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Marvin Luchs (ml), Markus Peter Populorum (mp)03.10.01

Menschen wie du und ich

Brannon Braga erläutert das "Enterprise"-Konzept

TrekGalaxy.com brachte vor einiger Zeit eine Interviewreihe mit Brannon Braga und den Hauptdarstellern der neuen Serie V - "Enterprise". Wir nahmen uns dieser Reihe an und bringen hier den ersten Teil dieser Interviews. Hier nun Brannon Braga.

Während seiner elfjährigen Arbeitszeit als Autor und Produzent im "Star Trek"-Franchise, hat Brannon Braga mehr als 50 Episoden verfasst, inklusive des erfolgreichen Finales von "Star Trek: The Next Generation", "Gestern, Heute, Morgen". Zusammen mit "Star Trek"-Boss Rick Berman hat Braga außerdem an den Kinofilmen "Treffen der Generationen" und "Der erste Kontakt" mitgearbeitet.

Er war der zweite, der ebenfalls für viele Dinge der neuen, fünften Serie "Enterprise" zuständig war, die am 26. September 2001 auf dem UP Network ihre Premiere feierte. Geführt von Scott Bakula als Captain Jonathan Archer, wird "Enterprise" die Zuschauer zu der Geburt aller "Star Trek"-Dinge zurückbringen und dabei die Abenteuer der ersten Sternenflottencrew zeigen, die in die unbekannten Mysterien des Weltalls vordringt. In seinem Büro auf dem Paramount-Gelände in Hollywood teilte der "Enterprise"-Co-Creator Braga kürzlich mit TrekGalaxy.com einen Einblick in die neue Serie.

TrekGalaxy.com: Wie wurde "Enterprise" geschaffen?

"Enterprise"-Produzent Brannon Braga
Brannon Braga: Das hat vor allem Rick Berman getan. Das Studio gab ihm den Auftrag, eine neue Serie zu entwerfen und er kam mit dieser Idee auf mich zu. Er fragte mich einmal vor zweieinhalb oder drei Jahren: "Was würdest du davon halten, eine Serie zu produzieren, die hundert Jahre vor Kirk spielt?" Wir hatten "Der erste Kontakt" zusammen gemacht und er sagte: "Was passierte zwischen 'Der erste Kontakt' und der Zeit von James T. Kirk?" Wie wurde die Menschheit so perfekt? Wie fand sie zu dem Weg, den Roddenberry vor Augen hatte?

Er dachte, es wäre bestimmt eine interessante Zeit und ich war ebenfalls sehr davon fasziniert, da ich damals schon einige Zeit für "Star Trek" geschrieben hatte und ich der Art, wie sich diese Leute unterhielten und agierten, langsam überdrüssig wurde. Und ich dachte, Mann, was für ein großartiger Weg, mal etwas Neues zu bringen. Nicht einfach nur zurückgehen und bei dem typischen "Star Trek"-Stil zu bleiben, nämlich der Erforschung des Weltalls, sondern die Charaktere auch zeitgenössischer zu machen, da sie näher an uns als an Picard und Janeway sind. Aber gleichzeitig ist es immer noch "Star Trek", nur in einer witzigen Art und Weise lebhafter und näher an der Originalserie.

Ich dachte, es war eine brillante Idee. So haben wir nicht nur einfach dem Franchise eine neue Seite hinzugefügt. Diese neue Serie ist "Star Trek", aber es gibt absolut keinen Grund, warum wir sie nicht zugänglicher machen sollten und sie zu verändern, denn es ist Zeit für eine Veränderung.

TrekGalaxy.com: Wann wurden sie gefragt, die Serie V zusammen mit Rick Berman zu entwickeln? Gab es noch andere Konzepte, außer zu den Wurzeln der Föderation zurückzukehren?

Braga: Nein, nicht wirklich. Rick und ich diskutierten einige andere Möglichkeiten, aber tief in unserem Herzen waren wir immer für dieses Konzept, und sind ihm die ganze Zeit treu geblieben. Wir haben nie wirklich etwas anderes diskutiert. Ich meine, wir redeten fünf Minuten lang über "Sternenflottenakademie", vor allem aufgrund des Gerüchtes - und wir verzichteten sehr schnell darauf, denn es wäre keine Serie der Erforschung gewesen. Die letzten beiden Serien handelten beide nicht vom Erforschen. In "Voyager" ging es die ganze Zeit darum, nach Hause zurückzukehren und "Deep Space Nine" handelte von einer Raumstation. Diese neue Serie musste zurück zu den Wurzeln von "Star Trek" gehen.

TrekGalaxy.com: Jede Trek-Serie hat ihren ganz speziellen Handlungsstrang. "Deep Space Nine" zeigte uns den heiligen Krieg und "Voyager" drehte sich um eine Crew, die ihren Weg nach Hause suchte. Wie wird es aber bei "Enterprise" sein?

Scott Bakula als Jonathan Archer war Wunschkandidat
Braga: Tja, manchmal dauert es einfach ein paar Jahre, bis man es herausfindet, aber ich würde definitiv sagen, dass es darum geht "der Erste zu sein“. Es wird davon handeln, wie es wohl ist, einfach so in das All zu fliegen. Alle sind trainierte Astronauten, aber sie fühlen sich nicht alle wohl bei dem Gedanken, auf einem Schiff mit Überlichtgeschwindigkeitsantrieb zu sein und gruselige Außerirdische zu treffen. Denn es ist das erste Mal. Es wird wieder diese Grenze geben, die mit jedem Lichtjahr überschritten wird. Jeder Schritt, den die Crew der Enterprise macht, wird genau beobachtet. Nichts wird selbstverständlich sein. Die Enterprise schreibt also Geschichte.

TrekGalaxy.com: Wie viele Episoden wird die erste Staffel umfassen?

Braga: Was soll ich sagen? Ich weiß es nicht. Ich glaube, es werden 26 sein. Wenn es aber nur 22 sein sollten, werde ich aufhören zu zittern und zu weinen und in Freudentaumel verfallen. Ich glaube aber, dass es 26 sein werden. "Voyager" hatte damals ja einige Schwierigkeiten, als die Hauptdarstellerin ersetzt werden musste.

TrekGalaxy.com: Gab es Schwierigkeiten beim Drehbeginn von "Enterprise"?

Braga: Zu Beginn gab es vielleicht noch einige Differenzen unter dem Motto "Können wir das überhaupt machen?", aber Rick und ich haben uns schnell geeinigt und waren eigentlich von Anfang an davon überzeugt, dass es richtig ist, etwas Neues zu probieren. Dann lief alles glatt, Gott sei Dank. Eine der schwersten Aufgaben war es wohl, den Captain für uns zu gewinnen, aber als Scott Bakula dann unterzeichnete, war es ein Kinderspiel. Niemand anders hatte für die Rolle vorgesprochen, wir hatten Bakula von Anfang an im Auge. Eigentlich merkwürdig, wie ruhig wir an das Thema herangingen. lacht

TrekGalaxy.com: Was war an Scott Bakula so besonders, dass Sie sich gesagt haben, er wird der Nächste sein, der den Platz in der Mitte übernimmt?

Braga: Dafür sprachen mehrere Gründe, aber vor allem die Art, wie er die Rolle angelegt hatte; ich meine seine Art Captain Archer zu sein. Es war von Anfang an eine Art Chuck Yeager. Ein Captain, mit dem man gerne mal ein Bier trinkt und zusammen lacht. Jetzt ist er auch noch heroisch und stark. Scott Bakula ist privat genau derselbe Typ. Er strahlt einfach dieses gewisse Etwas aus und er ist ein sehr guter Schauspieler. Er ist vornehm zurückhaltend und dennoch beim Publikum bekannt.

TrekGalaxy.com: Können Sie uns mitnehmen auf eine gedankliche Reise in den Raum, in den die beiden bedeutendsten Männer des "Star Trek"-Universums sitzen und ihre Ideen ausarbeiten?

Braga: Gerne. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass es ein abgedunkelter Raum wäre, in dem auf allen Seiten Hologramme zu sehen sind, aber es ist nun mal nicht anders, als wenn sich zwei Menschen über die Börse, einen Brückenbau oder was es sonst noch gibt unterhalten. Die einzige Ausnahme: Wir reden über Klingonen und Zeitreisen. Wir sitzen also da und zerbrechen uns den Kopf über Figuren, Charaktere, Storys, Handlungen usw.

Die Suliban werden die Gegner in der Serie
Zwei Jahre lang haben wir nichts anderes gemacht, als uns sieben Charaktere und eine Handlung für einen Pilotfilm zu überlegen. Die richtige Herausforderung kommt dann mit den restlichen 25 Episoden. Acht weitere haben wir ja schon, aber dann? In den Vorschauen, die [in Amerika] schon den ganzen Sommer lang gelaufen sind, haben wir bereits einen kleinen Einblick auf die Suliban, die außerirdische Rasse in "Aufbruch ins Unbekannte" ("Broken Bow") erhalten. Aber denkt immer daran, dass diese Vorspannsequenzen aus dem Rohmaterial gemacht werden. Die wahre Pracht und die Eleganz der optischen Effekte werden in der tatsächlichen Pilotfolge zehnmal besser sein. Die Suliban werden subkutane Pigmentsäcke haben, die es ihnen ermöglichen werden, sich dem Hintergrund anzupassen.

TrekGalaxy.com: Können sie uns weitere Details über das verraten, was wir nach dem Pilotfilm zu sehen bekommen?

Braga: Wenn Sie wollen. Die Suliban werden wieder auftauchen. Sie werden sozusagen die Bösewichter der neuen Serie. Wir werden den neuen kalten Krieg wieder aufgreifen, aber vor allem werden wir erforschen und jede Menge neue verrückte Sachen präsentieren. Wir werden erleben, wie ein Besatzungsmitglied ausflippt und aussteigen will, wir werden erleben, wie der Spalt zwischen Vulkaniern und Menschen wieder größer wird und wir werden eine interessante Charakterwandlung bei T'Pol erleben. Alles wird zum ersten Mal stattfinden und alleine ein Treffen zweier Raumschiffe im All ist eine besondere Begebenheit. Es macht einfach Spaß, daran zu arbeiten.

TrekGalaxy.com: Es hört sich fast so an, als würden Sie das "Star Trek"-Franchise in eine vollkommen neue Richtung steuern wollen.

Braga: Tja, warum nicht. Wir hoffen es auf jeden Fall. Es ist zwar weiterhin eine Serie mit Menschen an Bord eines Raumschiffs, also ist es nicht so radikal neu, aber es ändert sich einiges. Vor allem hatten Rick und ich noch nie soviel Spaß bei "Star Trek" wie jetzt und ich glaube, das wird das Publikum auch spüren.

TrekGalaxy.com: Was sollte das Publikum unbedingt über die neue Serie wissen?

Braga: Dass sie sehr gespannt sein sollen. Ich bin sicher, dass sie das auch sein werden. Immerhin haben sie die Gelegenheit, die Entstehungsgeschichte all der bekannten "Star Trek"-Gimmicks zu verfolgen. Und ich hoffe, dass es allen, die - wie auch ich damals, als ich für die Show zu arbeiten begann - noch nie etwas mit "Star Trek" zu tun hatten, einen Anfang ermöglicht. Ich möchte, dass sich keiner davor zu fürchten braucht, in eine Serie einzusteigen, die schon so lange läuft. Sorgen wie "Wie kann ich es je verstehen?" möchte ich zerstreuen und antworten: "Versucht es einmal, es ist nicht mehr so technisch und es ist der Anfang, also es gibt nichts, was davor war. Deswegen hoffe ich, beziehungsweise weiß ich, dass Leute einschalten werden und sagen "Weißt du was? Das ist ja eine Show über Menschen, die real sein könnten."

(ml, mp - 18.06.09 - Quelle: TrekGalaxy.com)

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