Henning Koonert (hk)
28.03.09
TZN Exklusiv mit Walter Koenig
Im Gespräch mit dem Chekov-Darsteller
Das TrekZone Network sprach mit Chekov-Darsteller Walter Koenig über seine Meinung zum neuen "Star Trek" und seinen Nachfolger als Chekov, über seinen Sci-Fi-Film "InAlienable" und die Eindrücke seiner Burma-Reise.
Am Ende eines langen Tages, den er damit verbracht hatte, Autogramme zu schreiben und für Fotos zu posieren, stand Walter Koenig dem TrekZone Network noch für ein Interview zur Verfügung. Wir möchten uns ganz herzlich dafür bedanken, dass er sich die Zeit für ein Gespräch mit uns genommen hat!
"Star Trek"-Fans konnten Walter Koenig in den letzten Jahren in einer Reihe von unabhängigen Trek-Produktionen wie "New Voyages" und "Of Gods and Men" noch einmal als Chekov sehen. Jenseits von Trek hat er inzwischen ein anderes Projekt vorangetrieben: den Film "InAlienable", der der Frage nachgeht, ob auch Außerirdische unveräußerliche Rechte besitzen. In bester Science-Fiction-Manier beleuchtet er so mit dem Spannungsfeld zwischen Grundrechten und Sicherheitsfragen ein aktuelles Thema.
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 Walter Koenig |
Der Film mit
Richard Hatch (Apollo in "
Kampfstern Galactica", Tom Zarek in "
Battlestar Galactica") in der Hauptrolle wurde im letzten Jahr als kostenpflichtiger Download im Internet veröffentlicht. Koenig selbst spielt darin nicht nur mit, sondern schrieb auch das Drehbuch und fungierte als Executive Producer.
Im Gespräch mit dem TrekZone Network berichtete Koenig von weiteren Plänen für den Film: "Bis vor kurzem war er noch im Internet erhältlich, aber jetzt nicht mehr. Er steht kurz davor, auf DVD veröffentlicht zu werden." Tatsächlich wurde kurz nach unserem Interview auf Koenigs offizieller Website bekanntgegeben, dass der Renegade Film Club für 19,99 Dollar "InAlienable" auf DVD anbietet. Besteller erhalten gratis den unabhängigen "Star Trek"-Film "Of Gods and Men" dazu. Außerdem will Koenig, von dem bereits 2006 der Sci-Fi-Roman "Buck Alice and the Actor-Robot" erschien, "InAlienable" auch als Buch auf den Markt bringen: "Es ist schon fertig geschrieben. Jetzt versuche ich es zu verkaufen. Ich bin derzeit auf der Suche nach einem Verlag, der es mir abkauft."
Außerhalb des Showgeschäfts hat Walter Koenig in den letzten Jahren seine Popularität genutzt, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf ein Geschehen zu lenken, von dem er sagt, es sei genauso schlimm wie der Krieg in Darfur, für den der sudanesische Präsident Umar al Baschir vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden soll. 2007 reiste Koenig gemeinsam mit seinem Sohn Andrew und begleitet von Journalisten ins burmesische Grenzgebiet.
Was er dort erlebt hat, beschrieb er folgendermaßen: "Es war sehr bewegend zu sehen, wie die Menschen dort leben, wie eine brutale, rücksichtslose Regierung die Menschen dort zwingt zu leben. Dort herrscht eine Militärdiktatur, die das Volk vollkommen unterdrückt. Millionen Burmesen haben aus Furcht ihre Häuser verlassen und verstecken sich in den Wäldern. Die Soldaten zwingen dort Kinder im Alter von nur zwölf oder 13 Jahren, Waffen aufzunehmen. Die Regierung hat den Soldaten befohlen, Frauen zu vergewaltigen, nicht nur, um sich zu befriedigen, sondern um die Blutlinie zu verwässern. Es gibt dort verschiedene Volksgruppen und sie wollen sie schlussendlich zu einer einzigen formen. Es gibt dort auch eine christliche Volksgruppe. Ihre Angehörigen werden ins Visier genommen, aus ihren Häusern vertrieben und angegriffen. Die Lage dort ist schrecklich."
Natürlich sind die Möglichkeiten eines Einzelnen angesichts dieser Lage beschränkt. Trotzdem fragten wir Walter Koenig, ob er das Gefühl hat, mit seinem Besuch etwas bewirkt zu haben. "Wahrscheinlich war es ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein", meinte der Schauspieler und ging auf das ein, was nach seiner Reise in Burma geschah: "Danach sind ja noch weitere Dinge passiert, wie der enorme Zyklon [Nargis der das Land im Mai 2008 traf und Zehntausende das Leben kostete, Anm. d. Red.]. Wie die Regierung darauf reagiert hat, ist einfach verwerflich. Sie haben keine Hilfsgüter ins Land gelassen und die Hilfe, die doch ins Land gelangte, haben sie der Bevölkerung als die eigene verkauft und verschwiegen, dass sie aus dem Ausland kommt."
Walter Koenig ist froh darüber, dass inzwischen auch einige andere Schauspieler und Berühmtheiten sich für Burma engagieren und das Thema in der Öffentlichkeit etwas präsenter ist. Er meint, dass sein von Journalisten begleiteter Besuch sicherlich Aufmerksamkeit erzeugt hat, in der europäischen Presse und in Amerika vor allem im Internet. "Die US Campaign for Burma hatte mich darum gebeten, und ich hielt es für meine Bürgerpflicht, das zu tun", fasste Koenig seine Beweggründe für den Trip zusammen. Über seine Reise ins burmesische Grenzgebiet berichtet der Schauspieler auch in sehr offenem Tonfall auf seiner offiziellen Website.
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 Der neue Chekov, Anton Yelchin |
Natürlich sprachen wir auch über das derzeit bestimmende Thema in Sachen "Star Trek", den Kinofilm von
J.J. Abrams. Wie einige andere Trek-Schauspieler war auch Koenig einen Tag lang am Set und traf sich dabei mit seinem Nachfolger als Chekov,
Anton Yelchin. "Wir haben uns ein wenig über die Rolle unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass er sie sich zueigen machen muss. Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, mich nachzumachen und ich glaube auch, dass er das gar nicht vorhatte."
Walter Koenig ist sich sicher, dass Yelchin eh gute Voraussetzungen für die Verkörperung des jungen russischen Navigators mitbringt: "Er und seine Eltern kommen aus Russland. Er ist dort geboren, aber lebt schon, seit er ein paar Monate alt war, in den USA. Seine Großeltern sind waschechte Russen. Ich denke, seine eigene Familie hat ihm ein bisschen beim Dialekt geholfen. Er ist ein sehr liebenswürdiger junger Mann und schon sehr erfolgreich. Er hat in mehreren Kinofilmen mitgespielt und einen Film [die Stephen-King-Verfilmung "Hearts in Atlantis"] gemeinsam mit Anthony Hopkins gemacht, als er noch jünger war. Er hat sich als Schauspieler schon etabliert."
Die Idee, für den Kinofilm die Classic-Ära mit den bekannten Gesichtern neu zu gestalten, bleibt kontrovers und während sich die einen über frischen Wind für "Star Trek" freuen, mögen sich die anderen mit den Abweichungen zur ursprünglichen Serie nicht anfreunden.
Wir haben Walter Koenig direkt danach gefragt, was er dieser Fangruppe gern sagen würde. Einen Moment lang dachte der Schauspieler über seine Antwort nach und sagte dann: "Ich denke, das wird ein hervorragender Film. Wenn sie ihre Vorurteile überwinden können und sich nicht um den Kanon sorgen, werden sie sich gut unterhalten fühlen. Nichts ist in Stein gemeißelt. 'Star Trek' gründet sich nicht auf geschichtliche Erkenntnisse. Es ist ausgedacht, Kunst, der menschlichen Vorstellung entsprungen. Es ist Fiktion. Wenn sie also etwas Bestehendes verwenden und es ändern, lasst euch darauf ein, akzeptiert es als das, was es ist, dann werdet ihr gut unterhalten!"
Das Interview mit Walter Koenig führte Henning Koonert am 8. März 2009 in Münster. Es war zunächst in unserem Newsletter "TrekZone Weekend" zu lesen.
(hk - 09.02.10)
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