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Henning Koonert (hk)15.09.08

Nimoy: "Gute Zukunft für Spock"

Leonard Nimoy spricht über Humor und Identität

Im Interview mit StarTrekOnline spricht Leonard Nimoy über den elften "Star Trek"-Film, seinen Nachfolger als Spock, sein nächstes Fotografie-Projekt und darüber, wie Bill Shatner einmal versucht hat, ihn zu ertränken...

Das Interview enthält einen leichten Spoiler zur Handlung von "Star Trek XI".

StarTrekOnline.com: Was dachten Sie, als Sie Zachary Quinto zum ersten Mal als Spock sahen?

Leonard Nimoy mit Zachary Quinto
Leonard Nimoy: Das war sehr bewegend. Wissen Sie, ich bin 77 Jahre alt und es ist Zeit für mich loszulassen. Wenn es ein weniger guter Schauspieler gewesen wäre, und ich rede nicht nur vom Aussehen, er sieht entsprechend aus. Viele Leute sagen, er sieht genau aus wie ich, aber er ist ein sehr, sehr guter Schauspieler, sehr intelligent. Er ist gut ausgebildet. Er kennt sein Geschäft, seine Arbeit, er ist sehr professionell.

Und wenn es ein geringerer Schauspieler gewesen wäre, hätte es mich wohl gestört, den Charakter an jemanden weiterzureichen, der meiner Meinung nach nicht angemessen wäre. Er war ein sehr passender Schauspieler dafür und ich bin sehr froh darüber, dass der Charakter auf ihn über geht. Ich denke, er ist in guten Händen.

StarTrekOnline.com: Das ist also jemand, mit dem Sie als Nachfolger zufrieden sind?

Nimoy: Ja, ich bewundere seine Arbeit. Ich habe einen Teil des Filmmaterials gesehen und ich habe eine gemeinsame Szene mit ihm im Film, was faszinierend ist - wir beide stehen da und unterhalten uns. Und ich habe einige der übrigen Szenen mit ihm aus dem Film gesehen. Er ist sehr gut. Also, ich denke, der Spock-Charakter hat eine gute Zukunft.

StarTrekOnline.com: Warum hat "Star Trek" Ihrer Meinung nach so anhaltenden Erfolg und weshalb bewegt es die Leute so sehr?

Nimoy: Weil es die Fantasie anspricht? Ich denke, einer der wichtigsten Aspekte ist die Vorstellung einer hoffnungsvollen Zukunft. Während die Welt, in der wir leben, komplizierter und schwieriger wird, schafft es der "Star Trek"-Cast, die Mitglieder der Enterprise-Crew, ein Problem mit so hoher Moral und Ethik anzugehen, zu dem Romulaner eine Beziehung finden könnten. Das sind gute Leute, die aus guten Gründen gute Arbeit machen. Das ist, wie ich finde, ungeheuer wichtig, ein großer Teil dessen, worum es im Franchise geht: die hoffnungsvolle Zukunft und professionelle Leute, die zusammenarbeiten, um erfolgreich Probleme zu lösen.

StarTrekOnline.com: Bei welcher Folge oder welchem Film hat Ihnen der Dreh am meisten Spaß gemacht?

Nimoy: Mir hat "Star Trek IV" am meisten Spaß gemacht, weil er Humor hatte, weil alle das Drehbuch aufregend fanden. Sie mochten das Drehbuch, sie mochten die Idee. Der Existenzgrund war ein Thema, die ganze Idee mit der Umwelt, die Probleme mit der Umwelt. Die Wale waren eine Metapher für den gesamten Planeten. Es ging nicht wirklich darum, die Wale zu retten, es ging darum, den Planeten zu retten. Das hat die Zuschauer, wie ich glaube, wirklich angesprochen. Die Arbeiten in San Francisco haben auch sehr viel Spaß gemacht. Ich denke, die meisten Charaktere auch; Leute wie Walter Koenig als Chekov, Nichelle Nichols als Uhura und George Takei. Jeder hatte im Film etwas Sinnvolles zu tun und das war in den vorherigen Filmen nicht immer der Fall gewesen. Wir hatten eine tolle Zeit dabei.

StarTrekOnline.com: Gab es jemals eine nicht geplante Improvisation, die es auf den Bildschirm geschafft hat?

Nimoy: Ja! Wussten Sie, dass Bill Shatner in "Star Trek IV" versucht hat, mich zu ertränken? (lacht) Niemand glaubt mir, dass er mich ertränken wollte! Erinnern Sie sich an die Szene gegen Ende des Films? Wir landeten mit dem Schiff in der San Francisco Bay - großer Sturm - und das drehten wir in einem Becken auf den Paramount Studios, wo diese große Schiffshülle im Wasser saß.

"Star Trek IV": Probleme mit der Robe
Die Leute klettern raus auf die Reling an der Außenseite des Schiffs und wir sehen die Wale und alles scheint in Ordnung. Ein paar Leute springen dann ins Wasser, ohne dass das so vorgesehen war, und ich dachte mir, das ist großartig...

Sie hüpfen rein, sie hüpfen rein und dann denkt sich Shatner, ich müsse auch ins Wasser. Er ist ein wirklich kräftiger Kerl und ich kralle mich an der Reling fest und er zieht an meinen Fingern. Ich hatte diese ziemlich schwere Baumwollrobe an und hatte da gar nicht wirklich dran gedacht, bis ich ins Wasser fiel. Als die Robe nass wurde, wurde sie zum Anker und ich sank (lacht) bis auf den Boden des Beckens. Und ich musste den Schlafrock unter Wasser ausziehen, ich kam nicht wieder nach oben.

Ich bin ein ganz guter Schwimmer, daher bekam ich keine Panik, aber mir wurde klar, dass ich das Ding ausziehen musste. Ich kam auf dem Boden auf, drückte mich von dort ab und schoss nach oben. "Du Hurensohn! Hast versucht, mich zu ertränken!" (lacht) Aber das wurde zu einem großartigen Moment im Film. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Die Art von Humor meine ich.

StarTrekOnline.com: Was würden Sie sich in "Star Trek: Online" wünschen, um es echter oder eindringlicher für Sie zu gestalten?

Nimoy: Wie sieht es mit Humor im Game aus? Ich denke, das ist den "Star Trek"-Fans sehr wichtig. Wenn man sich das anschaut, was in der Vergangenheit produziert wurde, dann war das Zeug mit intelligentem Humor das erfolgreichste und das ist den Leuten irgendwie entgangen. Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich, als ich "Star Trek IV" gedreht habe, der meiner Meinung nach Humor hatte, mit jemandem von der Zeitung sprach, der den Film gesehen hatte und ihn rezensieren wollte. Er sagte: "Ich glaube nicht, dass die 'Star Trek'-Fans diesen Film mögen werden, denn er hat zu viele Witze. Die fahren nicht auf den Humor ab." Ich sagte ihm, dass er absolut falsch liege. Komplett andersherum. Wir hatten bis zu dem Zeitpunkt davon noch nicht genug gehabt. Sie lachen gern über die Dinge, die diese Charaktere tun und zueinander sagen. Ich denke, auch der neue Film wird unter anderem deshalb Erfolg haben, weil er Humor hat und deshalb habe ich danach gefragt, ob er seinen Weg ins Game finden wird. Ich denke, das ist wirklich wichtig.

StarTrekOnline.com: Sie haben in der Vergangenheit Sprechrollen in einigen der Videospiele gehabt. Haben Sie je eines davon selbst gespielt?

Nimoy: Nicht viele. Nein. (lacht) Ich würde mich selbst nicht als Gamer bezeichnen.

StarTrekOnline.com: Planen Sie etwas Neues in Bezug aufs Schreiben oder die Fotografie, wie Poesie oder die Buch-Fotografie?

Nimoy: Meine künstlerische Arbeit ist zurzeit die Fotografie. Ich habe vor drei Monaten den Filmdreh beendet. Ich arbeite die ganze Zeit an der Fotografie. Ich arbeite zurzeit an einem Konzept über Identität, das glaube ich sehr interessant wird und sich von allem, was zuvor gemacht wurde, unterscheidet. Ich habe Porträts von 95 Menschen in Massachusetts aufgenommen, nicht nur als Fotos, sondern auch auf Video. Das wird ein sehr interessantes Projekt. Ich plane eine Ausstellung im Museum im nächsten Frühjahr. Dahinein fließt derzeit meine kreative Energie.

StarTrekOnline.com: Ich war immer schon fasziniert davon, dass wir nicht symmetrisch sind. Man kann ein Foto von seinem Gesicht machen und es durchschneiden und die Hälften aneinander spiegeln und man sieht dann tatsächlich zwei unterschiedliche Personen.

Nimoy: Ja, das basiert auf einer Geschichte aus dem antiken Griechenland. Angeblich hatte Aischylos eine von Sophokles' Ideen, dass die Menschen früher zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine hatten und sehr mächtig und arrogant wurden. Die Götter wurden unruhig und verärgert und beschlossen, dass sie sich der Sache annehmen müssten. Da haben sie Zeus mit einem großen Schwert geschickt, der uns alle entzwei geteilt hat. Daher sind wir jetzt so, mit einem Kopf, zwei Armen und zwei Beinen. Aber seitdem suchen die Menschen laut Aischylos nach der zweiten Hälfte, die einen wieder ganz macht.

Interessant, dass Sie den Aspekt der Symmetrie ansprechen. Viele Menschen, wenn nicht gar alle, fühlen sich, als ob sie ständig nach Erfüllung suchen, nach Vollendung, und laut Aischylos stammt das aus diesem Konzept. Die Fotografien, die ich gemacht habe, die Porträts, die ich gemacht habe, stammen von Leuten, die eingeladen wurden, ihr geheimes oder verborgenes Selbst auszudrücken. Ich habe einige wunderbare Ergebnisse erhalten. Die Leute kamen mit allen denkbaren Kostümen und Requisiten, Ideen von sich selbst, die sie wahrscheinlich zuvor nie enthüllen konnten und wir haben das alles fotografiert und aufgenommen. Darum geht es also.

StarTrekOnline.com: Haben Sie noch eine Botschaft, die Sie der "Star Trek: Online"-Community überbringen möchten?

Nimoy: Lebt lang und in Frieden. Besser kann ich es nicht sagen.

(hk - 16.09.08 - Quelle: StarTrekOnline.com)


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