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Sebastian Kowald (sk) Rod Roddenberry & Vaters Erbe Roddenberry über seine Mutter Majel und "Star Trek XI" Dan Madsen von Mania.com sprach exklusiv mit Eugene "Rod" Roddenberry, Jr., der die Fahne hochhält, die ihm von seinem visionären Vater, dem "Star Trek"-Erfinder Gene Roddenberry, hinterlassen wurde, über "Star Trek XI" und seine verstorbene Mutter Majel Barrett. Teil 1 Rod, der einzige Sohn von Gene und Majel Barrett-Roddenberry, tritt in ihre Fußstapfen und versucht weiterhin, die utopische Roddenberry-Vision zu verwirklichen. Als Geschäftsführer von Roddenberry Productions hat er die Firma auf ihren ursprünglichen Weg zurückgeführt: das Erschaffen von Inhalten, die zum Nachdenken anregen. Zusätzlich zum Wiederbeleben des Namens Roddenberry ist Rod auch aktiver Philanthrop. Im Jahre 2009 hat er die Einrichtung der Majel Barrett Roddenberry Tiger-Aufzuchtstation im Zoo von San Diego verkündet, als Ehrung an seine verstorbene Mutter. Rod hat außerdem eine Reihe von Stipendien eingerichtet, um die Bildung von unterprivilegierten Kindern zu fördern. Weiterhin ist er ein großer Stifter von mehreren Gruppen, die sich dem Schutz von Meereslebewesen verschrieben haben. In den späten 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat Rod sich das erste Mal im Familiengeschäft betätigt. Er arbeitete als Berater in einer der letzten Fernsehserien, die den Namen seines Vaters trägt: "Gene Roddenberrys Mission Erde - Sie sind unter uns". Er hat vier Jahre damit verbracht sicherzustellen, dass die Roddenberry-Vision respektiert wird und dass die Serie der Philosophie seines Vaters treu bleibt. Nachdem er 2001 nach Los Angeles zurückgekehrt ist, übernahm er die Firma Lincoln Enterprises, heute Roddenberry Productions. Jene Firma, die von seinen Eltern in den 60er-Jahren gegründet worden ist und durch ihre Merchandising-Artikel berühmt und zum Liebling der Fans wurde.
Eugene Roddenberry, Jr.: Ich glaube, er hätte ihn gemocht. Ich denke, er würde den Arm um J.J. legen und ihm sozusagen die Schlüssel überreichen. Er würde sagen: "Dieses Kind ist Ihres!" Sie hatten ein Interview mit meinem Vater in Ihrem Magazin, dem "Star Trek Communicator", wo mein Vater im Wesentlichen gesagt hat: "Ich freue mich auf den nächsten jungen Autor, welcher hervortreten und Schritte unternehmen wird, die über das hinausgehen, was ich gemacht habe, um 'Star Trek' besser zu machen." Das war die wahre bescheidene Natur meines Vaters. Ich denke, in seinen späten Jahren war er mehr als glücklich, den Stab weiterzugeben an jemanden, der jung und schlau war und in der Lage, die Sache weiterzuführen. Ich denke, J.J. wäre dieser Kerl gewesen. Ich denke, hätte mein Vater J.J. Abrams kennengelernt, hätte er ihm gerne die Zügel von "Star Trek" übergeben. Frage: Ihre Mutter und Sie haben die Dreharbeiten besucht, richtig? Roddenberry, Jr.: Ja, das haben wir getan, aber nicht zusammen. Frage: Was denken Sie darüber? Roddenberry, Jr.: Ich war am vorletzten Tag der Hauptdreharbeiten da. Es macht den Anschein, als ob da ein großartiges Team an der Arbeit wäre. Chris Pine und Zachary Quinto waren da. J.J. wirkt, als ob er ein sehr lockerer Regisseur ist. Alles war sehr unaufdringlich und spaßig und locker. Aber nicht unprofessionell. Es war eine Maschine, die gearbeitet hat, und jeder kannte seinen Platz und wusste, wie er seinen Job zu erledigen hatte. Er wirkte wie ein großartiger Regisseur. Er war keines dieser typischen Arschlöcher. Er schien einfach ein super Kerl zu sein. Er stand im Dialog mit den Schauspielern, empfahl ihnen, etwas zu tun, und sie sagten: "Etwa so?" Und er sagte: "Ja, das ist toll!" Es war eine sehr gemeinschaftliche Sache. Es sah definitiv so aus, als ob er die Kontrolle hätte und wusste, was abgeht. Er war sehr selbstsicher und wusste, was er tat. Wenn man jemanden wie ihn hat, das ist die Art von Leuten, mit denen man zusammenarbeiten möchte, weil sie zusammenwirken und dir zuhören werden. Sie haben keine Angst davor, ihren Job zu verlieren. Frage: Haben Sie schon irgendwelches Material aus dem neuen Film gesehen?
Frage: Haben Sie irgendwelche Bedenken gegenüber dem neuen Film? Roddenberry, Jr.: Nun, ich kenne J.J. Abrams einfach nicht gut genug, und da ich mich kürzlich in seine Serie "Lost" verliebt habe, denke ich, dass er extrem talentiert ist. Er ist ein fantastischer Autor, Produzent und Regisseur. Ich weiß, dass er ein Fan von "Star Trek" ist. Ich will nur sicherstellen, dass der neue Film nicht zu sehr wie "Star Wars" wird. Meine Bedenken sind dahingehend, dass es ein super "Star Wars"/Science-Fiction/Action-Film werden wird, aber dass der Film seine eigentlichen Aussagen und Metaphern, die den Kern von "Star Treks" Humanität ausmachen, verlieren könnte. Ich denke nicht, dass er so tiefgründig wie "Star Trek: Der Film" sein sollte, aber ich will einfach nur sichergehen, dass der Bösewicht nicht so schwarz-weiß ist wie in "Star Trek Nemesis". Ich will nur sichergehen, dass sie beide Seiten zeigen. Wenn man sich ein bisschen tiefgründiger mit den Charakteren beschäftigt, hat man etwas Mitgefühl für beide, die Guten und die Bösen. Am Ende müssen sie die schwierige Entscheidung treffen, vielleicht wie in der Folge "Griff in die Geschichte". Ich hoffe, dass es etwas Tiefgang für die humanistischen Elemente geben wird. Frage: Wie kam es dazu, dass Ihre Mutter für den J.J.-Abrams-Film dem Computer ihre Stimme geliehen hat? Roddenberry, Jr.: Ich schätze mal, da J.J. jetzt ein Fan ist, er ihr und den Fans außerdem die Ehre erweisen wollte und weil er das Richtige tun wollte, hat er sich dazu entschieden, die Computerstimme aus der ursprünglichen Serie zu engagieren. Sie hat es auch bei so ziemlich allen anderen Sachen gemacht. Frage: Konnte sie ihre Arbeit an dem Film beenden, bevor sie verstorben ist?
Ich dachte mir, ich weiß noch nicht einmal, was am Ende herauskommen wird. Dann kam der Tag, an dem ihre Stimme aufgezeichnet werden sollte, und ich wunderte mich nur, was das werden soll. Ich fragte mich, ob sie es aufnehmen werden, um dann zu sagen, dass sie es nicht verwenden können. Aber als ihre Freundin Reina sie an all das erinnert hat, änderte sich ihre ganze Stimmung und sie wurde glücklich und hatte jede Menge Energie. Sie hat nicht einfach nur eine Show abgeliefert. Sie hat es wirklich geliebt, so was für die Fans und den Film zu machen. Sie war so eine "Es muss trotz allem weitergehen"-Art von Frau. Ich denke, am Ende hat sie es für meinen Vater gemacht. Ihre Liebe für ihn und für "Star Trek" war so einzigartig. Ich habe gehört, dass es phänomenal war. Sie haben alle ihre Sätze direkt da zu Hause aufgenommen, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr reisen konnte. Frage: Was glauben Sie, ist die größte Hinterlassenschaft Ihrer Mutter bezüglich "Star Trek"? Roddenberry, Jr.: Ich denke, die Leben, die sie persönlich berührt hat. Ich kenne nur die Hälfte der Geschichte, weil sie ein komplettes Leben hatten, bevor ich geboren worden bin und bevor ich überhaupt verstehen konnte, was "Star Trek" eigentlich ist. Von dem, was ich gesehen habe, war es ihre aufrichtige Interaktion mit den Fans. Wenn sie Leute getroffen hat, war sie wirklich an ihnen interessiert. Sie war nicht wie viele dieser Schauspieler, die 50 Dollar für ein Autogramm verlangen und dann noch nicht einmal hochgucken. Sie hat immer hochgeguckt und gelächelt und sich mit den Fans unterhalten. Und sie ist nicht nur für eine Stunde geblieben, sondern für drei, vier Stunden, bis jeder sein Autogramm hatte. Es ist dieser kleine persönliche Kontakt. Ich sage den Leuten immer, "Paramount besitzt 'Star Trek' aber sie trauen sich nicht, es sich mit den Roddenberrys zu verderben, weil es eine Treue von den Bewunderern gibt, die sich meine Mutter und mein Vater verdient haben." Ob es nun ein persönliches Gespräch oder auf der Bühne oder beim Autogrammegeben oder durch das Beantworten von Fanbriefen war, aber all diese Sachen haben über die Jahre eine treue Fanbasis entstehen lassen, welche dem Namen Roddenberry treu ergeben ist. Das ist es, was Roddenberry lebendig erscheinen lässt, solange es "Star Trek" gibt. Sie hatte auch eine lebhafte Seite. Die Trauerfeier, die wir für sie veranstaltet haben, war keine traurige Angelegenheit. Es war, um sie zu würdigen und wer sie war. Es war, wie sie wirklich war. Es gab eine ganze Anzahl von Leuten, die wir auf die Bühne baten und die darüber sprachen, wie lebhaft sie war, und wie sie mit den Jungs zusammengesessen hat und schmutzige Witze erzählt hat. Es gab auch "Star Trek"-Elemente, aber wir waren eigentlich da, um uns daran zu erinnern, wer Majel Roddenberry war. Frage: Wie war Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter? Roddenberry, Jr.: Ich konnte mehr Zeit mit meiner Mutti verbringen als mit meinem Papa, aber leider wurde es nicht viel besser. Als wir an "Mission Erde - Sie sind unter uns" gearbeitet haben, sind wir immer zusammengestoßen. Wir haben immer ungefähr in die gleiche Richtung gesteuert, aber wir kamen immer von zwei verschiedenen Standpunkten. Sie hat es geliebt, die Kontrolle zu haben und ich bin mir sicher, dass ich das auch von beiden, von ihr und meinem Vater, habe. Es gab immer zwei Alpha-Tiere, die die Kontrolle über die Diskussion oder das Argument erlangen wollten. Wir haben uns geliebt, aber wir waren uns nicht am nächsten, noch waren wir beste Freunde. Als sie älter wurde, kamen wir uns näher. Es gab weniger Dinge, über die man sich im Leben streiten konnte.
Roddenberry, Jr.: Es gibt da ein paar Dinge. Wir haben ein paar der ursprünglichen Kostüme. Ich denke, das eine ist das von Sulu und das andere ist von Kirk. Wir haben einige Kostüme. Wir haben nicht das ursprüngliche Enterprise-Modell oder so was in der Art. Es gibt ein Gerücht, dass ich das als kleines Kind in den Pool geworfen hätte, aber da ist nichts dran. Wir haben eine Reihe von Drehbüchern mit Notizen von meinem Vater. Es gibt eine Menge von solchem Material. Ich bin oft verwirrt zwischen dem Sentimentalen und den Wertvollen. Einiges von meinen Vater, sein alter Computern, auf dem er "The Next Generation" geschrieben hat, ist mir sehr wichtig. Frage: Glauben Sie, dass Ihr Vater es bereut hat, dass er die Rechte an "Star Trek" vor vielen Jahren verkauft hat? Roddenberry, Jr.: Ich bin mir sicher, dass er dies zu einem gewissen Grad bereut hat. Nach meinem Wissenstand hat er die Rechte entweder 1982 oder 1984 verkauft, genau nach "Star Trek II: Der Zorn des Kahn". "Star Trek II" war ein bescheidener Erfolg, aber ich weiß, dass mein Vater sich mit Paramount über jeden Schritt geschritten hat. "Star Trek: Der Film" wurde gemeinhin als Misserfolg betrachtet. Deswegen kann ich es verstehen, wenn Paramount zu der Zeit zu ihm gekommen ist und gesagt hat, "Hier sind x Dollar. Das ist mehr als Sie jemals bekommen werden, und aus dem wird nichts mehr werden." Er hat es wahrscheinlich einfach genommen. Ich denke, nach der fünften Staffel von "The Next Generation", so um 1991, als die Serie dann erfolgreich war, hat er es wahrscheinlich bereut, weil sein Baby wieder zu Leben gekommen ist. Frage: Wenn Ihr Vater noch am Leben wäre, was denken Sie, wo wäre das "Star Trek"-Franchise in diesen Tagen? Roddenberry, Jr.: Ich weiß genau, wo es sein würde. Er hatte unterschrieben, um "The Next Generation" zu machen, und nachdem er das getan hat, sagte er, "Heilige Scheiße! Was habe ich da getan?" Es war seine Möglichkeit, eine zweite Chance zu bekommen, um es zum Erfolg zu führen. Nicht dass die erste Serie kein Erfolg gewesen wäre, aber er hat jeden Stein auf dem Weg dorthin mitgenommen. "The Next Generation" war seine Chance, alles richtig zu machen und seine Vision zu verwirklichen. Er hat das getan. Nachdem "The Next Generation" zu Ende war, hat er gesagt: "Nun, ich habe es geschafft. Ich habe es bewiesen!" Er hat sich von dem Projekt zurückgezogen und sich anderen Dingen zugewandt. Da Paramount "Star Trek" im Wesentlichen besitzt, bin ich mir sicher, dass es mit "Deep Space Nine" weitergegangen wäre und all den anderen Sachen. Ich weiß nur nicht, ob er dem ferngeblieben wäre und gesagt hätte "Das ist ihre Sache. Ich mache mein eigenes Ding." oder ob er vielleicht gesagt hätte "Oh verdammt, sie machen es falsch! Ich muss mich da wieder einmischen." Aber da Paramount es besitzt, bekomme ich das Gefühl, dass auch, wenn er es unbedingt gewollt hätte und Himmel und Erde in Bewegung gesetzt hätte, sie ihn vielleicht nicht wieder hätten mitmachen lassen. Teil 2 Dan Madsen von Mania.com sprach im zweiten Teil des Interviews mit Eugene "Rod" Roddenberry, Jr. über dessen Projekte und seinen Vater. Unter Rods Führung expandierte Roddenberry Productions. Man fügte eine internetbasierte Verkaufsplattform hinzu und etablierte eine neue Firmenphilosophie, welche besagt, dass man neue Science-Fiction-Inhalte kreieren möchte und Roddenberry Productions der Ort ist, wo Science-Fiction beginnt. Zusammen mit seinem Geschäfts- und Kreativpartner Trevor Roth hat Rod begonnen, neue Inhalte zu entwickeln, um die Firma ins digitale Zeitalter zu führen. Zusammen hat das Paar erfolgreich neue Projekte über eine Vielzahl von Plattformen hinweg entwickelt, zum Beispiel eine populäre Web-Comic-Serie und ein neues Comic-Buch-Franchise. Außerdem wurden mehrere Film- und Fernsehprojekte angestoßen. Besonders am Herzen liegt Rod der Dokumentarfilm "Trek Nation". Geboren aus dem Wunsch, seinen Vater nach seinem Tode kennenzulernen, ist "Trek Nation" die Reise eines Sohnes, um seinen legendären Vater durch die Augen seiner Fans, die ihn geliebt haben, zu entdecken. Der Film soll irgendwann im Jahre 2009 herauskommen. Wenn er nicht arbeitet, gilt Rods Leidenschaft den Meeren. Auf die gleiche Art und Weise, wie sein Vater den Himmel und "Star Trek" erkundet hat, möchte Rod die großen Geheimnisse des Meeres erforschen. Im Versuch, seine Leidenschaft bekannter zu machen, hat Rod das Roddenberry-Tauch-Team gegründet, welches das Ziel verfolgt, die Ozeane zu schützen, zu erkunden und die Menschen darüber zu informieren. Frage: Rod, eine der Sachen, die ich an Ihnen am meisten bewundere, ist, dass Sie sich wirklich anstrengen, das Vermächtnis Ihres Vaters weiterzuführen und dass Sie respektieren, was er geschaffen hat.
Frage: Was ist Ihre früheste Erinnerung an "Star Trek"? Roddenberry, Jr.: Meine erste Erinnerung an "Star Trek" ist, auf Conventions zu gehen. Ich glaube, dass ich wusste, dass mein Vater der Produzent von "Star Trek" war, aber ich wusste noch nicht einmal, was diese Worte bedeuteten. Ich kann mich daran erinnern, im Bad des Büros meines Vaters gesessen zu haben. Er hatte seinen 16mm-Projektor und er zeigte die Patzer von "Star Trek" auf einem Stück weißer Pappe. Es war wirklich nur 30 mal 30 Zentimeter groß. Ich saß da und kicherte und lachte, als die Jungs die Treppen runterstürzten oder ausrutschten und solche Sachen. Das ist definitiv eine meiner ersten Erinnerungen an "Star Trek" - da zu sitzen und das anzuschauen. Ich habe allerdings nicht begriffen, dass es das ist, was mein Vater machte und noch weniger habe ich verstanden, was "Star Trek" für die Welt bedeutet. Mein erstes richtiges Verständnis über den Einfluss von "Star Trek" kam erst viel später im Leben, bei der Beerdigung von meinem Vater. Eine Reihe von Leuten sind bei seiner Trauerfeier auf die Bühne gekommen. Ich war 17 Jahre alt zu dieser Zeit. Ich hatte ein paar Mal während der Sommerferien bei "The Next Generation" als Assistent gearbeitet und außerdem war ich auf Conventions gewesen. Ich wusste, dass es treue Fans gibt. Aber ich hatte nie diese Verbindung zu "Star Trek". Ich habe sogar "The Next Generation" jedes Mal geschaut zusammen mit meinem Vater, wenn er donnerstags die Videos mit nach Hause brachte. Aber ich glaube nicht, dass ich wirklich die ganzen Metaphern und versteckten Botschaften verstanden habe, die es in dieser Serie gab. Sie waren nicht ganz so markant wie in der originalen Serie, aber sie waren da. Auf der Trauerfeier meines Vaters kam ein Mann auf die Bühne und sprach über einen Brief, den mein Vater von einem querschnittsgelähmten Jungen, der im Rollstuhl sitzt, bekommen hatte. Seine Eltern hatten ihn in ein Heim gegeben, weil sie sich nicht um ihn kümmern konnten. Für Jahre hat er mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu begehen, weil er dachte, dass das Leben nicht lebenswert war. Dann kam "Star Trek" im Fernsehen und präsentierte eine Zukunft, in der er nicht so ein Außenseiter in der Gesellschaft war. Er führte weiter aus, dass er meinem Vater und "Star Trek" dankte und endete gewissermaßen damit, dass er erklärte, das er jetzt über 40 ist, verheiratet ist und mehrere Kinder hat. Ich glaube eigentlich nicht an Momente, die das Leben verändern, aber das war einer für mich. Das war der Zeitpunkt, wo ich sagte: "Heilige Scheiße! Ich verstehe das nicht. Mein Vater hat das gemacht?" Ich dachte, es wären nur ein paar Verrückte, die in Kostümen umherrennen. Aber da war so viel mehr als das. Ich ging studieren und verdaute das alles. Ich hatte die Gelegenheit, bei "Mission Erde - Sie sind unter uns" mitzuarbeiten und machte mich daran zu lernen, was "Star Trek" ausmachte und wer Gene Roddenberry war und was all die Leute dazu trieb, so leidenschaftlich bezüglich "Star Trek" zu sein. In diesen Jahren, 1996 bis 2000, lernte ich das meiste darüber, was "Star Trek" ist, indem ich zu Conventions reiste, Fragen stellte und mir Episoden anschaute. Ich schaute mir eine Szene aus "Mission Erde - Sie sind unter uns" an, in welcher der Hauptdarsteller durch ein Fenster springt und seine Waffe abfeuert, und fragte mich: "Sollte er nicht zuerst anklopfen?" Ich schaute mir "Star Trek" an und es gab immer eine Art friedfertiges Ende. Irgendetwas fühlte sich einfach nicht "Roddenberry" an. Ich ging raus und redete mit der Mannschaft und den Fans und sagte: "Ja, ich denke das war Mist." Frage: Welches sind Ihre größten Gemeinsamkeiten mit Ihrem Vater?
Einer der Kämpfe, die ich schon mein ganzes Leben führe, ist, dass wir in unserem eigenen Leben alle unsere eigenen Schlachten zu schlagen haben - nicht, dass mein Leben in irgendeiner Art und Weise schlimm gewesen wäre. Wenn ich höre, wie wundervoll Gene Roddenberry war und was für ein Genie er war - was alles wahre Aussagen sind - aber wir müssen alle realisieren, dass er nur ein Mensch war, und es gibt eine andere Seite bei all den Menschen, die Visionäre und Genies waren. Obwohl sie keine verdorbenen Leute sind, haben auch sie ihre schlechten Tage, und Gene Roddenberry war nicht immer das wundervolle, glückliche Genie. Frage: Er hat mir einmal erzählt, dass er auch wenn die Fans ihn auf einen Sockel stellen und denken, dass er perfekt ist, immer noch nur Gene Roddenberry ist - mit Macken und allem drum und dran. Roddenberry, Jr.: Ja und ich denke, das lässt sich auf eine seiner Philosophien zurückführen, die besagt, dass wir unseren Ängsten begegnen müssen und dass wir uns unsere Schwächen eingestehen müssen. Schwach zu sein und Fehler zu machen, ist es, was das Menschsein ausmacht. Das ist es, was "Star Trek" immer gesagt hat. Der menschliche Faktor ist der wundervollste Faktor - mit Macken und allem drum und dran. Frage: Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Ihrem Vater beschreiben? Roddenberry, Jr.: Von der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr war er die Vaterfigur. Der Mann, zu dem ich aufschaute. Er war überlebensgroß. Er war auch eine Autoritätsperson, aber er war mein Papa. Er sprach zu mir über Mädchen und Sachen, über die ein Vater nun mal so redet. Aber dann kam ich in das Teenager-Alter und er war beschäftigt mit "The Next Generation" und wir stritten uns oft. Ich rebellierte und wir hatten zu dieser Zeit nicht die beste Beziehung. Wir gingen uns nicht gegenseitig jeden Tag an die Gurgel, aber es gab auf jeden Fall ständig Spannungen. Das hielt auch fast so lange an, bis ich 17 war und er gestorben ist. Leider war meine Beziehung zu ihm von meinem elften oder zwölften Lebensjahr an nicht so gut. Frage: Wie sehen Sie ihn jetzt? Roddenberry, Jr.: Es ist jetzt viel besser. Ich mache einen Dokumentarfilm über ihn und ich habe eine Menge Leute getroffen und hatte eine Menge verschiedener Gedanken und habe mich über eine lange Zeit mit dem Thema Gene Roddenberry auseinandergesetzt. Eines der Dinge, die ich immer machen wollte - und ich hoffe, es kommt in dem Dokumentarfilm auch rüber -, ist, dass ich wirklich versuche, meinen Vater menschlich zu machen. Ich hab eine Menge Zeit damit verbracht, Leuten zuzuhören, wie sie sagten: "der große Gene Roddenberry". Ich habe wirklich versucht, damit zurechtzukommen, wer Gene Roddenberry war. War er der große Gene Roddenberry, Visionär der Zukunft, oder war er der Kerl, den ich kannte, als ich ein Teenager war? Natürlich lautet die Antwort: "Er ist beides." Für eine Menge Leute sind die "Macken und alles"-Aspekte die Sachen, die sie nicht über ihn wissen. Im Wesentlichen sein Leben zu Hause. Für mich waren die "Macken und alles"-Sachen die Dinge, mit denen ich zurechtkommen musste, während alle anderen nur sahen, wie großartig er war. Ich sah ihn vielleicht ein bisschen anders. Ich sah die menschliche Seite von ihm. Ich musste mit seiner "Großartigkeit" zurechtkommen, ihn lieben und ihn als Menschen akzeptieren. Eines der Dinge, die mir klar geworden sind, war, dass "Star Trek" und die Fangemeinde alles seine Kinder waren. Sie waren es wirklich. "Star Trek" war eine Familie, die er erschaffen hat auf die Art und Weise, wie er sie wollte. Er hatte all die Bewunderer und Schmeichler. Das war eine ein bisschen schmerzende Erkenntnis für eine Weile, aber dann habe ich mich damit abgefunden und am Ende kam ich zu der Erkenntnis, dass ich eine außergewöhnliche Gelegenheit habe, meinen Vater kennenzulernen durch so viele verschiedene Quellen, und dass ich Millionen von Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt habe, die mir großartige Dinge über meinen Vater erzählen können und von denen ich lernen kann. Also überwiegt das Positive definitiv alles potenziell Negative, das ich vielleicht gesehen habe. Frage: Haben Sie eine Lieblingserinnerung bezüglich "Star Trek" über die Jahre hinweg? Roddenberry, Jr.: Die Leute, die ich in der ganzen Welt getroffen habe und die alle diese gemeinsame Vision für die Zukunft haben - das ist eine wunderbare Sache. Aber ich muss sagen, dass ich vor ein paar Jahren mit einer Frau in Kontakt stand, die im Irak geboren und aufgewachsen war. Sie sagte, dass es in den 70er-Jahren einmal zwei Episoden von "Star Trek" im Fernsehen zu sehen gab und dass sie seitdem ein Fan ist. Sie sagte auch, dass es eine Menge "Star Trek"-Fans gibt im Irak. Ich liebe diese Idee, dass es in unseren sozusagen zwei sich bekriegenden Nationen auf beiden Seiten Leute gibt, welche die gemeinsame Zukunft sehen und keine Verbitterung gegenüber dem jeweils anderen verspüren. Frage: Wie geht es denn mit Ihrem neuen Dokumentarfilm "Trek Nation" voran?
Ich habe einen neuen Cutter ins Spiel gebracht und jetzt sind Trevor Roth und ich dabei, die technische Produktion mit dem neuen Cutter anzugehen. Es gibt jetzt einen neuen soliden Rohschnitt, von dem ich denke, dass er endlich gut und zufriedenstellend ist. Ich gebe ungern einen Termin bekannt, wann der Film herauskommen wird, da ich in den letzten Jahren immer wieder gesagt habe, dass er bald fertig sein wird. Aber ich fühle, dass wir näher dran sind als jemals zuvor. Ich fühle, dass wir ihn irgendwann dieses Jahr herausbringen werden. Idealerweise würden wir ihn gerne zeitnah mit dem Erscheinen des neuen Films veröffentlichen. Das wäre dann der beste Markt für ihn. Ich möchte aber sicherstellen, dass er eigenständig ist. Er wird keines der Extras auf der Rückseite des neuen "Star Trek"-Films sein. Er wird sein eigenes Ding machen. Ich bin jetzt wirklich glücklich damit. Ich hatte schon Bedenken, dass wir niemals so weit kommen würden. Einer der Gründe, warum es so lange gedauert hat, ist einfach, dass es das erste Mal für mich ist, so etwas zu machen. Es ist etwas so Persönliches für mich, dass es mir schwerfällt, objektiv zu sein. Es ist so schwer, sich eine Szene anzuschauen und zu wissen, dass sie gut ist, aber aus den richtigen Gründen. Das hat eine Menge damit zu tun, warum es so viele verschiedene Versionen von dem Film gab. Jemand kam zu uns und sagte: "Das dreht sich nicht um Gene Roddenberry. Das handelt von Rod Roddenberry." Wir hatten eine Rohfassung, die sich zu sehr auf mich konzentriert hat - nicht notwendigerweise aufgrund meiner Arroganz, aber es war einfach so. Anstatt etwas über Gene Roddenberry durch die Augen seines Sohnes zu lernen, ging es mehr darum, etwas über seinen Sohn zu lernen und wie er mit der Liebe seines Vaters zurechtkam. Was für mich auf seine eigene Art und Weise eine sehr schöne Geschichte war, aber es war nicht das, was wir eigentlich machen wollten. Und um ehrlich zu sein, es ist auch nicht das, was das Publikum sehen will. Das ist keine Dokumentation über Eugene Roddenberry. Das war ein schmaler Grat, auf dem es zu navigieren galt. Es war anstrengend. Wir haben immer für eine Veröffentlichung im Kino gedreht und ein Kinostart würde in diesem Fall bedeuten, im besten Falle, dass der Film in zwei bis fünf Kinos im Land zu sehen sein wird. Das wäre nur für die Werbung. Dann wird es höchstwahrscheinlich direkt auf DVD oder Blu-ray rauskommen. Es wurde alles in hoher Auflösung gefilmt. Frage: War Ihrer Mutter noch bewusst, dass Sie diese Dokumentation machen? Roddenberry, Jr.: Ja, das war es. Ich habe mir sogar am Anfang Geld von ihr geborgt, um dem Projekt Leben einzuhauchen. Wir sind alle mit Makeln behaftet und während ich nicht der beste Sohn war, war sie wahrscheinlich auch nicht immer die beste Mutter. Sie hat mich geliebt und egal, ob ich Erfolg habe oder nicht, hätte sie mich auch weiterhin geliebt, aber ich weiß nicht, wie sehr sie das Projekt unterstützt hat. Sie sagte: "Oh, es ist wundervoll und es wird großartig werden", aber ich kann auch von anderen Gesprächen erzählen, wo sie sagte: "Warum verschwendest du deine Zeit und Geld mit so etwas Lächerlichem wie diesem?" Sie wollte definitiv, dass ich so werde wie mein Vater. Sie wollte, dass ich "Star Trek" fürs Fernsehen produziere. So viel ist sicher. Frage: Haben Sie jemals Ambitionen gehabt, Ihre eigene Version der Serie Ihres Vater zu machen? Roddenberry, Jr.: Mich verbindet eine Hassliebe mit diesem Thema. Es gab Angst - es gab ein bisschen von allem. Ein Teil von mir möchte nie irgendetwas mit "Star Trek" zu tun haben, weil ich mich nicht der eingebauten Kritik aussetzen möchte, nicht nur von den Fans, sondern auch von mir selbst, weil ich versuche, wie mein Vater zu sein. Ich hatte immer einen gesunden Respekt vor "Star Trek" und wollte auch eine gesunde Distanz wahren. Wenn ich in Hollywood mitmische, dann werde ich kein Durchschnittsfernsehen machen. Ich mag es nicht, unter den derzeitigen Bedingungen und Vorgaben der Fernsehindustrie zu arbeiten. Ich möchte mein eigenes Ding machen, was wahrscheinlich mehr in die Richtung von kleinem Budget und unabhängigen Produktionen geht. Aber mein Hauptaugenmerk liegt auf der Menge von Technologie und Talent, das nicht von Hollywood erkannt wird. Wenn ich ein Team aus den richtigen Personen mit Talent zusammenstellen kann und meine Hände an genug Technologie bekomme, könnten wir einen einstündigen Pilotfilm machen, der fast Studioqualität hat, und eine Serie produzieren für das Internet oder irgendwo anders. Ich möchte, dass das Studio sagt: "Heilige Scheiße! Die haben das für wie viel gemacht?"
Frage: Nun, Ihr Vater hat "Star Trek" damals mit sehr knappen Mitteln gemacht und die Leute damit begeistert. Ich möchte Sie ja nicht immer mit Ihrem Vater vergleichen, aber Sie haben ja lange Zeit in seinem Schatten gelebt. Roddenberry, Jr.: Ich bin über diese Schatten-Ding hinweg. Das war Teil dieser ganzen "Trek Nation"-Sache. Ich komme damit zurecht und ich denke, dass es eine großartige Sache ist. Ich fühle mich jetzt geehrt davon, anstatt davor Angst zu haben oder dagegen zu rebellieren. Natürlich will ich, dass die Fans es mögen und die "Roddenberry"-Seite daran fühlen, was auch immer ich mache. Es wird definitiv darum gehen, eine Zukunft zu zeigen, in der die Menschheit zusammenarbeitet. Aber es wird keine Kopie von "Star Trek" sein, sondern eine eigenständige Sache. Frage: Was ist Ihre Meinung über die Zukunft von "Star Trek"? Roddenberry, Jr.: Auf lange Sicht gesehen glaube ich nicht, dass "Star Trek" jemals sterben wird. "Star Trek" ist der moderne Shakespeare. Gelehrte werden über diesen Kommentar spotten und ich vergleiche meinen Vater auch nicht notwendigerweise mit Shakespeare, aber die gemeinschaftliche Leistung von dem, was "Star Trek" geworden ist, ist von diesem Kaliber. Ich denke, dass man noch für Generationen darüber sprechen wird, egal ob es gerade im Fernsehen läuft oder nicht, und dass es in Unterhaltungen verwendet werden wird und in jedem Haushalt bekannt ist. Und das ist, wenn es schlechtläuft. Wenn "Star Trek" das nächste "Star Wars" wird, könnte es vielleicht noch viel länger da sein, und im Fernsehen sein und es Filme geben und es wäre vielleicht auch großartige Science-Fiction. Meine einzige Sorge ist nur, dass die Philosophie dabei verloren geht, und dass junge Generationen von Kindern aufwachsen werden und "Star Trek" als "das andere 'Star Wars'" kennenlernen. So oder so denke ich, dass es "Star Trek" immer geben wird. Ich denke, die Philosophie wird immer da sein - ich weiß nur nicht, wie tief es in der Gesellschaft verwurzelt sein wird. Ich denke, dass wir zu einem gewissen Grad an einem Scheideweg angekommen sind. Ich denke, J.J. Abrams schultert eine Menge Verantwortung, ob er das weiß oder nicht. Dieser nächste Film wird nicht nur entscheiden, ob "Star Trek" noch einmal eine Chance im Fernsehen bekommt und einen weiteren Film, sondern auch die ganze Richtung, in welche das Franchise gehen wird. Ich habe extrem große Hoffnung in J.J. und den nächsten Film. Übersetzungen ausführlicher Interviews wie diese finden Sie jedes Wochenende in unserem Newsletter "TrekZone Weekend". Falls Sie die "TrekZone Weekend" noch nicht abonniert haben, können Sie den Newsletter zusammen mit unserem monatlichen Internet-Magazin "Incoming Message" hier kostenlos bestellen. (sk - 06.06.09 - Quelle: Mania.com) |
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