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Peter Tigmann (pt)23.11.08

Fullers Lehrstunden des Lebens

Bryan Fuller über "Pushing Daisies" und "Dead Like Me"

Im Interview mit dem Home Video Magazine spricht Autor Bryan Fuller über seine Serien "Pushing Daisies" und "Dead Like Me".

Laut Serienerfinder Bryan Fuller entwickelte sich seine aktuelle Serie "Pushing Daisies" aus einer Idee, die er einige Jahre zuvor für seine damalige Serie "Dead Like Me - So gut wie tot" hatte.

Nach seiner "Star Trek"-Zeit entwickelte Fuller vor allem schräge Fantasy-Serien
Die unkonventionelle Serie, die auf dem US-Sender Showtime lief, drehte sich um eine Gruppe von Sensenmännern (und -frauen), darunter auch ein Mädchen namens George, die unter uns leben und die Seelen von denjenigen entnehmen, die gerade am Sterben sind. "Die Idee damals war, dass George auf einen Typen trifft, der Leben wiederherstellen kann", erzählt Fuller. "Es gab also eine Art Beziehung zwischen den beiden; sie nimmt Leben und er gibt es wieder zurück. Es sollte ein längerer Handlungsbogen sein, aber das Network wollte in eine andere Richtung gehen."

Fuller, ein Autorenveteran, der schon Episoden für Serien wie "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager" und "Heroes" geschrieben hat, entschied sich deshalb dafür, die Idee für seine neue Serie "Pushing Daisies" zu adaptieren. In der Serie geht es um Ned, gespielt von Lee Pace, der als kleiner Junge entdeckt, dass er tote Dinge wieder zum Leben erwecken kann, indem er sie anfasst. Berührt er sie allerdings noch mal, sterben sie endgültig.

Ned, der einen Kuchenladen besitzt, und ein Privatdetektiv (Chi McBride) schließen sich zusammen, um mit Neds Gabe Mordopfer kurzzeitig wiederzubeleben, um so herauszufinden, wer sie ermordet hat. Mit den von den Opfern erworbenen Informationen versuchen die beiden dann den Tätern auf die Schliche zu kommen, um das ausgesetzte Belohnungsgeld einzukassieren. Eines der Opfer ist Chuck (Anna Friel), eine Kindheitsfreundin von Ned. Er erweckt sie wieder zum Leben, bringt es dann aber nicht über sich, sie wieder sterben zu lassen. Die beiden lassen sich auf eine anstrengende Beziehung ein, da es keinem der beiden möglich ist, den anderen anzufassen ohne Chuck umzubringen.

"Es ist eine dieser unmöglichen Romanzen. Wir haben viel über 'Der Tag des Falken' und 'Die schöne und das Biest' gesprochen. Auch darin gab es diese Romanzen, von denen es scheint, als könnten sie niemals funktionieren. Als Zuschauer hofft man aber trotzdem darauf und hält zu diesen Charakteren", erzählt Fuller, der bei der Serie auch als Executive Producer tätig ist.

"Pushing Diasies" entwickelte sich zum Liebling der Kritiker. Und auch mit den Einschaltquoten war das Network ABC in der ersten Staffel zufrieden. Warner Home Video hat die erste Staffel, bestehend aus neun Episoden, in den USA vor kurzem auf DVD (Amazon) und Blu-ray veröffentlicht. Vor wenigen Wochen ist die zweite Staffel bei ABC gestartet. "Ich bin sehr gespannt darauf, die Blu-ray-Version zusehen. Die Serie ist sehr frisch und farbenfroh, ich hoffe mein Fernseher verkraftet das", scherzt Fuller.

Laut Fuller ist der sehr spezielle visuelle Stil der Serie so entwickelt worden, um den Zuschauern noch mehr das Gefühl zu geben, in einer Märchenwelt zu sein. "Die Idee, die Geschichte in einer Art Märchenbuchwelt spielen zu lassen, stammt daher, dass so etwas noch nicht fürs Fernsehen gemacht worden ist. Es soll eine Märchen zu besten Sendezeit sein", so Fuller.

"Pushing Daisies" gewann bei der diesjährigen Emmy-Verleihung gleich drei der begehrten Statuen. Die Serie gewann für ihre musikalische Untermalung, den besten Filmschnitt und für die beste Regie bei einer Comedy-Serie. Letztgenannte Auszeichnung ging an Filmregisseur Barry Sonnenfeld, der beim Pilotfilm der Serie Regie geführt hat und laut Fuller wesentlich mit für die Erschaffung des märchenhaften Looks der Serie verantwortlich ist. "Er hat dem visuellen Stil eine unglaubliche Pracht und Üppigkeit gegeben. Die Augen sehen so etwas einfach gerne."

Fuller bedauert, dass die DVD- und Blu-ray-Versionen nicht allzu viel Extramaterial aufzuweisen haben. Staffel Eins enthält ein Extra namens "Pie Time: Time for Pie" ("Kuchenzeit: Zeit für Kuchen"). Darin gibt es eine Reihe von Minidokumentationen zu jeder Episode. "Als der Autorenstreik zu Ende ging, kamen wir wegen dem Veröffentlichungsdatum der DVDs in zeitliche Schwierigkeiten. Die DVD-Produzenten haben angesichts der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit getan, was sie konnten. Wir planen aber jetzt schon, mehr Extramaterial für die DVDs der zweiten Staffel zu produzieren."

Für Fuller ist die wegen des Streiks gekürzte erste Staffel kein Problem. Die Geschichten, die nicht mehr erzählt werden konnten, werden jetzt einfach für die zweite Staffel adaptiert. "Wir hatten noch einige große Events für die erste Staffel geplant", erzählt Fuller. "So ist die zweite Staffel aber bedeutend spaßiger. Wir haben die Welt und die Charaktere etabliert. Jetzt will ich einfach Spaß dabei haben, dieses Universum etwas näher zu erforschen. Ich habe einen Plan für die zweite Staffel und auch schon eine Geschichte für die dritte entwickelt. Wenn wir die dritte Staffel drehen, werden wir dann planen, was wir in der vierten machen werden."

Für Fuller ist "Pushing Daisies" der dritte Teil einer Trilogie des Lebens, die mit "Dead Like Me" 2003 anfing und 2004 mit der kurzlebigen Serie "Wonderfalls" weiterging. In "Dead Like Me" hat George sich nicht wirklich um ihr Leben gekümmert, bis sie dazu gezwungen wurde, es auszuleben. In "Wonderfalls" war es Jaye, die nur griesgrämig vor sich hin lebte, bis sie dazu gezwungen wurde, mit anderen Personen zu interagieren. In "Pushing Daisies" geht es laut Fuller um Ähnliches: "Es geht darum, das Leben wieder zu umarmen, eine zweite Chance zu bekommen und sich diese nicht entgehen zu lassen." Die Gemeinsamkeiten zwischen den drei Serien sieht Fuller so: "Diese Charaktere werden gezwungen, ihre Rolle im Leben zu finden."

Fuller war an dem kommenden "Dead Like Me"-Videofilm nicht beteiligt, aber er hätte auch kein Problem, wieder zu dieser Serie zurückzukehren. "Ich würde sehr gerne noch weitere Geschichten in dem Universum erzählen, aber nicht notwendigerweise mit denselben Charakteren."

(pt - 02.12.08 - Quelle: Home Video Magazine)

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