Michael Müller (mm)
01.08.00
Willi Wiegand im TZN-Gespräch
Das Spock-Double im Gespräch über das deutsche Fandom
Wer kennt ihn nicht, den wohl für Nicht-Trekkies bekanntesten Charakter aus allen "Star Trek"-Serien: Mr. Spock. Nun gibt es da jemanden, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht und in seiner Uniform nicht selten von Leuten für den echten Mr. Spock gehalten wird: Willi Wiegand, das deutsche Spock-Double aus Frankfurt/Main. Wir haben uns bereits im August 1999 einmal mit ihm unterhalten, damals für die 76. Ausgabe des "Daily Treks", und wollten nun - ein Jahr später - wissen, was sich seither bei ihm so alles verändert hat.
Michael Müller sprach mit Willi Wiegand unter anderem über seinen Song "Vulcan Willi", seine Meinung zur derzeitigen Lage des Trek-Fandoms und auch über seine immer wieder amüsanten Erfahrungen als deutscher Spock.
TrekZone Network: Wann hast du zum ersten Mal bemerkt, dass du Mr. Spock ähnlich siehst?
Willi Wiegand: Das hat meine Freundin vor zirka sechs Jahren entdeckt.
TZN: Hast du den richtigen Mr. Spock, also Leonard Nimoy, schon mal treffen können?
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Willi Wiegand als Spock |
Wiegand: Ich fuhr 1998 auf die FedCon, um ihn persönlich zu treffen, da im Vorfeld der Con einige Leute dafür sorgen wollten, dass es dazu kommt, was sich dann aber nicht bewahrheitete. Ich war natürlich sehr enttäuscht! Vielleicht ein anderes Mal?!
TZN: Hoffen wir's! Was machst du so, wenn du die spitzen Ohren nicht trägst?
Wiegand: Ich habe eine Lebenspartnerin, die kein Trekker ist, gehe jeden Tag ganz irdischer Arbeit nach (Angestellter in einer Bibliothek), höre gerne Musik und liebe "Star Trek" ... besonders die Classic-Serie und "Voyager".
TZN: Als wir vor einem Jahr mit dir sprachen, waren gerade die Dreharbeiten zum Fanfilm "Borg War 3" beendet, an dem neben dir beispielsweise auch der deutsche Trek-Musiker Bernd Felsberger beteiligt war. Gab es in der Zwischenzeit schon wieder neue Filme, in denen du als Vulkanier mitgewirkt hast?
Wiegand: Nein ... bisher nicht. Aber ich werde (wenn alles klappt) noch in diesem Jahr Mr. Spock in einem Fanfilm spielen. Alles noch streng geheim! Freue mich jedenfalls drauf!
TZN: Das Hobby des Doubelns wird wohl im besten Fall als kleiner Nebenverdienst reichen - für mehr wohl kaum, oder?
Wiegand: So ist es! Außer ... es käme mal ein Anruf von Paramount. Das wird aber nie passieren! Aber wenn, bist du einer der Ersten, die es erfahren werden!
TZN: Warst du schon ein großer "Star Trek"-Fan, bevor du die Ähnlichkeit mit Mr. Spock bemerkt hast?
Wiegand: Oh ja! Genau seit 1972 (ich war damals 19), als die Serie "Raumschiff Enterprise" das erste Mal im ZDF lief. Sie ließ mich nie wieder los!
TZN: Einmal Trekkie, immer Trekkie also! Auf der neuen CD "Strange Phenomena" von Bernd Felsberger bist du mit einem eigenen Song namens "Vulcan Willi" vertreten. Wie kam es dazu?
Wiegand: Da ich Bernd Felsberger auf der Kinopremiere zu "Borg War 3" kennenlernte und er und ich uns sofort gut verstanden, wurden wir im Laufe der Zeit dicke Freunde. Eines Tages rief Bernd mich an und fragte mich, ob wir uns zwischen zwei Zügen auf einen Kaffee im Frankfurter Hauptbahnhof treffen könnten, was wir dann taten.
Bernd hatte einen MiniDisc-Player dabei und fragte mich, ob ich ihm zwei oder drei Sätze für seine neue CD "Strange Phenomena" draufsprechen wolle, die er dann als "Einleitung" der CD nehmen wolle.
Er verriet mir nicht, dass er vor hatte, diese Sätze in einen Song einzubauen, den er mir widmen wollte! Der Text zu "Vulcan Willi" entstand aus einer Pseudo-Biografie, die ich mir für dumme Fragen der Presse- und TV-Journalisten ausdachte, da ich die immer wieder selben blöden Fragen und meine selben blöden Antworten, wie ich zu der Rolle des Spock kam, nicht mehr ertragen habe!
Zwei Tage vor Heiligabend 1999 hatte ich dann die neue CD von Bernd im Briefkasten. Als ich die Titel durchlas und das Booklet durchsah, traf mich fast der Schlag! Ich bin wirklich sehr stolz auf den Song "Vulcan Willi"!
TZN: Du produzierst für den Offenen Kanal Offenbach/Frankfurt eine TV-Sendung für "Star Trek"-Fans. Um was geht es in der Sendung genau?
Wiegand: Ich erzähle darin über meine Aktivitäten als deutscher Mr. Spock, zeige Filme, die ich drehte und unterhalte mich mit diversen Fans. In meiner letzten Sendung (meiner siebten) hatte ich Bernd Felsberger zu Gast.
TZN: Wo kann man den Sender überall empfangen?
Wiegand: Leider nur im Kabelnetz (Kanal 4) Frankfurt/Main, Offenbach, Neu-Isenburg, Mühlheim und Kelsterbach.
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 Das Original: Leonard Nimoy |
TZN: Viele Fans haben sich gewünscht, dass du auf der nächsten Galileo7-Con im November dieses Jahres als Gaststar auftrittst. Bis vor kurzem waren die Verhandlungen mit [dem Con-Veranstalter] Jens Stegemann noch am Laufen - ist schon eine Entscheidung gefallen?
Wiegand: Viele Fans haben sich das gewünscht? Ich weiß nur von vier Fans, die das gerne hätten!
TZN: Ich kann dir versichern, dass es einige mehr sind!
Wiegand: Ich muss dazu etwas sagen: Jens Stegemann und ich sind gute Freunde. Er hätte mich auch gerne im Nebenprogramm der Galileo7, jedoch ist keine Gage für "deutsche Stars" übrig, da die Fans ja die US-Original-Stars sehen und hören wollen und sehr verwöhnt sind, sodass die Con-Veranstalter immer mehr Stars einladen müssen, um überhaupt genügend Gäste zur Con zu locken.
Dabei bleiben natürlich Leute wie Bernd Felsberger, ich und andere aktive deutschsprachige Fans auf der Strecke. Natürlich bedauere ich das sehr! Es tut mir vor allem für die Fans Leid, die mich mögen und gerne als Spock auf der Con erleben würden! Vielleicht sollten diese Fans von mir einfach mal den Con-Machern ihren Wunsch mitteilen?
TZN: Es gibt bestimmt viele witzige Dinge, die du als deutscher Spock schon erlebt hast - kannst du uns mal einige davon erzählen?
Wiegand: Es sind zu viele! Eine erzähle ich euch: Ich war auf der "Star Trek Exhibition" in Berlin als Spock eingeladen und lief in voller Montur durch die Gänge der Ausstellung. Meine Freundin musste mal zur Toilette, die in einem dunklen Seitengang war. Ich wartete, angelehnt an eine Heizung, auf sie und bewegte mich nicht. Da kam ein kleiner Junge (etwa 6 Jahre) mit seinem Vater vorbei. Der kleine Junge schaute in den dunklen Seitengang, sah mich dort stehen ... und fragte seinen Vater, wer das sei. Der Vater antwortete: "Das ist eine lebensgroße Nachbildung von Mr. Spock!"
Als meine Freundin aus der Toilette zurückkam, lief ich mit ihr an den beiden vorbei, die inzwischen andere Exponate bestaunten. Der Kleine sah mich, drehte sich zu seinem Vater um und fragte ihn: "Wieso bewegt sich der? Der ist doch sonst nur im Fernsehen!" Der Vater drehte sich zu mir um, sah mich ... und sein Mund stand weit offen! Sein Sohn wartet sicher heute noch auf die Antwort!
TZN: Na, hoffentlich nicht! Wenn du mal in Uniform auf der Straße unterwegs bist, merken da die Leute überhaupt, dass du nicht der echte Spock bist?!
Wiegand: Die wenigsten merken es!
TZN: Die Ähnlichkeit ist auch wirklich verblüffend! Zu etwas anderem: Du engagierst dich sehr fürs Fandom, und versuchst auch, die zunehmende Passivität von einigen Fans wieder vergessen zu machen. Wie beurteilst du die derzeitige Lage des Fandoms?
Wiegand: Sehr ernst! Die Fans sind einfach zu übersättigt!
TZN: Wie erklärst du dir diese Entwicklung?
Wiegand: Es war schon immer so, dass ein paar Wenige viel fürs Fandom taten ... und die meisten konsumierten nur. Letztere sind aber dann die Ersten, die sich beschweren, dass das Club-Fanzine immer dünner wird und immer weniger Leute zum Trekdinner kommen! Sie merken nicht, dass sie selbst daran schuld sind!
TZN: Wie denkst du, kann man die "passiven Fans" wieder dazu bewegen, mehr zu machen?
Wiegand: Wahrscheinlich gar nicht! Erst, wenn es kaum noch "Star Trek"-Clubs beziehungsweise Trekdinner gibt, werden sie merken, dass sie etwas tun müssen!
TZN: Was rätst du Fans, die sich zwar engagieren möchten, aber nicht wissen wie?
Wiegand: Wenn man wirklich etwas erreichen will, kann man es auch erreichen! Die meisten Fans machen einen großen Fehler: Sie sind euphorisch, treten meistens nach Erscheinen eines neuen "Star Trek"-Kinofilms in einen Club ein, genießen die "Zusammengehörigkeit", bleiben aber passive Mitglieder und denken: "Die anderen werden schon was auf die Beine stellen!" Die wenigen wirklich Aktiven haben dann irgendwann keine Lust mehr ... daran krankt das Fandom!
TZN: Hoffen wir, dass das bald wieder besser wird! Vielen Dank fürs Interview!
Wiegand: Ich danke dir, lieber Michael!
(mm - 06.06.09)
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