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Nina Ruzicka (ru)12.05.01

Das Trek-Aus für Sternbach

Der Illustrator scheidet nach "Voyager" aus

Rick Sternbach prägte das typische Erscheinungsbild von "Star Trek" seit 1978 mit, als er für "Star Trek: Der Film" an Bord der künstlerischen Abteilung kam. Seitdem hat der Designer Unmengen an Szenenentwürfen, Schiffen und Aliens für "The Next Generation" und "Voyager" geschaffen. Einige davon sind allseits bekannt, wie die U.S.S. Voyager oder der Delta-Flyer. Nun, nach dem Ende von "Star Trek: Voyager" nimmt Sternbach von "Star Trek" Abschied. "Nicht aus freien Stücken", wie er betont.

Während er bereits seine sieben Sachen packt, um das Büro in den Paramount-Studios zu räumen, erklärte sich Rick der brasilianischen Website TrekBrasilis.com gegenüber bereit, einige Fragen zu beantworten. Er bezieht sich dabei auf den aktuellen Stand von "Star Trek" allgemein, das "Voyager"-Finale, die Entscheidung der Produzenten, auf seine weitere Mitarbeit nach "Voyager" zu verzichten sowie seine eigenen weiteren Projekte.

TrekBrasilis: Ihre erste Beschäftigung mit "Star Trek" fand 1979 statt, und zwar in "Star Trek: Der Film". Wie kam es zu Ihrem Einstieg in das Projekt und wofür waren Sie zuständig?

Sternbach prägte mit seinen Entwürfen das Aussehen des ersten Kinofilms, von TNG, DS9 und "Voyager".
Rick Sternbach: Ich hatte den Designer der Originalproduktion, Joe Jennings, Ende 1977 getroffen, als "Star Trek: Der Film" noch in der Entwicklung zur zweiten Fernsehserie, die ja ursprünglich geplant war, stand. Da es für mich dort zu jenem Zeitpunkt keinen Job gab, hinterließ ich meine Karte und einen Lebenslauf. Im April 1978, kurz bevor der Film angekündigt wurde, rief Joe mich an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, an Bord zu kommen. Natürlich sagte ich Ja. Ich fertigte eine Anzahl von Skizzen an, graphische Layouts für die Schalttafeln und Kontrollelemente des Schiffes, sowie einige Bühnenbildentwürfe. Das Ganze dauerte etwa acht Monate.

TrekBrasilis: Stimmt es, dass Sie, als Sie von der neuen "Star Trek"-Serie erfuhren, sofort Gene Roddenberry anriefen, um erneut eingebunden zu werden? Warum wollten Sie unbedingt wieder bei "Star Trek" arbeiten?

Sternbach: Ich fuhr gerade auf der Autobahn, als ich von der Neuigkeit im Radio erfuhr. Bei der ersten Tankstelle blieb ich stehen und rief in Genes Büro an. Susan Sackett, Genes Assistentin, versicherte mir, dass das Ding am Laufen wäre, und dass man eventuell meine Arbeiten sehen wolle. "Star Trek" war immer schon eine faszinierende Mischung aus interessanten Charakteren, Science-Fiction-Geschichten und Raumfahrttechnik-Designs, also allem, was mich anspricht.

TrekBrasilis: Gemeinsam mit Michael Okuda, Andrew Probert, Herman Zimmerman und anderen haben Sie entscheidend den optischen Charakter "Star Treks" über die letzten 15 Jahre geprägt. Es scheint ganz so, als habe jeder einzelne von Ihnen sein ganz persönliches Spezialgebiet. Wie wurden die Aufgaben zu den diversen Entwürfen untereinander aufgeteilt?

Sternbach: Für einen Film- und Fernsehillustrator wie mich besteht die Hauptaufgabe darin, Bilder zu zeichnen, wie man sie normalerweise nicht durch die Kamera sieht, aber auch andere Elemente, die man sehr wohl sieht, zum Beispiel die Bühnenbilder, Aufbauten und Fahrzeuge. Ein szenischer Gestalter wie Mike [Okuda] kümmert sich üblicherweise um die Dinge, die direkt am Set zu sehen sind, während der Produktionsdesigner den Überblick über die Arbeit der gesamten künstlerischen Abteilung hat.

TrekBrasilis: John Eaves, Herman Zimmerman und Michael Okuda haben bereits für die nächste Trek-Serie unterschrieben, aber Sie verlassen "Star Trek". Hätte man Sie nicht als Erstes fragen sollen, ob Sie weiter für Trek arbeiten wollen, oder gaben Ihnen Rick Berman und Brannon Braga irgendwelche Gründe an, wieso man Sie nicht für die fünfte Serie verpflichten wollte?

Die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga meldeten sich nicht bei Sternbach, als sie ihr Team für die nächste Serie zusammenstellten.
Sternbach: Ich verlasse Trek nicht aufgrund meiner persönlichen Entscheidung. Ich habe noch bevor wir die Designer-Abteilung von "Voyager" geschlossen haben gehört, dass Eaves als Designer für "Series V" unter Vertrag genommen wurde, und ich habe während den Dreharbeiten zu "Endspiel" ganz einfach darauf gewartet, ob ich ebenfalls gefragt werde, ob ich wieder an der neuen Serie mitarbeiten möchte.

Als keine Anfrage kam, habe ich meine Sachen gepackt und mich entschieden, an anderen Projekten mitzuarbeiten. Niemand vom Produktionsbüro oder von der anderen Designer-Abteilung hat auf irgendeine Weise Kontakt mit mir aufgenommen bezüglich der neuen Serie, und mir weder eine Zusage noch eine Absage für "Series V" gegeben, was - wenn man den Mangel an Professionalität ihrerseits betrachtet - einfach enttäuschend ist. Andere Mitglieder von der Crew hatten ähnliche Erlebnisse. Aber ich wurde zuletzt für die siebte Staffel von "Voyager" unter Vertrag genommen, und die Firma ist natürlich nicht verpflichtet, mir einen neuen Vertrag zu geben.

TrekBrasilis: Soviel wir bislang wissen, wird die nächste Serie zeitlich vor den anderen spielen, und es gibt eine neue Enterprise. Können Sie uns irgendetwas darüber sagen?

Sternbach: Ich weiß keinen Deut mehr darüber, als was im Internet zu lesen ist.

TrekBrasilis: Könnten Sie uns wohl Hinweise geben, welche Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines Designs stattfinden können, das zeitlich noch vor dem der originalen "Star Trek"-Serie angesiedelt ist? Wie würden Sie mit solchen Problemen umgehen?

Sternbach: Ich würde nicht behaupten, dass ein derartiges Design Schwierigkeiten mit sich brächte. Für mich wäre es bloß wichtig zu wissen, in welchem Zeitabschnitt das Ganze spielt. Der Produktionsdesigner, die Drehbuchautoren und die Produzenten liefern einem all die Informationen, die man benötigt, und nach diesen Vorgaben muss man die Ausstattung und Raumschiffe anpassen. Wir wissen ja bereits, dass es eine Pre-Classic-Serie wird, also muss man sich darüber einigen, welche technische Leistung in den Schiffen steckt, wie die Displays und Kontrollanzeigen auszusehen haben, wie die Kostüme, die Waffen und so weiter. Ich würde versuchen, eine gewisse Evolution deutlich zu machen, das heißt, einige Anklänge an das, was wir aus TOS kennen, gemischt mit heutigen Designs, und daraus eine Mischung entstehen lassen. Es wird sich nun zeigen, ob sie es auch so machen werden.

Eines von Sternbachs Designs: Die U.S.S. Voyager
TrekBrasilis: Ist es für Sie nach diesen 15 Jahren, in denen Sie für "Star Trek" Bühnenbilder und Raumschiffe entworfen haben, schwierig, mit etwas ganz Neuem anzufangen? Wie gehen Sie an diese Aufgabe heran?

Sternbach: Es ist nicht allzu schwierig, sich auf einen neuen Stil einzustellen, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Man pendelt sozusagen immer ein bisschen zwischen dem Kreieren einerseits von etwas vollkommen Neuem, etwas, das vielleicht ein bisschen zu radikal und nicht nachvollziehbar ist, und andererseits dem Kopieren etwas schon Dagewesenen, das zu sehr den altbekannten Formen ähnelt. Wesentliches Merkmal eines guten Designs ist, wenn es einen, bloß unterbewusst, an etwas Bekanntes erinnert.

TrekBrasilis: Ihre letzten Arbeiten für "Star Trek" waren für das Finale von "Voyager". Was können die Fans hier erwarten, rein optisch gesehen? Wird es viele Special Effects geben? Oder neue Schiffe, neue Sets? Neue Aliens?

Sternbach: Ich habe nicht alles gesehen, was von der Abteilung für die computergenerierten Effekte hinzukam, von mir wurden jedenfalls ein paar Entwürfe für Starfleet-Schiffe und ein paar Borg-Utensilien beigesteuert. Natürlich wird es einen Haufen neuer Visual Effects geben, allein im Drehbuch werden ja einige aufregende Raumschlachten vorgeschrieben. Was die Sets und die Aliens angeht, da wird es einige neue und einige bekannte Handlungsorte und Gesichter geben.

TrekBrasilis: Einige Leute meinen, mit "Star Trek" sei es nach dem Ende von TNG bergab gegangen. Wie sehen Sie das, und wie sind Ihre persönlichen Aussichten für den nächsten Film und die nächste Serie?

Sternbach: Ich kann wirklich nicht für das Fandom oder die allgemeinen Ansichten der Trek-Gemeinde sprechen, aber ich nehme mal an, das Franchise wird solange fortgesetzt, wie die Studios damit Geld machen, und das wiederum wird solange der Fall sein, wie die Autoren gute Geschichten schreiben und das Produktionsniveau sehr hoch ist.

TrekBrasilis: Wie stark wurden Sie in Ihrer Arbeit von Rick Berman und den anderen Produzenten beeinflusst? Gab man Ihnen ganz konkrete Angaben für die Designs, oder konnten Sie sich relativ frei entfalten?

Sternbach: Wie ich bereits in meinen Erinnerungen auf StarTrek.com erwähnte, hatte ich erstaunlich viel Spielraum für meine Raumschiff- oder Architekturentwürfe. Nur ab und zu kam eine Bemerkung der Produzenten, wenn sie irgendein Detail unbedingt mit dabeihaben wollten, und dann arbeiteten wir eben den Entwurf um und fügten diese Änderungen ein.

TrekBrasilis: Gibt es irgendeinen Entwurf, auf den Sie ganz besonders stolz sind?

Auch der Delta Flyer wurde von Sternbach entworfen.
Sternbach: Ich muss gestehen, Voyager war das Schiff, mit dem es am meisten Spaß gemacht hat zu arbeiten. Ebenso wie mit den klingonischen Schlachtkreuzern, dem Delta-Flyer und dem Ares IV-Mars-Orbiter.

TrekBrasilis: Irgendwelche Entwürfe, die weniger erfreulich waren?

Sternbach: Ich muss gestehen, mir fällt jetzt kein bestimmtes Beispiel ein. Es ist so, dass die Schiffe, die die Zuseher Woche für Woche immer wieder zu Gesicht bekommen, natürlich glaubhaft aussehen müssen, und dementsprechend viel Zeit haben wir auch für die Ausarbeitung. Was die diversen Schiffe der "Aliens der Woche" angeht - die sind auch nicht wirklich schlecht, sie könnten bloß besser ausgearbeitet sein, müssten wir uns nicht an den Zeitplan der TV-Produktionen halten.

TrekBrasilis: Neben Ihrer Arbeit für "Star Trek" hatten Sie Gelegenheit, mit Carl Sagan und Ann Druyan für die PBS-Serie "Cosmos" zu arbeiten. Wie war das für jemanden, der wissenschaftlich so interessiert ist wie Sie, mit Carl zu arbeiten? Welche Eindrücke gewannen Sie?

Sternbach: Carl war wirklich Feuer und Flamme für die wissenschaftliche Thematik wie auch für deren Verarbeitung in der Kunst, und dieser Enthusiasmus war ansteckend. Auch wenn die Leute in ihm bloß den "prominenten Fernseh-Astrophysiker" sehen - wir wussten, dass er ein Mann ist, der sich voll in den Dienst der Wissenschaft gestellt hat, auf der Suche nach den Fragen wer wir sind, woher wir kommen und gehen und was der Sinn des Ganzen ist.

TrekBrasilis: Welches waren Ihre Aufgaben bei "Cosmos"?

Sternbach: Ich war Teil jenes Designer- und FX-Teams, welches das Universum sozusagen in zweieinhalb Jahren erschaffen musste - ist doch keine schlechte Leistung für ein paar kleine Sterbliche! Ich entwarf und baute Planetenmodelle, zeichnete Storyboards für Effekte und Bildabläufe, malte riesige Panels für Raumfahrtanimationen, baute kleine Handmodelle und hatte allgemeine Verantwortung über die Planung und Gestaltung vieler Effektszenen der Serie.

Mit seinem Kollegen Mike Okuda schrieb Sternbach mehrere Begleitbücher zu "Star Trek".
TrekBrasilis: Sie haben nicht nur primär für "Star Trek" gearbeitet, sondern gemeinsam mit Michael Okuda auch Handbücher über das technische Design der Serie herausgegeben. Was denken Sie jetzt darüber? Meinen Sie, Sie könnten so die Bedeutung Ihrer Arbeit besser hervorheben, die auf dem Fernsehbildschirm meist nur sekundenlang, oft überhaupt nicht zu sehen ist?

Sternbach: Die Handbücher haben es mir sicher ermöglicht, den Lesern um einiges mehr über die Hardware und die Raumschiffe zu erzählen, wofür vielfach innerhalb einer Episode keine Zeit geblieben ist. Die 45 Minuten Spielzeit einer Folge sind nicht viel, und so waren die Bücher für jene Fans gedacht, die mehr Hintergrundinformationen und Details über die Hardwarekomponenten wollten.

TrekBrasilis: Gibt es Pläne für neue technische oder inhaltliche Handbücher? "Voyager" stünde an - was denken Sie...?

Sternbach: Da Simon & Schuster/Pocket Books [die amerikanischen Herausgeber] ihren Schwerpunkt auf "Star Trek"-Romane verlegt haben, ist es eher unwahrscheinlich, dass ich bei ihnen ein weiteres technisches Handbuch herausgebe. Ich werde aber nach wie vor über Details meiner Schiffe und allgemeine technische Fragen von "Star Trek", nicht nur "Voyager", Auskunft geben, und zwar in der Zeitschrift "Star Trek: The Magazine".

TrekBrasilis: Welche Pläne haben Sie jetzt, nach Ihrem Weggang von "Star Trek"?

Sternbach: Ich werde ganz sicher weitere Kontakte zu Film und Fernsehen knüpfen und hoffe dabei, wieder bei einer Science-Fiction-Serie einsteigen zu können. Wettbewerb ist doch gesund - nicht wahr? Außerdem arbeite ich gerade an einigen neuen Buchprojekten, die sich um zivile Raumfahrt drehen. "Ein Raumschiff für die Erde", eine Untersuchung der Möglichkeiten wiederholter Flüge zu anderen Planeten im Sonnensystem mit riesigen Massentransport-Raumschiffen.

TrekBrasilis: Nehmen Sie an "Star Trek"-Conventions teil?

Sternbach: In den letzten Jahren hatte ich nicht oft die Gelegenheit dazu, ich habe aber schon mehrmals an welchen teilgenommen.

(ru - 13.05.10 - Quelle: TrekBrasilis.com)

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