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Susanne Grahn (gra)08.11.09

Spock damals und heute

Nimoy zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Spock

Im Exklusiv-Interview für Starland.com spricht Dan Madsen, Gründer des "Star Trek Communicators" sowie des Official Fan Club, ganz offen mit der "Star Trek"-Legende Leonard Nimoy über seine Rolle in dem neuen Film und seine 43-jährige Geschichte als beliebtester "Star Trek"-Charakter.

Dan Madsen: Leonard, als Sie zum ersten Mal davon hörten, dass ein neuer "Star Trek"-Film in Arbeit war und die Verantwortlichen wollten, dass Sie Spock noch einmal spielen, gab es da einen Teil von Ihnen, der innerlich sagte: "Nein, mit diesem Charakter bin ich fertig"?

Spock-Darsteller Leonard Nimoy
Leonard Nimoy: Ich habe sicherlich gezögert, denn nach so vielen Jahren Abstand von der Figur war ich sehr zufrieden mit der Vorstellung, dass ich Spock nicht noch einmal spielen würde. Ich dachte einfach nicht mehr an mich im Hinblick auf diese Rolle. Aber ich dachte, ich sollte zumindest aus Höflichkeit hingehen und mir anhören, was sie zu sagen hatten.

Es gab ein wunderbares Treffen mit J.J. Abrams, Bob Orci und Alexander Kurtzman. Das Gefühl, das sie mir gaben, unterschied sich sehr stark von den Erfahrungen, die ich in den letzten 12 bis 15 Jahren im Bezug auf "Star Trek" gemacht hatte. Ich hatte, ehrlich gesagt, viele Jahre lang das Gefühl, eine Art Außenseiter zu sein, der dort hineinschaut. Mein Gespräch mit J.J. und den anderen gab mir wirklich das Gefühl, dass sie "Star Trek" auf die gleiche Weise sahen wie ich, ausgehend von den frühen Jahren der Originalserie und einigen der besseren Filme, die wir gemacht hatten. Sie stimmten sehr stark mit meinem Gefühl dafür überein, warum es damals funktioniert hatte und sie hatten insbesondere das Gespür dafür, was für mich das Bewegende und Aufregende daran gewesen war, Spock zu sein. Ich dachte: "Das hier unterscheidet sich stark von den Erfahrungen, die ich in letzter Zeit mit 'Star Trek' gemacht habe." Es war ein ganz anderes Gefühl. Ich dachte mir, es lohnt sich, diese Sache genauer zu betrachten.

Es gab zu diesem Zeitpunkt noch kein Drehbuch. Sie waren noch dabei zu überlegen, aber sie machten sehr deutlich, dass sie ein Drehbuch schreiben wollten, in dem die Figur des Spock eine wichtige Rolle spielen sollte. Sie wollten also herausfinden, ob ich das zumindest in Erwägung ziehen würde, denn wenn ich rund heraus "Nein" gesagt hätte, hätten sie eine komplett neue Richtung finden müssen. Ich habe nicht sofort "Nein" gesagt, sondern: "Ich glaube, ihr interessiert euch für die gleichen Dinge wie ich. Ich freue mich darauf, das Drehbuch zu lesen." Und dabei ist es geblieben.

Madsen: Haben Sie nach diesem Film das Gefühl, den Charakter des Spock vollendet zu haben, oder ist dies der Beginn einer neuen Ära für Sie und Spock?

Nimoy: Beides! Was Spock und mich betrifft, bin ich nicht sicher. Es ist aber sicherlich der Beginn einer neuen Ära für Spock! Es ist unmöglich, eine Voraussage für mich und Spock zu machen. Ich weiß absolut nicht, was sie als Nächstes vorhaben und bin so oder so sehr zufrieden. Ich bin sehr dankbar dafür, die Gelegenheit zu einer Art Abschluss bekommen zu haben. Wenn dies das Ende ist, bin ich damit sehr zufrieden. Ich war überhaupt nicht glücklich mit dem Ende, das der Figur des Spock vor einigen Jahren aufgezwungen wurde, als auf einen Streich Spock einfach fallen gelassen und Kirk getötet wurde! Ich fand, dass beides große Verluste für "Star Trek" waren. Es gab keinen Grund, Kirk sterben zu lassen und Spock wurde einfach übergangen. Mir kam es so vor, als stünde Absicht dahinter. Es wirkte so, als ob jemand gesagt hätte: "Nun, wir müssen das jetzt hier beenden und mit einer ganz neuen Ära beginnen." Nachdem ich diesen Film und diese Erfahrung als Spock machen und Zachary Quinto nun in der Rolle sehen konnte, denke ich, dass dieser Charakter ein wundervolles, neues Leben bekommen hat - und natürlich ist der Erfolg des Films großartig! Es ist wunderbar, das mitzuerleben und zu sehen, dass "Star Trek" eine Chance auf eine Neuerfindung und eine Wiedergeburt bekommen hat. Es brauchte dringend eine Wiederbelebung.

Madsen: Können Sie mir aus Ihrer Perspektive beschreiben, wie Spock sich über die Jahre verändert hat, von der ersten Folge der Serie bis hin zum neuesten Film?

"Spock näher als jemals zuvor"
Nimoy: In vielerlei Hinsicht fühle ich mich Spock persönlich näher als jemals zuvor. Der Spock, den ich in diesem Film gespielt habe, steht mir, was meine persönliche Lebenslage angeht, näher als je zuvor. Während der Serien- und der Filmjahre war es eine schauspielerische Darstellung, weil ich, ich weitesten Sinne, sehr viel menschlicher und emotionaler war als der Spock, den ich spielte - das heißt natürlich nicht, dass Spock keine Gefühle hatte; wie wir alle wissen, hatte Spock sein eigenes Innenleben. Aber der Spock, den ich spielte, war sehr logisch, sehr kühl und rational. In diesem Film ist mein Spock auf eine sehr angenehme Art mit sich ins Reine gekommen. Also sehe ich mich selbst nun da oben als Spock, wohingegen Zachary [Quinto, Anm. d. Red.] es auf wunderbare Weise geschafft hat, uns Spock zu zeigen, wie er war, bevor ich ihn in der Originalserie spielte. Und schließlich, am Ende des Films, sehen wir ihn zu dem Spock werden, den ich während der Originalserie verkörperte.

Madsen: War es nicht sehr riskant, das ursprüngliche "Star Trek" mit einer komplett neuen Besetzung wieder zu starten? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Öffentlichkeit neue Schauspieler in diesen klassischen Rollen nicht akzeptieren würde, war doch ziemlich groß. Was hat Sie dazu bewegt, das Projekt trotz dieses Risikos voranzutreiben?

Nimoy: Nun, im Grunde ging ja nicht ich das Risiko ein, sondern J.J. [Abrams', Anm. d. Red.]! Es läuft alles darauf hinaus, ob es funktioniert und ob man damit erfolgreich ist. Ich finde, er hat das außerordentlich gut gemacht. Hätte er es nicht gut gemacht, hätte es eine Katastrophe werden können. Aber das gilt für jede Form von Kunst und für jedes Risiko, dass man eingeht. Wenn du Risiken scheust, wirst du langweilig. Als ich vor vielen Jahren das erste Mal die spitzen Ohren aufsetzte - das war ein Risiko!

Madsen: Als Sie damals in den 60er-Jahren zum ersten Mal von der Maske in Spock verwandelt wurden und danach in den Spiegel sahen, haben Sie sich vermutlich gefragt, ob das wohl funktionieren würde?

Nimoy: Das habe ich mich allerdings gefragt! Ich dachte: "Das hier ist gefährlich! Es könnte ein Witz sein!" Ich nahm meine Schauspielkarriere ziemlich ernst. Es lief ganz gut, ich konnte von der Schauspielerei leben und spielte einige ganz passable Rollen - und diese Figur des Spock war ein Risiko. Die Frage war also, ob es funktionieren würde oder nicht. Wenn es gut geht, bist du ein Held. Wenn es nicht funktioniert, ist es eine Katastrophe!

Madsen: Ich erinnere mich sehr deutlich an verschiedene Zeiten in der "Star Trek"-Geschichte, in denen es Gerüchte darüber gab, dass "Star Trek" zurück auf die Kinoleinwand oder die Fernsehschirme kommen würde und die Originalrollen neu besetzt werden sollten. Einmal, ich glaube, es war vor dem ersten Film, ging meiner Erinnerung nach das Gerücht um, dass Robert Redford für die Rolle des Captain Kirk und Clint Eastwood für Mr. Spock in Erwägung gezogen wurden - und die Fans waren entrüstet!

Nimoy: Ich kann die Entrüstung über eine solche Besetzung verstehen, aber wir leben jetzt in einer anderen Zeit und einer anderen Welt. Ich glaube, dass der Großteil der Fans verstanden hat, dass wir eine andere, neue Herangehensweise an "Star Trek" brauchten - eine neue Vision. Genau das ist mit diesem Film passiert. Er ist eine frische Vision, und sehr erfolgreich.

Madsen: Hatten Sie zuerst irgendwelche Bedenken wegen dieser alternativen Zeitlinie und der Zerstörung des Planeten Vulkan?

Nimoy hatte keine Bedenken wegen der neuen Zeitlinie und Vulkans Zerstörung
Nimoy: Nein, meiner Ansicht nach war das eine sehr aufregende und sehr fantasievolle Art, mit einigen schwer wiegenden Problemen umzugehen, die mit dem Schutz der Kontinuität zu tun hatten. Es war eine Möglichkeit zu sagen: "Seht, wir müssen uns von diesen Fesseln befreien, sonst werden wir bei jeder neuen Wendung der Ereignisse, bei jeder Charakterisierung et cetera behindert und lahm gelegt." Bei allem, was wir tun oder sagen, werden die Leute sagen: "Das ist aber nicht mit dem 'Star Trek'-Kanon zu vereinbaren!" Also mussten sie einen Weg zu einem Neustart finden, und ich denke, das haben sie hervorragend gemacht!

Madsen: Ich fand diesen Film wirklich großartig, aber ich muss zugeben, dass es für mich als Fan der Originalserie etwas Bittersüßes hatte, zu erkennen, dass meine Schauspieler (die Schauspieler, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich liebte) nun wirklich gehen und den Stab an diese neuen, jüngeren Schauspieler übergeben würden. Können Sie das verstehen?

Nimoy: Ja, natürlich. Aber wenn wir die Zukunft nicht akzeptieren können, sind wir in Schwierigkeiten. Ben Cross spielt Spocks Vater. Mark Lenard ist verstorben. Winona Ryder spielt Spocks Mutter und Jane Wyatt ist verstorben. Simon Pegg spielt Scotty und James Doohan lebt nicht mehr. DeForest Kelley ist verstorben. Majel Barrett ist nicht mehr da. Wir müssen realistisch bleiben. Ich bin ein nostalgischer Mensch - ich liebe es, über die Vergangenheit nachzudenken. Ich denke oft darüber nach. Ich denke an die großartigen Zeiten, die ich hatte, an die Schwierigkeiten und an die aufregenden Momente. Aber ich denke, es ist gesund, im Hier und Jetzt zu leben und sich mit der Realität der Gegenwart zu beschäftigen.

In meinen Augen ist das keine negative, sondern eine positive Sache. Diesen geliebten Figuren wird ein ganz neues Leben gegeben. Ich bin sehr stolz auf die Tatsache, dass diese Charaktere es wert sind, dass man sich wieder mit ihnen beschäftigt. Wir haben so wunderbare Figuren erschaffen, dass es sich lohnt, wieder neu in sie zu investieren und sie nun zu beobachten und in neuem Licht zu sehen. Ich finde das sehr aufregend!

Madsen: Finden Sie nicht auch, dass dieser Film beinahe eine Notwendigkeit war, um die Flamme des "Star Trek"-Franchise nicht erlöschen, sondern hell brennen zu lassen, nachdem "Star Trek" offenbar über die letzten paar Jahre etwas von seinem Glanz verloren hatte?

Nimoy: Ich denke, er war absolut notwendig, um "Star Trek" lebendig zu halten und vorwärts zu bringen. Genau wie "Star Trek II: Der Zorn des Khan" "Star Trek" 1982 zurück auf die Landkarte brachte, erreicht dieser Film viele Jahre später das gleiche.

Madsen: War der letzte Satz, den Sie im Film sagen, "Triebwerke auf volle Kraft", eine symbolische Stabübergabe?

Nimoy: Dan, ich freue mich sehr, dass Sie mir diese Frage stellen. Das hat mich bisher noch niemand gefragt. Dieser Satz stand nicht im Drehbuch. Wir hatten die Szene gedreht und waren damit fertig, und ich sagte zu J.J.: "Können wir noch eine Aufnahme drehen, ich würde hier gerne eine Idee einbringen und sehen, ob sie dir gefällt." Wir drehten die Szene noch einmal, und ich sagte: "Triebwerke auf volle Kraft." Es war eine Art Segen und Weitergabe des Stabes. Die Idee war mir an Ort und Stelle gekommen, nichts davon stand im Drehbuch. Etwas später rief J.J. mich an und sagte, dass er erstaunt war, wie gut der Satz zur nächsten Szene auf der Brücke passte, denn dort beginnen sie, über die Triebwerke zu sprechen! So entstand eine Verbindung, es wirkte beinahe, als ob das so vorgesehen war. Ich hatte nicht an die Szene auf der Brücke gedacht, ich wollte den Jungs einfach sagen: "Auf geht's. Nehmt den Stab und lauft!"

Madsen: Können Sie beschreiben, wie es für Sie war, Zachary Quinto zum ersten Mal Spock spielen zu sehen?

Quinto als Spock: "Großartig"
Nimoy: Ich fand es großartig! Ich finde ihn ungeheuer gut. Ich bewundere seine Herangehensweise an die Arbeit. Er ist ein sehr gut ausgebildeter, im besten Sinne sehr seriöser Schauspieler. Er ist intelligent. Als er in der engeren Auswahl für die Rolle stand, schickten sie mir einige Aufnahmen von ihm und baten mich, sie anzusehen. Ich rief sofort an und sagte: "Er sieht mir nicht nur so ähnlich, dass es funktionieren könnte, er hat außerdem ein Innenleben. Er setzt seinen Kopf ein - man kann sehen, dass er mit seinem Verstand arbeitet. Ich denke, das ist entscheidend für diese Figur, und ich glaube, er wird das wunderbar machen." Ich finde, dass er einige großartige Dinge mit der Figur des Spock gemacht hat.

Madsen: War nicht die erste Szene, die Sie für diesen Film gedreht haben, der Moment, in dem sich der gealterte und der junge Spock von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen?

Nimoy: Das ist korrekt.

Madsen: War es nicht merkwürdig für Sie, einen anderen Schauspieler vor sich zu sehen, der Spock spielt?

Nimoy: Wir hatten uns zuvor schon einige Male getroffen, es war also nicht das erste Mal, dass wir uns sahen. Es war das erste Mal für die Figuren, aber nicht für die Schauspieler. Wir hatten bei verschiedenen Gelegenheiten Stunden zusammen verbracht, beim Essen und bei mir zu Hause, haben zusammen "Star Trek"-Aufnahmen angesehen und über die Philosophie und die Maske der Figur des Spock diskutiert. Als es dann ans Drehen ging, fand ich es sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Ich finde einfach, dass er ein großartiger Schauspieler ist. Ich bin sehr stolz auf ihn, und das habe ich ihm auch gesagt.

Madsen: Was war der wichtigste Ratschlag, den Sie Zachary Quinto gegeben haben?

Nimoy: Ich kann ehrlich nicht sagen, dass ich ihm in irgendeiner Weise Ratschläge gegeben habe. Ich hatte nicht wirklich die Funktion eines Beraters. Ich habe nicht gesagt: "Denk an dies." oder "Tu das." oder "Tu das nicht." Diese Art von Gespräch haben wir nicht geführt. Es ging um die Philosophie der Figur, über ihre Ursprünge und wie sie sich weiterentwickelt hat, wo die Probleme mit der Maske lagen und wie diese entstanden waren. Ich habe ihm nur ein bisschen geschichtlichen Hintergrund gegeben, um ihm einige Quellen aus meiner Erfahrung zu öffnen, aus denen er schöpfen konnte. Es gab keine Anleitung oder Ratschläge. Er ist ein sehr gut ausgebildeter, intelligenter Kerl. Er wusste, was er zu tun hatte.

Madsen: Wenn Sie wie Spock in die Vergangenheit reisen könnten, welchen Rat würde ein 78-jähriger Leonard Nimoy einem etwa 30-jährigen Leonard Nimoy geben, der gerade zum ersten Mal in die Rolle des Spock (und eine lebenslange Rolle in "Star Trek") schlüpfte?

Leonard Nimoy und sein Spock-Nachfolger Zachary Quinto
Nimoy: (lacht) Ich würde sagen: "Sei dir bewusst, dass die Dinge sich verändern!"

Madsen: War dieser Film ein "Alles oder Nichts"-Projekt für das Franchise? Mit anderen Worten, "Star Trek" hatte in den letzten paar Jahren bereits an Popularität verloren - war dieser Film und die Art, wie er gemacht wurde, absolut unentbehrlich für das zukünftige Wohl des "Star Trek"-Franchise und seine Fähigkeit, weiter als ein fortschrittliches Unterhaltungsmodell zu bestehen?

Nimoy: Ja, ich glaube, das ist richtig. Es ist inzwischen klar, dass der Film ein riesiger Erfolg ist und eine ganz neue Generation von Fans an Bord geholt hat. Ich glaube, dass wir einen sehr interessanten Aufschwung im Verkauf der Originalserien erleben werden, denn viele Fans, die diesen Film sehen, werden sagen: "Hey, ich würde gerne zurückgehen und sehen, worum es dabei überhaupt am Anfang ging". Damit wird die Originalserie, die es jetzt auch im Blu-ray-Format gibt, ein größeres Publikum bekommen. Ich habe die DVDs gerade vor ein paar Tagen erhalten und hatte noch keine Gelegenheit, sie anzusehen, aber ich habe gehört, dass sie wunderschön sein sollen! Ich glaube, dass es wieder ein enormes Interesse an der Originalserie geben wird und das finde ich wunderbar.

Madsen: Glauben Sie, dass die "Star Wars"-Episoden einen Einfluss auf den Film hatten?

Nimoy: Ich bin sicher, dass das so ist. Nicht nur "Star Wars" hat den Film beeinflusst, sondern auch eine Art Sensibilität dafür, was das Publikum heutzutage in einem Film sehen möchte. Was dieser Film erreicht hat, ist, dass er "Star Trek" nach den Maßstäben eines Abenteuerfilms zu einem modernen Look und zeitgenössischer Atmosphäre verholfen hat, gleichzeitig aber auf einzigartige Weise ein großes Herz im Inneren birgt. Viele von den Filmen mit gigantischen Spezialeffekten, die wir heutzutage zu sehen bekommen, haben dieses Herz nicht. Man verlässt das Kino und fühlt sich leer. Man bekommt eine unglaubliche Menge verblüffender Effekte und eine große Show zu sehen und einen Adrenalinrausch zu spüren, aber man vermisst das Herz! Dieser "Star Trek"-Film ist sehr emotional. Es ist erstaunlich, dass J.J. [Abrams, Anm. d. Red.] es geschafft hat, so viel Gefühl in diesen gigantischen Actionfilm zu bringen.

Madsen: Ich glaube, der letzte Film, der es geschafft hat, ein größeres Publikum von Nicht-"Star Trek"-Fans zu erreichen, war "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart".

Nimoy: Ich glaube, das ist richtig. Ist es nicht großartig, was dieser Film geschafft hat!

Madsen: Was glauben Sie, wie die Zukunft des gealterten Spock nach diesem Film aussehen wird?

Der gealterte Spock hat nach dem Filmende viel Arbeit vor sich
Nimoy: Mein Gefühl sagt mir, dass er einige Arbeit vor sich hat. Er sprach davon, eine neue vulkanische Kolonie errichten zu wollen, und ich glaube, dass er sich dafür sehr engagieren wird. Wenn wir ihn nicht wiedersehen sollten, glaube ich, dass es das sein wird, womit er beschäftigt ist. Er arbeitet daran, die Geschichte der Vulkanier wieder aufzubauen.

Madsen: Es wurde viel darüber gesprochen, dass Präsident Obama ein Bewunderer von "Star Trek" sein soll und dass er mit der Figur des Spock verglichen wird. In einem kürzlich erschienenen "Newsweek"-Interview sagte er sogar, dass er den neuen Film gesehen und dass er ihm sehr gefallen hat, und er erwähnte die Verbindung zu Spock. Haben Sie den Präsidenten jemals getroffen und mit ihm über "Star Trek" gesprochen?

Nimoy: Ich habe ihn zweimal getroffen. Wir haben nicht direkt über "Star Trek" gesprochen, aber bei unserem ersten Treffen zeigte er mir den vulkanischen Gruß, als er mich entdeckte! Meine Frau und ich nahmen vor langer Zeit an einem formellen Mittagessen teil, das für ihn gegeben wurde. Damals stand er gerade ganz am Beginn seiner Kampagne für die Nominierung zur Präsidentschaft. Er bahnte sich einen Weg durch eine Gruppe von Leuten - wir waren eine kleine Versammlung von vielleicht 60 oder 80 Gästen -, sah mich, hob seine Hand zum vulkanischen Gruß und sagte: "Man hat mir gesagt, dass Sie hier wären." Ich erwiderte die vulkanische Begrüßungsgeste, und das war der Beginn unserer Beziehung. Anscheinend ist er damit aufgewachsen, "Star Trek" im Fernsehen zu sehen.

Madsen: Was für Reaktionen haben Sie von Ihren Schauspielerkollegen aus der Originalserie zu diesem Film erhalten?

Nimoy: Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen, aber ich habe von allen Zitate gelesen, in denen sie den Film bewundern.

Frage: Glauben Sie, dass "Star Trek" diese neuen "Star Trek"-Schauspieler durch ihre Karrieren begleiten wird, wie das bei Ihnen und Ihren Schauspielkollegen der Fall war?

Nimoy: Ich glaube, es wird sehr interessant sein, das zu beobachten. Ich könnte da keine Vorhersage machen. Alle diese Leute haben offensichtlich eine Zukunft als Schauspieler. Sie alle sind so gut. Zachary muss noch Heldenrollen spielen. Chris Pine wird ganz klar ein führender männlicher Schauspieler werden. Ich glaube, Zoe Saldana arbeitet bereits an einem anderen Film. Ihre Karrieren werden alle nach diesem Film Aufschwung bekommen, weil sie gut sind. Sie sind professionelle, begabte Menschen, und sie haben es verdient. Ich bin sicher, dass sie alle einen Karriereschub erleben werden.

Madsen: Glauben Sie, dass Gene Roddenberry mit der heutigen Situation von "Star Trek" glücklich wäre?

Nimoy: Oh, ich bin sicher, dass er seine Freude an dem hätte, was gerade passiert. Ich glaube, er hätte sehr viel Spaß daran. Es ist wirklich schade, dass er und Majel nicht mehr da sind, um diese erstaunliche Wiederbelebung ihrer ursprünglichen Idee zu erleben.

Leonard Nimoy ist sich sicher, dass "Star Trek" noch ein langes Leben vor sich hat
Madsen: Was können Sie, vom heutigen Standpunkt aus, für die Zukunft von "Star Trek" voraussehen?

Nimoy: Es steht fest, dass Paramount daran interessiert ist, einen weiteren "Star Trek"-Film zu machen. Ich glaube, vor ungefähr einem Monat haben sie bereits das Schreiben eines Drehbuches autorisiert, und das bedeutet finanzielle Investitionen und die Erwartung, dass es zumindest ein Drehbuch geben wird, das sie sich ansehen können. Soweit ich weiß, soll es von den gleichen Autoren geschrieben werden, Bob Orci und Alex Kurtzman. Sie sind wahrscheinlich in diesem Moment damit beschäftigt, eine Geschichte zu entwickeln. Ich glaube, dass es vom Publikum und vom Studio ein gleichermaßen starkes Interesse an dem nächsten "Star Trek"-Film gibt. Was nach einem weiteren Film kommt, wer weiß? Die Zukunft steht weit offen.

Madsen: Ich nehme auch an, dass Sie sehr aufgeschlossen dafür wären, Spock noch einmal zu spielen, wenn die Anfrage käme?

Nimoy: Ich mache mir keine Illusionen darüber, ob sie mich brauchen oder nicht. Sie hatten beschlossen, dass sie diesen Film machen und Spock dabei als eine Art Anker für die Geschichte benutzen wollten, was aus meiner Sicht sehr, sehr gut funktioniert hat. Sie müssen das nicht noch einmal tun. Wenn sie sich dazu entschließen sollten, mir eine Rolle anzubieten, wäre ich daran sehr interessiert. Aber ich habe allen Grund zu glauben, dass sie eine ganz neue Gruppe von Charakteren etabliert haben, die sehr gut ohne mich segeln können, und das ist auch in Ordnung. In beiden Fällen wäre ich zufrieden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass dies so passiert ist.

Madsen: Fans lieben es, Geschichten über die Anfänge der "Star Trek"-Legende zu hören. Wir wissen schon, woher Sie die Idee für den vulkanischen Gruß hatten. Können Sie sich für uns noch einmal daran erinnern, was der Zündfunke für diese Idee war und wie Sie sie Gene Roddenberry und den anderen zum ersten Mal präsentiert haben? Wussten alle, dass der Gruß einer jüdischen Tradition entstammte?

Nimoy: Nein, Gene war nicht wirklich daran beteiligt. Es passierte aus dem Moment heraus, ähnlich wie bei dem Satz: "Triebwerke auf volle Kraft." Wir drehten die Episode "Weltraumfieber" ("Amok Time"), und ich befasste mich sehr stark mit der Vorstellung, dass wir zum allerersten Mal Vulkan und die Vulkanier sahen. Außer Spock hatten wir noch nie einen Vulkanier zu Gesicht bekommen. Es wurde auch noch nie gezeigt, dass zwei Vulkanier sich trafen. An Ort und Stelle sagte ich zum Regisseur: "Es müsste etwas Besonderes geben, das Vulkanier tun, wenn sie sich begrüßen. Menschen geben sich die Hand, Asiaten verbeugen sich voreinander." Er fragte: "Woran haben Sie gedacht?" Ich sagte: "Nun, was halten Sie hiervon?", und vollführte den vulkanischen Gruß mit den gespreizten Fingern.

Der vulkanische Gruß: Ein spontaner Einfall
Glauben Sie mir, ich habe vorher nicht darüber nachgedacht. Der Einfall kam mir einfach in dem Moment, als die Prozession mit T'Pau in der Sänfte erschien. Ich dachte: "Was für eine großartige Gelegenheit, ein geheimnisvolles vulkanisches Symbol einzuführen!" So ist das entstanden. Gene war nicht anwesend. Er hat es vermutlich einige Tage später in den Aufnahmen gesehen, und danach begannen die Autoren, den Gruß in die Drehbücher einzuarbeiten, genau wie den vulkanischen Lähmungsgriff.

Auch dieser entstand aus dem Moment heraus. Ich sollte direkt hinter Bill Shatner auftauchen und ihm mit dem Griff des Phasers auf den Kopf schlagen. In der Szene sagte ich zum Regisseur: "Das kommt mir nicht richtig vor. Ich finde es irgendwie falsch, ihn mit einer Pistole zu schlagen." Er sagte: "Was würden Sie denn lieber tun?" Also sagte ich: "Nun, wie wäre es, wenn ich so etwas mache und Bill daraufhin bewusstlos zu Boden geht?" Und so ist es dann passiert. Man wartet darauf, dass einem plötzlich so eine Inspiration kommt.

Madsen: Sind Sie stolz darauf, dieses Zeichen eingeführt zu haben? Schließlich kann man diesen Gruß mittlerweile auf der ganzen Welt zeigen, und die meisten Menschen wissen, dass er "Star Trek" entstammt und ein Friedensgruß ist.

Nimoy: Ja, das stimmt. Es ist inzwischen ein Teil unserer Kultur. Das ist großartig. Ich werde von Kindern, Busfahrern, Polizisten und Kellnern in Restaurants so gegrüßt. Es ist großartig und ich liebe es!

Madsen: Wie ist die Redewendung: "Live long and prosper" ("Lebe lang und in Frieden") entstanden?

Nimoy: Sie wurde von Theodore Sturgeon geschrieben und stand im Drehbuch. Das war übrigens ein wunderbares Drehbuch. Es war eine wunderschöne Geschichte und auch eine unserer besten. Theodore Sturgeon schrieb die Worte "Live long and prosper". Und auch diese sind natürlich inzwischen Teil unserer Kultur.

Madsen: Welcher Moment in Verbindung mit "Star Trek" erfüllt Sie mit dem größten Stolz?

Nimoy: Es gab so viele Momente der Freude. Meine Freundschaft mit Bill Shatner ist mir sehr wichtig. Wir sind immer noch sehr enge Freunde. Wir treffen uns nach wie vor, und ich fühle mich allen Schauspielern, die noch unter uns sind, sehr herzlich verbunden. Das tue ich wirklich. Ich liebe sie alle - Nichelle [Nichols, Anm. d. Red.] und George [Takei, Anm. d. Red.] und Walter [Koenig, Anm. d. Red.]. Sie sind mir wichtig. Ich interessiere mich dafür, wie es ihnen ergeht. Ich schaffe es nicht oft, mit ihnen zu sprechen. Manchmal sehe ich sie auf einer "Star Trek"-Veranstaltung, aber ich bin ihnen sehr zugetan. Ich schätze, ich bin in dieser Beziehung sehr menschlich! Das bedeutet mir sehr viel.

Aber es gab so viele außergewöhnliche Höhepunkte. Ich erinnere mich an unsere allererste Convention in New York, zu der einige hundert Menschen erwartet wurden, und plötzlich kamen Tausende. Wir waren völlig überwältigt von dieser Reaktion. Mein erster Besuch in Deutschland vor vier oder fünf Jahren - ich besuchte eine Convention in Bonn, und da waren 3.000 deutsche Fans im Publikum, die schrien und stampften und jubelten! Es war wie bei einem Rock-Festival! Dann gab es wieder leisere Momente, wenn ich einer Figur eine neue Facette gegeben hatte und feststellte, dass die Menschen das ernstnahmen und es ein positives Echo gab. All dies sind großartige Erfahrungen. Ich glaube, ich bin ein ziemlicher Glückspilz.

Madsen: Sie haben mit "Star Trek" ein richtiges Vermächtnis aufgebaut. Die Menschen werden sich noch in 100 Jahren an Leonard Nimoy erinnern.

Nimoy: (lacht) Das ist ein angenehmer Gedanke!

Madsen: Wie verbringen Sie heutzutage Ihre Zeit? Was tun Sie, um sich zu vergnügen und zu entspannen?

Nimoy: Ich habe ein großartiges Privatleben. Ich bin mit einer wunderbaren Frau verheiratet. Wir feiern unseren 20. Hochzeitstag. Wir sind einfach unglaublich gern zusammen. Wir reisen viel. Wir sammeln zeitgenössische Kunstwerke. Das ist unsere große Leidenschaft. Das Fotografieren ist mir unheimlich wichtig. Ich bin sehr stolz und aufgeregt, weil ich nächstes Jahr meine erste eigene Ausstellung in einem großen amerikanischen Museum haben werde. Sie wird im Museum für zeitgenössische Kunst in Massachusetts gezeigt werden. Das ist ein sehr großes, wunderbares Museum, und sie haben sich dazu bereit erklärt, ein Projekt auszustellen, das ich gerade vervollständige.

Nimoy widmet sich derzeit seiner Leidenschaft des Fotografierens und ist als William Bell in "Fringe" zu sehen
Ich nenne es mein "Identity Project". Man kann es auf meiner Webseite sehen. Gehen Sie zu LeonardNimoyPhotography.com, klicken Sie auf "Photography" und dann auf "Identity Project". Dort sehen Sie 25 Bilder, die das Herzstück dieser Ausstellung bilden. Es gibt auch ein Video dazu - es ist eine Videoaufzeichnung meiner Gespräche mit all den Leuten, von denen ich in der Fotosession Porträtaufnahmen gemacht habe. Die Vorgabe war: Komm als die Person, die du in Wirklichkeit bist. Wenn du eine verborgene Identität oder eine Fantasiepersönlichkeit hast, bring sie mit und ich werde dich fotografieren. Die Ergebnisse waren wunderbar, einige sehr lustig und andere sehr bewegend. Alle waren so ungeheuer menschlich. Ich bin sehr stolz auf diese Ausstellung.

Madsen: Was ist Ihre Ansicht als Fotograf zu der Frage: digital oder analog?

Nimoy: Dieses Projekt wurde digital und in Farbe fotografiert. Es ist mein erstes großes Projekt in Farbe. Ich habe jahrelang schwarz-weiß fotografiert. Ich habe außerdem über Jahre meine Abzüge selber gemacht, aber dieses Projekt habe ich digital und in Farbe fotografiert, weil es sein musste. Sie werden es sehen, wenn Sie sich die Bilder anschauen, es lag einfach in der Natur dieser Arbeit. Man musste die Farben sehen, für dieses Projekt bin ich wirklich mit beiden Füßen in die Digitalfotografie hineingesprungen.

Madsen: Werden Sie ein Stammschauspieler bei der Fernsehserie "Fringe" werden?

Nimoy: Ich habe zugesagt, in der nächsten Staffel in mindestens zwei Episoden mitzuwirken. Das ist der Anfang. Danach werden wir sehen, wie es läuft. Die Figur, die ich in der Serie spiele, ist gerade erst "geboren" worden, das heißt wir müssen erst einmal abwarten, wie sie sich entwickelt.

Madsen: Haben Sie jemals die Comedyserie "The Big Bang Theory" gesehen?

Nimoy: Nein, noch nie.

Madsen: Ist Ihnen bekannt, dass es in dieser Serie sehr viele Anspielungen auf Sie und auf "Star Trek" gibt, weil die Hauptfiguren alle hartnäckige "Star Trek"-Fans sind?

Nimoy: Ja, das wusste ich. Ist das die Serie, in der der Typ meine Serviette bekommt?

Madsen: Ja, in einer Episode bekommt er die Serviette geschenkt, weil Ihre DNA darauf ist, und gerät darüber völlig aus dem Häuschen. Das war sehr lustig!


Nimoy: Ja, die Szene kenne ich! Ich habe sie gesehen und fand sie wunderbar! Sehr lustig. Ich habe ihnen tatsächlich eine meiner Servietten oder ein Taschentuch gegeben.

Madsen: Mit dem Sie sich den Mund abgewischt hatten, damit es Spuren Ihrer DNA trug?

Nimoy: (lacht) Ja, das ist richtig!

Madsen: Das ist sehr lustig. Leonard, bevor wir dieses Interview beenden, habe ich irgendetwas vergessen, worüber Sie gerne noch sprechen würden?

Nimoy: Nein, Dan, Sie haben das wie immer großartig gemacht. Es war mir eine Freude, wieder mit Ihnen zu sprechen! Es hat mir Spaß gemacht.

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(gra - 08.11.09 - Quelle: Starland.com)

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