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Michael Müller (mm)28.07.00

Bernd Felsberger im TZN-Interview

Über Filk-Songs, die FedCon und das deutsche Fandom

Wenn die Worte "Star Trek" und "Musik" fallen, ist der Name Bernd Felsberger meist nicht weit. Bernd ist im deutschsprachigen Raum zweifellos der bekannteste Musiker, der Songs zu "Star Trek" singt und komponiert. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Auftritte bei den FedCons, an denen er schon so manchen Trek-Star zum Singen brachte. Seit der FedCon V ist er auch technischer Leiter der FedCon. Wir unterhielten uns mit ihm über seine Songs, seine Duette mit den Trek-Stars, über seinen überraschenden musikalischen Rückzug von der FedCon und andere interessante Gerüchte...

TrekZone Network: Bernd, wie kommt es, dass du als gebürtiger Österreicher fast nur in Deutschland auftrittst?

Bernd Felsberger: Nun, das macht den Eindruck, als würde ich nur in Deutschland spielen, aber jetzt mal im Ernst. Ich habe durch die "Star Trek" bezogene Musik einen gewissen Fankreis in Deutschland bekommen und da auch dort die größten Veranstaltungen laufen, spiele ich auch gerne dort. Bis 1995 habe ich mit meiner Band "strange phenomena" ausschließlich nur in Österreich gespielt. Ich spiele aber auch noch immer Konzerte, wenn auch weniger in Österreich.

TZN: Wie kamst du zur FedCon?

Felsberger: Oh Gott! Eine lustige Geschichte. Ich war 1994 auf meiner ersten "Star Trek"-Convention und die fand damals in Mannheim statt. Die Stardream One hat ja in der deutschen Convention-Geschichtsschreibung keinen guten Ruf, aber ich fand es damals trotzdem sehr spannend und interessant. Ich war als Gast dort, habe mich aber am zweiten Tag (die Con ging ja vier Tage) als Helfer "rekrutieren" lassen. Ich war damals Behindertenbetreuer, musste aber trotzdem einmal als Einlass bei der Autogrammstunde von Nichelle Nichols stehen. Das war vielleicht chaotisch.

Immer zehn Leute reinlassen, warten, dann die nächsten zehn Leute. Und wie ich da so stehe, kommt [FedCon-Veranstalter] Dirk Bartholomä auf mich zu und wir begannen miteinander zu quatschen. Ich kannte ihn ja überhaupt nicht. Also meinte er, ob ich nicht nächstes Jahr in München auf der FedCon als Helfer arbeiten möchte und ich nahm an. Nach München als Technical Assistant übernahm ich ab der FedCon V die technische Leitung der FedCon.

TZN: Die Songs auf den FedCon-Videos, die sich auch inhaltlich mit der Con beschäftigen, sind auch von dir komponiert und gesungen. Woher nimmst du all die Ideen für die Song-Texte?

Felsberger: Das frage ich mich manchmal auch! Hast du schon mal probiert, jedes Mal einen neuen Song zu komponieren, der im Refrain "Federation Con" heißt?

TZN: Würd ich nie wagen...

Felsberger: Inzwischen ist mir das ja schon drei Mal gelungen (FedCon-Videos 6 bis 8). Aber beim ersten FedCon-Song sang ich noch über das FedCon-Team, aber die beiden anderen beschäftigen sich mit den Fans. Die Trekker sind ja die beste Inspiration für meine Musik.

TZN: Du hast auf den FedCons schon mit vielen Trek-Stars gesungen, auf der diesjährigen Con ja zum Beispiel mit Tim Russ. Welcher Trek-Star denkst du hat am meisten Talent?

Felsberger: Ich denke Tim. Er ist ein guter Musiker, spielt sehr gut Gitarre und singt auch sehr gut. Im Vergleich zu Brent Spiner, der auch sehr schön singt, ist er einfach ein Musiker mit Herz. Er hat ja keine Probleme, bei den Guest Panels auf einer Con was zu singen, was Brent zum Beispiel immer zu vermeiden versucht.

Die anderen "Star Trek"-Schauspieler können zwar auch mehr oder weniger singen, sind aber in dem Sinne keine Musiker, sondern eben mehr Schauspieler. Nichelle Nichols versucht sich auch immer im Singen, was ihr manchmal auch gelingt, aber sie ist auch mehr Interpretin als Musikerin im Sinne eines Songwriters wie Tim Russ. Sozusagen ist Tim im "Star Trek"-Universum ein Unikat.

TZN: Mit welchem Trek-Star würdest du gerne einmal noch einen Auftritt haben?

Felsberger: Natürlich mit Tim, aber ich würde ja gerne mal mit Nana Visitor singen oder auch mit Marina Sirtis. Brent wäre auch mal einen Duettversuch wert!

TZN: War es nicht ein komisches Gefühl, als du zum ersten Mal mit einem Trek-Schauspieler direkt hast sprechen können, nachdem du ihn vorher nur immer im Fernsehen gesehen hast?

Felsberger: Tja, das war es am Anfang sicher und ist es teilweise auch heute noch. Es kommt drauf an, wie distanziert oder offen die Schauspieler sind. Heute ist es für mich leicht, da ich durch den Technik-Job hinter der Bühne ständig mit den Schauspielern zusammenkomme und schon dadurch öfters ins Gespräch komme.

Dadurch hatte ich auch die Möglichkeit, Tim Russ 1998 zu meinem ersten FedCon-Konzert als Special Guest einzuladen. Und da wir uns gut verstanden haben, hat er mich ja heuer zu seinem Konzert als Special Guest eingeladen.

TZN: Am berühmt-berüchtigsten bei den Cons sind ja immer die Anekdoten - erinnerst du dich gerade an eine?

Felsberger: Nun, eine Anekdote zum Konzert mit Tim fällt mir ein. Ich hatte durch seine Schwester Kontakt mit ihm und er fragte mich, ob ich diesmal bei ihm Special Guest sein mochte. Ich traf ihn am Samstagnachmittag im Green Room und wir sprachen über Musik und das kommende Konzert.

Ich hatte mir zwei Wochen vor der Con seine neue CD gekauft und hatte zwei Songs einstudiert, da er meinte, ich könnte ja bei irgendeinem mitspielen. Zu meiner Überraschung meinte er aber dann in diesem Gespräch, dass sie einen der beiden Songs, die ich einstudiert hatte, gar nicht spielen würden und der andere für mich als Gitarristen zu wenig bieten würde! So meinte er, ich solle bei zwei Songs mitspielen, "Crossroads" und "Money Talks", da gäbe es für mich genug Gitarrenarbeit.

Um 18 Uhr machten wir den ersten wirklichen Soundcheck, ich steckte meine Gitarre an und spielte mit, während Neil Norman bei seinem Effektrack etwas viel zu tun hatte. Ich spielte gerade den Song mit, den ich einstudiert hatte, "Can't do it like that", und hatte ein sehr gutes Gefühl dabei. Alles verlief reibungslos und dann war der Soundcheck vorbei. Als ich bei Neil Norman vorbeikomme, meint dieser nur, ich könne nur bei einem Song mitspielen, nämlich "Money Talks". Ich war etwas verwundert, da mich ja Tim für zwei Songs eingeladen hatte. Die Jungs von der Band meinten nur, sie verstehen nicht, was da mit Neil los wäre. Ich ahnte bereits, was es sein könnte.

Als ich dann im Konzert bei "Money Talks" auf die Bühne komme, raunt mir Tim ins Ohr: "Lass Neil das erste Solo spielen und die Fills, der Schluss gehört dir!" So ist es manchmal mit den egozentrischen Gitarristen, immer Angst, zu wenig Solos spielen zu können... Mir hat es Spaß gemacht dabei zu sein und die Band meinte, also ich hätte ruhig mehr mitspielen können, aber das hätten sie wohl dem Neil nicht sagen dürfen.

TZN: Besser nicht... Zur ominösen Frage, die, wie man hörte, so manchen Con-Besucher beschäftigte: Wieso wurde dein Konzert an der letzten FedCon nicht im Programmheft angekündigt?

Felsberger: Nun, da musst du wohl die FedCon GmbH fragen. Dirk Bartholomä meinte ja, dass es vergessen wurde. Was anders wird es wohl nicht gewesen sein, oder?

TZN: Aber nein, sicher nicht... Du hast einmal gesagt, dass du auf der nächsten FedCon wahrscheinlich nicht mehr musikalisch vertreten sein wirst - was ist der Grund dafür? Nach der Sache mit dem Programmheft und einigen anderen Kleinigkeiten kamen logischerweise Gerüchte auf, du würdest dich nicht mehr allzu gut mit Dirk verstehen...

Felsberger: Interessante Gerüchte! Nun, meine Musik hat im FedCon-Team bis jetzt keine Fans gefunden und daher ist das Interesse auch nicht da, mich für ein Konzert speziell einzuladen und zu bezahlen. Da ich auch weder in Conberichten im "Star Trek Communicator" noch in der "TrekWorld", noch in der "Space View" erwähnt werde und meine Musik auch nicht vom Club vertrieben wird, liegt dieses Gerücht natürlich sehr nahe.

Tatsache ist, dass mir Dirk heuer die Möglichkeit gegeben hat wieder zu spielen, auch wenn das Teile des FedCon-Teams nicht gerne gesehen haben. Da hat man scheinbar aus der Zeit mit "Highlander" Robert Amper die gewissen Schlüsse gezogen und es ist nicht gut, wieder jemanden zu viel protegieren, wie es damals der Fall war.

Ich verstehe das auch nicht ganz, habe aber auch meine Konsequenzen gezogen. Wie sollen viele Leute zu meinem Konzert kommen, wenn es nirgends erwähnt wird oder aufscheint? Ich bin den Videoleuten Lutz Dieckmann und jetzt auch Rene von Bodisco dankbar, dass sie mich im FedCon-Video reinnehmen. Und sonst verstehe ich mich sehr gut mit Dirk...

TZN: Gibt es noch andere Möglichkeiten, wo man dich demnächst wieder live sehen kann?

Felsberger: Das hängt von den deutschen Veranstaltern ab. Die Galileo7- und Nexus Con-Veranstalter sind finanziell nicht in der Lage, mich auf ihre Cons einzuladen, schließlich scheint meine Gage sich in der Höhe von Bill Shatner oder Patrick Stewart zu bewegen, wer weiß?

Ich habe im Sommer noch ein kleines Gastspiel in Kärnten (August) und eventuell im Spätherbst in Wien (noch in Planung). Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, wieder mehr in Österreich zu spielen, eventuell wieder ein Bandprojekt, mal sehen. Bis jetzt ist auf jeden Fall niemand aus Deutschland fürs nächste Jahr an mich herangetreten. Vielleicht haben die Veranstalter ja Recht, die meinen, dass das deutsche "Star Trek"-Fandom keine Größen aus den eigenen Reihen braucht.

TZN: Hoffen wir's nicht! Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

Das Interview führte Michael Müller.

(mm - 06.06.09)

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