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Sebastian Kowald (sk)01.08.08

William Shatner "Up Till Now"

Ein schlechter Ruf, Berühmtheit und habgierige Frauen

Die Kritik von ehemaligen Kollegen verstummt nicht. William Shatner sei auf dem Set nie besonders kollegial gewesen, behauptet so mancher seit Jahren. Im Interview mit dem "Macleans Magazine" nimmt der Captain-Kirk-Darsteller Stellung.

Frage: "Up Till Now", Ihre neue Autobiografie, ist sehr lustig.

William Shatner: Ich bin mir sicher, das liegt an meinem Mitautor. Er ist sehr lustig. Ich bin ein bisschen mürrisch.

William Shatner nimmt sich selbst nicht allzu ernst
Frage: Nun, Sie haben diesen Ruf gehabt, aber Sie haben ihn erneuert, durch Selbstmissbilligung und Selbstparodie. Haben Sie sich verändert, oder war es nur Ihr Bild in der Öffentlichkeit, das sich verändert hat?

Shatner: Wir entwickeln uns alle weiter. Ich denke, was in den letzten Jahren passiert ist, dass ich zu Shatner wurde, ist eine Art Synthese der verschiedenen Charaktere, die ich gespielt habe.

Frage: Haben Sie sich aktiv dafür eingesetzt?

Shatner: Nein, das Publikum hat diese Synthese selbstständig herbeigeführt. Ich mache keine Dinge mit dem Hintergedanken "Das wird die Gedanken der Leute verändern". Wenn ein Schauspieler sagt, "Und dann habe ich ihnen diese Seite von mir gezeigt", verstehe ich das nicht, und benehme mich auch nicht so. Ich sehe ein interessantes Projekt, hänge mich da voll rein und denke nicht über die Konsequenzen nach. Da ich nicht weiß, was sie mögen, kann ich sie nicht zufrieden stellen. Ich kann nur mich selber zufrieden stellen und hoffen, dass sie mögen, was ich getan habe und ich sie damit begeistern kann.

Frage: Sie haben einen Kurs in Schauspielerei in Montreal besucht, als Sie noch sehr jung waren. Haben Sie da irgendetwas Nützliches gelernt?

Shatner: Habgierige Frauen zu meiden. Ich habe das im Alter von sechs Jahren gelernt.

Frage: Haben Sie immer schon gewusst, dass Sie eines Tages berühmt werden würden?

Shatner: Ich war schon in meiner Familie berühmt. Ich war der einzige Sohn, und das hat mir einen großartigen Geschmack von Ruhm gegeben. Aber nein, ich habe mich niemals für irgendetwas auserkoren gefühlt.

Frage: Sie haben eine Menge seichte Komödien gemacht, als Sie zum ersten Mal Vollzeit geschauspielert haben, in Ottawa und Toronto, bevor Sie sich mehr ernsthafteren dramatischen Rollen zugewandt haben. Ist es schwieriger, Menschen zum Lachen oder zum Weinen zu bringen?

Shatner: Wenn man weiß, was man tut und das Drehbuch gut ist, dann ist nichts davon schwierig. Aber Lachen ist nicht nur für die Person gut, die lacht, sondern es ist auch gut für die Person, welche sie zum Lachen gebracht hat!

Frage: Sie sagen, das erste Mal, dass Sie sich wirklich wie ein Schauspieler gefühlt haben, war der Abend, als Sie für Christopher Plummer in "Heinrich V." eingesprungen sind in Stratford. Haben Sie...

Shatner: Warten Sie mal. Das ist das erste Mal, dass ich mich wie ein Schauspieler gefühlt habe?

Frage: Kapitel eins: "Das war der Abend, an dem ich wusste, dass ich ein Schauspieler war."

Shatner: Ich glaube, ich muss das Kapitel umschreiben.

Frage: Haben Sie jemals gefühlt, dass etwas unter Ihnen war als Schauspieler?

Shatner: Nur die Erde.

Frage: Aber Sie machen sich über einige Ihrer Projekte lustig, wie zum Beispiel, einen ganzen Film auf Esperanto zu drehen. Fühlten Sie sich jemals herablassend, während Sie etwas getan haben?

Shatner: Nein, ich war nur dankbar für den Job.

Shatner als Kirk: "War nie eine Rampensau"
Frage: Sie hatten den Ruf unter Ihren "Star Trek"-Kollegen, eine Rampensau zu sein? Denken Sie, dass das gerechtfertigt war?

Shatner: Nein, das ist nicht wahr und das ist ein Blickwinkel von vor 40 Jahren. Allein dass Sie das jetzt hier anbringen, ist erstaunlich.

Frage: Aber Sie haben es in Ihrem Buch aufgegriffen!

Shatner: Ja, ich weiß. Ich habe darauf Bezug genommen. Aber es ist erstaunlich für mich, dass über die ganze Angelegenheit immer noch gesprochen wird.

Frage: Wie sind Sie über Ihren Neid hinweggekommen, als Spock so ein beliebter Charakter wurde, obwohl Ihr Charakter, Captain Kirk, ursprünglicherweise die Hauptrolle sein sollte?

Shatner: Sie wachsen da hinaus und sehen die Logik dahinter.

Frage: Die Logik dahinter, warum die Menschen Spock mögen?

Shatner: Das und die Irrationalität des Schicksals. Wenn Sie mehr darüber erfahren, wie die Dinge funktionieren, dann können Sie Ihre negativen Emotionen verdrängen.

Frage: Sie und Leonard Nimoy standen sich nicht sonderlich nah, während Sie an "Star Trek" arbeiteten, aber jetzt tun Sie es. Wie ist es dazu gekommen?

William Shatner: Ich habe mich an ihn herangeschlichen und versucht, ein unterhaltsamer Gefährte zu sein. Er hat mich immer wieder abblitzen lassen. Ich habe ihm immer wieder was zu essen gekauft. Da ist er weich geworden und hat mich in seine Arme genommen.

Frage: Sie haben mit einer Menge berühmter Schauspieler zusammengearbeitet, von Montgomery Clift und George C. Scott zu Heather Locklear und Sandra Bullock. Mit wem hat es am meisten Spaß gemacht zu arbeiten?

Shatner: Leonard Nimoy und James Spader.

Frage: Und wer war der Schlimmste?

Shatner: Leonard Nimoy. Er ist so intelligent, er verbessert alles, was ich sage. Aber dann ist es ihm entglitten und jetzt ist er gar nicht mehr so schlimm.

Nimoy (hier als Spock) und Shatner (als Kirk) wurden mit der Zeit zu engen Freunden
Frage: An welchem Punkt haben Sie sich damit abgefunden, dass Sie immer mit Captain Kirk identifiziert werden, und aufgehört dagegen anzukämpfen?

Shatner: Ich weiß gar nicht, ob das so ist.

Frage: So viele Schauspieler, die mit einer bestimmten Rolle identifiziert werden, wollen nicht, dass man sich auf diese Art und Weise auf ihren Grabsteinen an sie erinnert, aber Sie...

Shatner: Nun, ich werde keinen Grabstein haben. Ich werde in die Luft geworfen werden. Asche, geworfen wie ein Salat.

Frage: Im Moment laufen Sie zur Höchstform auf. Sie haben eine CD und eine Dokumentation, die bald veröffentlicht werden.

Shatner: Die CD ist schon veröffentlicht. Es ist eine Aufnahme einer bearbeiteten Version von "Exodus". Das Herrliche daran ist ein 350-stimmiger Choral und ein Orchester mit 72 Instrumenten und neue sinfonische Musik und ich selber als Erzähler, und alles in allem ist es eine glorreiche Produktion. Die Dokumentation, "Gonzo Ballet", handelt von der Produktion eines Balletts mit sechs Liedern von "Has Been".

Frage: Ihr sehr erfolgreiches Album von 2004. Es muss komisch für Sie gewesen sein, dass Ihre Worte nicht nur zu Musik, aber auch zum Tanz genutzt wurden.

Shatner: Es war wirklich wild, und deshalb habe ich auch diesen Film gemacht. Ich habe acht Kameras benutzt und eine Aufführung und eine Probe gefilmt und dann noch Interviews gemacht. Es ist einzigartig und gut.

Frage: Gibt es noch irgendetwas, woran Sie gerade arbeiten?

Shatner: Nun, in den nächsten Tagen werde ich herausfinden, ob ich Geldgeber finde für ein Drehbuch, das ich geschrieben habe. Und ich werde eine halbstündige Talkshow für den Biography Channel machen, die "Raw Nerve" heißt. Celine Dion, Jon Voight und Judge Judy sind drei der Leute, mit denen ich reden werde.

Frage: Glauben Sie, dass Sie etwas anderes erfahren werden von jemandem wie Celine Dion, welche schon tausendmal interviewt wurde, weil Sie selbst auch ein Star sind?

Shatner: Ich möchte glauben, dass jemand wie Celine Dion noch niemanden getroffen hat, der so interessiert an ihr ist wie ich.

Frage: Was interessiert Sie an ihr?

Shatner: Ich bin mir nicht ganz sicher. Aber ich werde es herausfinden.

Frage: Sie sind Reiter, Bestseller-Autor, Sänger, Regisseur, Star von noch einer populären TV-Serie und anscheinend führen Sie die Liste ständig weiter. Gibt es eine Fähigkeit, an der Sie besonders hart arbeiten mussten und welche Sie darum besonders wertschätzen?

Shatner: Irgendetwas gut zu machen, ist sehr schwer. Mir fällt nichts ein, was man einfach mal ausprobiert und sofort gut darin ist. Ich liebe es, wie manche Leute sagen: "Oh, ich denke, ich werde mal Schauspielern ausprobieren." Athleten, Models und solche Leute. Es braucht eine Menge Zeit und Aufmerksamkeit, um etwas gut zu machen. Deshalb bin ich auf alles, was ich gut mache, sehr stolz.

(sk - 31.10.08 - Quelle: Macleans.ca)


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