Johannes Sawerthal (sa)
06.02.05
Interview mit Manny Coto
Der neue Mann am Ruder
Einige Tage bevor UPN offiziell bekannt gab, dass "Enterprise" abgesetzt wird, führte Elisabeth Shatner für TheFandom.com ein Gespräch mit "Enterprise"-Produzent Manny Coto. Er erzählte von seiner Herangehensweise an seine Arbeit.
Frage: Was genau ist Ihre Aufgabe bei "Enterprise" und wie unterscheidet sie sich von zum Beispiel Rick Bermans Arbeit?
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Manny Coto, Showrunner für die vierte Staffel |
Manny Coto: In diesem Fall gibt es eigentlich drei Bosse, wobei meine Aufgabe sich eher auf das Schreiben konzentriert. Ich entscheide weitestgehend, in welche Richtung sich die Show entwickelt. Außerdem rede ich beim Casting mit und beim Aussuchen von Requisiten und so weiter.
Rick kümmert sich um die Post-Produktion, Brannon macht auch bei den Storys mit. Wir greifen uns eben gegenseitig unter die Arme. Ich habe letztes Jahr als Autor angefangen.
Frage: In der Episode "Ebenbild" ging es ums Klonen. Wie haben Sie sich dieser Episode genähert?
Coto: Ich war sehr stolz, dass sie so gut aufgenommen wurde. Ich hatte gar nicht wirklich vor, über das Klonen zu schreiben. Ich wollte einfach eine interessante Story bringen. Ich dachte, was ist das Schlimmste, das dem Schiff passieren könnte? Dass ein Besatzungsmitglied stirbt, dachte ich und von da ging es dann weiter. Vielleicht hat Phlox irgendetwas, das Lebewesen nachahmen kann. Was mich interessierte, war eben dieses Geschöpf, das innerhalb von nur wenigen Tagen lebt und stirbt, und wie es damit umgeht. Und wie die Crew mit ihm umgeht. Es sterben lässt, um Trip zu retten und letztlich auch Milliarden von Menschen zu retten, weil die Enterprise ihren Chefingenieur brauchte, um die Mission zu erfüllen. Eine moralische Frage, ob es richtig ist, ein Lebewesen zu töten, um andere zu retten.
Frage: In "Das auserwählte Reich" übernahmen Terroristen die Kontrolle über die Enterprise.
Coto: Ja, hier ging es um religiösen Fanatismus und wo er hinführen kann. Diese Episode war weniger erfolgreich als "Ebenbild", es ging weniger um persönliches Drama.
Bei der Classic-Serie konzentrierte man sich immer zuerst auf die Unterhaltung und die Themen ergaben sich daraus. Die Beziehungen zwischen den Charakteren standen im Vordergrund. Daraus entwickelte sich das ganze "Star Trek"-Phänomen, das war einer der wichtigsten Faktoren.
Frage: Fehlt den jetzigen Charakteren eine derartige Beziehung zueinander?
Coto: Das ist die Herausforderung, eine ähnliche Beziehung zu schaffen. Es ist auch eine Frage der Besetzung. Wenn die nicht ankommt, kann man es vergessen. Als "Next Generation" erschien, konnte ich es nicht leiden. Ich wartete auf Kirk, Spock und McCoy. Die Charaktere schienen mir zu trocken und höflich. Natürlich mochte ich es dann später. Mein Bruder sagte mir, dass ich etwas versäumte, und so fing ich an, es anzusehen und es zu lieben. Sie hatten ihre eigene Richtung und erzählten tolle Geschichten.
Frage: Was sind die Gefahren eines Prequels?
Coto: Nun, ich denke, wenn es eine Serie gibt, die ein Prequel verdient, dann ist es dieses Franchise. Natürlich gibt es Probleme mit der Kontinuität. Da bin ich sehr vorsichtig, weil ich großen Respekt davor habe. Wir kennen das Franchise hier sehr gut und bemühen uns, die Kontinuität aufrecht zu erhalten. Gerade in der neusten Episode "Babel One" mussten wir höllisch aufpassen, weil wir mit Romulanern zu tun haben. Weil wir aber die Classic-Serie kennen, wissen wir, dass wir die Romulaner nicht sehen dürfen. Daher gibt es jetzt dieses ferngesteuerte Schiff, auf dem Trip und Reed gestrandet sind.
Frage: Wie sieht es aus mit Klingonen und deren Stirn?
Coto: Ja, das ist ein wichtiges Thema. Alle fragen immer danach. "Wie ist das mit den klingonischen Stirnen?" Wir beschäftigen uns jetzt mit diesem Thema und stellen hier ein wenig Kontinuität her. Wir fragten uns am Ende des Augments-Handlungsbogens, was denn wäre, wenn die Klingonen, die ja von den Augments und deren Kampfeslust beeindruckt sind, sich eigene Augments bauen würden. Das führte uns zu einer netten Erklärung. Das Thema wurde ja schon einmal bei DS9 angesprochen, Worf sagte sogar: "Wir erörtern es nicht mit Außenstehenden." Wir können es also nicht ignorieren. In der Episode geht es eigentlich mehr um das Experimentieren an sich, aber wir bringen damit eben eine kleine Erklärung.
Frage: Auch die Vulkanier sind ein wichtiges Thema bei "Enterprise".
Coto: Ja, gerade in dieser Staffel hat sich da einiges getan. Es gab eine Revolution, eine neue Regierung und eine ganz neue Philosophie. Eine Rückkehr zu allen Sitten und Gesetzen. Am Anfang von "Enterprise" waren die Vulkanier ein sehr striktes, schwieriges Volk. Ich sah es als gute Gelegenheit zu zeigen, wie sie sich entwickelten. Ich wollte sie näher dorthin bringen, wie wir sie von der Classic-Serie kannten.
Wir müssen auch hier auf die Kontinuität aufpassen. Zum Beispiel bei der Stärke der Schiffe und so weiter. Da gab es leider schon einige Fehler in den ersten Staffeln von "Enterprise", etwa mit Tarnvorrichtungen. Es gibt über 700 Stunden von "Star Trek", man muss auf so viel aufpassen, aber das macht es auch interessant.
Frage: Diese Staffel bringt sehr viele längere Handlungsbögen.
Coto: Ja, das macht es uns leichter, ausführlichere Geschichten zu erzählen. Dinge, die wir in 42 Minuten nicht ausreichend zeigen können.
(sa - 04.06.09 - Quelle: TheFandom.com)
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