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Florian Battke (fb) Die perfekte Rolle für Majel Barrett Nummer Eins, Schwester Chapel und Lwaxana Troi Im Interview mit "Star Trek: The Magazine" spricht Majel Barrett-Roddenberry unter anderem über den Ursprung von "Star Trek", wie sie und ihr Ehemann Gene NBC austricksten, damit sie die Rolle der Christine Chapel bekam, über die Entwicklung von Lwaxana Troi und sie erzählt auch von der Überraschung, die sie und Gene bei der ersten Convention in der Geschichte von Trek erlebten... Auf die eine oder andere Art ist Majel Barrett-Roddenberry in jeder Inkarnation von "Star Trek" aufgetreten. Heutige Fans kennen sie als Lwaxana Troi oder als die Stimme der Sternenflotten-Computer [natürlich nur im englischen Original; Anm. des Übersetzers], während alte Hasen sie als Schwester Chapel kennen. Ihre erste Rolle in "Star Trek" aber war die des kalten und emotionslosen ersten Offiziers der U.S.S. Enterprise. Sie sollte Vulkanierin sein. Nicht wirklich, da Spock natürlich immer der "Alien" der U.S.S. Enterprise 1701 sein würde, aber trotzdem mit allen Eigenschaften der Vulkanier. Sie wäre kalt und emotionslos geworden, der erste Offizier des Captains und, obwohl sie menschlich war, von einem anderen Planeten stammen. Sie war Nummer Eins, die einzige bedeutende Figur, die den ersten Pilotfilm zu "Star Trek" ("Der Käfig"/"The Cage") nicht überleben sollte. Diese Rolle wäre von Majel Barrett gespielt worden, die erklärte, dass der Charakter der Nummer Eins viel weiter entwickelt war, als irgendjemand bemerkte. Perfekt zugeschnitten
Das Ende einer Figur NBC war von "The Cage" beeindruckt, aber sie fühlten, dass etwas nicht ganz stimmte, also sagten sie Gene, sie würden einen zweiten Pilotfilm bezahlen, wenn er einige Änderungen vornehmen würde. Sie wollten einige Rollen neu besetzen und vor allem wollten sie, dass er die Rolle der Nummer Eins aus der Show nahm. Das waren schlechte Neuigkeiten für Majel. "Sie sagten, dass die Menschen eine Frau an zweiter Stelle der Raumschiff-Hierarchie nicht tolerieren würden, da sie zu unglaubwürdig sei. Es war das Jahr 1964. Ich war natürlich enttäuscht, da es eine wirklich gute Rolle gewesen wäre. Könnt ihr euch vorstellen, wie sie sich entwickelt hätte, wenn die Rolle nicht gestrichen worden wäre? Verrückterweise hätte sich überhaupt nichts geändert. Weder die Rolle des Captain noch die von DeForest [Pille] oder Spock wäre betroffen gewesen. Es wäre nur eine Person mehr auf der Brücke gestanden. Immer wenn ich zurückblicke, denke ich 'Oh verdammt, was für eine Gelegenheit!'" Gemischte Persönlichkeiten Einige der interessantesten Charakterzüge der Nummer Eins überlebten Gott sei Dank in einem anderen Charakter. "Es geschah, dass Spock die Eigenschaften der Nummer Eins übernahm, er hatte keinen Humor und zog eine Augenbraue hoch. Dies war meine Rolle, aber als sie mich rauswarfen entschied Gene, dass irgendjemand den Charakter verkörpern sollte. Also beschloss er, dass die Rolle des Spock so gespielt werden sollte. Er hatte Leonard [Nimoy] die Ohren sowieso gegeben, und er hatte auch schon gesagt, dass Spock sehr stoisch sein sollte. So wurde Spock ein viel vollerer Charakter als die meisten anderen, da er auch noch meinen Charakter bekam." Majels Rückkehr Nummer Eins mag verschwunden sein, aber Majel war immer noch sehr mit Gene und "Star Trek" verbunden. "Ich war die meiste Zeit dabei. Gene schrieb die Worte und ich las sie vor, so dass er hören konnte, wie sie klangen, wenn jemand sie sprach. Es hilft einem sehr." Und während sie Gene half, suchte Majel eine Rolle, die sie wieder auf die U.S.S. Enterprise bringen würde. "Ich las jedes der hereinkommenden Scripts, da ich wusste, was ich tun würde: Sie würden mich nicht raushalten können. Erst beim fünften oder sechsten Skript ["Der alte Traum"/"What are Little Girls Made of?"] fand ich eine Figur; Christine. Ihr Name war anfangs nicht Chapel, sondern irgendwas Französisches. Ich hatte gerade erst ein Stück abgeschlossen, in dem ich den Nachnamen Chapel verwendete, und ich mochte diesen Namen sehr. Ich dachte, Christine Chapel, das klingt wie Sistine Chapel [möglicherweise meint sie die Sixtinische Kapelle?; Anm. des Übersetzers]. Der Rest der Geschichte blieb derselbe - sie war diese Ärztin, die auszog, um ihren Verlobten zu finden." Die geheime Identität
Die verborgene Vergangenheit Es gab nur ein kleines Problem: Gene plante, die Aufnahmen aus "The Cage" in der zweiteiligen Episode "Talos IV, Tabu"/"The Menagerie" wiederzuverwenden. Die Leute waren vielleicht nicht in der Lage zu erkennen, dass Chapel und Nummer Eins von derselben Schauspielerin gespielt wurden, wenn sie sie ansahen, aber sie würden bemerken, dass in den Credits die gleiche Person für beide Rollen angegeben war. Die Lösung war unglaublich einfach. Majel würde einen anderen Namen verwenden. "Wir nannten mich M. Leigh Hudec, und dies ist auch der Name, der ich in den Credits von 'The Cage' bis heute habe. Drei Jahre lang spielte ich die Rolle der Christine Chapel, ohne dass sie merkten, dass ich im Pilot mitgespielt hatte." Charakterliche Ungereimtheiten Majel mag für die Rolle der Schwester Chapel gekämpft haben, aber sie hat sich nie richtig mit ihr angefreundet. "Sie war vielleicht süß, aufreizend und hat auf Leute geachtet. Sie war vielleicht die ehrlichste Person auf dem Raumschiff, und sie hat auch kein militaristisches Leben begonnen. Ich mochte sie, sie war in Ordnung. Sie war nur kein besonders aufregender Charakter. Ich habe mich deshalb nicht sehr für sie interessiert." "Sie war eine willensschwache Frau. Einerseits war sie ein Arzt und, um ihren Verlobten zu finden, hatte sie die Degradierung hingenommen, vermutlich sowohl in Rang als auch in Bezahlung, da es schon einen Arzt an Bord der Enterprise gab. Als sie ihren Verlobten dann fand, bemerkte sie, dass er ein Android ist. Dann dreht sie um und unterschreibt für eine Fünfjahresmission mit diesem Schiff, wobei sie immer noch in Rang und Bezahlung herabgestuft ist. Diese Frau ist nicht besonders clever. Wir haben sie ausgespielt und es gab auch einige große Momente, aber ich musste jedes Mal denken: Oh Mann, wenn nur Nummer Eins hier wäre." Anhaltende Beliebtheit Chapel trat weiterhin regelmäßig auf, bis "Star Trek" 1969 abgesetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wären die meisten anderen Serien für tot gehalten worden, aber Majel und Gene waren niemals davon überzeugt, mit "Star Trek" am Ende zu sein. "Wir dachten von Anfang an immer, dass es mehr 'Star Trek' geben würde. Wir dachten, wir könnten es wiederbeleben, weil wir es im ersten Jahr auch geschafft hatten. Dann, ich denke es war 1971 auf der ersten Convention in New York, auf der sowohl Gene als auch ich war, bekamen wir den Schock unseres Lebens. Wir dachten: Wäre es nicht schön, wenn 400 oder 500 Menschen da wären?' Na ja, es waren 25.000. Das war der Moment, in dem wir bemerkten, dass da mehr war, als man sehen konnte, und wir fragten uns, ob es diese Menschen auch anderswo gab und es die Sache wert war, sie weiterzuverfolgen. Natürlich war es leicht festzustellen, dass dem so war." Als sie festgestellt hatten, wie beliebt "Star Trek" war, taten Gene und Majel alles, um das Interesse der Fans am Leben zu erhalten. Besonders Majel kümmerte sich um die Organisation von Lincoln Enterprises, der Merchandising-Firma der Roddenberrys, die heute noch gut läuft. Souvenir-Katalog "Wir begannen diese Gruppen und Fanklubs zu ermutigen, wir gründeten selber einen offiziellen Fanclub. Wir eröffneten einen Marktplatz. Man konnte aus dem Katalog kleine Teile von "Star Trek" kaufen. Niemand hatte zuvor eine Fernsehserie verkauft. Wir sendeten einige Dinge in der Art "Wenn wir ihnen die Chance bieten würden, ein Skript zu kaufen, einen Writer's Guide, eine Jacke oder einen Hut oder was immer Sie wollen, wären Sie interessiert?" Alle schrieben zurück, also machten wir einen Katalog. Und, mein Gott, jeder antwortete und wollte alles, was wir hatten.
1973 gab es die "Star Trek"-Zeichentrickserie, und einige Jahre danach gab Paramount grünes Licht für eine neue "Star Trek"-Serie, die eine neue, verbesserte Version von Christine Chapel enthalten hätte. "Ich war glücklich, dass sie Chapel erlaubten wiederzukommen, und wenn es eine Fernsehserie geworden wäre, hätte sie sich weiterentwickelt, denn ich war dabei und wusste mehr darüber und Gene hätte sich sowieso darum gekümmert. Sie sollte ein Arzt werden. Das Schiff wurde größer, also würde mehr als ein Arzt benötigt." Ungewisse Zukunft Das Problem war, dass Paramount nicht sicher war, welches Format sie für die Rückkehr von "Star Trek" wollten. "Ich hatte drei verschiedene Verträge, wie jeder andere auch, und jeder einzelne von diesen Verträgen musste ausgezahlt werden, wenn sie ihre Meinung änderten. Kaum dass wir in eine Richtung losgingen, kam schon ein Memo und sie sagten: 'Stop! Wir wollen es in eine andere Richtung laufen lassen. Statt einer Serie wollen wir vier Sendungen pro Jahr machen, und jede davon zwei Stunden lang.' Sie gaben uns dafür einen Vertrag. Beim nächsten Memo meinten sie: 'Nein. Wir werden zurückgehen und einen Film machen; vielleicht einen Film der Woche.' Erst 1977 oder 1978 hatten sie sich endgültig entschieden einen richtig großen Film zu machen." Majel trat im ersten "Star Trek"-Film auf, aber abgesehen von einer einzigen Rückblende hatte sie mit den folgenden Filmen nichts zu tun. Ihre Beteiligung an "Star Trek" war jedoch noch lange nicht vorbei. Die perfekte Rolle 1987 erdachte und leitete Gene eine neue "Star Trek" Serie, und erneut erschuf er eine Rolle speziell für Majel. "'Star Trek: The Next Generation' war schon auf Sendung, als Gene damit kam. Er sagte: 'Ich habe eine tolle Rolle für dich. Du musst nicht schauspielern!' Ich wurde Lwaxana, die Mutter aus der Hölle. Tatsächlich sagte er, sie wäre die Auntie Maine der Galaxie. Ich wusste nicht einmal von dem 'Mutter aus der Hölle'-Teil, bevor ich das Drehbuch durchgelesen hatte, und zu diesem Zeitpunkt war ich so aufgeregt, dass ich ihm nicht einmal böse sein konnte." Während Nummer Eins eher unterdrückt und still gewesen war, war Lwaxana ganz eindeutig von epischer Größe, und genauso wurde sie von Majel gespielt. "Ich sagte, ich werde sie so groß machen wie ich kann, denn ich habe hier einen Regisseur und er wird mich zurückhalten. Na ja, niemand hat mich je zurückgehalten, also wurde sie einfach immer größer und größer, und wir hatten mehr und mehr Spaß." Obwohl Lwaxana als nervende Person gedacht war, entdeckte Majel bald, dass sie überraschend beliebt war. "Ich habe die Leute nachher gefragt, warum sie diesen Charakter lieben, und sie sagten: 'Weil sie etwas hat von meiner Mutter/Tante/Schwester/... Sie erinnert mich an jemanden aus meiner Familie.' Jeder sagte so etwas. Überall ist ein kleiner Teil von ihr. Sie ist universell." Neue Tiefen
Dies war ein Wendepunkt für Lwaxana, die ein sehr viel entwickelter Charakter wurde und alle Erwartungen Majels überflügelte. "Vorher war sie sehr eindimensional. Als sie erkannten, dass der Charakter diese Arbeit leisten konnte, sagten sie 'Okay, wir geben ihr jetzt etwas Neues.' Es war einfach schön; es gab so viele Orte, an die ich damit gehen konnte. Ich hatte niemals eine so ausgedehnt für mich entwickelte Rolle. Es war herrlich. Ich liebte es." Obwohl sie über diese Transformation glücklich war, vermisste Majel gelegentlich immer noch die alte Lwaxana. "Sie ist nun so viel weiter entwickelt. Sie hatte die Tragödie, dass eines ihrer Kinder gestorben ist, und sie hat sich selbst dafür die Verantwortung gegeben. Wie kann man sagen: 'Nun spiele ich eine Tragödie und ich würde gerne ein wenig mehr Humor hineinbringen?'" Blick in die Zukunft Nachdem TNG zu Ende war, trat Lwaxana einige Male in "Star Trek: Deep Space Nine" als Gast auf, wobei Odo die Rolle des Picard als Objekt der Begierde übernahm. Majel sagt, sie hätte sich keine besseren Mitspieler wünschen können, und beschreibt beide Männer als perfekte Schauspieler. Nun, da DS9 auch zu Ende ist, hat Lwaxana vermutlich ihren letzten Auftritt hinter sich. Majel ist trotzdem immer noch mit "Star Trek" verbunden. In den letzten 13 Jahren hat sie ihre Stimme allen "Star Trek"-Computern geliehen, und sie besucht Paramount noch immer regelmäßig, um neue Dialoge für "Star Trek: Voyager" aufzuzeichnen. In den letzten Jahren hat sie sich dem Produzieren zugewandt und hat ihre Kraft darauf verwendet, einige von Genes unverwirklichten Projekten auf den Bildschirm zu bringen. "Earth: Final Conflict" ["Mission Erde - Sie sind unter uns"] ist nun etabliert, "Andromeda" wird im Herbst sein Debüt feiern, und Majel versichert uns, dass dies nur der Anfang ist. Das englische Original-Interview finden Sie bei unserer Partnersite Voyager's Delights. (fb - 30.03.09 - Quelle: VoyagersDelights.com) Weiterführende Links
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