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Peter Tigmann (pt)22.04.11

Rebell wird Familienmensch

Robert Duncan McNeill über die Entwicklung von Tom Paris

Robert Duncan McNeill ist zwar nur noch sehr selten im Fernsehen zu sehen, dafür aber hinter der Kamera als Produzent und Regisseur sehr beschäftigt. StarTrek.com sprach mit dem Schauspieler, der in Kürze auf der FedCon XX zu Gast sein wird, über seine früheren Tage an Bord der Voyager und seine derzeitigen Projekte.

McNeill hatte seinen ersten Auftritt im "Star Trek"-Universum in der "The Next Generation"-Episode "Ein missglücktes Manöver" als Nick Locarno. Ein paar Jahre später bekam er dann die Rolle des Tom Paris in "Star Trek: Voyager". Während seiner Zeit bei "Voyager" fing McNeill an Regie zu führen. Er stand bei den Kurzfilmen "The Battery" und "9mm of Love" hinter der Kamera. In beiden Projekten war er auch zusammen mit seinem Freund und "Voyager"-Kollegen Ethan Phillips als Schauspieler tätig.

Danach führte er bei seiner ersten "Voyager"-Episode "Das Ritual" Regie. Er inszenierte noch drei weitere Episoden der Serie und war seitdem als Regisseur und/oder Produzent bei den Serien "Dawson's Creek", "Enterprise", "Supernatural", "Desperate Housewives", "Samantha Who?", "V" und "Chuck" tätig. "Chuck" ist auch McNeills Hauptbeschäftigung. Er ist seit der ersten Staffel ein Produzent der Serie und führte bei über einem Duzend Episoden Regie.

Spaßvögel: Ethan Phillips mit Robert Duncan McNeill
StarTrek.com: Was ist die erste Sache über "Voyager", die Ihnen einfällt, wenn Sie heute an die Serie denken?

Robert Duncan McNeill: Eine Sache, die man nie klar anhand der Episoden erkennen konnte, war, dass wir als Gruppe von Schauspielern sehr viel Spaß zwischen den Szenen hatten. Wir haben uns alle wirklich sehr gut miteinander verstanden. Ich bin mit vielen meiner damaligen Kollegen noch befreundet. Mit den ganzen Jungs von "Voyager" treffe ich mich regelmäßig für ein Steak-Abendessen. Das haben wir erst vor ein paar Monaten wieder mal gemacht. Wir bringen uns gegenseitig zum Lachen. Daran erinnere ich mich auch noch am meisten.

StarTrek.com: Sie haben keinen Charakter so lange gespielt wie Tom Paris. Wie war das für Sie als Schauspieler und wie zufrieden sind Sie mit der Geschichte des Charakters?

McNeill:Ich war sehr zufrieden. Der Charakter war zuerst ein Rebell. Eine Sache, die mir von Anfang an sehr wichtig war, war, dass man mit dem Charakter auch überraschen konnte. Und ich denke, eine dieser Überraschungen an ihm war sein Sinn für Humor. Die Autoren haben wirklich einen guten Weg gefunden, um diesem anfangs rebellischen Charakter eine gewisse Leichtigkeit zu verpassen. Sie hatten auch anfänglich dieses Konzept, dass er ein Frauenheld sein sollte, der sich immer in die aktuelle Außerirdische der Woche verlieben sollte. Ich erinnere mich noch an eine Konversation, die ich mit den Autoren hatte und ihnen dabei sagte: "Es wäre nett, ihn mal in einer längeren Beziehung zu sehen."

Sie haben eine Zeitlang mit dieser Idee und dem Charakter Kes [Jennifer Lien] gespielt. Nachdem sie nicht mehr Teil der Serie war, haben die Autoren die passenden Charaktere mit Tom und B'Elanna [Roxann Dawson] und mir gefunden. Wir durften eine herausfordernde, lang anhaltende Beziehung darstellen, was ich großartig finde. Die Autoren haben den Charakter also einer wunderbaren Transformation unterzogen. Er hat sich während der sieben Jahre sehr verändert und ist gewachsen. Heute ist er wahrscheinlich ein richtiger Familienmensch.

McNeill als Tom Paris in "Voyager"
StarTrek.com: In Ihrem Job als Regisseur bringen Sie immer wieder ihre Trek-Kollegen zu Ihren Projekten. John Billingsley war in "The Nine – Die Geiseln" zu sehen. Tim Russ hat in "Samantha Who?" mitgespielt. Scott Bakula, Tony Todd und Bonita Friedericy und andere sind und waren bei "Chuck" zu sehen. Offensichtlich engagieren Sie Ihre alten "Star Trek"-Kameraden sehr gerne.

McNeill: Es ist lustig, dass Sie mir diese Frage gerade heute stellen, da Garrett Wang heute am Set ist und uns ein bisschen bei der Arbeit zuschaut. Außerdem hat Tim Russ gerade mit den beiden "Voyager"-Produzenten Merri Howard und Brad Yacobian vorbeigeschaut. Tim arbeitet an der Serie "The Whole Truth" mit den beiden. Viele der ehemaligen Produktionsmitglieder von Trek arbeiten an "Chuck" mit, zum Beispiel auch Dan Curry, der für die visuellen Effekte zuständig ist. All diese "Star Trek"-Erinnerungen kommen zurück und dann noch das Gespräch mit StarTrek.com ... Es ist ein richtiger "Star Trek"-Tag. Ich gehe auch noch auf Conventions. Die Verbindung geht also scheinbar nie ganz verloren.

StarTrek.com: Wann ist Ihnen klar geworden, dass die Arbeit hinter der Kamera Ihre wahre Berufung ist?

McNeill: Um ehrlich zu sein, war das schon vor "Voyager". Ich habe an einer Serie namens "Going to Extremes" gearbeitet. Das war 1992. Sie wurde in Jamaica gefilmt. Ich hatte damals viel Zeit, da ich nicht in meinem Heimatland war und weg von zu Hause. Deshalb fing ich an, den Regisseuren beim Arbeiten zuzusehen. Ich habe oft über ihre Arbeit nachgedacht, aber mir war nicht klar, was sie genau machen und wie ihr Arbeitsprozess aussieht. "Star Trek" bot dazu die Möglichkeit. Ich habe Rick Berman am ersten Drehtag des Piloten von "Voyager" gesagt, dass ich sehr dankbar für die Rolle bin, aber dass wenn die Serie auch nur für ein paar Jahre laufen würde, ich gerne Regie führen würde und dass dies meine Hauptambition für die Zukunft sei.

StarTrek.com: Was gibt Ihnen das Regieführen, was Ihnen die Schauspielerei nicht bietet?

McNeill: Es ist fast zehn Jahre her, dass ich geschauspielert habe. Direkt nachdem "Voyager" zu Ende war, habe ich in einem Film namens "Infested" mitgespielt. Es war ein unabhängiger Horrorfilm ohne große Studiogelder. Zach Galligan und Amy Jo Johnson haben auch mitgespielt. Der Film fand an einigen Stellen Beachtung. Das hatte Spaß gemacht. Dann war ich in einer Staffelpremiere der Serie "Crossing Jordan" zu sehen und ich dachte nur "Oh, hier bin ich also schon wieder am Anfang einer weiteren TV-Staffel als Schauspieler. Das habe ich schon gemacht. Ich will das nicht mehr machen. Ich will mich nur noch auf die Regie konzentrieren." Und damit war die Entscheidung getroffen.

Inzwischen ist McNeill fast ausschließlich als Regisseur tätig.
StarTrek.com: Sie sind als Produzent und Regisseur bei der Serie "Chuck" tätig. Mal abgesehen von der regelmäßigen Bezahlung; was sind die Vorteile dabei, an nur einer Serie zu arbeiten und nicht von einer Serie zu anderen als Regisseur der Woche zu gehen?

McNeill: Das, was ich am Fernsehen so liebe und auch der Hauptgrund, warum ich schon so lange in diesem Bereich arbeite, ist, dass man eine Serie als eine lange, verbundene Geschichte sehen kann. "Voyager" bietet sieben Jahre voller Episoden an, aber die große Geschichte war, dass wir verloren gegangen sind und versucht haben, wieder nach Hause zu kommen und damit haben wir die Serie auch beendet.

Die letzten vier Jahre an "Chuck" zu arbeiten, hat mir die Möglichkeit gegeben, ein Teil dieser ganzen Geschichte zu sein. Ich habe nicht am Piloten mitgearbeitet, bin aber direkt danach dazugekommen und habe geholfen, die Geschichte zu erzählen und hoffe deshalb auch bis zum Ende dabei zu sein. Als Produzent und Regisseur hat man dieses Gefühl, etwas abgeschlossen zu haben. Natürlich ist es auch ein fester Job, wie Sie auch schon gesagt haben. Ich weiß, wo ich jeden Tag zur Arbeit gehen kann. Ich muss nicht besorgt darüber sein, in einem Monat in Kanada und im nächsten in New York zu sein. Meine Familie weiß, wo ich bin. Ich muss nicht herumreisen. Und diese Serie ist ein Traum für mich. Sie bietet alles, was ich tun wollte. Sogar komische Elemente.

Als Schauspieler konnte ich, zumindest im Fernsehbereich, nicht sehr viel Komik machen. Im Theater hatte ich einige Rollen, wo ich das ausleben konnte. Aber bei "Chuck" habe ich die Möglichkeit, komische Elemente mit Melodrama und romantischen Szenen zu verbinden. Außerdem darf ich für die Actionszenen Sachen in die Luft jagen. Es ist die perfekte Mischung für mich.

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(pt - 22.04.11 - Quelle: StarTrek.com)


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