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Lorenz Ulrich (ulr)27.07.02

"Enterprise": Was bringt Staffel 2?

Berman und Braga über die ersten Folgen

Brannon Braga und Rick Berman, die ausführenden Produzenten von "Enterprise", sprachen mit dem "Beacon Journal" von Ohio.com unter anderem über die Pläne für die zweite "Enterprise"-Staffel.

"Star Trek" ist daran, die eigene Weltraum-Geschichte neu zu schreiben. Eine "Enterprise"-Episode im Herbst wird im Jahre 1957 spielen und "es wird sich herausstellen, dass die Vulkanier ein Auge auf Sputnik warfen, als der Satellit startete", sagte Rick Berman, einer der Erschaffer der Serie. Noch bedeutender ist Bermans Fortsetzung, dass die Vulkanier "einen kleinen Unfall haben und im Westen Pennsylvanias landen müssen. Es stellt sich heraus, dass Zefram Cochrane nicht der erste Mensch war, der mit den Vulkaniern Kontakt hatte." Dies könnte Fans des 96er-Films "Star Trek: Der erste Kontakt" überraschen, in welchem Cochrane - gespielt von James Cromwell - den ersten Kontakt mit den Vulkaniern hatte. Und dies verankert auch T'Pol stärker in der Trek-Geschichte. Die Urgroßmutter der schönen Kommunikationsoffizierin, welche ebenfalls von Jolene Blalock gespielt wird, ist Teil der Crew, die 1957 auf der Erde landet.

"Enterprise"-Produzenten Rick Berman und Brannon Braga
Der Bericht über "Enterprise" beim "Beacon Journal" erläutert dann auch mal die gängigsten Praktiken aus dem Trek-Franchise und Brannon Braga darf vorweg Stellung beziehen: "Wir kriegen Kritik auf unsere Drehbücher an dem Tag, an welchem sie für die Mitarbeiter hier erscheinen. Die Leute veröffentlichen das Drehbuch im Internet. Es ist ein Problem. Leider lesen hunderte von Leuten die Drehbücher, darunter Casting-Agenten und alle möglichen Leute. Es ist sehr schwer zu kontrollieren, wer das Drehbuch lesen darf. Einerseits ist es sehr enttäuschend, dass schon jetzt die ganze Story des zweiten Teils der Cliffhanger-Episode von 'Enterprise' bekannt ist."

Und weil es so ist, packt Braga auch gleich aus: "Enterprise" beendete die erste Staffel damit, dass das Schiff in die Hände der Suliban fiel, und Captain Jonathan Archer wurde in eine weit entfernte Zukunft geworfen, ohne dass es einen Weg zurück zu seinem Schiff gäbe. Zu Beginn der zweiten Staffel am 18. September erlangen die Suliban die Oberhand, ein vulkanisches Gericht behandelt die Mission der Enterprise vor Gericht und "alles fährt zur Hölle", wie Braga meint. "Auf der anderen Seite aber: Besser ein Interesse, von dem man besessen ist, als gar keine Interessen. Es ist doch großartig, dass die Leute sich sogar darum kümmern, ein ganzes Drehbuch fürs Internet abzuschreiben."

Braga hat bereits versucht, sich in Online-Diskussionen um Drehbücher einzumischen, hält es aber rückblickend für keine gute Idee. "Vor vielen Jahren machte ich es und sagte wütend 'Ihr habt diese verdammte Episode noch nicht gesehen. Wie könnt ihr dann sagen, dass es eine schlechte Episode ist?'. Die Idee war einfach blöd. Es hat keinen Sinn. Und die meisten Leute glaubten sowieso nicht, dass ich es wirklich war."

Noch immer besucht Braga im Internet Chats, in denen über die Serie gesprochen wird; besonders, nachdem die Episoden ausgestrahlt wurden. "Ganz allgemein gesagt sind die Fans unglaublich deutlich und begeistert bei der Sache", sagte er. "Und es lohnt sich, die Dinge zu beachten. Gewissermaßen ist es dasselbe wie das Erhalten von Fanpost - mit der Ausnahme, dass es sehr viel aufrichtiger ist, weil sie nicht wissen, dass ich es wirklich lese. Es sind immer mal wieder Schimpfwörter dabei. Aber wenn man das aushält, gibt es wirklich sehr viel gewichtiges Feedback."

Jolene Blalock wird die Großmutter ihres Charakters T'Pol spielen
Auch wenn die Auseinandersetzung der Fans mit "Star Trek" zu harten Debatten über kleinste Details führen kann, war die Reaktion über den ersten Teil von "Enterprise" größtenteils gut. "Wir machten uns Sorgen um den Hund", meinte Braga zum Auftritt von Porthos, welcher Captain Archer durch den Weltraum begleitet. "Wir mochten die Idee des Hundes, weil er eines der Elemente ist, die die Crew menschlicher machen. Aber wir machten uns Sorgen darüber, ob die Fans sich denken würden: Schaut mal diesen Sympathie-Fänger an. Wir waren überwältigt davon, dass die Leute so positiv reagierten", sagte er. "Es ist wirklich erstaunlich. Alle lieben diesen Hund."

"Wir sind immer wieder überrascht, dass die Leute die Serie so gern haben. Wir fragten uns, was die Leute zum Konzept meinen würden, was sie über die Charaktere denken würden, welche viel lockerer sind, was sie über die Weltlichkeit und die Sinnlichkeit denken würden... Unsere Geschichten sind viel einfacher - es geht um eine Crew, welche die Dinge mit Baby-Schritten tut. Und die Leute mochten all dies. Wir sind darüber sehr glücklich."

Aber solches Glück kommt und geht. Bragas Arbeit für "Star Trek" führt über ein Jahrzehnt zurück, zu "The Next Generation". Alleine für "Enterprise" war er für 20 Episoden verantwortlich und er ist der Junior-Partner von Rick Berman und sorgt so dafür, "Star Trek" am Leben zu erhalten. Das bedeutet für ihn, Konflikten mit den Fans zu begegnen, besonders dann, wenn entscheidende Punkte wie derjenige im Dezember auf "Star Trek" zukommen. Dann nämlich kommt "Star Trek: Nemesis" in die Kinos. Der Film, bei welchem Braga selber nicht involviert ist, wird beworben als "letzte Reise" der "Next Generation"-Crew und zeigt Kate Mulgrew als Admiral Janeway mit einem Gastauftritt. Dieser letzte Film ist eine der Sachen, die dafür sorgen, dass der (Erwartungs-)Druck auf die Produzenten nie endet.

Braga gehört zu den offenen Leuten: "Ich habe einige der schlechtesten Episoden geschrieben, die je gemacht wurden", sagt er oft über sein Engagement bei "Star Trek". Nach so vielen Jahren fragen sich die Leute, ob nicht eine neue Person das Ruder übernehmen sollte. "Meine Philosophie ist aber, dass wir die richtigen Leute sind, weil wir wissen, was bereits getan wurde", meint er dazu. "Wir haben einen wirklich guten Instinkt dafür, was bereits gemacht wurde über die Jahre und wir versuchen dauernd, die Dinge vorwärts zu bringen."

(ulr - 18.06.09 - Quelle: Ohio.com)

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