Alexandra Rimpler (re)
06.04.08
Shatner zeigt Tiefsinn
Ein hintergründiges Interview mit dem Kirk-Darsteller
Die Sci-Fi-Legende sprach mit Style.com über Blogging, das Wohnen in einem Auto und darüber, Erleuchtung unter einem gestürzten Pferd zu finden.
Frage: Ist es wahr, dass Sie nach dem Ende der Ausstrahlung von "Star Trek" in einem Auto gewohnt haben?
William Shatner: Ein Pickup, um genau zu sein. Es war in den frühen Siebzigern und ich war gerade geschieden. Ich hatte drei Kinder und war total pleite. Ich hatte es geschafft, im Osten beim Straw Hat Circuit, einem Sommertheater, Arbeit zu finden, aber ich konnte mir kein Hotel leisten, also lebte ich auf der Ladefläche meines Pickups unter dem Hardtop. Er hatte einen kleinen Herd und eine Toilette und ich fuhr von Theater zu Theater. Der einzige Komfort war mein Hund, der auf dem Beifahrersitz saß und mir eine Perspektive gab. Sonst hätte ich wohl nichts anderes getan, als meine Verluste zu beklagen.
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 William Shatner |
Frage: Wo Sie gerade von Verlusten sprechen, es gibt einen gesprochenes Stück auf Ihrem Album "
Has Been" aus 2004. Es handelt davon, wie Sie die Leiche Ihrer dritten Frau, Nerine, finden, nachdem sie ertrunken ist, weil sie Alkohol und Valium zusammen genommen hat. Fanden Sie es erlösend, das aufzunehmen?
Shatner: Ich empfand es nicht als Abschluss, falls Sie das meinen. Dieses Wort hat für mich nie etwas bedeutet. Was mir dabei klar wurde, ist, dass wir für immer trauern. Das ist ein Teil unseres Lebens, wie essen, schlafen und lieben. Wir leben in Trauer darüber, dass wir den Mutterleib verlassen haben, darüber, dass wir von der Brust weg sind, dann die Schule und das Zuhause verlassen haben. In meinem Fall waren es auch noch die Verluste der Ehen und dann der Tod meiner Frau. Diese Aufnahme zu machen, war nur meine Art, meine tiefen Gefühle auszudrücken... Der Tod ist ein absolutes Wunderwerk.
Ich hatte mal ein fantastisches Pferd, das sich aufbäumte und dann auf mich fiel. In diesem Moment dachte ich, ich müsste jetzt Klarheit über dieses Mysterium erlangen - wissen Sie, dass die Bedeutung des Universums urplötzlich ganz klar ist, wie bei einem Orgasmus - aber es passierte nicht.
Frage: Wenn dieses Pferd Sie getötet hätte, was hätten Sie bedauert, nie getan zu haben?
Shatner: Alles. Ich habe nichts getan. Was habe ich schon getan? Ich habe mich durch mein Leben gemogelt, Fehler gemacht. Mein Bild hängt an der Wand und in der Minute, in der ich sterbe, wird es anfangen, gelb zu werden und dahinzuschwinden. Vom Winde verweht und zu winzigen Molekülen zerstreut, die wieder Teil von etwas Anderem werden. Diese Dinge, die wir als Erfolg ansehen, sind Un-Fähigkeiten.
Frage: Denken Sie so über Ihren Emmy für "Boston Legal"? Und die Millionen von Leben, die Sie als Captain James Tiberius Kirk beeinflusst haben?
Shatner: Karrieren kommen und gehen. Ich spiele gern und ich fühle mich in der letzten Zeit, als hätte ich den Höhepunkt dessen, was ich als Schauspieler leisten kann, erreicht. Ich habe nie besser Texte lernen können. Aber es ist egal, für wie großartig wir uns halten, letztendlich sind wir nur wie der Tempel von Ozymandias, wir sind dabei, Ruinen zu werden.
Frage: Und jetzt, mit 76, spielen Sie immer noch und Sie schreiben und probieren neue Dinge aus. Was ist es, das Sie motiviert?
Shatner: Das Leben motiviert mich. Ideen motivieren mich. Ich möchte eine Talkshow machen. Ich habe Ideen für drei Animationsfilme. Ich bin fast fertig mit meiner Autobiographie. Ich schreibe immer noch "Star Trek"-Romane. Meine Tochter und ich haben sehr erfolgreiche Websites und einen Video-Blog, obwohl mein Computer immer noch in der Kiste steckt, in der er geliefert wurde. Solange mein Körper durchhält, ist mein Geist so willig wie immer.
Frage: Sie haben in diesen zehn Minuten mehr Tiefe gezeigt, als sie es je im Fernsehen getan haben.
Shatner: Die Menschen wollen keine Tiefe im Fernsehen. Je seichter man die Dinge halten kann, umso besser. Die Leute kümmern sich nicht um echte Probleme, solange diese Probleme sie nicht unterhalten.
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 "Das Problem mit Tribbles? Sie vermehren sich! Wie die Menschheit..." |
Frage: Hätten Sie gern einen weiteren Versuch mit "Star Trek" in
J.J. Abrams' neuem Film gemacht?
Shatner: Er sprach im letzten Jahr ein paar Mal mit mir, aber die Entscheidung fiel im November. Leonard [Nimoy] ist dabei und ich bin es nicht. Ich bin enttäuscht. Ich bin nicht empört, aber ich glaube, es war eine dumme Geschäftsentscheidung. Eine dumme Entscheidung im Bezug auf die Einspielergebnisse. Hier bin ich, ich lebe noch, bin immer noch berühmt, spiele in einer Top-Serie. Es ergibt Sinn, mich in diese Sache mit hineinzunehmen. Wenn sie nicht wollen, schön. Ich denke nur, dass es ein blöder Fehler ist.
Frage: Wo liegt die Kunst, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen?
Shatner: Es gibt eine dünne komödiantische Linie, auf der man gehen muss. Man muss sich der überzogenen Figur bewusst sein, darf sie aber nicht vollkommen annehmen. Wenn man zeigt, dass man zu selbstbewusst ist, wird man als unausgegoren wahrgenommen. Wenn man es aussehen lässt, als würde man es nicht wahrnehmen, ist das Publikum verwirrt. Sie beginnen, sich zu fragen, ob du der Einzige bist, über den keine Witze gemacht werden. Ich glaube am liebsten, dass ich diese Linie ziemlich gut getroffen habe.
Frage: Sie haben Ihren Nierenstein verkauft. Warum?
Shatner: Ich hatte einen Nierenstein. Das Golden Palace bot mir 25.000 Dollar. Wir haben die Summe auf 75.000 Dollar aufgestockt und sie an Habitat for Humanity gespendet. Sie haben ein Haus davon gebaut. Jetzt lebt eine Familie in meinem Nierenstein. Das gibt es nur in Amerika!
Frage: Zum Abschluss, ein für allemal, was ist das Problem mit Tribbles?
Shatner: Sie vermehren sich. Obwohl - vielleicht ist das auch das Problem mit der Menschheit.
(re - 31.10.08 - Quelle: Style.com)