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Christian Vajda (cv)23.02.09

Der Komponist von "juHrop"

TZN-Interview mit F. Butzmann zur klingonischen Oper

Frieder Butzmanns klingonische Oper "juHrop" wurde im Januar 2009 im Deutschlandradio Kultur gesendet. Das TrekZone Network interessierte sich für die Hintergründe: Wie entsteht eine Oper auf Klingonisch? Das Gespräch mit ihm führte Christian Vajda.

TrekZone Network: Herr Butzmann, erzählen Sie doch etwas über sich.

Frieder Butzmann: Sehr gerne. Ich bin Komponist und Autor vor der Steuer, wenn man so will. Ich komponiere Filmmusik und viele Hörspiele, ebenso betreibe ich mein eigenes Tonstudio und bin 54 Jahre alt - also schon etwas fortgeschrittener.

TZN: Wie kamen Sie zu Ihrer Profession?

Frieder Butzmann
Butzmann: Als Kind war ich viel daheim. Mein Vater hat eines Tages ein Tonbandgerät nach Hause gebracht, mit dem man aufnehmen und dann das Band schneiden konnte. Irgendwann zwischen meinem sechsten und siebten Lebensjahr entdeckte ich dann auch noch das Klavier bei uns daheim und begann Klänge zu erzeugen. Ich nahm dann auch Unterricht und studierte schlussendlich Musikwissenschaften in Berlin. Beim Klängebearbeiten hat sich im Endeffekt nichts seit meinen Kindertagen geändert.

TZN: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Butzmann: Meist stehe ich gegen acht Uhr auf und checke meine E-Mails. Danach geht es ins Studio und dort arbeite ich an Projekten weiter. Heim komme ich so zwischen 18 und 20 Uhr, wobei mir das schon fast zu viel ist. Mein Tag ist also schon ziemlich regelmäßig. Ebenso gibt es Tage, an denen ich auch viel daheim arbeite, gerade wenn ich neue Texte schreibe. Ab und zu schreibe ich diese - auch wenn es komisch klingen mag - in der S-Bahn. Dort herrscht mit dem Kommen und Gehen der Menschen eine angeregte Atmosphäre und gleichzeitig gibt es wenig Ablenkung. Immer wieder kommen dann auch Auftritte auf mich zu, die dann meistens Ein-Mann-Shows sind.

TZN: Wie kamen Sie auf das Thema einer klingonischen Oper?

Butzmann: Als Jugendlicher in den frühen 70ern habe ich immer gerne "Star Trek" gesehen - war aber nie ein großer Fan - sondern es machte mir einfach Spaß, die Abenteuer von Captain Kirk zu verfolgen. Als die "The Next Generation" startete, hörte ich das erste Mal Leute Klingonisch sprechen und fand es einfach "faszinierend". Es war nicht so, dass ich dann damit etwas Besonderes vorhatte, sondern es war einfach Interesse um das Thema. Später experimentierte ich zum Spaß im Studio, ob ich einen Chor irgendwie "klingonisch" klingen lassen könnte und dann besorgte ich mir das klingonische Wörterbuch. Es ist scheinbar das Glück meines Lebens, dass sich immer wieder aus meinen privaten Interessen heraus irgendwann mal ein Arbeitsprojekt entwickelt und ich davon auch noch leben kann.

TZN: Was war dabei die besondere Herausforderung?

Butzmann:: Man kann dabei sowohl alles richtig als auch falsch machen und ich musste daher mein eigener Maßstab sein. Ich kombinierte bei der Oper sowohl Klingonisch als auch Chinesisch und ging somit aus verschiedenen Ansätzen an das Thema heran. Ich hatte keine ganze Oper vor Augen, sondern eher mehr einzelne Szenen, die dann zu einem Gesamtwerk zusammengefügt wurden. Ebenso sind sehr unterschiedliche Stücke enthalten: [Es gibt] zum Beispiel Passagen mit einem Chor, einem elektronischen Orchester, genauso wie Techno, aber auch Elektronische Musik im Stile der 50er- und 60er-Jahre. Auch lustige Stücke finden sich in der Oper, wie in etwa ein Rülpswettbewerb - wobei ich mir aber nicht sicher bin, wie die Klingonen dazu stehen würden. (lacht) Man begibt sich bei so einer Oper einfach auf ein "unentdecktes Land" - und diese Formulierung ist kein Zufall - denn man kann monumental sein und laut, aber genauso tiefgehend wie bei den Werken Shakespeares.

TZN: Wie lange dauerte die Arbeit an der Oper?

Butzmann: Schwer zu sagen, da es kein kontinuierlicher Prozess war, aber alles in allem war ich zwischen 1995 und 2000 mit der Oper beschäftigt. Wobei sie analog gemischt wurde und somit eigentlich noch ein Kind der 90er ist. Außerdem war es gar nicht so einfach, einen Chor aufzutreiben, der Klingonisch singen konnte, bis ich über meine Frau einen Kirchenchor fand, der sich dazu bereiterklärte.

TZN: Sie haben ja schon angedeutet, dass in Ihrer Oper auch Chinesisch gesprochen wird, um welche Geschichte geht es also?

Butzmann: Bei der Entstehung habe ich mich an anderen Opern orientiert. Und immer geht es in den Geschichten - schon in den frühesten Anfängen - um "Sex and Crime" aber auch um das Vertriebenwerden und das Verlassen der Heimat. Und so war "Heimweh" - "juHrop" - der erste Begriff, der für mich greifbar wurde. Ich habe dann mit der Klingonisch-Szene Kontakt aufgenommen und in Erfahrung gebracht, dass es das Wort in der Form gar nicht gibt, wie ich es mir ausgedacht hatte, sondern eher "Wehmut" oder "Kranksein an der Heimat" bedeutet, was trotzdem treffend ist. In der Geschichte wird ein Teil des chinesischen Volkes irgendwann im 22. oder 23. Jahrhundert in den Kosmos geschleudert und tritt in den Orbit der klingonischen Heimatwelt ein. Daher auch erst Chinesisch und dann Klingonisch als Sprache. Insofern passt mit den chinesischen Taikonauten das Thema heute sogar viel besser als noch vor 15 Jahren.

TZN: Herr Butzmann, vielen Dank für das Interview. Möchten Sie noch etwas abschließend anmerken?

Butzmann: Ich würde mich sehr über Kommentare zu der Oper freuen. Ich kann mich natürlich nicht seitenlangen Rechtfertigungen stellen, aber wäre sehr dankbar dafür für das, was den Hörerinnen und Hörern positiv, aber auch negativ aufgefallen ist. Ein Feedback wäre schön.

(cv - 06.06.09)

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