Uwe Webel (uw), Wolke de Witt (ww)
21.09.08
Picardo: Von "Star Trek" zu "Stargate"
Robert Picardo tauscht Krankenstation gegen Außenposten
Robert Picardo hat bei "Star Trek" sieben Jahre als holografischer Arzt auf der Voyager verbracht. Künftig wird er regelmäßig bei "Stargate: Atlantis" mitspielen. Im Gespräch mit TrekMovie beleuchtet er seinen neuen "Stargate"-Charakter und die Zukunft seiner "Star Trek"-Rolle.
TrekMovie: Ihr "Stargate"-Charakter Richard Woolsey hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Angefangen hat er als ungeschicktes Gegengewicht zu Richard Dean Anderson in SG-1. Wir haben schon darüber gesprochen, dass der Doktor auf der Voyager den Zuschauern ans Herz gewachsen ist. Mit Woolsey ist das Gleiche passiert. Haben Sie mit den Drehbuchschreibern von "Stargate" über diese Entwicklung des Charakters geredet?
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 Robert Picardo als Richard Woolsey |
Robert Picardo: Aber nein! Die "Stargate"-Autoren haben ihre eigenen Ideen und Pläne für diese Figur. Ich glaube, letztlich hat es mir geholfen, dass die Autoren und Produzenten - vor allem Joe Mallozzi und Paul Mullie - mich irgendwie mochten, als ich das erste Mal als Gaststar bei "Stargate" war, und mich gerne dabei hatten. Das Beste war, dass sie mich als Nervensäge eingeführt hatten und sich dann entschlossen haben, mich zurückzuholen. Also haben sie mich zu einer Art unwissendem Handlanger für den bösen Senator gemacht, den Ronnie Cox spielt. Als ich bemerkte, dass ich manipuliert wurde, sahen die Zuschauer, dass ich die besten Absichten hatte.
In den folgenden Episoden, zum Beispiel in "The Scourge", fing die Figur außerdem an, ein paar lustige Schwächen zu zeigen. Am Verhandlungstisch war er großartig, aber für echte Gefahren war er einfach nicht geschaffen. Es gibt eine witzige Szene in "The Scourge", als Woolsey vor diesen Insektenwesen abhaut und schneller als jeder andere ist, weil er seine Haut retten will. Ich finde, es macht richtig Spaß, einen Bürokraten in gefährliche Lagen zu bringen.
TrekMovie: Viele Ihrer Trek-Kollegen hatten in den letzten Jahren einmalige Gastauftritte im "Stargate"-Franchise. Was ist denn an Ihnen oder Ihrem Charakter so besonders, dass gerade Sie immer wieder angerufen wurden?
Robert Picardo: Das ist schwer zu sagen. Wenn sie einen Charakter auf alle möglichen Arten verändern und mir das dann vorsetzen, dann lege ich einfach los. Ich glaube auch, dass er ein großartiger konfliktträchtiger Charakter ist. Es gibt da eine Menge Konflikte, aber auch humoristische Möglichkeiten. Und da ist diese allumfassende Dramatik, dass er selber noch nie in einer Führungsposition gewesen ist. Bislang hatte er nur die Führungsqualitäten von anderen bewertet und jetzt muss er das Zepter selber in die Hand nehmen.
TrekMovie: Wenn man sich Ihre Karriere so ansieht, fällt auf, dass Sie viele Autoritätspersonen und viele steife, bürokratische Figuren gespielt haben. Suchen Sie sich solche Rollen gezielt aus?
Picardo: Wenn dir mit Mitte 20 schon die Haare ausfallen, weißt du schon, dass du in Zukunft Bürokraten spielen wirst. (lacht) Ich glaube, meine Stärke ist die Rolle des "Typen, den man gerne hasst". Das sind Figuren, die am Anfang einen schlechten Eindruck machen. Das fängt mit dem Sportlehrer in "Wunderbare Jahre" ("The Wonder Years") an. Man mag ihn nicht, weil er schroff und autoritär ist, ein arroganter, aufgeblasener Diktator. Aber seine Neurosen und Schwächen wecken in den Zuschauern Verständnis dafür, wie er so geworden ist, und sie fangen an, ihn zu mögen. Der Bursche meint es gut, aber er kann nicht aufhören, ein Trottel zu sein. Wie der Doktor bei "Star Trek" ist er leicht eingeschnappt und stößt andere Leute vor den Kopf. Das Geheimnis dieser Figuren ist, dass sie sich ungeliebt und unverstanden fühlen. Sie geben sich wirklich Mühe, das Richtige zu tun. Sie haben viel Fachwissen, aber weil sie nicht gut mit Menschen umgehen können, wird das nie anerkannt.
TrekMovie: Wie unterscheidet sich Woolsey von den anderen Bürokraten, die Sie schon gespielt haben?
Picardo: Zunächst mal ist er kein Hologramm. (lacht) Soweit wir Woolseys Vergangenheit kennen, hat er einen starken akademischen Hintergrund. Außerdem sind seine Leidenschaft und sein Einsatz oft missbraucht worden, so dass er jetzt sehr vorsichtig ist, damit ihm das nicht wieder passiert. Deshalb stellt er die Ratschläge der hohen Militärs und Wissenschaftler immer wieder in Frage, weil er die Verantwortung für die Entscheidungen tragen muss.
TrekMovie: Ihre Rolle bei "Voyager" durchlief einen der längsten Handlungsbögen, die ein Charakter bei Trek hatte, bei "Voyager" auf jeden Fall. Haben Sie hart daran gearbeitet oder hat sich das ganz natürlich entwickelt?
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Picardo (mit Jeri Ryan als Seven of Nine) in seiner bekannte Rolle als Holodoc |
Picardo: Als wir so die dritte oder vierte Folge gedreht hatten, haben die Autoren die Möglichkeiten des Doktors erkannt und so schrieben sie eine Menge Geschichten, die sich um mich drehten. Ich war aber auch oft im Büro der Autoren. Brannon Braga kam mich sehr gut nachmachen, wie ich in den Büschen vor dem Büro warte, bis er auf eine Zigarette rauskommt und ich ihn dann anspringe mit den Worten: "Weißt du, Brannon, was mir so durch den Kopf geht, ist..." Im Nachhinein war mein bester Vorschlag, wie der Doktor die Beziehung zu Seven of Nine aufbauen sollte.
TrekMovie: Ich habe Umfrageergebnisse gesehen, nach denen die Fans den Doktor als zweitliebsten Charakter auf der Voyager gesehen haben, direkt hinter Janeway. Und sogar noch vor Seven of Nine.
Picardo: Tja, ich habe Jeri [Ryan] immer gesagt, dass ich den knackigsten Hintern der Serie habe (lacht), daran wird's wohl gelegen haben. Was die Fans gefreut hat, war sicher, dass sich der Doktor nicht getreu der Sternenflotte verhalten musste. Er ist für eine ganz spezielle Aufgabe erschaffen worden. Und wenn er nicht mehr in seinem Element war, dann konnte er feige und widerwillig sein und einem auf die Nerven gehen. Und es hat Spaß gemacht, diese ganzen negativen Seiten zu spielen und das Publikum damit zum Lachen zu bringen.
TrekMovie: Es ist jetzt sieben Jahre her, seitdem die Voyager aus dem Delta-Quadranten zurückgekehrt ist. Was macht wohl der Doktor nach dieser Zeit Ihrer Meinung nach?
Picardo: Ich schätze, er hält Vorlesungen an der Akademie der Sternenflotte und bereist das ganze Universum, um Gastvorträge zu halten. Er ist ein großer Befürworter der Rechte für Hologramme. Außerdem hat er verschiedene Abkommen für die Holopologie ausgearbeitet. Das ist das Studium von Kunst und Kultur von Hologrammen. Auch hatte er Gastauftritte als Sänger bei den Symphonikern aus San Francisco, um einige seiner Lieblingsarien vorzutragen.
TrekMovie: Wenn Sie sich aussuchen könnten, mit welchem Schauspielerkollegen aus "Star Trek" Sie bei "Stargate" zusammen spielen möchten - wen würden Sie wählen?
Picardo: Das ist eine schwere Frage. Offen gesagt, bin ich gut mit Ethan Phillips (Neelix) befreundet. Auch Greg Itzin, der bei "24" den bösen Präsidenten gespielt hat, hätte ich gerne mal dabei. Mit Garret Wang (Harry Kim) zu arbeiten, würde mir Spaß machen. Robbie McNeill (Tom Paris) und Roxann Dawson (B'Elanna Torres) arbeiten jetzt vorwiegend als Regisseure und Produzenten und Tim [Russ] (Tuvok) hat auch einen festen Job, aber es wäre großartig, wieder mit ihnen zu arbeiten, und natürlich mit Kate [Mulgrew].
TrekMovie: Was halten Sie von den Neuigkeiten über "Star Trek" und den neuen Film?
Picardo: Jetzt, wo ich das Franchise gewechselt habe, witzele ich mit meinen Freunden, ich würde warten, bis "Star Trek" wieder in Fahrt kommt. Ich war ihm in den mageren Jahren treu, und jetzt, wo es aufwärts geht und J. J. Abrams das Franchise wiederbelebt, bin ich von Bord gegangen und zu "Stargate" umgezogen. Kein guter Zeitpunkt für einen Umzug. Ich bin der erste "Star Trek"-Schauspieler, der dauerhaft in die Nachbarschaft umgezogen ist. Ich bin gespannt, wie die eingefleischten "Star Trek" Fans das aufnehmen, die Fans, die meinen, eine Serie sei der anderen überlegen.
TrekMovie: Ben Browder und Claudia Black haben sie es verziehen...
Picardo: Oh ja, und die kamen von "Farscape". Die Fans sind bereit, einen Serienwechsler zu akzeptieren, wenn er hart arbeitet, darauf setze ich.
(uw, ww - 09.10.08 - Quelle: TrekMovie.com)