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Markus Peter Populorum (mp)01.12.00

Nimoy spricht "Alien Voices"

Nach "Star Trek" widmet er sich Radio und Fotografie

Interviews mit Leonard Nimoy sind nur sehr selten zu lesen - das liegt vor allem daran, dass er nach wie vor voller Engagement an zahlreichen Projekten beteiligt ist. Ian Spelling vom britischen Magazin "Star Trek Monthly" bekam jedoch die Gelegenheit, ein Telefon-Interview mit dem Spock-Darsteller zu führen.

Dass Leonard Nimoy nur selten Zeit für Interviews oder ähnliche Dinge findet, liegt in erster Linie an Alien Voices, der Audio-Produktionsgesellschaft, die Nimoy zusammen mit "Star Trek"-Kollege John de Lancie (Q) gegründet hat, um auf verschiedenste Weisen klassische Science-Fiction-Geschichten zu erzählen. Und diese Gesellschaft ist auch das Thema, das die Fans von Nimoy mittlerweile am meisten interessiert. Bei den Stücken haben unter anderem Roxann Dawson, Armin Shimerman, Ethan Phillips, Susan Bay (alias Mrs. Nimoy), John de Lancie, Marnie Mosiman (alias Mrs. de Lancie) und natürlich auch Leonard selbst mitgewirkt.

Spock-Darsteller Leonard Nimoy
Sie alle haben die speziell auf den Stil einer Radioproduktion zugeschnittenen Drehbücher mit Leben erfüllt - darunter Genre-Klassiker wie "Die Zeitmaschine", "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" und "Die vergessene Welt". Es gibt unglaublich vieles zu besprechen, aber Nimoy hat wie immer unglaublich wenig Zeit.

Was tun? Logischerweise mit Warpgeschwindigkeit sprechen. Damit macht sich Nimoy auch sofort daran, die jüngsten Entwicklungen rund um Alien Voices zusammenzufassen. "Alien Voices wächst schneller, als wir erwartet haben", sagt er gutgelaunt. "Und ich habe dadurch mehr Arbeit als erwartet."

Sind weitere Hörspiele zu erwarten? "Ich weiß nicht, ob derzeit irgendwelche weiteren Audio-Romane geplant sind", erwidert Nimoy. "Aber wir unterhalten uns ständig über alle möglichen Projekte. Aus einigen wird etwas, aus anderen nicht. Ich würde gerne mehr in der Art machen, aber im Augenblick haben wir keine detaillierten Pläne." Aber Grund zur Klage hat Nimoy nun auch wieder nicht. "Es ist ein sehr schönes Gefühl, an einem erfolgreichen Projekt beteiligt zu sein", sagt er.

"Wir befinden uns außerdem in sehr intensiven Gesprächen mit dem California School Board, um Programme auf der Grundlage unserer Arbeiten zu schaffen, die in Schulen durchgenommen werden können. Wir wollen Kindern eine Möglichkeit geben, mit klassischer Literatur des Science-Fiction-Genres und anderer Sparten in Kontakt zu kommen. Wir würden es gerne sehen, wenn sie dadurch die Möglichkeit bekommen, selbst Radioproduktionen zu machen. Das kann mit einfachen Mitteln bewerkstelligt werden, weil man sich weder um Kostüme oder Sets kümmern muss noch darum, den Text auswendig zu lernen. Für Kinder ist das ein schöner, aufregender, schneller und einfacher Weg, eine Aufführung auf die Beine zu stellen. Und sie müssen ihre Phantasie einsetzen, um die Geräuscheffekte auf die gleiche Weise zu kreieren, wie wir das tun - mit Töpfen und Pfannen, Gläsern, Stöcken, Wasser und Holz, Kisten und Besen und allen möglichen anderen Dingen."

Neben seinen Verpflichtungen für Alien Voices ist Nimoy auch mit einer ganzen Reihe von anderen Unternehmungen beschäftigt. Er besucht nach wie vor jährlich mehrere "Star Trek"-Conventions, um alte und neue Fans zu begrüßen, und wenn die Zeit es erlaubt, geht er seiner Leidenschaft als angesehener Fotograf nach. Vor einiger Zeit waren Ausschnitte von Nimoys Fotografien in der Bonni Benrubi Gallery in New York City zu sehen. "Das war eine Gruppenausstellung", erklärt Nimoy. "Meine Arbeiten wurden zusammen mit denen von zwei oder drei anderen Fotografen ausgestellt. Fotografieren macht mir unheimlich viel Spaß. Diese Begeisterung entstand lange vor dem Wunsch, Regie zu führen. Ich arbeitete zum ersten Mal mit einer Kamera, als ich 13 war. Die Verbindung zwischen der Fotografie und der Regiearbeit hat etwas damit zu tun, dass ich in beiden Fällen durch eine Linse blicke und weiß, wonach ich suche, um ein Bild zu erschaffen. Man kann mit beiden Mitteln eine Geschichte erzählen, auch wenn das bei der Regiearbeit weitaus komplexer abläuft, weil dort so viele andere Faktoren hineinspielen."

Nimoy kommt aber auch noch auf "Star Trek" zu sprechen, und da vor allem auf die anhaltende Popularität des Franchise. Zwar finden sich überall auf der Welt Millionen von Fans, doch allgemein ist längst akzeptiert - und in manchen Kreisen sogar begrüßt - worden, dass der "Star Trek"-Kult nicht mehr ganz so heißblütig ist wie noch 1996, als "Star Trek: Der erste Kontakt" an den Kinokassen wie ein Rakete abging und sowohl "Star Trek: Deep Space Nine" als auch "Star Trek: Voyager" einen kräftigen Zuschaueranstieg bescherte.

Leonard Nimoy als Spock
"Es kann sein, dass diese Auffassung vertreten wird", sagt Nimoy dazu. "Ob sie aber stimmt oder nicht, das kann ich nicht sagen. Ich verfolge nicht mit, wie sich 'Star Trek' entwickelt. Ich kann Ihnen allerdings sagen, dass ich nirgendwo auf der Welt so begeistert empfangen worden bin wie bei der letztjährigen FedCon in Bonn. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Classic-Serie dort gerade lief oder im Moment sehr beliebt war und ist. In den USA ist 'Deep Space Nine' letztes Jahr abgelaufen und 'Star Trek: The Next Generation' ist schon seit Jahren nicht mehr im Programm, so dass zurzeit nur 'Star Trek: Voyager' läuft. Natürlich kann es sein, dass es in der Zukunft eine weitere 'Star Trek'- Serie geben wird, die dann wieder eine größere Begeisterung auslösen könnte."

Gibt es sonst noch etwas, was Nimoy gerne erzählen würde? Er lacht auf die für ihn so typische tiefe, kehlige Weise. "Ist das noch nicht genug?", fragt er. Das ist es allerdings. Es ist bloß so, dass man sich nur einmal umdrehen muss, und schon verkündet Nimoy, dass er soeben mit der Arbeit an einem neuen Projekt begonnen hat. "Ja, das stimmt", sagt der Schauspieler/Autor/Regisseur/Fotograf/Sänger/Comic-Herausgeber/Dichter. "Wenn Sie mich morgen anrufen, habe ich höchstwahrscheinlich wieder etwas Neues zu berichten."

Nimoy lacht wieder, dann verabschiedet er sich. Keine fünf Minuten vergehen, als das Telefon erneut klingelt. Es ist ... Nimoy. "Nachdem ich aufgelegt hatte, sah ich auf meinen Schreibtisch und entdeckte einen Zettel. Der hat mich an eine Sache erinnert, die für Sie interessant sein könnte", sagt er. "Alien Voices arbeitet mit einer Gruppe namens Dramatic Publishing Company zusammen, die Bühnenstücke verlegt und sie Schulen, Laienspielgruppen und halbprofessionellen Gruppen im ganzen Land anbietet. Sie hat eine Bibliothek eingerichtet und sieben oder acht Alien-Voices-Drehbücher aufgenommen, die im neuen Katalog der Gruppe aufgeführt sind. Dieser Katalog wird 70.000 Schulen, Verwaltungen, Schauspiellehrern, Theatergruppen und so weiter zugeschickt. Damit bekommen wir Alien Voices in einen völlig anderen Interessentenkreis. Wir finden das sehr aufregend, weil damit unsere Art der Produktion, wie sie fürs Radio gehandhabt wurde, sehr vielen verschiedenen Leuten zugänglich gemacht wird."

Mit diesen Worten verabschiedet sich Nimoy erneut - jedenfalls für den Augenblick. Die Chancen stehen gut, dass er schon bald wieder in einer völlig neuen Galaxis voller Projekte tätig werden wird...

Dank an "Star Trek Monthly" für das Interview.

(mp - 30.10.08 - Quelle: "Star Trek Monthly")


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