Peter Tigmann (pt), Sebastian Kowald (sk)
02.06.01
Ken Billers "Voyager"-Lieblinge
Der Chefautor über Lieblingsfolgen und -schauspieler
Gregory L. Norris und Laura A. Van Vleet von TrekGalaxy.com haben wenige Tage vor dem Ende der Dreharbeiten zum "Voyager"-Serienfinale auf dem Set den wichtigsten Mann bei der vierten Trek-Serie getroffen: Kenneth Biller, den Executive Producer von "Voyager", der die siebte Staffel der Serie leitete. Im Interview spricht Biller über seine Lieblingsepisoden, seine Beziehungen zu den verschiedenen Cast-Mitgliedern oder auch über Dinge, die er in der letzten Staffel gerne gemacht hätte, aber nicht hat tun können.
Rund um Bühne 18 kann man laute Hämmer hören. Auf unsere Paramount-Wegkarte sehend, gehen Laura und ich so nahe heran, wie wir dürfen. Die lauten Hammerschläge sind die ersten Herzschläge von "Enterprise", der fünften "Star Trek"-Serie, die die vierte ersetzen wird. Es sind ebenfalls Signale, die den Tod von "Voyager" verkünden, der eben vierten Serie, die zu Ende geht. Ein paar Tage vor dem Ende bringt uns Ethan Phillips auf dieses abgesicherte Gelände. Wir würden uns gerne die Sets der neuen Serie ansehen, aber mit einer wahren Flotte aus Security-Teams, die das Gelände umgeben, wird das leider unmöglich.
 |
Kenneth Biller |
Nach unserem Besuch von Bühne 8, wo im Übrigen der größte Teil von "Voyager" in den letzten sieben Jahren gedreht wurde, da hier die Sets der Brücke, des Konferenz-Raumes und eines Seitenkorridors sind, treffen wir
Ken Biller. Biller hatte im letzten "Voyager"-Jahr den Posten des Executive Producers inne, nachdem
Brannon Braga diesen zwei Jahre lang ausgeführt hatte. Schnell erkennen wir, dass Biller sehr intelligent ist und auch sonst ziemlich viel auf dem Kasten hat.
"Wie geht es Ihnen heute?", fragt Gregory den Produzenten. Biller, dessen Stimme immer schneller wird, wenn er aufgeregt ist, sagt: "Ich bin müde. Heute passieren sehr viele Dinge." Nach einigen Scherzen ist das Eis schnell gebrochen und Laura fragt: "Was glauben Sie, hat 'Voyager' zum 'Star Trek'-Mythos beigetragen?"
"Wow", antwortet Biller und denkt über seine Antwort nach. "Ich denke, 'Voyager' hat einige interessante und einzigartige Charaktere beigetragen, zum einen die Stammcharaktere inklusive Kes, auch wenn sie ja schon länger nicht mehr in der Serie dabei ist, und zum anderen natürlich auch die vielen Gastcharaktere. Wir haben hier 172 Stunden Fernsehen gemacht und ich denke, dass sehr viele dieser Stunden wirklich gut waren. Ich denke dabei besonders an provozierende Episoden, aber auch an die originelle Art der Storys."
Bevor wir fortfahren können, fügt Biller noch hinzu: "Und ich denke, wir haben [dem Franchise] auch eine neue Familie hinzugefügt, eine Familie, die über all die Jahre auch zu einer richtigen Familie geworden ist. Die Crew der Voyager ist möglicherweise eine Familie, die sich - wegen der Isolation - noch näher ist als die anderen. Ich hoffe auch, dass wir über die Jahre einiges an Aufregung und Spannung geschaffen haben."
"Wir lieben 'Voyager'", erwidert Laura, "und den Cast."
"Sie sind großartig", meint auch Biller. "Ich habe Beziehungen zu ihnen allen. Einigen stehe ich näher als anderen, nicht, weil ich mir es so ausgesucht habe, sondern weil einige vom Cast mehr Zeit in Gespräche mit den Autoren und Produzenten stecken als andere. Ich habe eine sehr nette Beziehung zu Bob Picardo (Holodoc). Er ist jemand, der schon von Beginn der Serie an sehr intensiv über alles nachgedacht hat. Er ist wahrscheinlich der einzige aus dem Cast, der immer eine Idee, einen Vorschlag einbringt, oder eine Frage stellt, um die Serie ein kleines bisschen besser zu machen. Deshalb habe ich zu ihm eine sehr enge Beziehung. Ich habe auch einen sehr guten Draht zu Ethan Phillips. Er ist einer der süßesten und lustigsten Burschen dieser Erde. Ich denke, ich kann ohne einen anderen aus dem Cast zu beleidigen sagen, dass er die witzigste Person in der Serie war."
 |
 Der Cast: Biller mag sie alle |
"Er ist einfach lustig. Er bringt jeden zum Lachen", erzählt Biller weiter. "Ich denke,
Kate Mulgrew (Janeway) war eine großartige Anführerin und sie ist diejenige, die viel zur guten Stimmung im Cast beigetragen hat.
Jeri Ryan (Seven of Nine) ist ausgelassen, und ich hatte eine Menge Spaß, wenn wir mal wieder mit viel Kichern und Lachen zusammen bei einer Party gelandet waren. Ich mag
Roxann Dawson (B'Elanna Torres), und eines der wirklich lustigen Dinge, die ich in der Lage war zu tun, ist als Produzent dabei gewesen zu sein, als sie ihre Regiekarriere begann. Die zwei Folgen, bei denen sie Regie geführt hat, sind wirklich exzellente Regiearbeiten. Sie ist wirklich eine kluge Person."
"Ich habe genauso gerne mit Robbie McNeill als Regisseur zusammengearbeitet. Ich habe leider nicht als Produzent an den Episoden mitgearbeitet, bei denen Tim Russ (Tuvok) und Robert Picardo Regie geführt haben, aber ich habe wirklich gute Erfahrungen gemacht mit Roxann als Regisseur. Ich mag und respektiere wirklich den ganzen Cast. Sie arbeiteten wirklich hart. Ich weiß, es hört sich so an, als ob ich sie alle in den höchsten Tönen lobe, aber ich mag und respektiere sie wirklich alle. Für Leute, die schon sieben Jahre zusammen sind, kommen sie die meiste Zeit sehr gut miteinander aus und sie behandeln die Autoren und Produzenten sehr respektvoll."
"Sie kamen in diesem Jahr zu 'Voyager' als ausführender Produzent", wirft Lara fragend in den Raum. "Gab es Dinge, die Sie tun wollten mit der Serie, die Sie aber aufgrund der finalen Staffel nicht realisieren konnten?"
"Eigentlich konnte ich die meisten Dinge, die ich tun wollte, auch machen, da es das letzte Jahr war", erklärt Biller. "Es gab Folgen, die wir nicht in früheren Staffeln hätten produzieren können, die wir aber dieses Jahr machen konnten. Selbstverständlich war es nicht die Zeit, in der wir neue wichtige Charaktere einführen konnten - nicht dass ich das tun wollte, aber mir wurde ein Tablett übergegeben, das voll war. Und alles, was ich zu tun brauchte, war, es zu servieren. Ich kann mich nicht wirklich an etwas erinnern, was ich tun wollte und nicht habe tun können."
"Es gab Zeiten, in denen ich Storys bekam, die ich mir wünschte produzieren zu können, aber aufgrund der Natur der Serie konnte man es nicht tun. Wie zum Beispiel 'Was würde passieren, wenn X und Y nach Hause kommen würden und sich bei A und B treffen würden' - gut, sie sind nicht zu Hause, deshalb kannst du die Folge nicht machen, diese Art von Dingen meine ich. Gewiss war es eine enorme Herausforderung, diese Serie zu Ende zu bringen, auf eine Art und Weise, die zufriedenstellend aber auch überraschend für das Publikum ist, und ich hoffe, das ist uns gelungen."
 |
 "Endspiel": Einer von zahlreichen Lieblingen des Drehbuchautors |
"Haben Sie eine Lieblingsfolge, oder -folgen?"
"Es gibt eine ganze Gruppe, die ich mag", bestätigt Biller. "Ohne groß nachzudenken wären da 'Arbeiterschaft', die immer noch frisch in meinen Gedanken ist. Ich liebe die Folge 'Doktor, Dame, Ass, Spion' welche Joe Menosky schrieb. Ich liebte diese Aliens. Ich tendiere dazu, die lustigen Episoden zu mögen. Es gibt eine Folge, die eine Menge Fans nicht mögen, ich hingegen schon; 'Der Virtuose', in der der Doktor zu Elvis wird."
"'Temporale Paradoxie' war eine wirklich tolle Folge. Einer meiner Favoriten in diesem Jahr war 'Abstammung', bei der Robbie McNeill und Roxann Dawson wirklich sehr gut gespielt haben. Sie hat eine wundervolle Science-Fiction-Story, aber auch eine enorme Menge an Emotionen. Ich denke, dass es eine wirklich hervorragende Folge war. Ich mag 'Fleisch und Blut', den Zweiteiler, den wir früher gemacht haben, und auch die Episode 'Die Kooperative' ist nach wie vor einer meiner Favoriten, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. 'Von Angesicht zu Angesicht', die ich in der ersten Staffel schrieb, in der B'Elanna in zwei Hälften gespalten wird, ist ebenfalls einer meiner älteren Favoriten. Ich mag außerdem 'Temporale Sprünge', diese verrücke Zeitreise-Episode, in der Kes rückwärts durch die Zeit reist - die Chronoton-Strahlung-Vergiftung. Und um auf die Krenim zu sprechen zu kommen; ich liebte 'Ein Jahr Hölle'. Das war ein toller Zweiteiler."
"Nicht für die Crew, für die nicht!" sagt Gregory leise.
Biller gluckst. "Es gab eine Menge. Ich wünschte, ich könnte euch einen einzelnen Favoriten sagen. Wie wäre es damit: Mein Favorit ist das zweistündige Finale, 'Endspiel'. Das ist mein liebster Zweiteiler aller Zeiten!"
(pt, sk - 18.07.09 - Quelle: TrekGalaxy.com)
Weiterführende Links