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Marvin Luchs (ml), Marcus Erbar (me) Fullers "Voyager"-Retrospektive Der ehemalige Drehbuchautor blickt zurück auf die Serie Steve Krutzler vom TrekWeb hat sich mit Bryan Fuller getroffen und mit ihm über Horror-Klassiker, seine rückblickenden Gedanken zu "Voyager" und seine Stephen-King-Projekte gesprochen. Nach seinem Abschluss an der angesehenen Filmschule der University of Southern California sollte Bryan Fuller eine der gestaltenden Einflüsse bei "Star Trek: Voyager" werden. Als freier Mitarbeiter schrieb er zwei Episoden für die fünfte Staffel von "Deep Space Nine" ("Dunkelheit und Licht" ("The Darkness and the Light") sowie "Empok Nor"), bevor er Autor und schließlich Co-Produzent bei "Voyager" wurde. Von ihm stammen denkwürdige Folgen wie "Die Drohne" ("Drone"), "Der Zeitzeuge" ("Living Witness"), "Chaoticas Braut" ("Bride of Chaotica"), "Ein kleiner Schritt" ("One Small Step") und "Friendship One", mit denen er aus dem Rahmen fiel und Geschichten erzählte, die außerhalb der traditionellen Norm verliefen. Seit dem Ende von "Voyager" 2002 war der Autor mit einer eigenen Serie für Showtime und einem Drehbuch für eine Neuauflage von Stephen Kings "Carrie" beschäftigt. Frage: Erzählen Sie uns von "Carrie", Ihrer neuen Version, die am 4. November auf NBC ausgestrahlt werden wird. Was hat Sie an diesem Projekt, dem neusten von einer ganzen Reihe von Stephen-King-Remakes, so fasziniert?
Einer der Gründe, warum dieses Projekt mein Interesse so geweckt hatte, war die Tatsache, dass es wahrhaftig ein Minenfeld war. Es gab so viele Möglichkeiten, wo es schiefgehen könnte. Ich war wie viele andere auch so wütend über "Carrie 2 - Die Rache" und entschloss mich, so etwas nicht noch einmal passieren zu lassen. Ich dachte, wenn ich dort mit eingebunden wäre, könnte ich es davor bewahren, wieder zu so einem Mist zu werden - was auch MGM und NBC beide vermeiden wollten. Da es nur ein weiteres in einer ganzen Reihe von Stephen-King-Remakes sein würde, war ich nicht eingeschüchtert. "Dead Zone" konnte sich beweisen und ist in beiderlei Hinsicht erfolgreich - was Mister A.C. Nielsen zu sagen hat und was Michael Piller und seine Truppe in kreativer Hinsicht geleistet haben. ["Dead Zone"] hat mir gezeigt, dass, wenn man dem Quellmaterial treu bleibt und ein Qualitätsprodukt hat, man immer ein Publikum finden wird. Frage: David Livingston war bei "Carrie" Line Producer. Haben Sie das Set überhaupt besucht und haben Sie und David schon zusammen an "Voyager" oder "Deep Space Nine" gearbeitet? Fuller: Ich habe einige Male mit David Livingston an "Star Trek" als Regisseur gearbeitet, und er ist wirklich einer der besten Regisseure, welche die "Star Trek"-Serien je hatten. Mit David Carson (Regisseur von "Treffen der Generationen" und "Carrie") hatte ich bisher jedoch noch nicht zusammengearbeitet. Als ich Carson für den Job in Erwägung zog, rief ich Rick Berman an und er gab mir eine enthusiastische Empfehlung. Rick meinte ohne zu zögern, dass Carson uns eine verblüffende Arbeit liefern würde und er hatte Recht. Ich war, mit Ausnahme von fünf oder sechs Tagen, bei allen 35 oder mehr Drehtagen dabei. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, mit einem so talentierten Regisseur wie David Carson zusammenzuarbeiten. Frage: Was unterscheidet diese "Carrie"-Adaption von seinen Vorgängern? Fuller: Das Remake hatte immer die Absicht, wieder zum Buch zurückzukehren und die Charaktere und Situationen zurück in eine Post-Colombine-Realität zu setzen. Die Brian-De Palma-Version hat eine wundervolle märchenhafte Qualität. Es ist in vielerlei Hinsicht ein viel unschuldigerer Film als unser Remake. Während die Charaktere im Original viel klarer in Schwarz und Weiß geschrieben sind, machten wir uns den Spaß, sie zweideutiger rüberkommen zu lassen. Sissy Spaceks Carrie ist sehr naiv und auch unschuldig. Angela Bettis' Carrie ist ebenfalls harmlos, aber sie kennt den Punkt und macht sich keine Illusionen, auf welcher Seite sie in dieser High-School-Gesellschaft steht. Piper Lauries Margaret war nicht so wackelig und klar wahnsinnig. Patricia Clarkson spielt dieselbe Rolle viel näher, mit einer leisen Energie, die gerade so entnervend ist. Viele der Unterschiede zwischen den beiden Versionen können auf einen Standpunkt zurückgeführt werden, und unser Standpunkt wurde sehr von der Zeit inspiriert, in der wir leben. In Brian De Palmas Version erkennt man die 70er-Ära der abnehmenden Naivität. Unsere Version war eine härter treffende Eigenart von fehlender Naivität - wir haben einfach nicht dieselbe Auffassung von High-School-Gewalt. Das tolle an diesem "Carrie" ist, dass man im Prinzip die identische Story hat, es aber Szenen aus dem Buch gibt, die nicht im Film waren. Darüber hinaus existieren sogar Szenen, die weder im Buch noch im Film waren, sondern die es nur in dieser Version gibt. Dies gibt uns ein etwas besseres Verständnis für die Charaktere und deren Aktionen.
Fuller: Diese Version von "Carrie" beginnt zwei Wochen nach dem Abschlussball. Dies lässt uns das Umfeld einer polizeilichen Untersuchung der Ereignisse des Abschlussballs nutzen, um die Geschichte aus der Perspektive mehrerer Überlebenden zu erzählen. Dies kommt dem erzählerischen Mittel des Buches am nächsten, welches die Geschichte durch Flashbacks und zusätzliche Informationen der Überlebenden zehn Jahre nach den Ereignissen erzählt. Es ist so, als ob die Behörden die Täter des Columbine-Massakers nicht kennen würden, um nun herauszufinden, weshalb all die Teenager gestorben sind und wer verantwortlich war. In diesem Fall sind die Charaktere von Nancy Allen (Chris) und John Travolta (Billy) (nun gespielt von Emilie De Ravin und Jesse Cadotte) die Täter, jedoch ist das, was passiert, so groß und unerklärlich, dass es niemand sicher weiß. Darüber hinaus haben wir zusätzliche Szenen zwischen Carrie und Sue Snell, Carrie und Chris, sowie Carrie und ihrer Mutter, welche die Motivation der Charaktere vertiefen. Es war besonders interessant, in den Geist des Gewalttäters zu tauchen und ihr Benehmen auf rationale Gründe zu bringen. Natürlich bin ich meinen eigenen anti-religiösen Gefühlen erlegen und habe Chris' Motivation etwas klarer gemacht: Sie hasst Carrie nicht, weil sie eine harmlose Verrückte ist, sondern weil sie tief religiös ist. Chris fühlt sich davon bedroht. Religion macht sie wütend und Carrie personifiziert all das, was sie hasst. Wir bekommen aber auch etwas mehr von der positiven Seite der Religion zu sehen. Dies kam aus einem Gespräch mit David Keith, der zumindest eine Szene wollte, in der religiöse Menschen etwas sympathischer dargestellt werden und nicht nur als fanatische Wahnsinnige. Also wird man auch diese Seite von Carrie zu sehen bekommen. Frage: Was ist die Story hinter Ihrer Showtime-Serie? Fuller: "Dead Girl" heißt jetzt "Dead Like Me". Es geht um ein junges Mädchen, das keine Ahnung hat, was sie mit ihrem Leben anstellen will. So stirbt sie und wird zum Untoten. Ich habe sehr eng mit Joe an Storys für die Show gearbeitet, sollte sie in Serie gehen. Er ist ein Quell an Ideen und wahrlich einer der kreativsten Köpfe, die ich je getroffen haben. Joe [Menosky] verfasste ein Skript für "Dead Like Me" namens "Doggie Style" und wenn es eine Serie wird, wird dies die zweite Episode nach dem Piloten. Ich hoffe, es wird seine erste von vielen. Wir haben "Dead Like Me" gestern getestet und es lief sehr gut. Drückt eure Daumen! Frage: Was machen Sie lieber? Horror oder Sci-Fi? Fuller: Ich mag es, beide Genres zu mischen. Der Film, der mich wirklich zur Science-Fiction gebracht hat, war "Alien" und der ist genauso viel Horror wie Sci-Fi. Der Ort war Science-Fiction, aber die Situation war Horror. "Carrie" sehe ich genauso. Telekinese oder jede andere paranormale Fähigkeit gehört zur Science-Fiction, aber was wir in Carrie damit machen, ist Horror. Ich weiß, dass dies meiner Glaubwürdigkeit schaden wird, aber ich habe "Jason X" geliebt - hauptsächlich wegen der Sci-Fi-Elemente, die der Autor dem "Freitag der 13."-Mythos hinzugefügt hat. Aber wenn wir über reinrassige Filme reden, muss ich sagen, dass ich Horror bevorzuge. Frage: Viele von Brannon Bragas frühen Trek-Skripts waren in Ideen verwurzelt, die man eher dem Horror als der Sci-Fi zuordnen könnte. Hat dies geholfen, ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Ihnen bei "Voyager" aufzubauen, oder war der Unterschied in der Hierarchie zu groß? Fuller: Der Autorenstab arbeitete bei "Voyager" sehr eng zusammen und da Brannon und ich sehr viel teilten, war es nur natürlich, dass wir gute Freunde wurden. Die Hierarchie war nicht immer unüberwindbar. Manchmal war es wunderbar, wenn wir einfach nur ein Haufen Leute mit gleichen Interessen in einem Raum waren und versuchten, eine wirklich coole Geschichte zu erzählen. Zu anderen Zeiten war die Hierarchie schrecklich und man wollte nur noch einigen bestimmten Leuten eins draufgeben. Frage: Was sind einige Ihrer liebsten "Voyager"-Episoden von Bryan Fuller? Fuller: Es gibt einige, auf die ich sehr stolz bin. "Die Barke der Toten" ("Barge of the Dead"), "Endstation: Vergessenheit" ("Course: Oblivion"), "Chaoticas Braut" und "Leben nach dem Tod" ("Mortal Coil") sind einige meiner Favoriten. Natürlich mag ich diejenigen mit etwas mehr Horror, wie "Barke" und "Endstation: Vergessenheit" mehr.
Fuller: Ich wollte unbedingt diese Episode machen, in der die ganze Crew stirbt und von Aliens eingesammelt wird, welche die Toten anderer Spezies reanimieren, um ihre eigene Rasse zu propagieren. Diese Story wurde dann "Arbeiterschaft" ("Workforce"), der meiner Meinung nach aber etwas gefehlt hat. Frage: "Voyager" wird nachgesagt, dass es vielleicht nur eine einzige Staffel an wirklichen Klassikern, richtigem "Star Trek", hervorgebracht hat. Wie antworten Sie darauf und was denken Sie über das endgültige Erbe der Serie? Fuller: Um fair zu sein, würde ich sagen, dass es mindestens zwei oder drei Staffeln mit Klassikern aus "Voyager" gibt. Die Hinterlassenschaft der Serie ist meiner Meinung nach die unruhige Beziehung zwischen Janeway, Seven of Nine und dem Doktor. Die besten Episoden der Serie drehten sich immer um einen dieser drei Charaktere. Für mich war die Dynamik zwischen Janeway und Seven of Nine (und ich weiß, dass ich dafür Schläge bekommen werde) viel tiefer und interessanter, als die Freundschaft zwischen Spock und Kirk. Spock und Kirk sind fantastische Charaktere, aber ihre Freundschaft war nie das Pulverfass, wie es zwischen Janeway und Seven existierte. Frage: Was meinen Sie mit Pulverfass? Geben Sie uns ein Beispiel aus einer Episode, die dies für sie deutlich macht. Fuller: "Beute" ("Prey") ist die erste Episode, welche die großartigen Dinge zwischen den beiden wirklich illustriert. Seven missachtete immer Befehle, um das zu tun, was sie für das Richtige in der entsprechenden Situation empfand. Sie konnte sich nicht weniger um Diplomatie oder die erste Direktive scheren, was sie zu einem perfekten Gegenpart zu Janeway machte. Frage: Denken Sie, dass man ein Irrenhaus nach Kathryn Janeway benennen sollte? Welche Gedanken hatte die Crew, als sie die Reaktionen der Fans lasen, die von unverhältnismäßigen und unvorhersehbaren Aktionen Janeways durch die ganze Serie hindurch sprachen.
Frage: Lassen Sie uns über "Enterprise" sprechen. Hätten Sie Interesse gehabt, sich Brannons Stab anzuschließen, oder waren Sie bereit, sich anderem zu widmen. Fuller: Um ganz ehrlich zu sein war ich mehr als bereit, mich Neuem zuzuwenden. Das heißt nicht, dass ich unter anderen Umständen geblieben wäre. Ich liebe "Star Trek" und werde "Star Trek" immer lieben, aber es ist nicht meine Serie und das war manchmal sehr frustrierend. Rick und Brannon wussten, dass ich frustriert war und sie spürten, dass mein kreatives Interesse an der Serie zu schwinden begann. Wir sind im Guten auseinandergegangen und ich habe großen Respekt vor Rick und Brannon und hoffe, mit ihnen wieder zusammenzuarbeiten. Frage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Fuller: In zehn Jahren hoffe ich mehr von dem zu tun, was ich im Moment mache. Ich genieße mein Leben und meine Karriere momentan wirklich sehr. Ich hoffe, dies noch so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. (ml, me - 07.06.09 - Quelle: TrekWeb.com) Weiterführende Links
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