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Raphael Kallensee (rk)17.08.00

Befreit von den Zwängen

Garrett Wang schaut auf die letzte "Voyager"-Staffel

Ein junger Schauspieler und sein Weg durch sechs lange Jahre "Star Trek: Voyager". Eine Figur, die entgegen ihres Stereotyps immer wieder für viel Diskussion sorgt; sei es positiv oder negativ. Ein Charakter, der sich kaum weiterentwickelt hat, und doch große Veränderungen erlebte.

Die Zeit hat die Gewohnheit weiterzumarschieren, besonders in der Welt von "Star Trek", wo es einem wie gestern erschien, dass ein jung aussehender und übereifriger Fähnrich Kim auf das Raumschiff Voyager kam. Jetzt, wo die Serie dabei ist, in ihre siebente und letzte Staffel zu gehen, nimmt sich Garrett Wang Zeit nachzudenken.

Garrett Wang
Trotz des zermürbenden Zeitplans der Dreharbeiten ist Wang ein wenig überrascht, wie schnell es scheinbar vorübergegangen ist. "Ich habe darüber nachgedacht", sagt er. Er ist gerade zuhause, weil er nicht ans Set muss. "Ich glaube, man denkt über so etwas immer mehr nach, umso weiter die Show ihrem Ende entgegen geht. Ich denke darüber sehr viel nach, weil es wirklich bald zu Ende geht."

Mit den Jahren wuchs die Reife von Wangs Charakter. Kim hat sich von einem Akademieabsolventen zu einem erfahrenen, wirklichen Crewmitglied entwickelt. "Wir versuchten alle herauszufinden, wer wir in der ersten Staffel waren", bemerkt Wang, welcher nur wenig schauspielerische Erfahrung hatte, als er zu "Star Trek: Voyager" kam. "Wenn du eine Episode von jetzt mit einer Episode der ersten Staffel vergleichst, ist da ein Unterschied. Kim ist viel erwachsener, viel zuversichtlicher bei dem, was er tut. Er trifft Entscheidungen, wenn er einen Fehler begeht, kann er damit umgehen. Er ist älter geworden. Allerdings war er noch nicht fähig, mit einer Frau eine anständige Beziehung zu führen", fügt er hinzu, "aber das wäre vermutlich eine schwere Sache."

Kims Entwicklung kam sehr langsam. "Am Anfang war die größte Herausforderung, mit meinem Charakter umzugehen, die, dass mir nicht wirklich Spielraum gegeben wurde, um den Charakter zu entwickeln", erzählt er weiter. "Der Charakter war viel zu sehr vorbestimmt. Er hatte die geringsten Erfahrungen von allen anderen Charakteren, weil die Voyager seine erste Mission war.

Und jedes Mal, wenn ich versuchte, irgendetwas Bestimmtes mit dem Charakter zu machen, bekam ich eine Ohrfeige auf die Hand, sprechend 'Oh nein, nein... Okay, das sind die Bereiche der Emotionen. Emotionen bewegen sich von A bis Z. Dir ist es erlaubt, Emotionen von A bis C zu spielen.' Du bekommst drei Level, das war's. Also musste Kim etwas grün hinter den Ohren anfangen, ein junger Kerl, 22 Jahre alt. Unterdessen ist Garrett Wang, der Schauspieler, 25 oder 26 zu der Zeit und muss versuchen, von seiner Persönlichkeit Teile wegzulassen und sich selbst so jung wie möglich zu machen."

Indem er bei Conventions erschien, versuchte er sich von den Zwängen, Tag für Tag Kim zu spielen, zu befreien; Wang sagt, er war bei 17 Conventions anwesend, bevor sie irgendjemand anderes aus der Show überhaupt besucht hatte. "Wenn ich bei einer Convention war, hatte ich die Bühne für mich", sagt er. "Ich hatte die 42 Minuten für mich und ich konnte machen, was immer ich wollte. Alle Fans konnten sehen, wer ich wirklich war. Meine wirkliche Persönlichkeit wurde auf der Bühne deutlich, vor allen diesen Fans auf der Convention. Die Fans bekommen Anekdoten, Imitationen von allen möglichen Leuten, sie bekommen alles. Und das ist das, was ich bin. Ich gehe immer noch zu diesen Conventions. Und die Kommentare sind immer dieselben: 'Oh, du bist so anders, als das, was du spielst. du bist fröhlich."

Ginge es nach dem Schauspieler, dürfte Harry Kim viel lustiger werden.
Humor ist Wangs Leidenschaft. Als Jugendlicher war sein Idol Rich Little - was seine Tendenz dazu zeigt, andere zu betonen und zu imitieren. In "Fair Haven" zum Beispiel war es Wang, der gegen den anfänglichen Wunsch der Produzenten und Drehbuchautoren einen irischen, derben Akzent zu seinem Holodeckcharakter hinzufügte. "Sie mochten ihn trotzdem", fügt er hinzu. "Ich sagte zu Paris Sachen wie 'Was machst Du da, Tommy boy?'"

Und eine Sache, die er zu der sechsten Staffel von "Star Trek: Voyager" bemerkt, ist, "dass wir ein bisschen mehr Humor hatten, was gut war." Wie auch immer, der Schauspieler sagt auch, dass die Geschichten in der ersten Hälfte der Staffel "sehr fokussiert auf drei Charaktere waren und nicht für den Rest der Gruppe. Aber das ist die Art, wie der Ball zurückspringt", fügt er hinzu.

Tatsache ist, dass Wangs Vorstellungen von "Star Trek: Voyager" weitreichendere Verteilungen von Handlungslinien, mehr Action und mehr Humor, besonders zwischen den Brückencharakteren, beinhalten. "Ein paar sich neckende Personen kamen auch in der Classic-Serie vor und das hat sehr gut funktioniert. Ich denke, es würde auch bei uns gut funktionieren, weil wir alle sehr lustige Leute sind. Aber das wissen natürlich viele Leute nicht, weil sie uns nicht persönlich kennen. Viele wissen nicht, wie lustig wir sein können."

Die zweite Hälfte der Staffel hat sich in eine ganz andere Richtung bewegt, als Wang gedacht hat. "Ich dachte, sie würden alle Charaktere aufnehmen, die sie vernachlässigt hatten. Und stattdessen gingen sie in eine ganz andere Richtung, die aber sehr gut war."

"Ich finde es gut, dass wir jetzt keine Leute haben, die wir aufarbeiten müssen. Das ist eine gute Sache. Ich versuche, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren und ich sehe nach, ob ich jemanden finde, der das System ein bisschen umkrempelt und der Show ein bisschen Vitalität gibt, so ähnlich, wie das Seven of Nine in der vierten Staffel getan hat. So gehe ich damit um."

In "Kollektiv" zum Beispiel stieß die Voyager auf eine Gruppe von Borg-Kindern. Seven of Nine nahm sie unter ihre Fittiche und unterrichtete sie, wie sie ihre Individualität zurückerlangen können. In einer anderen Episode, "Der gute Hirte", wird uns eine andere Seite der Voyager-Crew gezeigt, beleuchtet werden drei Leute, die Janeway versucht, mehr ins Hauptfeld zu rücken.

Die letzte Staffel hält einiges für Kim bereits - vor allem in ihrer zweiten Hälfte
Während seine Lieblingsepisode aus dieser Staffel "Dame, Doktor, Ass, Spion" ist, ist Wang auch sehr froh über die Kim-Episode "Asche zu Asche", die vor einigen Monaten in den USA ausgestrahlt wurde. "Das war ein interessanter Handlungsablauf", bemerkt er, "weil er in die Vergangenheit gereist ist und einen Charakter gebildet hat, den wir nie zuvor gesehen hatten. Aber, wie es zu erwarten war, war einer der Crew ein sehr guter Freund aus Kims Starfleet-Academy-Zeiten - Lindsay Ballard und sie war auf dem Schiff." Nachdem sie in einem Außenteameinsatz starb, wurde sie im Weltraum beerdigt. "Aber dann wurde ihr Körper von einer Alien-Rasse zurückgeholt, die sich vermehren, indem sie die toten Körper von anderen Aliens finden und wiederbeleben und ihre DNA verändern", erklärt Wang. Obwohl die Voyager den wiedergeborenen Fähnrich Ballard findet, "verliert Kim die Frau wieder", sagt Wang.

Diese unglücklichen Erfahrungen mit Frauen sind eine von Kims Eigenschaften, die der Schauspieler bereitwillig akzeptiert, lacht Wang. "Jeder weiß und jeder erinnert mich an diese eine Episode, in der Seven anbot, mit Kim zu kopulieren und Kim sagte Nein", sagt er. "Nachdem diese Episode ausgestrahlt wurde, dachte man 'Was ist mit dir los?'. Und ich wurde förmlich von den Fans überrannt. Und das hat immer noch kein Ende."

Obwohl man mehrdeutig über die Möglichkeiten seines Charakters denkt, die er in dieser Staffel hatte, ist Wangs Meinung von der fünften Staffel das komplette Gegenteil. "Kim erschien in einigen Nebenhandlungen und Kim war auch in der 100. Episode 'Temporale Paradoxie'", schwärmt er. "Und diese Episode wird neben den anderen Episoden stehen, die als die besten Episoden von 'Star Trek' bezeichnet werden. Ich kenne Leute, die sagen, dass 'Temporale Paradoxie' definitiv unter den besten zehn oder 15 Episoden von 'Star Trek' ist, die je produziert wurden, was eine sehr schöne Auszeichnung ist."

Eine andere Auszeichnung ist Kims guter Name. Zum Beispiel in "Das Generationenschiff", wo Kim Janeway mutig gegenüberstand, als er ein anderes Alien liebte. Er denkt nicht, dass Kims Ehre befleckt wurde. "Janeway sieht ihn in der Hauptsache aus dem Blickpunkt von 'Tante Janeway', Kim war bis zu dieser Episode immer sehr gehorsam und ich denke, er ging ein wenig durch eine 'rebellische Phase'. Aber er steht immer noch in hoher Wertschätzung durch den Captain."

Wang hat einige Ideen, als was er sich gern in der siebenten Staffel sehen würde: "Es ist interessant. Wir sind fast mit der ganzen Show fertig und es gibt immer noch Kombinationen, die wir noch nicht ausprobiert haben", grübelt er. "Zum Beispiel würde ich gern mehr Chakotay und Kim kombiniert sehen. Robert Beltran ist jemand, dem ich im Moment näher bin als Robbie McNeill. Und sie haben noch nicht wirklich die Beziehung zwischen Chakotay und Kim so ausprobiert, wie sie die Möglichkeit dazu hätten. Und Tuvok und Kim waren eine Weile nicht gut aufeinander zu sprechen. Kim wird manchmal sehr böse auf Tuvok und seine logischen Wege und ich mag diese schlechten Zeiten zwischen den zwei Charakteren. Aber sie haben noch nicht wirklich viel davon gezeigt."

Für die Zeit nach "Voyager" sucht der Schauspieler vor allem nach Projekten, die gut geschrieben sind.
Und nach der letzten Staffel? Jetzt gerade erst hat Wang über seine Möglichkeiten nachgedacht. "Mein Gedanke ist etwas aus dem Rennsport", gibt er zu. "Ich muss sehr behutsam entscheiden, welche Projekte ich machen will, wenn 'Star Trek: Voyager' vorbei ist. Ich muss sehr sorgfältig bei meiner Wahl sein. Ich denke, das ist wichtig. Ich will nicht mit mir selbst einen Kompromiss eingehen oder irgendetwas tun, was gegen meine Meinung ist. Oder ein Teil eines Projektes, was nicht wirklich etwas ist, was gut überlegt ist oder sehr bewegend ist. Mein Mindestkriterium wird sein, dass es gut geschrieben sein muss", lacht er. "Und wenn es nichts gibt, das gut geschrieben ist und für mich in Frage kommt, werde ich die Sache von einer anderen Seite anpacken, indem ich meine eigenen Projekte mache. Ich habe einige Ideen, die so noch nicht gemacht wurden und die ziemlich gut sind, aber sie müssen einfach finanziert werden."

Dadurch, dass er Kim spielte, löste er einen Boom für asiatisch-amerikanische Schauspieler aus; er war lange Zeit der beste für schwierige Rollen im Fernsehen und im Film. "Er ist der erste nicht stereotype Charakter, nehme ich an. Ich bin froh, diesen Charakter zu haben, nicht in dem See von stereotypen, asiatischen, männlichen Schauspielern zu sein. Und es wurde nicht wirklich besser. Ich denke, dass diese Show etwas wie ein Schild, etwas wie ein Mikrokosmos ist, in dem ich leben und arbeiten kann, und in dem ich fröhlich sein kann. Und dann, wenn es vorbei ist, hoffe ich, in ein neu reformiertes Hollywood zu kommen, das viel offener ist und 'farbenblind' ist in der Rollenverteilung. Aber ich habe mich schon in der sechsten Staffel danach umgeschaut und ich bin immer noch einer von vier oder fünf Leuten in der Geschichte von asiatischen, amerikanischen Männern, die in einer Show länger als eine Staffel in der Rolle eines nicht stereotypen Charakters gespielt haben. Das ist furchtbar."

Interessant genug, dass Wang zu seiner besten Episode aller Zeiten den Pilotfilm zu "Star Trek: Voyager", "Der Fürsorger", zählt. An seinem ersten Drehtag, erzählt er, wurde eine Kim-Szene nach der anderen gedreht. "Für den allerersten Tag muss ich Armin Shimerman würdigen, der alles vollendet hat und Robbie McNeill und die zwei Gastschauspieler, die gestorben sind. Sie waren wunderbar. In der allerersten Szene kamen sie vor und als ich ihnen sagte, wie nervös ich war, halfen sie mir sehr, über das Gefühl hinwegzukommen, das in meinem Hals, in meiner Schulter und in meinem Kopf war."

Eine Sache, die Wang beklagt, war seine Passivität, die Drehbuchautoren anzuspornen, mehr von seiner eigenen Persönlichkeit in den moralischen Kim einzubringen. "Wenn ich wirklich einige Sachen sehen will, bei denen ich denke, dass Kim sie tun sollte, muss ich die Autoren ein wenig mehr bedrängen, so wie das Bob Picardo mit seinem Charakter gemacht hat", sagt er. "Mit so vielen seiner Ideen überredet er die Autoren, die Show real zu machen. Ich habe in der Beziehung ein bisschen weniger gemacht."

So wie Picardo erfolgreich einige Sachen in seinen Charakter einarbeitete, würden wir gern Wangs Leidenschaft für Imitation sehen. "Für mich ist es das Größte, dass ich die Fähigkeit habe, andere Menschen zu imitieren, ihre Stimme nachzumachen. Ich denke, es wäre lustig, Kim zu sehen, wie er jemand anderes aus der Crew imitiert. Ich denke, die Fans fänden das toll: zu sehen, wie ein Cast-Mitglied eine Personifikation von allen macht."

(rk - 15.08.10 - Quelle: VoyagersDelights.com)

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