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Peter Tigmann (pt)20.02.10

Seit 15 Jahren auf Reisen

Kate Mulgrew zum 15. Geburtstag von "Star Trek: Voyager"

Anlässlich des 15. Geburtstag von "Star Trek: Voyager" hat die Website TrekMovie.com ein Interview mit Kate Mulgrew geführt. Die Schauspielerin erzählt von ihren Erfahrungen zu Beginn der Dreharbeiten, deren Ende und was dazwischen und danach passierte.

TrekMovie: Wie Sie sicherlich wissen, war im Januar der 15. Jahrestag der Erstausstrahlung des Pilotfilms "Der Fürsorger" in den Vereinigten Staaten.

Kate Mulgrew: Ich kann es kaum glauben. Ich kann es wirklich kaum glauben. Hätten Sie uns nicht für dieses Interview kontaktiert, hätte ich es nicht gewusst. Es ist absolut unvorstellbar. Mir kommt es vor, als wäre es erst fünf Jahre her. Es ist absolut erstaunlich.

Kate Mulgrew als Kathryn Janeway
TrekMovie: Wenn Sie jetzt nach all der Zeit an "Voyager" zurückdenken, was hat die Serie Ihrer Meinung nach innerhalb des "Star Trek"-Universums hinterlassen?

Mulgrew: Wahrscheinlich war es, ohne dass es zu deutlich herausgestellt wurde, die erste weibliche Kommandantin eines Raumschiffs. Das war eine mutige und wie ich finde schlaue Entscheidung der Bosse von Paramount und UPN. Dafür wird man sich an die Serie erinnern. Man wird sich an ein unerschrockenes Schiff, eine interessante Crew, die sehr innovative Kreation des Doktors und was dies für Technologie und Menschlichkeit bedeutete, erinnern. An Janeways Verständnis für Einsamkeit und Alleinsein. Die Unterscheidung zwischen beidem. An die Liebe für ihre Crew, die über alles hinausging. Ich bin mir nicht sicher, ob das so schon mal zu sehen war.

TrekMovie: Sie haben über die erste weibliche Kommandantin geredet. Verglichen mit den anderen Serien, sind Sie der Meinung, dass "Voyager" es besser geschafft hat, Frauen und Mädchen als Fans zu gewinnen?

Mulgrew: Ich glaube, das ist nicht zu bestreiten. Ich weiß es! Und das ist auch gut so. Wir leben in einer Gesellschaft und Kultur, die Beispielen nachlebt und auch nach Beispielen überlebt. Wenn wir also eine Frau im Sitz des Kommandanten sehen, neigen wir dazu, auch solche Wege einzuschlagen. Ich weiß, dass ich einen Effekt auf viele junge Wissenschaftlerinnen, großartige Mädchen aus allen Bereichen der Wissenschaft, hatte, die sich zu Janeway und ihrer Reise hingezogen fühlten. Das ist wahrscheinlich der befriedigendste Aspekt dieses Jahrzehnts in meinem Leben; zu wissen, dass ich so viele junge Leben beeinflusst und einen Eindruck hinterlassen habe.

TrekMovie: Wie einschüchternd war es für Sie, nicht nur in die Schuhe von drei männlichen Kommandanten, sondern auch in die Schuhe einer anderen Darstellerin zu treten? [Geneviève Bujold wurde zwei Tage nach Drehbeginn durch Mulgrew ersetzt.]

Mulgrew: Ich muss sagen, dass ich nicht leicht einzuschüchtern bin, erst recht dann nicht, wenn es um meine Karriere geht. Ich habe dies von Beginn an als Gelegenheit angesehen. Es gab keine Zeit, um schüchtern sein. Vielmehr wurde ich aus einer Kanone geschossen und habe mich in die Speere geworfen. Und wie sich herausstellt, habe ich überlebt. (lacht)

TrekMovie: Haben Sie sich irgendwelche Aufnahmen, die Bujold schon für "Voyager" gedreht hatte, angesehen, bevor Sie angefangen haben?

Zu Beginn trug Janeway noch den berüchtigten "Knoten aus Stahl" auf dem Kopf
Mulgrew: Nein. Daran hatte ich kein Interesse. Warum sollte ich? Das wäre ja, als würde ich mich selbst erhängen. Es ist alles ziemlich schnell passiert damals. Es war ein Knockout und ich habe gewonnen. Vier Tage später bin ich dann an die Arbeit gegangen.

TrekMovie: Dann mussten Sie alle Szenen noch einmal drehen, weil Ihre Frisur wieder geändert wurde.

Mulgrew: Sie haben nicht aufgehört, meine Frisur zu ändern, bis ich damit gedroht habe, vom Set zu gehen, wenn sie nicht ihre Hände von mir lassen würden.

TrekMovie: Wie viele verschiedene Frisuren wurden ausprobiert?

Mulgrew: Ich weiß es nicht genau, aber es war entsetzlich. Und das ist auch wieder ein anderes Beispiel dafür, was passiert, wenn man eine Frau engagiert. Ich möchte nicht gemein sein, aber ich glaube kaum, dass Patrick Stewart das mitmachen musste. (lacht) Männer können sich nicht vorstellen, wie schwer es ist, damit umzugehen. Sie haben keine Ahnung, wie nervig es ist, wenn man zehn Leute hat, die wie Bienen oder besser wie Moskitos um einen herum schwirren und denen es allen nur darum geht, wie man aussieht. Und gleichzeitig soll man noch einen fünfseitigen Monolog über einen Wirbel oder Nebel oder was auch sonst immer halten, aber den Leuten geht es nur um deine Brüste, deine Haare und um dies und das. Das steht alles in keinem Verhältnis und ist sehr unausgeglichen.

TrekMovie: Chase Masterson, die Leeta in "Deep Space Nine" gespielt hatte, hat mir mal erzählt, dass es genau so lange gedauert hat, das normale Make-up für Schauspielerinnen aufzutragen, wie das für außerirdische mit Prothesen und allem, was dazu gehört. Ich fand das erstaunlich.

Mulgrew: Es ist nicht erstaunlich, es ist erschreckend. Wir werden sowieso nur wegen unseres Aussehens angeheuert. Wenn ich irgendwie komisch aussehen würde, wäre ich nicht als Captain Janeway engagiert worden. Sie haben eine gut aussehende weibliche Hauptrolle gebraucht und gewollt und engagiert, einen danach aber trotzdem noch auf Herz und Nieren getestet. Es ist absurd!

Kate Mulgrew auf der FedCon 2008
TrekMovie: Sie haben über Janeways Geschichte gesprochen. Als ich mit Bob Picardo gesprochen habe, erzählte er mir, dass er immer da stand, wo die Autoren geraucht haben, um ihnen dort seine Ideen für Geschichten zu erzählen.

Mulgrew: Das hat Bob so gemacht. Bob hatte ein bisschen mehr Zeit als ich.

TrekMovie: Aber haben Sie auch mit den Autoren gearbeitet? Hatten Sie auch Ideen?

Mulgrew: Natürlich hatte ich die und das war mir auch immer sehr wichtig. Ich war sehr stark an der Leonardo-da-Vinci-Geschichte beteiligt. Ich wollte unbedingt ihre kreative Seite erforschen. Ich dachte, es wäre sehr interessant zu sehen, wie Janeways Kreativität und ihre Vorstellungskraft über die sieben Jahre hin wächst. Und wie sie das Holodeck verwendet. Das kam damals von mir. Ich denke, dass große Themen und Fragen wie zum Beispiel Selbstmord von mir kamen. Einsamkeit und wie man diese in der Figur einer weiblichen Kommandantin darstellt; das kam auch von mir.

Die Geschichte, wer sie in früheren Jahren war und wo sie endet, das kam nicht von mir. Das ist eine sehr interessante Geschichte. Darauf wurde nur sehr oberflächlich eingegangen. Ich verstehe aber, dass der Captain hauptsächlich da war, um zu führen. All diese Dinge waren sehr interessant und manchmal ist es gespenstisch und fühlt sich damit wahrscheinlich genau so an, wie es sein muss, für sieben Jahre in einer unbekannten Gegend gestrandet und für 155 Crewmitglieder verantwortlich zu sein.

TrekMovie: Als sich die Serie im Dreh befand, gab es unter den Autoren oft Debatten, wie man am besten für "Voyager" schreiben sollte. Es wurde diskutiert, ob man mehr zusammenhängende Geschichten, mehr Charaktergeschichten oder aber mehr Science-Fiction-Geschichten erzählen sollte. Wussten Sie damals um diese Debatten? Haben die Stammschauspieler sich zu irgendeinem Zeitpunkt geäußert, was ihnen am liebsten wäre?

Die Autoren Berman und Braga hatten ein offenes Ohr für die Wünsche der Darstellerin
Mulgrew: Ja, aber wir waren in diese Entscheidungen nur sehr oberflächlich involviert. Vergessen Sie nicht, dass wir sehr weit entfernt voneinander waren. Wir kamen zur Arbeit, wenn es draußen noch dunkel war, wurden in den Make-up-Stuhl gesetzt und dann direkt auf das Set getrieben. Unsere Sets waren weit weg von den Büros der Autoren. Wenn ich [Rick] Berman oder [Brannon] Braga sehen wollte, musste ich einen kleinen Transportwagen organisieren und zum Autorenbüro fahren. Das war nur möglich, wenn ich eine Pause hatte, und die hatte ich nie. Es war schon schwer genug, eine halbe Stunde für das Mittagessen zu bekommen, wenn man am Tag 18 Stunden drehte. Die Zeit war also ein großes Problem und auch die Trennung von Staat und Kirche. (lacht)

Ich muss aber sagen, dass Berman, mit dem ich letzte Woche noch zusammen zum Mittagessen war, immer sehr zugänglich für meine Vorschläge war. Das Gleiche gilt auch für Brannon. Ich war immer der Meinung, dass Brannon außerordentlich talentiert ist. Und sie haben mir zugehört. Sie haben mit großer Aufmerksamkeit zugehört, als die Quoten gestiegen sind. Sie wollten wissen, ob ich die männliche Zielgruppe anspreche, und nachdem das etabliert war, hatten sie mehr Respekt.

TrekMovie: Die Serie ist mit dem Zweiteiler "Endspiel" zu Ende gegangen. Waren Sie zufrieden mit dem Finale? Hatten Sie das Gefühl, dass alle Handlungsstränge abgeschlossen wurden?

Mulgrew: Ich war sehr stark in "Endspiel" involviert und hatte der Grundidee vollkommen zugestimmt. Ich hatte vorgeschlagen, dass jemand sterben sollte, also ließen wir die Admiralin sterben. Es musste eine der beiden Figuren sein, also Captain Janeway oder Admiral Janeway. Es ist nicht möglich, alles schön und kurz und bündig abzuschließen, wenn es um ein großes Franchise wie "Star Trek" geht. Zu viel ist passiert und es geht um so viel. Ich denke, wir haben unser Bestes gegeben. Ich weiß, dass es ein kontroverses Ende war, aber das war "Gestern, Heute, Morgen" [das Serienfinale von "The Next Generation"] ebenfalls. Man kann nicht gewinnen, wenn man sich verabschiedet, da der Abschied immer schwerfällt.

TrekMovie: Um beim Thema Admirale zu bleiben: Admiral Janeway war in "Nemesis" wieder zu sehen. Gab es über die Jahre noch weitere Gespräche mit dem Studio und den Darstellern über einen potenziellen Kinofilm?

Mulgrew als Admiral Janeway in "Endspiel"
Mulgrew: Ich glaube, es gab einige Gespräche. Wenn immer es möglich ist, Geld zu machen, gibt es Gespräche. Sie haben aber nie zu etwas geführt. Ich denke aber, dass es eine Konversation im Weltraum ist, wissen Sie, was ich meine? Es ist Teil des Kontinuums. (lacht) Und wenn es wirklich langlebig ist, wird es realisiert werden. Aber bis dahin geht es hauptsächlich um den Marktwert. Das ist auch der Grund, warum der aktuelle Film [J.J. Abrams' "Star Trek"] wieder in der Zeitlinie zurückging. Unsere Kultur ist daran gewöhnt, jüngere Leute interessanter als ältere zu finden. Das ist einfach so. Aber es könnte ja mal eine Art großes Wiedersehen geben. Das wäre doch mal was Interessantes, denken Sie nicht auch? Ich würde Picard, Janeway und Kirk mal sehr gerne zusammen sehen. Das wäre fabelhaft.

TrekMovie: Welchen Kirk? Es gibt jetzt zwei.

Mulgrew: Ich rede von meinem Freund, Bill Shatner.

TrekMovie: Würde es Sie auch interessieren, an den Filmen von J.J. Abrams beteiligt zu sein?

Mulgrew: Das würde es. Ich mag nicht darüber nachdenken, dass ich mich tatsächlich schon endgültig von Kathryn Janeway verabschiedet haben könnte. Das war fast ein Jahrzehnt meines Lebens. Ich habe meine Kinder währenddessen aufgezogen. Ich habe viel verloren und viel gewonnen. Ich habe geheiratet und mich geschieden. Es war eine in jeglicher Hinsicht gewaltige Zeit, die auch den Rest meines Lebens geformt hat. Man will sich nicht von dem Charakter verabschieden. Man will so lange wie möglich mit diesem Charakter in Verbindung bleiben, egal was kommt. (lacht)

TrekMovie: Ich weiß nicht, ob Sie schon davon gehört haben, aber wissen Sie, was Ihrem Charakter in den Büchern angetan wurde?

Mulgrew: Was denn? Ich hoffe, sie hat einen Liebhaber.

Achtung, Spoiler: (Nicht weiterlesen, wenn man die aktuellen Romane nicht kennt und sich überraschen lassen möchte.)

Admiral Janeway in "Nemesis"
TrekMovie: Ich bin nur ungern der Überbringer schlechter Nachrichten, aber sie ist tot.

Mulgrew: Ich bin tot? Warum haben sie sie umgebracht?

TrekMovie: Peter David hat das Buch "Before Dishonor" geschrieben. Darin wird Janeway für kurze Zeit zur Borgkönigin. Man versucht, sie zu retten, und währenddessen ist sie gestorben, aber ihre Seele wurde... Es ist sehr kompliziert. Um es kurz zu machen: Sie ist jetzt Teil des Q-Kontinuums. Es gibt also die Möglichkeit, dass sie wieder zurückkommen könnte. Aber im Grunde hat man sie umgebracht.

Mulgrew: Das ist alles, was zählt. Solange ich mit Q zusammen bin, ist alles in Ordnung. (lacht)

TrekMovie: Ich glaube, es war die weibliche Q, die von Suzie Plakson gespielt wurde.

Mulgrew: Oh, das ist ja enttäuschend. Ich will mit John deLancie zusammen sein!

TrekMovie: Abgesehen von "Star Trek", was macht Kate Mulgrew sonst noch so im Jahr 2010?

Mulgrew: Ich spiele in einer Serie namens "Mercy" mit. Sie läuft auf NBC. Ich spiele die Mutter der Hauptdarstellerin. Es ist eine interessante Serie. Im Sommer habe ich einen Film namens "The Best and the Brightest" gedreht, der dieses Jahr rauskommen wird. Ich sehe mich nach einem großartigen Theaterstück um. Letztes Jahr habe ich in "Equus" mitgespielt, aber jetzt sehe ich mich nach einem wirklich großartigen Stück um. Mein Leben war sehr voll und reich in den letzten neun Monaten. So viel kann ich sagen, ohne genauer zu werden. Mein Leben ist gut.

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(pt - 20.02.10 - Quelle: TrekMovie.com)

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