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Sebastian Kowald (sk)14.05.10

Design 40 Jahre vor dem iPhone

Interview mit Rick Sternbach über seine Trek-Anfänge

Im Gespräch mit Forgotten Trek spricht Rick Sternbach über die Entwicklung der Enterprises für "Star Trek: Der Film" und "The Next Generation" sowie von Kommunikatoren und Tricordern, die 40 Jahre vor dem iPhone ihre Entstehung feierten und die Sternbach mit seinem Team weiterentwickelte.

Designer Rick Sternbach
Im April 1978 hat Rick Sternbach seine Arbeit bei "Star Trek: Der Film" begonnen. Als Grafiker entwarf Sternbach, in Zusammenarbeit mit Mike Minor, das Layout von Bedienelementen und die Beschilderung des Raumschiffsets. Fast eine Dekade später holte man ihn, zusammen mit Andrew Probert, um Entwürfe für die neue Serie "Star Trek: The Next Generation" anzufertigen. Sternbach half dabei, das Aussehen des 24. Jahrhunderts zu definieren, und ab der zweiten Staffel fungierte er als Senior-Grafiker. Er entwarf fast alle Requisiten und Raumschiffe, welche die Markenzeichen von "Star Trek" wurden.

Sternbach arbeitete weiterhin als Senior-Grafiker für "Star Trek: Deep Space Nine" und "Star Trek: Voyager", wo er die Raumstation DS9 und die Voyager entwarf. Nach der siebten Staffel von "Voyager" wurde er nicht mehr für "Star Trek: Enterprise" engagiert, da die Produzenten entschieden, dass sie ein anderes Aussehen für die Vorläuferserie haben wollten. Allerdings kehrte er im Jahre 2002 zurück, um die Bedienelemente und die Beschilderung von "Star Trek: Nemesis" zu entwerfen.

Neben seiner Arbeit für "Star Trek"-Episoden und -Filme trug Sternbach dazu bei, Erklärungen für die gezeigte Technologie zu finden. Zusammen mit Michael Okuda schrieb er "Star Trek - Die Technik der U.S.S. Enterprise", ein bahnbrechendes Werk für "Star Trek"-Fans, welche an der Technik der Serie interessiert sind. Er zeichnete außerdem die Baupläne der U.S.S. Enterprise 1701-D.

Für "Star Trek: Der Film" arbeitete Rick Sternbach zusammen mit Michael "Mike" Minor, der als Hauptgrafiker bei dem Film mitmachte und schon an den Entwürfen für "Star Trek: Phase II" arbeitete, insbesondere an den Innensets der Enterprise. Offensichtlich wurden diese für den Film renoviert.

Forgotten Trek: Könnten Sie uns über die Arbeit mit Mike Minor berichten, und wie das Aussehen der Inneneinrichtung der Enterprise in "Star Trek: Der Film" zustande gekommen ist?

Der Tricorder im 24. Jahrhundert
Rick Sternbach: Mike Minor war definitiv eine verwandte Seele in Sachen Science-Fiction und es hat eine Menge Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Er war gut mit Bob Burns befreundet, und durch diese beiden traf ich eine Menge Leute, die Ende der Siebziger an Science-Fiction-Projekten in Hollywood arbeiteten. Mike hatte eine Menge sehr großer Tempera- oder Acryl-Entwürfe erstellt, während er zusammen mit Produktionsdesigner Joe Jennings und Haupt-Set-Designer John Cartwright an "Phase II" gearbeitet hat. Eine Menge der grundlegenden Sachen änderten sich natürlich, nachdem aus der Serie ein Film wurde. Joe Jennings zog weiter, um an "Shogun" zu arbeiten, und Harold Michelson übernahm den Job des Produktionsdesigners. Mike arbeitete weiter an der Verfeinerung von einigen Elementen zusammen mit Harold, und ich arbeitete an Kontrollelementen, Schildern, Animation Loops und dergleichen.

Forgotten Trek: Sie, zusammen mit Andrew Probert, waren unter den ersten Künstlern, die für "Star Trek: The Next Generation" engagiert wurden. Könnten Sie und von diesen ersten Monaten bei "The Next Generation" erzählen, in welchen Sie zusammen mit Andrew Probert das "Star Trek" des 24. Jahrhunderts erschufen?

Sternbach: Eines der ersten Dinge, die wir erschufen, war ein maßstabsgetreues Modell der Brücke, und dann, als Andy an den Entwürfen der Enterprise-D werkelte, fing ich an, Entwürfe für die Ausrüstungsgegenstände der Mannschaft wie Tricorder, Kommunikator und Phaser zu entwerfen.

Forgotten Trek: Wie haben Sie in Ihrem Design des Phasers zwischen der Funktion als Waffe und Gene Roddenberrys Entschlossenheit, die militärischen Aspekte von der Sternenflotte herunterzuspielen, abgewogen?

Der von Sternbach mit entworfene Phaser
Sternbach: Genes einzige Ansage an mich war, den Haltegriff abzuschaffen. Es lag an den Drehbuchautoren, sie so einzusetzen, wie Gene das wollte, obwohl wir alle wissen, dass trotzdem eine Menge Leute und Viecher mit der höchsten Stufe verdampft wurden.

Forgotten Trek: Genau wie der Phaser ist auch der Tricorder ein unverzichtbares Stück "Star Trek"-Technologie, welches für das 24. Jahrhundert modernisiert werden musste. Können Sie uns etwas über den Designprozess berichten, an dessen Ende sich der Tricorder in ein kleines, handliches Gerät verwandelte, welches aufspringt, ziemlich genau wie der ursprüngliche Kommunikator?

Sternbach: Die Tricorder waren inspiriert von einem HP-41C-programmierbaren Taschenrechner, den ich für (in dieser Zeit) ein unglaublich neues Stück Technologie hielt, und der eine erstaunliche Zahl von Funktionen beherrschte. Das grundlegende Aussehen beinhaltete eine Tastatur, Einschuböffnungen für Erweiterungsmodule und Zusatzgeräte sowie ein einzeiliges Display. Mit ein paar 24.-Jahrhundert-Anpassungen war dieses Ding perfekt geeignet und wurde zu einem gleichartig geformten und großen Gerät, das druckempfindliche Bedienelemente, Multifunktionsfarbdisplay und eine Reihe von Sensoren und Kommunikationssubsystemen beinhaltete. Und das alles lange vor dem iPod oder iPhone. (lacht)

Der Umstand, dass man es aufklappen konnte, liegt teilweise darin begründet, dass man dem Schauspieler etwas Interessantes zu tun geben wollte, da der Kommunikator zu einem einzelnen Objekt reduziert worden war. Der abnehmbare Sensor war ein anderes schauspielerfreundliches Element, das gut funktioniert hat.

Forgotten Trek: In "Star Trek: Der Film" gab es schon einmal einen vertikal angeordneten Warpkern. War die genaue Funktionsweise des Warpantriebes bereits bekannt, oder haben Sie die Materie-Antimaterie-Reaktion als Energiequelle für das Schiff ausgearbeitet?

Maschinenraum der Enterprise-D
Sternbach: Die Antriebssysteme in "Star Trek: Der Film" wurden mithilfe von Leuten wie Jesco von Puttkamer von der NASA, einigen der Designer von Bob Abelshttp://de.wikipedia.org/wiki/Paramount_Pictures Werkstatt und einigen von uns bei Paramount erschaffen. Es machte Sinn für das Kino. Der Verlust des vertikalen Kerns und der horizontalen Plasmaleitung in "Star Trek: Der Zorn des Khan" waren verwirrend, da alles, was wir sahen, eine zylinderartige Aschenlade war, die sich erhob und Spock mit Strahlung einsprühte.

Als die Zeit kam, "Star Trek: The Next Generation" zu machen, haben Mike Okuda und ich uns hingesetzt, viele Pizzas und Nudeln gegessen, und dabei alle Informationen, die wir zu Impuls- und Warpantrieb, Energieerzeugung und so weiter hatten zusammengetragen. Die ursprüngliche Serie hat viele dieser Themen angerissen, war aber nicht klar oder konsistent dabei. Also haben wir viele Notizen geschrieben, welche schlussendlich zu dem Buch "Star Trek - Die Technik der U.S.S. Enterprise" wurden.

Wie wir gesagt haben, die Leute mussten das nicht alles lesen, und die Autoren mussten keine Technikvorlesungen geben in den einzelnen Folgen, aber die Antworten waren in dem Buch, wenn man sie suchte. Ich wollte das ganze Material sortieren und in Ordnung bringen, damit es Sinn macht, und ein großer Teil basiert auf etablierter Luft- und Raumfahrttechnik und Materialverarbeitung.

Sogar die Ingenieurskunst des 23. und 24. Jahrhunderts hat ihre eigene interne Kontinuität, getrieben von zukünftigen Konzepten für Hochenergiefusion und Antimateriegeräten. Wir haben da aber nicht aufgehört, sondern viele Fortschritte in der Energiespeicherung, Waffensystemen, Kommunikationssystemen, Computertechnik und Medizin ausgearbeitet. Alles, was eine gute Science-Fiction-Serie ausmacht.

Die Enterprise-C
Forgotten Trek: Das Design der Enterprise-C aus der Episode "Die alte Enterprise" wurde inspiriert von einem frühen Entwurf der D von Andrew Probert. Könnten Sie erklären, wie es dazu kam?

Sternbach: Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, wie es dazu kam, dass der Entwurf von Andy zur Enterprise-C wurde, aber wir könnten erst mal einen Schritt zurück gehen und sicherstellen, dass wir von der gleichen Zeichnung reden. Es gibt einen Entwurf eines Schiffs, von dem ich annehme, dass es dasjenige war, welches David Gerrold in das Büro von Gene Roddenberry trug, und welches schlussendlich zur Enterprise-D wurde. Ein anderer Entwurf wurde auch als frühe Enterprise-D bezeichnet. Dieses Schiff, mit einigen kleinen Modifikationen, um eine schnellstmögliche Konstruktion eines Modells durch Greg Jein sicherzustellen, wurde die Enterprise-C, weil es zu dieser Zeit so aussah, als ob es Design-Elemente irgendwo zwischen der B und der D hatte.

Forgotten Trek: Ihr Entwurf des klingonischen Schlachtkreuzers, welcher in der Folge "Tödliche Nachfolge" auftauchte, berücksichtigte Elemente vom ursprünglichen klingonischen Raumschiff, welches von Matt Jefferies entworfen wurde. Könnten Sie uns ein bisschen mehr darüber erzählen?

Sternbach: Die Idee hierbei war es, Elemente des ursprünglichen Schlachtkreuzers (und der überdetaillierten Version aus den Filmen) mit ein paar kleinen Sternenflotteneinflüssen zu kombinieren, als ob es ein wenig Technologietransfer zwischen der Föderation und dem Klingonischen Imperium gab. Die Farbe war ein bisschen heller und kein ganz so gesättigtes Dunkelgrün, die Linien der Flügel waren ein bisschen krummer, aber am Ende immer noch leicht als klingonisch zu erkennen.

Cardassianische Galor-Klasse
Forgotten Trek: Die beeindruckenden cardassianischen Schiffe der Galor-Klasse debütierten in der Episode "Der Rachefeldzug". Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen, ein Schiff für eine Spezies zu entwerfen, die man niemals zuvor gesehen hat, und was denken Sie über den Stil, der die nachfolgenden cardassianischen Schiffe und Raumstationen inspiriert hat?

Sternbach: Ich bin ein großer Fan von ikonischen Formen, oder besser Formen, die einen irgendwie an etwas erinnern, ohne es zu offensichtlich zu machen. Die Galor-Klasse begann mit einem ägyptischen Anch, der dem Umstand geschuldet ist, dass sie wie Pharaonen für die bajoranischen Sklaven waren. Aber man sieht die grundlegende Form nicht wirklich, außer man schaut direkt auf das Schiff drauf. Die kleinen Disruptor-Pyramiden waren ein bisschen offensichtlicher, wie auch die tempelartigen Strukturen auf der Hinterseite des Schiffs, und die sandig-gelben Schattierungen.

Forgotten Trek: Können Sie uns über den Entwurf des Raumschiffs der Nebula-Klasse erzählen, welches zuerst in "Der Kampf um das klingonische Reich" aufgetaucht ist?

Sternbach: Da gibt es nicht viel zu erzählen, außer dass wir ein paar Teile der Hülle von der Galaxy-Klasse genommen und eine Sensorphalanx im AWACS-Stil oben drauf gesetzt haben. Ich kann mich nicht mehr an die genauen Anforderungen aus dem Drehbuch erinnern, aber ich glaube, dass wir die Untertassensektion kleiner machen wollten als die der 1701-D. Also baten wir um ein größeres Brückenmodul und größere Fenster. Modellbauer wie Greg Jein standen immer unter Druck wegen des engen Terminplans einer Fernsehserie. Deshalb mochten sie es immer, wenn sie Teile "wiederverwenden" konnten.

Dieses Interview ist auch zusammen mit weiteren Texten rund um "Star Trek" in der Mai-Ausgabe unseres monatlichen Magazins "Incoming Message" erschienen. Falls Sie die "Incoming Message" noch nicht abonniert haben, können Sie das Internet-Magazin zusammen mit unserem wöchentlichen Newsletter "TrekZone Weekend" hier kostenlos bestellen.

(sk - 14.05.10 - Quelle: Forgotten Trek)

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