|
Seitenoptionen
|





|
|
Michael Müller (mm) "Zu viele Filme setzen auf Effekte" TZN-Gespräch mit dem deutschen CG-Artist Tobias Richter Von den Enterprises über die Kelvin bis zur MIR: Es gibt kaum etwas in den unendlichen Weiten des Weltraums, was Tobias Richter noch nicht auf die Leinwände oder Bildschirme gezaubert hat. Michael Müller unterhielt sich mit dem Effektkünstler. Tobias Richter träumt nicht nur wie so viele "Star Trek"-Fans davon, eigene Welten zu erschaffen, er tut es tatsächlich auch: Der 41-jährige Effektkünstler hat mit seiner Firma schon für Paramount Deutschland, Trek-Fan-Serien wie "Highlander" und "Phase II", die FedCon sowie verschiedene Filme, Spiele und Fernsehsender gearbeitet. Der 41-Jährige ist - entgegen dem allgemeinen Hollywood-Trend - überzeugt, dass tolle Effekte allein noch keinen guten Film ausmachen. Das TZN sprach mit Tobias Richter über die Zukunft der Special Effects im Filmbusiness, die Effekte in "Star Trek XI", seine Arbeit an der aufwändigen Fan-Serie "Phase II" und über einen typischen Arbeitstag in seiner Firma in Köln. TrekZone Network: Tobias, wie bist du zu der Arbeit als Effektkünstler gekommen? Tobias Richter: Die ersten Schritte in Sachen Computergrafik habe ich vor über 20 Jahren mit dem Commodore Amiga gemacht. Seitdem hat sich das immer weiter entwickelt. Da ich Filme liebe - insbesondere Sci-Fi und Fantasy - war natürlich die Erstellung eigener Welten und Effekte immer ganz oben auf der Liste. So haben sich dann nach und nach Hobby, Beruf und entsprechende Projekte gefunden. TZN: Wann und wie kamst du erstmals in Kontakt mit "Star Trek"? Richter: In den späten 70ern habe ich "Raumschiff Enterprise" im ZDF immer gespannt verfolgt. Damals wie heute bin ich sowohl von der Atmosphäre als auch von den Effekten der Serie fasziniert. Mein erstes 3D-Modell war damals natürlich auch eine Enterprise. Seitdem habe ich das Schiff bestimmt ein gutes dutzend Mal gebaut, immer auf dem aktuellen Stand der Zeit. Das Interesse und Faible für "Star Trek" ist also nach wie vor da. TZN: Wie lange gibt es deine Firma The Light Works schon und wie viele Personen sind involviert? Richter: The Light Works gibt's in der Form seit zirka 16 Jahren, wobei das Ganze sehr langsam gewachsen ist. In den ersten Jahren war ich noch Einzelkämpfer, dann kamen nach und nach Mitstreiter hinzu. In Spitzenzeiten waren wir bis zu zehn Mann, aktuell sind wir gerade zu Fünft. TZN: Ist es in der heutigen Zeit tatsächlich möglich, dass du dich ohne andere finanzielle Abstützung voll auf The Light Works konzentrieren kannst? Richter: Die Firma zu leiten und Projekte zu akquirieren und umzusetzen ist schon ein Fulltime-Job. Erstaunlicherweise ist die Grenze zwischen Beruf und Hobby nach wie vor fließend. Einen guten Teil der "Freizeit" verbringe ich unter anderem damit, die Effekte für Projekte wie zum Beispiel "Star Trek: New Voyages - Phase II" zu erstellen. TZN: Bei diesem Fan-Projekt bist du erst seit einigen Monaten mit dabei. Was hat dich an "Phase II" gereizt? Richter: Ich hatte die Folgen im Web über die Jahre verfolgt und bewundert - denn es ist unglaublich, mit welchem Aufwand hier gearbeitet wird. Das sieht man dem Endergebnis auch an. Als mich dann vor einigen Monaten James Cawley ansprach, war ich sehr erfreut und mehr als bereit, bei diesem aufregenden Projekt mitzumachen. Abgesehen von einer "echten" Paramount-Produktion ist das vermutlich das Nächstbeste, was man im Bereich Visual Effects bei "Star Trek" machen kann. TZN: Mischen bei "Phase II" nach wie vor auch amerikanische Effektkünstler mit? Richter: Die Hauptmodelle (also zum Beispiel die Enterprise) sind bereits in LightWave für die vorherigen Folgen erstellt worden und wurden von uns übernommen und nach Maya konvertiert, da wir kein LightWave benutzen. In dem Zuge sind ein paar Detailverbesserungen erfolgt, aber das Modell ist an sich schon sehr gut. Bei der Folge "The Child", für die ich zunächst die Effekte gemacht habe, hatte ich sehr viel freie Hand. Bei der nächsten Folge "Kitumba" werde ich vermutlich enger mit den amerikanischen Kollegen zusammenarbeiten, denn dort gibt es ein wahres Feuerwerk an Effekten. TZN: Was habt ihr für Paramount Deutschland schon alles gemacht? Richter: Als damals die deutschen Videos von TOS, TNG und so weiter herauskamen, haben wir sämtliche Videocover erstellt. Zudem haben wir diverse Sondercover und Visualisierungen von "Star Trek"-Promomaterial angefertigt. In der Richtung kommen heute noch gelegentliche Nachfragen. TZN: Wieso hat Paramount nicht auch bei den DVDs auf euch zurückgegriffen? Richter: Nach und nach ist man damals aus Kostengründen dazu übergegangen, die amerikanischen Cover zu übernehmen. Sehr schade, aber eine verständliche Entwicklung. TZN: Was sagst du zur Entwicklung der Spezialeffekte in Filmen allgemein in den letzten Jahren - und zu denen in "Star Trek XI"? Richter: Auf der einen Seite ist es natürlich fantastisch zu sehen, was heutzutage alles möglich ist - und wie sich die Tools dazu immer noch weiter entwickeln. Die Kehrseite dieser Entwicklung sind allerdings immer mehr Filme, die einzig auf diesen Schauwert setzen. Da sitzt man dann im Kino und lässt eine Effektflut über sich ergehen, ohne eine emotionale Bindung mit den Figuren zu haben. Das ist dann leider eher langweilig als spannend. Ich hoffe aber, dass sich das irgendwann selbst "bereinigt", wenn das Publikum dieser Filme überdrüssig wird. Der "Star Trek"-Film hat mir in der Beziehung ausgezeichnet gefallen - das war genau die richtige Mischung. Leider waren ein paar heftige Schnitzer in Sachen Story und Logik drin, die das Vergnügen etwas gemindert haben - aber alles in allem lässt der Film auf die Zukunft hoffen. TZN: Ist eine weitere Steigerung der Qualität der Effekte überhaupt noch möglich? Wie werden die Spezialeffekte deiner Meinung nach in zehn Jahren aussehen? Richter: Wir sind schon auf einem sehr hohen Level, aber es gibt einen sehr großen Bereich, der noch verbessert werden kann - "virtuelle" Menschen, die real wirken. Alles, was in diesem Bereich bis jetzt gemacht worden ist, war zwar teilweise schon sehr nah dran, aber die letzten zwei bis drei Prozent haben gefehlt. Die sind allerdings leider auch die schwersten... Meine Hoffnung ist auch, dass die nächsten Jahre die Effekte wieder mehr in die Story eingearbeitet werden und nicht als Hauptaspekt gesehen werden. TZN: Du warst auch bei einigen Filmen der deutschen Trek-Fan-Serie "Highlander" verantwortlich für die Effekte, welche vor Jahren bei Sat.1 in den "Star Trek"-Nächten lief. Wie lief die Zusammenarbeit mit Robert Amper und seinem Team? Richter: Bei "Highlander" haben wir die Effekte für drei oder vier der Filme gemacht. Damals war "Highlander" im Bereich der Fan-Produktionen ein absolutes Highlight, dementsprechend war ich gerne mit an Bord. Bei den Drehs war ich leider nie direkt mit dabei - da München eine Ecke weg ist von Köln -, aber die Zusammenarbeit in der Postproduktion mit Robert und den anderen aus dem Team war immer sehr angenehm. Das Resultat konnte sich durchaus sehen lassen. Während viele Fan-Produktionen unfreiwillig komisch wirkten, war das hier volle Absicht - und hat gut funktioniert. TZN: Ihr habt mit The Light Works auch schon für Fernsehsender wie RTL oder den Kinderkanal gearbeitet. Was habt ihr da genau gemacht? Richter: Die Arbeiten für Fernsehsender laufen in der Regel über Agenturen, die ein Gesamtpaket anbieten - wir übernehmen dann den Part der 3D-Grafik. So haben wir für RTL einmal die MIR-Raumstation visualisiert oder auch einige Magazinvorspänne mitgestaltet. Für KiKa haben wir den Vorspann der "Tollen Sachen" mit virtuellen Versionen von Briegel, Chilli und Bernd ausgestattet, da diese im Rahmen eines Computerspiels bereits vorhanden waren. TZN: Wie viel Zeit braucht eine durchschnittliche Illustration von dir? Richter: Das hängt davon ab, wie viele Elemente komplett neu gestaltet werden müssen. Das kann für ein einzelnes Bild zwischen einem Tag und einer Woche variieren. Ein kompletter Animationsfilm wie beispielsweise der FedCon-Opener dieses Jahr dauert bis zu vier Monate. Alleine der originalgetreue Nachbau der Kelvin und der Enterprise hat jeweils zirka drei Wochen benötigt. TZN: Wie gehst du vor, wenn du eine neue Illustration entwirfst? Nimmst du wie zu alten Zeiten zuerst noch Bleistift und Papier in die Hand? Richter: Für Illustrationen mache ich mir in der Regel immer noch kleine Scribbles. Das ist schneller, als etwas auf dem Rechner zu entwerfen. Animationen werden ebenfalls mit einem groben Storyboard vorgeplant. Das erleichtert die spätere Planung und den Überblick enorm. Je nachdem, wie viele Personen an dem Projekt mitarbeiten, sind das dann richtige Storyboards oder nur kleine Scribbles. Auf Basis dessen wird dann ein Animatic gemacht, um Timing und Schnitt zu überprüfen. Dann geht es an die eigentliche Umsetzung. TZN: Wie muss sich ein Effekt-Laie denn das vorstellen, wenn ihr euch in euren Programmen an die Erstellung eines neuen oder eines bekannten Raumschiffs macht? Richter: Bei einem bekannten Raumschiff sucht man sich zunächst möglichst alle Referenzen, die man finden kann. Am besten sind dabei natürlich orthogonale Ansichten, an denen man die Proportionen abmessen kann. Anschließend modelliert man die grobe Form der Elemente und geht dann immer weiter ins Detail. Wenn das Modell dann fertig ist, wird es mit Materialien und Texturen versehen, dann folgen Lichter und eventuell angedeutete Innenräume. Man versucht ein Modell so weit vorzubereiten, dass man es hinterher einfach nur in eine Szene hineinladen muss und es sofort gut aussieht und richtig berechnet wird. Bei einem neuen Raumschiff mache ich mir zunächst Scribbles oder lasse mich von anderen Designs inspirieren. Wichtig ist bei einem Design, dass man den Zweck des Raumschiffs sofort erkennt - also zum Beispiel, ob es ein Forschungsschiff oder ein Kriegsschiff ist, ob es menschlich oder "alien" ist, und so weiter... TZN: Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei euch in der Firma aus? Sitzen da fünf Leute 20 Stunden am Stück vertieft vor ihrem Computer? Richter: Der typische Tag fängt um 10 Uhr an und geht bis 18, 19 Uhr - in denen die Artists in der Regel konzentriert an ihren Projekten arbeiten. Natürlich wird sich währenddessen ausgetauscht und Ergebnisse gegenseitig begutachtet. In Stoßzeiten kann es auch mal etwas länger gehen, aber spätestens nach neun bis zehn Stunden Arbeit lässt die Konzentration nach und man ist nicht mehr sehr effektiv. Man wundert sich dann am nächsten Morgen, was man da gemacht hat, und hat nach zehn Minuten in der Regel eine optimalere Lösung... TZN: Wird es auf der nächsten FedCon wieder etwas von dir zu sehen geben? Richter: Ich vermute schon, aber eventuell nicht in Form eines Films für die Opening Ceremony. Im Moment bin ich recht gut ausgelastet mit den Effekten für "Phase II" - und ich nehme an, dass zur FedCon dann auch neue Folgen gezeigt werden, zu denen ich die Effekte beigesteuert habe. TZN: Du warst bisher nicht nur im Science-Fiction-Genre tätig, sondern auch schon in der Fußballwelt. Wie kam es zu deiner Mitarbeit am Videospiel "Bundesliga Manager Professional" 1991? Richter: Oha - das ist aber echt lange her. Wir hatten damals eine sehr gute Zusammenarbeit mit Software 2000 - und daraus entwickelte sich auch eine Mitarbeit an deren Fußballmanager. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir damals das Intro gemacht. TZN: Kannst du uns noch etwas über "Virus Undead" erzählen, das deutsche Horrorfilmprojekt vom letzten Jahr, an dem du ebenfalls beteiligt warst? Richter: "Virus Undead" ist eine Independent-Produktion. Die Macher hatten uns angesprochen, ob wir die visuellen Effekte dafür machen können. Im Film sollten unter anderem Vögelschwärme digital erzeugt werden. Wir haben in den Jahren zuvor öfter mit ihnen im Rahmen von Musikvideos ("Loona" und andere) zusammengearbeitet, daher kannten wir uns schon recht gut. Letztendlich haben wir für den Film dann alle visuellen Effekte umgesetzt. Das sind zum einen sämtliche Szenen mit lebenden Vögeln, digitaler Rauch und Hubschrauber, dazu Wire-Removal der angeseilten Schauspieler, Vorspannelemente und diverser anderer Kleinkram. Alles in allem eine sehr interessante Erfahrung, solch ein relativ großes Projekt mit der für Independent-Produktionen obligatorischen finanziellen Knappheit durchzuziehen. Das Ergebnis ist inzwischen auf DVD erhältlich. Die Kritiken sind - sagen wir mal - geteilt... (lacht) TZN: War es einmal ein Ziel von dir, in irgendeiner Form den Sprung nach Hollywood zu schaffen, oder bist du mit der Entwicklung deiner Firma in deutschen Gefilden zufrieden? Richter: Hollywood oder generell Amerika war nie ein konkretes Thema - allenfalls, als die Spielefirma Factor 5 aus dem gemeinsamen Büro auszog und in die USA wechselte. Letztendlich bin ich aber froh, in unseren Gefilden geblieben zu sein. Die Branche hat wie alle anderen auch ihre Aufs und Abs - da werden wir auch nicht verschont, aber nach wie vor kann ich mir keinen anderen Beruf vorstellen als den, den ich ausübe. TZN: Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Richter: Ich hoffe, dass wir auch im kommenden Jahr die Möglichkeit haben, Effekte für Filmproduktionen umzusetzen. Entsprechende Gespräche gibt es, aber leider dauert das alles seine Zeit. Nach wie vor werden wir viele Grafiken für Spiele erstellen. Glücklicherweise sind die Arbeitsweisen bei beiden Themenbereichen sehr eng zusammengewachsen, sodass man mit dem erworbenen Know-how beides gut abdecken kann. Und ich freue mich natürlich darauf, weiterhin die Effekte für "Phase II" zu machen. TZN: Vielen Dank für das Gespräch! Dieses Interview ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um "Star Trek" in der Oktober-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen. (mm - 28.11.09) Weiterführende Links
|
|
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter. |
|
© TrekZone Network, 1999-2012 |
|

