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Melanie Brosowski (mb)05.09.09

TZN-Gespräch mit Magnus Müller

"Teil meiner Uniform stammt von gefallenem Soldaten"

Ein weiteres Trek-Sommergespräch aus der deutschen Fan-Szene: Event-Gestalter und -Fotograf Magnus Müller berichtet im Gespräch mit dem TrekZone Network über seine vergangenen und zukünftigen Arbeiten.

TrekZone Network: Wer ist Magnus Müller?

Magnus Müller: Mitte 30 und immer dabei, anderen Gutes zu tun, sei es "nur" ein Lachen zu schenken.

TZN: Wie bist du zu "Star Trek" gekommen, nachdem du ja eigentlich ein eingefleischter "Star Wars"-Fan bist?

Müller: Trekkie war ich schon immer, habe fast alle Serien auf DVD, aber zwei Monate vor dem neuen Film wurde ich gefragt, ob ich nicht die Pre-Preview im Hamburger Cinamaxx Dammtor organisieren möchte und das hab ich, dank der tollen Fans in und um Hamburg!

TZN: Was bedeutet "Star Trek" für dich? Ist es mehr als nur eine TV-Serie?

Müller: "Star Trek" hat tolle Filme (gerade der neue) produziert, aber ich denke, wie bei den meisten Fans sind es die Serien, die einem zu Hause immer für zirka 45 Minuten ein wohliges Gefühl gegeben haben, als wäre man Teil einer Familie und erlebe jede Woche ein neues Abenteuer.

TZN: Mit welchen Erwartungen bist du ins Kino gegangen und wie findest du den neuen "Star Trek"-Streifen?

Müller: Der neue Film war, wie erwartet, einfach einmalig. Klingt überheblich, aber für Filme habe ich über die Jahre einen echten Riecher entwickelt. Natürlich kann es immer anders kommen, aber allein schon, als ich ein Foto von dem neuen Spock gesehen hatte, war mir klar, das Ding wird ein Renner.

Da ich glücklicherweise das Original schon zwei Wochen vorher in Englisch bei einer Pressevorführung gesehen hatte, konnte ich mit gutem Gewissen die Pre-Preview eröffnen. Und um mal ganz überheblich zu klingen: Vom ersten Moment an kam mir folgender Satz in den Kopf: "'Star Trek' lebt!" - und diese Botschaft versuche ich weiterzugeben.

TZN: Du bezeichnest dich selbst als nichtkommerziellen Event-Gestalter und -Fotografen. Was genau tust du?

Müller: Nichtkommerziell darum, weil ich für alles, was ich mache, kein Geld bekomme, es sei denn, es ist eine Aufwandsentschädigung. Natürlich würde ich gerne auch mal Profit machen wollen, also kommerziell und offiziell als Event-Gestalter und -Fotograf arbeiten. Aber selbst, oder gerade, der Weg zu Selbstständigkeit ist sehr teuer. Ein Logo und einen Namen gibt es schon und ist manchmal auch auf Fotos zu sehen, in orange/weiß "MAGNUS-PIX"! Sobald alles namensrechtlich geschützt ist, kommt dann auch eine offizielle Seite in der Welt der WWWs!

Was genau, nun ... seit zehn Jahren habe ich Kontakt mit allem, was mit Kino, Filmen, Stars, Sternchen, halt eben auch "Star Trek" und "Star Wars" zu tun hat. All diese Kontakte nutze ich meist gleich für Mehreres. Wichtig ist der Spaßfaktor. Gerade weil alles, was ich mache, reine Freizeit und somit Hobby ist, sollte es nicht übermäßig ausarten, denn schließlich bin ich kein professioneller Event-Gestalter und -Fotograf, nur ein mittlerweile erfahrener!

Was sich auch nicht groß ändern soll, wenn es zum Kommerz werden sollte. Mehreres aber bedeutet bei mir meistens: Beispielsweise bringe ich Menschen zusammen, alle erleben etwas Spektakuläres, nicht Alltägliches, sowohl die Akteure (meist Kostümierte) als auch die Zuschauer. Wenn mich einer fragt, sage ich meistens: "Ich mache den Film oder das Thema lebendig." Das trifft es sehr gut. Denn wer trifft schon sonst in der Öffentlichkeit, oder im Kino, Menschen als Jedi oder Captain Archer...

Sofern es mir dann erlaubt wird, vom eigentlichen Veranstalter, wie zum Beispiel Andere Welten oder Cinemaxx in Hamburg, sammle ich als Spendensammler-Fundraiser Geld für die Sternenbrücke! Das mache ich jetzt seit 2007 und demnächst auch wieder in einer "Star Wars"-Museumsausstellung mit meinen Exponaten bei Hannover. Das ist etwas, was mir besonders wichtig ist und worüber ich mich dann auch besonders freue. Man hat also Spaß, erlebt etwas Einmaliges und erfüllt auch noch einen guten Zweck!

TZN: Was war dein größter Erfolg und Misserfolg?

Müller: Mein größter Erfolg ... schwierig, in zehn Jahren sammelt sich so einiges. Aber ich denke, ein Dankesbrief von Lucasfilm persönlich für meinen karitativen Einsatz bei Events ist etwas, was mir immer sehr viel bedeuten wird. Aber auch das Angebot, meine "Star Wars"-Exponate in der kommenden Ausstellung im Museum bei Hannover ausstellen zu dürfen, hat mich sehr überrascht und darauf bin ich auch schon ganz gespannt.

Misserfolg: Wenn ich ehrlich bin, hatte ich noch keinen. Das Schicksal meint es gut mit mir. Natürlich gab es Grenzen. Wenn nach einer Veranstaltung Beteiligte statt "Danke" zu sagen nur nach Dingen suchen, die man besser hätte machen können. Natürlich bin ich offen für Kritik und Verbesserungen, aber ich hab auch feststellen müssen, dass es Menschen gibt, die anderen, warum auch immer, nicht gönnen wollen, dass etwas machbar und geglückt ist. In einem Fall hat sich herausgestellt, dass ich mit einem netten Telefonat einfach eine Zusage bekommen habe, wo er/sie nur Absagen bekommen hat. Aber über so was mache ich mir eigentlich keinen Kopf, denn ich gönne jedem einfach alles. Darum verstehe ich so was dann auch nicht! Und bei einem Event hätte tatsächlich nach zwei Monaten Aufwand alles in der letzten Minute platzen können. Da kommt man schon ins Schwitzen und Grübeln, gerade wenn es etwas Großes ist.

TZN: Haben die Stars, die du getroffen hast, auch Star-Allüren gehabt?

Müller: "Nein" wäre eine Lüge. Lustig ist es aber dann, wenn diese Allüren eigentlich den wahren Menschen zeigen. Ich sage nur FedCon und "Wo ist mein Bier?". Aber solche Extreme sind die Ausnahme. Bis jetzt hab ich immer das Rezept meines Vaters verfolgt: "Jeder Mensch könnte dein Nachbar sein. Also behandle ihn auch so." Und siehe da, wenn man natürlich zu ihnen ist, sind sie es auch zu dir. Allerdings werden sie oft durch ihr Umfeld förmlich zu Dingen gezwungen, die sie sonst nicht machen, wenn man sich mit ihnen privat unterhält. Ich sage nur wieder FedCon und "Indeed!". Wobei bitte festgehalten werden soll, um Missverständnisse zu vermeiden, die FedCon war und ist super, finde ich!

TZN: Ich kann mir vorstellen, dass du jede Menge Erinnerungsstücke/Autogramme/Fotos hast. Quillt deine Wohnung davon bald über oder wie muss man sich dein Heim vorstellen?

Müller: Es quillt! Und obwohl ich zwangsweise versuche, Platz zu machen, durch Verkäufe oder Versteigerungen, kommt immer wieder was dazu. Ich habe unten ein "Star Wars/Trek/Gate"-Museums-Heimkino-Wohnzimmer und mittlerweile hänge ich meine neusten Sachen schon hier oben im Arbeits- und Schlafzimmer auf.

TZN: Was ist dein aktuelles Projekt?

Müller: Wie bereits erwähnt, habe ich das Angebot im September, genaue Daten bekomme ich noch, zwei bis drei Vitrinen mit "Star Wars"-Kostümen auszustatten. Die Trekkies aus Hannover haben ein Museum zur Verfügung, wo sie schon zweimal eine "Star Trek"-Ausstellung hatten und nun wollen sie eine "Star Wars"-Ausstellung machen. Da ich bei dem Fantastik-Online-Dinner in Hamburg eine Versteigerung machen durfte und eine Mitverantwortliche aus Hannover dabei war, wurde ich anschließend gefragt, da bekannt ist, dass ich ein Mitglied der 501st bin, ob ich nicht meinen Beitrag leisten möchte. Ich werde dort im Namen der Sternenbrücke agieren und als Aussteller, gegebenenfalls sogar offiziell in Kostüm, im Namen der 501st! Wer aktuelle Infos haben möchte, kann sich ja über MySpace mit mir in Verbindung setzen!

TZN: Du bist Single. Hängt das mit deinem, wie ich mir vorstelle, zeitintensiven Hobby/Beruf zusammen?

Müller: Es gab noch nie so eine hohe Scheidungsquote wie im letzten Jahr und dieses Jahr wird nicht besser. Obwohl ich Optimist bin, hat mich die Erfahrung gelehrt, dass Menschen wie ich schon ein sehr gutes Schicksal haben müssen, um einen "passenden" Partner zu finden. Menschen wie ich sind interessant, und obwohl ich auch meine Grundsätze habe, muss wohl noch die Frau geboren werden, die glaubt, dass sie mit mir eine "reale" Zukunft haben kann und nicht eine "fantastische". (lacht) Aber als Optimist ... lass ich das Schicksaal walten und erwähne einen meiner Grundsätze: "Sag niemals nie!"

TZN: Auf dem FUNtastik-Special hast du zugunsten des Kinder-Hospizes Sternenbrücke einige Liebhaberstücke versteigert. Wie bist du zu dieser Einrichtung gekommen und magst du etwas Näheres darüber erzählen?

Müller: Vor genau zehn Jahren hab ich bei "Star Wars - Episode 1" das Event im Cinemaxx auf die Beine gestellt, mein erstes! Dort wurde Geld in Form eines Schecks für "Kinder auf der Straße" gesammelt. Das fand ich toll. 2007, als ich dann auch mal selbst im Kostüm bei den Events dabei war, dachte ich mir, wem kann ich helfen? Als mir jemand die Brücke nannte, informierte ich mich und fand, das wäre das Richtige. Sterbenskranke Kinder, die Medikamente brauchen und ihre letzten Tage in einem Hospitz "mit der Familie" verbringen dürfen. Was gibt es Schlimmeres für so kleine Wesen und was gibt es Besseres, als denen die letzten Tage auf Erden glücklich zu gestalten?! Für mich keine Frage, darum helfe ich, wo ich kann, mit meinen begrenzten Mitteln!

TZN: Du hattest im Jahr 2007 einen schweren Motorrad-Unfall, bist aber der Szene immer noch treu. Hat der Unfall dein Leben verändert?

Müller: Eigentlich müsste man "leider" sagen in Bezug auf den Unfall, da ein Unfall ja nie was Gutes hat, und gesundheitlich habe und werde ich damit immer zu tun haben. Aber da ich ein Mensch bin, der gewohnt ist, aus dem Tiefsten erst recht rauszukommen, habe ich gerade seit dem Unfall die schönsten Momente meines Lebens erleben dürfen. Kurz nach dem Unfall, obwohl ich einen Rollstuhl hatte, ging ich schon auf Krücken und sogar nur an einem Stock. Ich hatte einen Bruch, Bänder waren gerissen und so weiter, aber ich hatte lange vorher mein Ticket für eine Reise nach London gebucht und bezahlt, wo drei Tage lang "30 Jahre 'Star Wars'" gefeiert wurde, mit fast allen Stars. Und ich hatte mir geschworen, komme was wolle, du bist dabei.

Als ich den Unfall hatte, war das wie ein Omen. Von da an war mein Ziel sogar, wenigstens an einem Tag, in voller Stormtrooper-Rüstung meinen Pflichtmarsch mit allen anderen aus Deutschland zu schaffen. Und das habe ich. Das hat mir geholfen, mit dem Unfall (schneller) fertig zu werden, und hat mir wieder mal gezeigt, wenn man wirklich will, kann man (fast) alles schaffen! Ich bin selten stolz auf etwas, mit dem Wort gehe ich sparsam um, aber diese Leistung wird mir immer bleiben!

TZN: Was sagen Freunde/Bekannte? Tun dich einige als netten Spinner ab, weil du deine Wochenenden in Uniform mit Gleichgesinnten verbringst?

Müller: In all den Jahren gab es nur eine Person, die das als Kinderkram bezeichnet hat. Aber das ist okay, denn es ist ja für alle Kinder dieser Welt, ob nun die kleinen, oder die großen. (lacht) Ansonsten fast nur Bewunderung. Viele begreifen zuerst gar nicht, was das ist oder dass es kein Gerede ist, sondern real. Spätestens, wenn sie all meine Bilder sehen mit den Stars oder bei mir zu Hause die Kostüme anfassen, ist jegliche Art von Unverständnis verflogen und es wird nur geschwärmt. Das freut mich dann sehr, da in jedem Kostüm viel Arbeit und Geld steckt.

TZN: Was war dein schönstes Erlebnis als Fan?

Müller: Als "Star Wars"-Fan hatte ich viele. Gerade rückblickend, da einige Darsteller leider mittlerweile verstorben sind. Aber ich denke, die 30 Jahre "Star Wars" Celebration 2007 in London war schon der Hammer. Ansonsten die FedCon 2009. Ich hatte wirklich Glück, dass ich alle Stars, teilweise privat und nicht in der Menge, treffen konnte, die ich auch sehen wollte. Sentimental war das Erlebnis mit Christopher Judge, Teal'c von "Stargate". Auf dem gemeinsamen Foto haben wir beide leicht rote Augen und das nicht vom Blitz. Ein Teil meiner "Stargate"-Uniform stammt von einem gefallenen Soldaten aus dem Irak-Krieg. Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne ein Foto mit ihm hätte als Ehrung für einen gefallenen Freund. Uh, da waren schnell bei beiden Tränen in den Augen.

TZN: Einige abschließende Worte?

Müller: Das ist das Schwerste, aber ich mach's kurz. Lebt lang und Prosecco ... nein, Alkohol muss nicht sein. Darum, wer anderen eine Freude machen möchte und nicht weiß wie, schaut euch meine Seite an, added mich als Freund, dann seht ihr alle Fotos und ich kann euch Infos senden, wo neue Events starten! Ansonsten wünsche ich allen ein glückliches Leben, viel Spaß mit euren Hobbys und denkt auch mal an die, denen es nicht so gut geht!

TZN: Vielen Dank für das Interview!

(mb - 28.11.09)

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