige Aussehen hat und talentiert ist wie er, ist doppelt wirksam. Die Gefahr bestand darin, jemanden mit dem richtigen Aussehen zu finden, der aber nicht das Gespür für das Innenleben von Spock hat, was für den Charakter essentiell ist.

TrekMovie.com: Also ist es wahr, dass Sie und William Shatner eine Art Mitspracherecht beim neuen Kirk und Spock haben?

Spock alt und Spock jung: Nimoy und Quinto

Nimoy: Ich würde es nicht so nennen, eher Beratungsrecht. Und J.J. beriet sich mit mir und es war recht unkompliziert. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich gesagt hätte: "J.J., das kommt für mich nicht in Frage." Das wäre Stufe gelb, wenn nicht gar Stufe rot, aber nicht vertraglich. Es ist schlicht eine Frage des gegenseitigen Respekts und Verständnisses über das, was wir in das Projekt einzubringen versuchen. Aber ich glaube, ich kann mich an den exakten Wortlaut dessen erinnern, was ich zu J.J. gesagt hatte. Ich sagte ihm: "Nicht nur, dass er wie ich aussieht, er hat es auch verinnerlicht."

TrekMovie.com: Während der letzten Wochen ließ William Shatner die Katze aus dem Sack in Bezug auf Ihr Mitwirken in dem Film. Er wiederholte einen Anruf zwischen Ihnen, bei dem Sie ihn aufzogen. Aber er ist als Scherzbold bekannt, entsprechen also seine Erzählungen der Wahrheit?

Nimoy: Nun, ich habe ihn nicht aufgezogen, aber was er sagte, entsprach der Wahrheit. Wir sprachen am Telefon. Ich hatte das Skript gelesen und er fragte mich, ob er drin vorkäme und ich sagte "Nein." So ungefähr ist das abgelaufen. Sie haben Recht, er macht eine Menge Scherze und er sagte so was wie "Ich griff durch den Hörer und packte ihn am Hals!" und solche Sachen, aber so ist er halt. Ich weiß, dass er enttäuscht ist. Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Ich habe keine Vorstellung von J.J.s Plänen und ich weiß, dass J.J. sagte, dass sie noch versuchen, einen Weg zu finden, ihn in den Film reinzubringen, aber ich bin dafür nicht der richtige Ansprechpartner.

TrekMovie.com: Haben Sie mit J.J. über Ihre Ideen, Bill in den Film zu integrieren, gesprochen?

Nimoy: Das entscheide ich nicht. Ich erzählte J.J., dass ich mit Bill letztes Wochenende in Philadelphia war und dass er enttäuscht war, dass er im jetzigen Entwurf nicht dabei ist. Es wurde berichtet, er wäre aufgebracht gewesen, aber das stimmt absolut nicht. Ich denke, er ist zu Recht enttäuscht, aber ich glaube, er hat Verständnis dafür gefunden. Schließlich, und Bill und ich haben darüber gesprochen, ist es eine Tatsache, dass sein Charakter in "Star Trek: Treffen der Generationen" starb. Er sagte: "Schon, aber du bist am Ende des zweiten Teils ('Star Trek II: Der Zorn des Khan') gestorben." Und ich sagte: "Aber ich wurde wiederbelebt, darin liegt der Unterschied zwischen dir und mir." (lacht) Ich sagte ihm auch, dass, wenn ich in "Generations" mitgespielt hätte, ich ihn nicht hätte sterben lassen - und das ist eine Tatsache. Ich dachte, es wäre unnötig. Ich sah keinen Grund ... was war der Punkt? Ich dachte, es war eine Verschwendung eines sehr wichtigen Charakters.

TrekMovie.com: Sie sagten, dass Sie den ursprünglichen und nun gealterten Spock spielen und Sie sagten, dass Kirk nicht in dem Film sein kann, weil er in "Generations" starb. Die Schlussfolgerung hieraus ist, dass Sie Spock in der Zukunft in einer Zeit nach "Generations" spielen, richtig?

Nimoy: Sie graben nach Details (lacht) und Sie sind ganz gut darin, aber ich werde das nicht weiter kommentieren.

TrekMovie.com: Haben Sie "Mission: Impossible III" gesehen? Was dachten Sie als erfahrener Regisseur über J.J. Abrams erstes Feature?

Ein Grund für Nimoys Rückkehr: J.J. Abrams

Nimoy: Dass er einen tollen Job gemacht hat. Ich gehe in einige der heutigen Filme und drehe mich zu meiner Frau und sage "Was geht denn hier ab?" (lacht) Diese Filme, die heute gemacht werden, wie "Mission: Impossible" und einige der anderen... Bei "Transformers" war ich ursprünglich dabei, wie Sie wahrscheinlich wissen. Ich finde es erstaunlich, dass diese alten Geschichten aus dem Schrank geholt werden. Das "Mission: Impossible"-Projekt, das "Star Trek"-Projekt, das "Transformers"-Projekt. Ich hatte mit ihnen lange, lange Zeit zu tun. Wie auch immer, ich sagte zu einigen Freunden in San Diego, dass die Storys zu der Zeit, als ich dabei war, viel linearer waren als sie es heute sind. Sie sind heute viel komplexer. Das Publikum, das sich solche Filme anschaut, akzeptiert bereitwillig diese Komplexitäten, mehr als ich es kann, um ehrlich zu sein. Ich bin mir nicht immer sicher, was vor sich geht und was die Leute versuchen zu tun. Es gibt in "Mission: Impossible III" eine Zeile, in der jemand zu Tom Cruise etwas sagt wie "Es ist kompliziert.", in der erklärt wird, worum es eigentlich geht ... und ich lachte schallend und sagte: "Verdammt richtig, es ist kompliziert!"

TrekMovie.com: Das stimmt, aber in jenem Film traf Abrams eine interessante Wahl bezüglich der zentralen Handlung, die sich um den Hasenfuß oder den MacGuffin des Films dreht. Es wurde nie erklärt. Ich dachte immer, es wäre eine mutige Wahl, das Publikum nicht mit der Technologie zu überwältigen. Was uns zu einem Punkt bringt, der "Star Trek" über die letzten zehn Jahre oder so geplagt hat ... der Begriff, der im Laufe der Zeit Technobabble getauft wurde. In den aktuelleren Serien und sogar Filmen polarisieren die Charaktere darüber immer wieder und verwenden es als Lösung für Dilemmas...

Nimoy: (mit Nachdruck) Genau! Genau! Ich stimme voll zu. An einem Punkt während "Star Trek: The Next Generation" kontaktierte ich Paramounts TV-Leute und sagte: "Ich sehe mir einige der Folgen an und ich verstehe sie nicht." Diese Technobabble-Szenen, in denen Leute um einen Tisch herum sitzen und mit Begriffen um sich werfen, haben keinen dramatischen Effekt - das entspricht nicht der Rolle. Es sind einfach Personen, die Informationen ausspucken, um zu versuchen zu erklären, was passiert, aber es wird nichts erklärt - es ist einfach nur langweilig. Ich denke, dass Sie Recht haben. Abrams hat das nicht gemacht. Er hielt das Ganze am Laufen und einige der Szenen waren absolut fesselnd ... fesselnd. Wenn er eine Szene in die Hände bekommt, weiß er, wie er die Dramatik daraus ziehen kann, und das ist eines seiner großartigen Talente.

TrekMovie.com: Also sehen Sie Ähnlichkeiten mit diesem neuen Film.

Nimoy: Ja, ich sorge mich nicht über das Technobabble in diesem Film, das sage ich Ihnen. Wenn ich Technobabble sehe, gefriert mir das Blut in den Adern.

TrekMovie.com: Nun, offensichtlich haben Abrams und sein Team ein modernes Gespür und tendieren dazu, nichtlineare Geschichten zu erzählen. Aber in diesem Fall gehen wir zurück zu der Serie aus den 1960ern.

Nimoy: Meine Hauptsorge gilt den Charakteren und deren Entwicklung. Abrams erzählt eine Geschichte und er erzählt sie mit Charakteren, die mir sehr vertraut sind. Mein Gefühl, wenn ich das Skript lese, ist, dass das Verständnis, die Pflege und die Entwicklung dieser Charaktere exzellent sind. Das ist das einzige Wort, das mir dazu einfällt - exzellent. Damit in der Hand rief ich ihn an und sagte ihm genau das. Ich sagte: "Sie haben diese Leute gut getroffen. Ich bin auf sie gespannt wie das Publikum. Ich möchte die Beziehungen sich entwickeln sehen, wie Sie sie sich entwickeln lassen haben. Ich möchte es gespielt sehen. Ich freue mich darauf und möchte bei dem Film dabei sein." Soweit es das Abenteuer selbst betrifft, gibt es eine Menge Möglichkeiten, ein "Star Trek"-Abenteuer zu machen. Ich bin sicher, dass sie ein sehr bedeutendes "Star Trek"-Abenteuer machen werden.

(ro - 15.08.08)


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