Lorenz Ulrich (ulr), Florian Battke (fb)
01.05.00
Roger Nygard über "Trekkies"
Der Regisseur beschreibt im TZN-Interview seine Fan-Doku
Seit einigen Wochen ist der Trek-Dokumentarfilm "Trekkies" im Videohandel erhältlich. Wir sprachen mit dem Regisseur Roger Nygard über den Film und über die Produktion des Filmes, bei dem auch die aus Trek bekannte Denise Crosby (Tasha Yar) mitwirkte.
TrekZone Network: Roger, wieso "Trekkies" und nicht "Trekkers"?
Roger Nygard: Schließlich muss man seinem Film irgendeinen Namen geben, und wir konnte ihn nicht gleichzeitig "Trekkies" und "Trekkers" nennen. Wir haben "Trekkies" gewählt, weil dies der erste und bekannteste Name für die "Star Trek"-Fans ist. Außerdem kam die entscheidende Stimme von Gene Roddenberry. Laut Richard Arnold, Roddenberrys Trek-Forscher und Assistent, zog Roddenberry "Trekkies" vor. Vielleicht werden wir die Fortsetzung "Trekkers" nennen, der Fairness halber. Außerdem möchte ich in der Fortsetzung auch auf die internationalen Fans eingehen, besonders auf die Fans in Deutschland, Großbritannien, Japan und Brasilien.
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Roger Nygard |
TZN: Du hast mit "
Trekkies" einen erfolgreichen Trek-Dokumentationsfilm gemacht. Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu machen?
Nygard: Das war Denise Crosbys Idee. Wir haben 1991 zusammen an einem Film namens "High Strung" gearbeitet, und Denise wollte immer eine Trek-Fan-Dokumentation machen, seit sie mir die Idee 1993 zum ersten Mal mitgeteilt hat. Wir haben letztendlich 1996 begonnen, einiges an Filmmaterial aufzuzeichnen, ohne es im Nachhinein zu bedauern...
TZN: Wie seid ihr bei der Konzeption des Filmes vorgegangen - immerhin seid ihr ja durch die ganze USA gereist, um Fans zu interviewen?
Nygard: Der Film entwickelte sich, während wir ihn drehten. Das Aufregende an Dokumentationen ist, dass man nicht weiß, wohin einen die Reise führt. Ich habe den Film geschnitten, während wir in den Dreharbeiten steckten, wodurch wir durch die Betrachtung des Rohmaterials erkennen konnten, was wir noch zu filmen hatten. Die Städte, die wir als Besuchsziele auswählten, waren diejenigen, in die Denise als Sprecherin auf verschiedene Conventions eingeladen worden war. Denise war dem Projekt nahe genug, um für ihr Erste-Klasse-Ticket eine Handvoll Economy-Sitze einzuhandeln, so dass wir es uns leisten konnten, die Filmcrew mitzunehmen.
TZN: In Kürze veröffentlicht Paramount den Film in deutscher Sprache. Was erwartet uns deutschsprachige Fans vom Film, wie ist er gegliedert?
Nygard: Der Film enthält einige lose aufgeteilte Segmente beziehungsweise Kapitel wie "Die erste Convention", "Wer ist Ihr Lieblings-Captain", "Vulcan, Alberta, Kanada" und viele andere Fan-Geschichten und Anekdoten.
TZN: Es gibt ja viele Arten von Trekkies: Wahre Fanatiker, zurückhaltendere Trekkies, die nur die Episoden am TV schauen oder dann solche, die sich in irgendeiner Form für "Star Trek" einsetzen. Auf welche Trekkies legt "Trekkies" das Schwergewicht?
Nygard: Der Film deckt das gesamte Fan-Spektrum ab; vom Zweijährigen bis zum Zweiundachtzigjährigen, vom Lehrer bis zum Arzt, vom Fan bis zum "Conventioneer", vom Classic- bis zum "Voyager"-Fan, von Stars bis zu den Fanatikern. Zugegebenermaßen bezieht sich der Film mehr auf die extremen als auf die "normalen" Fans, aber ich hasse die Bezeichnung "normal", da sie voraussetzt, dass jemand entscheidet, was normal ist und was nicht. Und wie Brent Spiner (Data) sagte: "'Star Trek'-Fan oder nicht, wir sind alle ein wenig merkwürdig, nicht wahr?"
TZN: Wenn wir schon von Fans sprechen: Was für eine Art Fan bist du?
Nygard: Ich habe die Originalserie als Kind angesehen, bin also eher ein klassischer Fan. Ich habe auch die "Star Trek"-Zeichentrickserie in der Erstausstrahlung gesehen. Aber ich habe es nie bis zum Hardliner-Trekkie gebracht. Die erste Convention, die ich besucht habe, war auch die erste, die wir gefilmt haben: die Fantasticon, im LAX Hilton vom 2. bis 4. August 1996.
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 "Trekkies" |
TZN: "Trekkies" startete ja bekanntlich zeitgleich mit dem neuen "
Star Wars"-Film. War das Zufall oder der Kampf von Trek gegen "Star Wars"?
Nygard: Reiner Zufall. Wir haben den Film 1998 fertiggestellt, und Paramount entschied, ihn im Mai 1999 zu veröffentlichen, gegen "Star Wars".
TZN: Gegen "Star Wars" habt ihr ja sicherlich allemal verloren - wenn man auf die Einspielergebnisse schaut. Aber wie erfolgreich war der Film insgesamt in den Staaten?
Nygard: Finanziell ist die Sache noch nicht abgeschlossen, solange "Trekkies" noch als Homevideo verkauft wird, wo es nebenbei gesagt extrem gut läuft. Der Film kann auch ausgeliehen werden (auch auf DVD), wird jedoch erst im Juli 2000 in den Handel kommen. Dann wird es nochmal sehr gut laufen. Kritisch gesehen haben wir "Star Wars" massakriert.
TZN: Trekkies hören gerne Anekdoten. Erzähl uns von einem lustigen Vorfall, der während der Dreharbeiten passiert ist.
Nygard: Genau inmitten des emotionalsten Moments unseres Interview mit James Doohan (Montgomery Scott) ging der Kamera der Film aus, so dass Doohan mitten in einer Geschichte über einen Selbstmord-Hinweis, den er von einem Fan erhalten hatte, unterbrochen wurde. Er konnte nicht warten, bis die Kamera wieder einsatzbereit war, da er mit seinem Auftritt auf der Bühne schon zu spät dran war. Die Convention-Sicherheitsleute sagten, dass wir auf keinen Fall Zeit für ein zweites Interview bekommen würden. Es sah also so aus, als ob wir niemals erfahren würden, was mit der Frau mit Selbstmordgedanken geschehen war.
Wir mussten es einfach wissen, also warteten wir vier Stunden, bis Doohans Bühnenauftritt vorbei war und er einige hundert Autogramme gegeben hatte. Dann gingen Denise und ich zurück und fragten ihn höflich, ob er seine Geschichte zu Ende erzählen könnte. Anstatt von den Ereignissen der Convention erschöpft zu sein, stimmte er freundlich zu und erzählte uns das Ende der Geschichte, welche einer der bewegendsten Momente des Films wurde. Ich kann es kaum glauben, dass wir diese Geschichte fast nicht bekommen hätten.
TZN: Mit welchen Projekten finanzierst du dir momentan den Lebensunterhalt?
Nygard: Mein nächster Film heißt "Six Days in Roswell", ein Nachfolger von "Trekkies". Er handelt von Ufos und Ufo-Begeisterten und den Menschen in der Stadt Roswell, New Mexico. Mehr Informationen gibt's unter Roswell6.com.
TZN: Ist für dich mit "Trekkies" das Thema "Star Trek" im filmischen Bereich abgeschlossen oder können wir von dir nochmals etwas in diese Richtung erwarten? Oder gibt es bald "Warriors"?
Nygard: Ich bin sicher, dass es noch mehr geben wird. Ich denke, dass, wenn es einen einmal gepackt hat, man für sein ganzes Leben dabei ist.
TZN: Danke für das Interview!
Nygard: Es war mir ein Vergnügen!
(ulr, fb - 06.06.09)
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