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Henning Koonert (hk)26.02.09

Bestandsaufnahme in Sachen Trek

Ronald D. Moore nimmt kritisch Stellung

Im Interview mit TrekMovie blickte Ron Moore auf seine Zeit bei TNG und DS9 zurück. Er sprach darüber, wie er die beengenden "Star Trek"-Regeln mit "Battlestar Galactica" abstreifen konnte, was er von J.J. Abrams' "Star Trek" hält und wie Ron Moores "Star Trek: Voyager" geworden wäre.

1989 hat Ron Moore sein erstes Drehbuch für "Star Trek: The Next Generation" geschrieben. Es sollten 60 weitere für drei verschiedene Trek-Serien und zwei Kinofilme folgen. Nur Brannon Braga hat mehr für "Star Trek" geschrieben.

Die Probleme mit der "Roddenberry-Box"

TrekMovie: Fangen wir mit der dritten Staffel von "Star Trek: The Next Generation" an. Zu der Zeit sind Sie zu der Serie gekommen. Viele halten diese Phase, als Michael Piller als Showrunner übernommen hat, für eine entscheidende Zeit. Es gab viele Veränderungen und viele große Folgen kamen in dem Jahr. War es ein bewusster Versuch, die Serie zu verändern?

Moore setzt sich kritisch mit "Star Trek" auseinander, beleuchtet Schwachstellen und zeigt Wege für einen Neuanfang auf
Ron Moore: Ja, ich glaube, Michael Piller hat das als seine Aufgabe gesehen. Ich weiß nicht, ob es ein Auftrag von Gene [Roddenberry] war, der zu der Zeit noch stark in die Produktion involviert war. Und Rick Berman war damals vor Ort. Es waren also Gene, Michael und Rick [Berman], die bei der Staffel verantwortlich waren. Ich glaube nicht, dass es eine Anweisung von Gene gab, die Serie zu verändern. Ich glaube, Michael als Autor war einfach nicht damit zufrieden, wie die Serie in den ersten beiden Staffeln war. Er wollte die Charaktere auf der Enterprise stärker in den Vordergrund rücken und die Serie ihre individuellen Geschichten erzählen lassen. Er hat diese Sache forciert und die Geschichten, die wir im Autorenraum entwickelten, mehr zu Charaktergeschichten als Planet-der-Woche-Folgen gemacht.

TrekMovie: Michael Piller hat sich auf die "Roddenberry-Box" bezogen, wenn es um Regeln ging wie die, dass es keine Gier gibt, die Leute perfekt sind und so weiter. Empfanden Sie als Autor die "Roddenberry-Box" als einschränkend?

Moore: Ich glaube, das taten wir alle. Es gab in jeder Staffel eine allgemeine Übereinstimmung im Autorenraum, dass wir die Idee, es gäbe keine sinnlose Eifersucht mehr und Gier und all das, abtaten. Wir haben darüber jeden Tag geschimpft und mit wechselndem Erfolg Wege gefunden, es zu umschiffen, oder Wege gefunden, damit durchzukommen. Es war ein ständiges Problem, das uns zum Zähneknirschen brachte. Es ergab niemals logischen oder dramaturgischen Sinn. Es fühlte sich einfach nicht so an, als ob das der logische Weg wäre, den das "Star Trek"-Universum einschlagen würde.

Ich war immer der Meinung: In der Classic-Serie war das nie so. Die Classic-Serie zeigte genug Probleme mit der Menschheit, genug Eifersucht und Zankerei und sogar rassistische Vorurteile gab es im 23. Jahrhundert noch. In "Spock unter Verdacht" ("Balace of Terror") hat Stiles ganz offen Vorurteile gegenüber Spock, nur weil der Vulkanier ist. Und das war nicht das einzige Mal, dass so etwas vorkam. Dadurch gab es Dramatik und Konflikte. Das hat die Welt am Laufen gehalten.

Wenn man also all das herausnimmt, macht es das Erzählen von Geschichten sehr schwierig, wenn sie Bedeutung haben sollen, wenn sie Kanten haben sollen, weil man darauf zurückkommt, dass die Leute netter sein müssen und keine Konflikte miteinander haben. Dadurch wurde es schwierig, die Serie zu schreiben, was die Dramaturgie angeht. Wir haben immer darauf geschimpft und darüber gestöhnt. Meine persönliche Theorie ist, dass Gene ab einem bestimmten Punkt irgendwie angefangen hatte, sich selbst mehr als Visionär zu sehen statt als Autor. Er begann daran zu glauben, dass er eine utopische Zukunft erschuf und wollte das "The Next Generation"-Universum zu einem Abbild des Universums machen, von dem so viele Leute ihm erzählten, dass er es über all die Jahre erschaffen hatte. Daher ging es weniger um Dramaturgie, weniger um eine Fernsehserie und mehr darum, diese Idee zu befriedigen, was Utopie sein sollte und wie perfekt die Menschheit der Zukunft sein würde, als Beispiel dafür, wie wir unser Leben führen sollten, anstatt eine herausragende Fernsehserie zu produzieren.

TrekMovie: In der DS9-Folge "Die Karte" ("In the Cards") haben Sie auf gewisse Weise damit gespielt. Es gibt dort einen Dialog zwischen Nog und Jake, wo Nog zu Jake sagt: "Es ist nicht meine Schuld, dass du kein Geld hast." Jake sagt "Wir sind hier, um nach besserem für uns selbst zu streben." und Nog sagt "Was zur Hölle soll das denn bedeuten?" Jake hat eine Zeile aus dem Kinofilm, "Der erste Kontakt" ("First Contact"), den Sie geschrieben haben, zitiert. Haben Sie sich über sich selbst lustig gemacht?

Moore: Oh ja. (lacht) Keiner von uns wusste, was das bedeuten soll. Ich glaube, Nogs nächste Zeile ist "Was bedeutet es denn genau?" und Jake sucht irgendwie nach Worten und sagt "Es bedeutet etwas Gutes." oder so. Das ist eine seltsame Plattitüde, die wir bei der Serie benutzt haben, dass es keinen Grund für Geld mehr gäbe und sich alles darum dreht, sich selbst zu verbessern. Es ging nicht mehr um materiellen Gewinn oder persönlichen Gewinn, jeder versuchte einfach, ein besserer Mensch zu sein.

Die Zukunft war in "Deep Space Nine" nicht völlig geldlos: Man zahlte mit goldgepresstem Latinum
Niemand von uns verstand, was das bedeuten sollte oder wie diese Gesellschaft funktionieren würde. Das schien alles sehr verschwommen. Keiner der Autoren hat das ernstgenommen. Wir haben alle darüber gelacht und hatten unseren Spaß damit. Wir konnten uns nicht völlig davon verabschieden, weil es in der Struktur der Serie verankert war. Aber bei jeder möglichen Gelegenheit haben wir versucht, uns davon fortzuschleichen. Wie spielt man Poker, wenn es keine Währung gibt? Auch hier wieder, die Classic-Serie hatte Credits und Währungen und wir haben nie verstanden, warum sie damals all diese tollen Dinge machen konnten und wir nicht. Das war sehr seltsam.

TrekMovie: Hatten Sie das Gefühl, dass mit ["Deep Space Nine"-Produzent] Ira [Steven Behr] die Box aus dem Fenster geworfen wurde?

Moore: Wir waren uns da alle einig. Ira war sehr dafür, die Box aus dem Fenster zu schmeißen, aber wir wussten, dass wir das nicht wirklich machen konnten. Wir konnten nur so weit gehen und kreative Wege drum herum finden. Wir konnten das "Star Trek"-Universum nicht retten, indem wir es zerstören. Wir mussten diese Dinge an ihrem Platz lassen, weil das die Fundamente waren, auf die Gene aufgebaut hatte. Daher haben wir sie einfach umgangen, wann immer das möglich war. Zum Beispiel, wenn es keine Religion mehr geben sollte zu der Zeit in der Zukunft, obwohl sie bei der Classic-Serie eine Kapelle auf dem Schiff hatten. Zur Zeit von "Next Generation" hatte [Roddenberry] beschlossen, dass es die bedeutenden Religionen der Erde im 24. Jahrhundert nicht mehr geben würde und niemand von uns hat das auch nur eine Sekunde lang geglaubt. Es schien einfach grotesk, dass sie einfach verschwinden würden.

Das zweischneidige Schwert der Kontinuität

TrekMovie: Sie haben Wert auf durchlaufende Handlungsfäden gelegt, das war in den frühen 90ern noch eine relativ neue Idee für Fernsehserien, besonders für "Star Trek". Wurde das allgemein begrüßt oder haben Sie das eingeschmuggelt und niemand hat es bemerkt?

Moore: Ich erinnere mich daran, als wir über das Ende der Folge "Die Sünden des Vaters" ("Sins of the Father") gesprochen haben. In der Episode begann die Handlung um die Klingonen. Worf verlor seine Ehre und musste die Heimatwelt verlassen. Ich saß mit Rick [Berman] und Michael [Piller] in Ricks Büro und wir kamen irgendwie darauf... Ich sagte, dass ich das Ende gerne so mehrdeutig lassen würde, damit wir später darauf zurückkommen könnten und Rick sagte: "Okay." Und das war es auch schon, was es an Diskussion gab. Aber für größere Handlungsbögen hat das wirklich die Tür aufgestoßen. Ich glaube jedoch nicht, dass das als große Sache angesehen wurde oder als große Veränderung der Serie.

Aber wir haben weitergemacht. Michael legte Wert darauf, mit den Charakteren zu arbeiten und das begann die Serie unvermeidbar in eine Richtung zu drücken, in der die Kontinuität viel enger war und es begannen fast schon die ersten Handlungsbögen. Wenn man anfängt, die Beziehungen zwischen den Charakteren zu entwickeln und sie als Charaktere weiterentwickelt, dann möchte man das in der nächsten Geschichte fortsetzen. Und man möchte lose Enden aufgreifen. Die Autoren möchten Fäden aufgreifen, die vor drei Folgen gelegt wurden. Und dann geht der Kampf los. Man kommt an einen Punkt, an dem die ersten Memos ankommen nach dem Motto: "Das ist zu sehr aufeinander aufbauend - wir machen das nicht so." "Das Studio möchte das in beliebiger Reihenfolge an lokale Sender verkaufen und denen bindet man die Hände. Wenn sie die Folgen in irgendeiner Reihenfolge senden wollen, dann können wir sie nicht in eine Situation bringen, in der sie eine bestimmte Reihenfolge einhalten müssen. Also hört auf damit."

Aber wir haben nie wirklich aufgehört. Wir haben einfach mehr und mehr und mehr eingeschmuggelt und haben versucht, größere Bögen zu machen, denn dann war es interessanter zu schreiben. Wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, dass es um die Charaktere gehen soll, dann ist es schwer, das ohne eine Reihenfolge zu machen und ohne Kontinuität. Wenn man die Beziehung zwischen Riker und Troi in dieser Folge verändert und dann nächste Woche nicht beachtet wird, was man in der Vorwoche gesehen hat, dann macht das keinen Sinn.

Plot dagegen ist für sich viel einfacher. Die Enterprise taucht auf, es gibt eine Geschichte mit einigen Außerirdischen, irgendeine Krise, die Enterprise fliegt weg und man hat nie wieder mit den Außerirdischen zu tun. Aber die Charaktere verändern sich von Woche zu Woche. Die Zuschauer erwarten (und die Autoren wollen das auch), dass die Veränderungen, die man mit den Charakteren anstellt, auch in der nächsten Woche wieder ausgespielt werden. Es gab also ein Spannungsfeld zwischen einerseits der Tatsache, dass wir eine charakterorientierte Serie gemacht haben und dem Druck andererseits, die Reihenfolge nicht zu wichtig werden zu lassen. Damit haben wir mal mehr, mal weniger erfolgreich gerungen.

TrekMovie: Wurde das mit "Deep Space Nine" weniger streng? Warum hat man bei DS9 solche Handlungsbögen erlaubt, bis hin zu dem Punkt, an dem sie fast eine gesamte Staffel einnahmen?

Die Raumstation DS9 blieb am gleichen Fleck des Universums und bot somit die Plattform für mehr Kontinuität
Moore: Ich denke, das liegt am Stoff der Serie selbst, auf eine Art, die es bei den übrigen Serien nicht gab. Die Serie selbst handelte von Raumstation, die nirgendwohin ging und so blieben auch die Handlungsbögen hängen. Die Enterprise, wie ich vorhin schon sagte, konnte für eine einzelne Folge einen Planeten anfliegen und dann weiterziehen. Bei "Deep Space Nine" und allem, was auf der Station geschah, tja, in der nächsten Woche ist man immer noch auf der Station. Auch Bajor ging nicht einfach weg. Daher musste man mit diesen Geschichten spielen. Man konnte nicht in der einen Woche eine große Veränderung in der politischen Struktur auf Bajor vornehmen und es dann in der nächsten Woche ignorieren. Man musste das weiterführen. Kiras Geschichte und die Beziehung zu den Bajoranern musste sich weiterentwickeln, Siskos genauso und sie hatten eine Langzeitmission. Sie hatten den Auftrag, Bajor in die Föderation zu bringen. Das allein bedeutete, dass man an der Stelle einen Handlungsbogen hatte.

Die Runabouts waren zu Beginn dafür gedacht, ihnen die Chance zu geben, von der Station wegzukommen und Einzelepisoden zu erzählen, was ja auch gemacht wurde. Die gab es in allen Staffeln, aber die Fundamente lagen auf der Station und die Station bewahrte alle Handlungsbögen und wir setzten sie fort und setzten sie fort, bis schließlich Rick und das Studio die Hände hochrissen und ab einem gewissen Punkt aufgaben und sich auf "Voyager" konzentrierten. (lacht) Die verrückten Produzenten und der Autorenstab von "Deep Space Nine" hörten nicht auf sie und die Serie schien auf keine andere Art zu funktionieren... Wen interessiert's. Daher haben wir bis zu einem gewissen Grad einfach gemacht, was wir wollten.

TrekMovie: Was Kontinuität angeht, wurden Sie kürzlich mit den Worten zitiert "'Star Trek' hat zu viel Kontinuität." Halten Sie es für Ironie, dass Sie in den 90ern derjenige waren, der für mehr Kontinuität eintrat und jetzt sagen, es gebe zu viel davon?

Moore: Ja, das ist Ironie. Ich weiß das zu schätzen. Als ich anfing, denken Sie daran, gab es genau drei Staffeln der Classic-Serie und sechs Filme und zwei Staffeln "Next Generation". Es war nicht schwierig, damit klarzukommen. Man konnte im Autorenraum sitzen und alles im Kopf haben. Am Ende von "Next Generation" war das noch möglich. Als wir tiefer in "Deep Space Nine" hineingerieten, wurde das langsam schwieriger. Als dann "Voyager" entwickelt wurde und gleichzeitig mit "Deep Space Nine" lief, trieb uns das ein wenig in den Wahnsinn. Denn als Autor will man Dinge in dem einen Moment erschaffen. Man will, dass etwas sofort geschieht.

Man will einen Charakter über ein Erlebnis sprechen lassen und einen Sternenflottencaptain einführen und ihn in eine Szene einführen und sie über eine gemeinsame Mission von vor 20 Jahren sprechen lassen und sie erinnern sich, wie sie dem romulanischen Botschafter auf irgendeinem Außenposten begegnet sind und dieses seltsame Abenteuer mit ihm erlebt haben. Das will man sich ausdenken können. Man kommt an den Punkt, an dem man sich eine Szene ausdenkt und irgendjemand sagt "Tut mir Leid, aber vor 20 Jahren war der romulanische Botschafter da nicht." und man sagt "Macht nichts, wie schaut's mit dem tholianischen Botschafter?" "Öh, nein, sorry. In der und der Folge und diese Folge bei 'Voyager' zeigt, dass die Tholianer hier drüber gewesen wären..." Man fühlt sich wie in einem Käfig. Man wird sich der Fesseln dessen, was man tun kann und was nicht, immer mehr bewusst. Und Hintergrundgeschichten und Anekdoten und persönliche Geschichten müssen alle mit dieser riesigen Karte in sich verschlungener Punkte der Kontinuität übereinstimmen und es entwickelt sich zu einer unglaublichen Zwangsjacke.

Der Verlust an Kreativität ist tiefgreifend und man fängt an, nur noch mehr und mehr zwischen den Linien auszufüllen anstatt neue und bewegende Geschichten zu erzählen. Dazu kommt die einfache Wahrheit, dass man es nicht fehlerfrei hinkriegt. Wir holten uns technische Berater ans Set, wie die Okudas in der künstlerischen Abteilung, die die ganze Kontinuität für uns im Auge behielten. Die wurden mit der Zeit immer nützlicher. Aber es ist frustrierend, im Autorenraum Geschichten zu entwickeln und dann innehalten zu müssen und sich fragen: "Funktioniert das? Verletzt das die Kontinuität?" Und dann muss man Leute anrufen und Enzyklopädien konsultieren und Informationen heraussuchen. Man will es alles im Kopf behalten können und damit spielen. Das Trek-Universum ist an einem Punkt angelangt, an dem man einfach nicht mehr spielen kann. Es wird einfach abstoßend. Ich denke, für neue Zuschauer, die sich mit diesem neuen Universum beschäftigen sollen, ist es noch abstoßender. Wie versteht man und merkt man sich all diese Verweise? Es ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr zu durchdringen.

Daher war ich ein großer Fürsprecher davon, einfach alles beiseite zu schieben und neu anzufangen. Okay, das war Version eins von Trek. Liebt es. Feiert es. Schaut es euch auf immer und ewig an, wenn es euch gefällt, nur zu. Lasst uns Version zwei anfangen, lasst uns ein anderes Raumschiff Enterprise haben mit Kirk, Spock und McCoy und lasst uns eine andere Version der Abenteuer erzählen. Schauen Sie sich Shakespeare an. Wie viele Versionen von "Antonius und Cleopatra" kann es auf der Welt geben? So viele, wie Sie sich nur denken können.

Moore befürwortet ein "Star Trek: Version 2" wie es in "Star Trek XI" zum Zuge kommt
Lasst uns einfach anders daran herangehen und Energie daraus ziehen und uns keine Sorgen über all die Hintergrundgeschichten machen und uns nicht damit aufhalten, wann wir zum ersten Mal die Romulaner hätten sehen sollen. Müssen wir jetzt wirklich sagen, dass wir niemals eine andere Geschichte mit den Romulanern erzählen können als dass sie das erste Mal, als ein menschliches Wesen sie zu Gesicht bekam, aussahen wie Spocks Vater? Wir haben uns jetzt alle dem verschrieben, obwohl es irgendwie hakt und es wahrscheinlich einen besseren Weg gibt, die Romulaner-Geschichte zu erzählen, als sich auf diesen Gedanken zu verlassen. Es scheint so, als ob man Freiheit will. Man will, dass Trek Spaß macht. Also, lasst es Spaß machen.

Der Kampf gegen Klischees - Ideen für ein anderes "Star Trek"

TrekMovie: Bei vielen Ihrer Drehbücher, wenn man sich zu Beispiel "Datas Tag" ("Data's Day") anschaut, verliert die Enterprise, das ist keine Gewinnsituation, wenn man übertölpelt wird. In "Wiedervereinigt" ("Rejoined") haben Sie den Kuss, in "Familienbegegnungen" ("Family") gibt es keine Sci-Fi-Handlung und in "Dr. Bashirs Geheimnis" ("Dr Bashir, I Presume") bekommt einer der Charaktere plötzlich eine dunkle Vergangenheit. Gab es großen Widerstand von oben, als sie mit diesen Ideen die gewöhnliche Form durchbrachen?

Moore: Es gab einen kleinen Kampf. Ich kämpfte irgendwie immer dafür, die Geschichten in eine dunklere Richtung zu lenken oder mehrdeutig enden zu lassen oder die Enterprise von Zeit zu Zeit verlieren zu lassen. Viel davon hatte damit zu tun, etwas anders zu machen. Ich glaube, ich habe bewusst versucht, Erwartungshaltungen zu durchbrechen. Wir haben jedes Jahr so viele Folgen gedreht, 26 pro Jahr, was unfassbar erscheint...

TrekMovie: Na ja, jetzt machen Sie 20 [bei "Battlestar Galactica"].

Moore: Hey, dazu muss ich sagen, die sechs mehr machen einen großen Unterschied. (lacht) Irgendwann rund um Folge 18 hat man bei Trek angefangen mit den Augen zu rollen. Mir hat Folge 18 immer den Rücken gebrochen. "Oh Gott, wir müssen noch acht Stück machen ... wie kriegen wir noch acht mehr hin?" Es hat einen umgebracht.

TrekMovie: Kleben Sie ein bisschen Latex auf ein paar Stirnen und das wird schon...

Moore: Oh ja, das war bescheuert. Wir haben so viele Folge gemacht. Wir hatten diese große Tafel mit "Star Trek"-Klischees drauf. Nach jedem Verkaufsgespräch, denn wir hatten Unmengen von Leuten, die vorbeikamen, um ihr Drehbuch zu verkaufen, gingen wir Autoren alle schadenfroh an die Tafel und notierten, wie viele Trek-Klischees wir an dem Tag gehört hatten: Data wird menschlich, Data wird Gott, sie entdecken einen Planeten, der sich als Lebewesen herausstellt... Es gab all diese Kategorien und wir haben sie alle abgehakt, um nicht verrückt zu werden.

Daher und weil es so viele Trek-Klischees gab und Wege, Folgen zu machen, suchte ich immer nach der einen, die anders war. Ich war auf der Suche nach der, die wir noch nicht gemacht hatten. Na ja, wir hatten noch keine, in der die Enterprise verliert. Das allein reichte aus, damit ich eine solche schreiben wollte. Wir hatten noch keine, die in trüber Stimmung endet. Wir hatten keine, in der Picard den Typen tötet, anstatt ihn zu retten. Ich war immer derjenige, der argumentierte und kämpfte und mit Dosen umher schmiss, um etwas anderes auszuprobieren und die Serie in Richtungen zu lenken, in die sie manchmal nicht gehen konnte. Die Produzenten hatten manchmal Recht. Ich versuchte einfach, eine Richtung einzuschlagen, in der "Star Trek" keinen bequemen Platz finden konnte.

TrekMovie: Halten Sie "Battlestar Galactica" für einen logischen Nachfolger von "Deep Space Nine"?

Moore: Ich denke, sie haben einen gemeinsamen Ursprung. Viele Dinge, die ich in "Battlestar" umsetze, erblickten zum ersten Mal im Autorenraum von "Deep Space Nine" das Licht der Welt. Dinge, von denen wir sagten, dass wir sie nicht umsetzen konnten. Charakterentwicklungen, die wir nie verwirklichen konnten. Wir haben immer versucht, die Charaktere in "Deep Space Nine" aufzumischen und sie versagen zu lassen wo immer möglich, aber man kann nur bis zu einem bestimmten Punkt mit ihren Fehlern gehen.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht, was fehlerhafte Charaktere angeht, mit mehr Ecken und Kanten und hat mich mutiger gemacht dahingehend, was die Zuschauer an Hauptdarstellern tolerieren und was es bedeutet, eine Kriegsserie zu schreiben. Unser Krieg gegen das Dominion in "Deep Space Nine" und die Grenzen, wie weit man damit gehen konnte und wie fies es sein durfte und wie schwierig es sein konnte und wie weit man mit den Charakteren in einem Zustand des permanenten Krieges gehen konnte, da hat mein Denkprozess eingesetzt.

TrekMovie: Sie waren alle bei "Deep Space Nine" irgendwie auf sich allein gestellt und die sonderbaren Typen...

Moore: Ja, wir waren irgendwie stolz darauf, die unehelichen Stiefkinder des Trek-Franchise zu sein. Wir waren die einigen, die wirklich anders waren. All die anderen Serien handelten von einem Schiff, das mutig irgendwohin ging, und wir nicht. Wir waren da stolz drauf. Und wir waren stolz darauf, nicht dieselbe Aufmerksamkeit zu bekommen, die Vergessenen zu sein. Das haben wir Autoren wie eine Auszeichnung mit uns getragen.

Ich glaube, da wurde eine Möglichkeit verschlafen, indem man nicht ausgeweitet hat, was das Franchise an sich ausmacht. Man hat eine Serie mit einem Raumschiff gemacht, dann gab es diese vollständig andere Serie mit einer Raumstation. Okay, dann hätte man eine andere Version machen können, die sich radikal von den beiden vorherigen unterscheidet. Ich halte es für eine unglückliche Entscheidung, dass sie einfach wieder zu einem Raumschiff zurückgekehrt sind und im Grunde eine neue Version der Classic-Serie oder "Next Generation" gemacht haben.

Das "Voyager"-Konzept engte die Möglichkeiten von "Star Trek" ein statt sie zu erweitern, meint Moore
TrekMovie: Sie meinen mit "Voyager" und "Enterprise"?

Moore: "Voyager" und "Enterprise" sind im Grunde dasselbe Format. Klar, man hat andere Besatzungen und eine andere Mission in jeder Serie, aber man ist wieder bei der Idee angelangt, dass "Star Trek" ein Raumschiff ist, das mit einem großen Bildschirm irgendwohin fliegt, und so musste Trek sein und ich hatte das Gefühl, dass wir bewiesen hatten, dass Trek nicht so sein musste und das hieß für mich, dass es auch viele andere Dinge sein konnte. Ich wollte immer, dass das Franchise herausfindet, was diese anderen Dinge hätten sein können.

TrekMovie: Es wurde viel darüber geschrieben, wie Sie nach dem Ende von "Deep Space Nine" für sehr kurze Zeit zu "Voyager" gingen und dann die Serie einfach verließen, vielleicht nicht ganz so friedlich. Was ist damals zwischen Ihnen und Brannon [Braga] vorgefallen?

Moore: Das liegt in der Vergangenheit. Das sollte man ruhen lassen und ich will mich nicht detailliert dazu äußern. Im Grunde bin ich dahin gewechselt. Das hätte ich wahrscheinlich nicht machen sollen. Ich hätte wohl damals das Nest verlassen sollen und eine saubere Trennung vornehmen. Ich ging dorthin mit anderen Vorstellungen als denen, die die Serie lieferte, sowohl kreativ als auch intern. Und Brannon und ich gerieten aneinander und hatten einen professionellen und persönlichen Zusammenstoß und ich habe dann beschlossen, dass ich so nicht arbeiten will. Ich war immer sehr stolz darauf, dass es während meiner ganzen Zeit bei "Star Trek", während zehn Jahren, nur zwei Tage gab, an denen ich nicht zur Arbeit kommen wollte. Dann war ich bei "Voyager" und fühlte, dass ich an keinem einzigen Tag mehr zur Arbeit kommen wollte, daher habe ich dann gekündigt, weil ich so nicht arbeiten wollte.

TrekMovie: Haben Sie und Brannon [Braga] sich inzwischen ausgesprochen?

Moore: Ja, auf jeden Fall. Das ist lange her. Wir haben uns über die Jahre hinweg ausgesöhnt. Wir arbeiten nicht mehr zusammen, daher haben wir nicht mehr die Beziehung zueinander wie früher, aber das liegt vornehmlich daran, dass sich unsere Karrieren in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.

"Star Trek" vs "Battlestar Galactica"

TrekMovie: Sowohl bei "Voyager" als auch bei "Battlestar Galactica" geht es um ein Schiff auf dem Weg zur Erde ohne sonstige Infrastruktur. Es gibt also Parallelen. Wären Sie damals für die Serie verantwortlich gewesen, wäre "Ron Moores Voyager" wie "Battlestar Galactica" geworden?

Moore: Ja, wahrscheinlich. Als ich während meiner kurzen Zeit bei "Voyager" überlegte, was ich machen wollte, erinnere ich mich, dass ich mit dem Autorenstab zusammensaß und sagte: "Ich glaube wirklich, dass wenn die Voyager beschädigt wird, wir aufhören sollten, das Schiff zu reparieren. Das Schiff sollte mehr auseinanderfallen." Eine meiner Ideen war, dass sie auf dem Schiff ihre eigene Kultur entwickeln und den Sternenflottenprotokollen ade sagen und auf gewisse Weise sich selbst nicht mehr als Sternenflottenmitglieder betrachten, obwohl sie noch immer die Uniformen tragen und versuchen, den Vorschriften zu folgen. Ich dachte, es wäre interessant, wenn zu der Zeit, wenn das Schiff zurück zur Erde kommt, es nicht einmal mehr zur Erde gehört. Dass es im Grunde seine eigene Kultur entwickelt, es seine eigene Zivilisation hervorgebracht hat, die sich von der, die sie zurückgelassen hatten, unterscheidet.

Jetzt, wo Sie das ansprechen, es gab da jemanden, ich glaube nicht, dass ich es war, irgendjemand hatte den Vorschlag, dass sie ein außerirdisches Schiff schützen sollten, auf das sie getroffen waren. Es war ein Konvoi und durch irgendeine Handlung, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, hatten sie sich bereiterklärt, das Schiff zu beschützen und es durch feindliche Sternensysteme zu geleiten. Und sie waren das Kriegsschiff, das diesen kleinen Konvoi von zivilen Schiffen beschützt. Das hat mich wirklich ergriffen und ich mochte die Idee echt und dachte, das wäre cool und es war wie "Galactica". Vielleicht hat damals sogar jemand "Galactica" erwähnt.

Aber um auf Ihre Frage zu antworten, wäre ich von Anfang an für die Serie verantwortlich gewesen, hätte ich sie in eine dunklere Richtung gelenkt und auf eine grauenvollere Reise geschickt, ja. Sie wären mehr auf der Flucht gewesen als auf einer schönen Heimreise, aber zur gleichen Zeit hätte ich mich verantwortlich gefühlt, innerhalb bestimmter Grenzen zu bleiben, was Trek war und wie Trek sich etabliert hatte. Ich glaube nicht, dass ich "Voyager" so weit hätte bringen können wie "Galactica", auch nicht, wenn ich die volle Verantwortung dafür gehabt hätte.

TrekMovie: Bei "Galactica" haben Sie die "Keine Anomalien und keine Außerirdischen"-Regel. Kommt den Autoren, ich weiß, viele davon waren früher bei "Deep Space Nine", da manchmal der Gedanke: "Mein Gott, mir ist gerade diese super Anomalie eingefallen!" oder "Wäre es nicht toll, wenn wir dieser Spezies begegnen würden?" Kommt diese Trek-DNA jemals zurück?

Moore: Nein, an so etwas kann ich mich überhaupt nicht erinnern. (lacht) Was manchmal hochkommt, wenn wir ein Problem zwischen uns und den Zylonen haben, dann fangen wir an, über eine technische Lösung nachzudenken, wie wir es lösen oder damit umgehen. Normalerweise schrecken wir davor zurück, aber manchmal ziehen wir es durch und versuchen es so anti-"Star Trek" wie möglich zu machen. Zum Beispiel als Sharon sich an das CIC Computersystem angeschlossen hat (in "Die Hoffnung lebt"/"Flight of the Phoenix"), um den Angriff abzuwenden. Technischer als da wollen wir nicht sein und es war eine "Star Trek"-artige Lösung für das Problem, aber im Großen und Ganzen kann ich mich nicht erinnern, dass wir darüber nachgedacht hätten, was wäre, wenn wir ein außerirdisches Volk treffen würden oder was wäre, wenn wir auf eine Subraumanomalie treffen würden oder irgendetwas Derartiges. Wir fühlen uns alle befreit und sind dankbar, dass wir das nicht mehr machen müssen.

TrekMovie: Wir wissen alles darüber, wie die Enterprise und all die anderen Schiffe funktionieren. Wir kennen all die Namen und Komponenten, wissen wie der Warpantrieb arbeitet, wir haben die Schaltbilder gesehen und in "Battlestar Galactica" gab es niemals wirklich eine Erklärung, wie irgendetwas funktioniert ... aus gutem Grund. Wenn man schlussendlich den Maschinenraum der Pegasus zu Gesicht bekommt (in "Mensch und Maschine"/"The Captain's Hand"), schaut er aus wie etwas aus einem Kriegsschiff während des Zweiten Weltkriegs, fast als ob das Schiff mit Dampf betrieben wird. War es eine bewusste Entscheidung, den Maschinenraum nicht wie den der Enterprise aussehen zu lassen?

Der Maschinenraum der Enterprise-D
Moore: Oh ja, wir haben darüber diskutiert. Ich sagte: "Es sollte auf keinen Fall so aussehen wie im Maschinenraum der Enterprise." Er sollte nicht viele blinkende Lichter haben. Es sollte sehr praktisch aussehen, Ventile, Hebel, viele Dinge zum Ziehen und Drücken. Die Leute darin sollten in einem heißen Raum zum Schwitzen kommen. Teilweise liegt das darin begründet, dass die Kolonien sehr rückwärtsgewandte Technologie verwendet haben, nachdem die Zylonen sie im ersten Zylonenkrieg ausgenutzt hatten. Das gab uns die Freiheit, Telefone mit Schnüren zu verwenden und alles sieht sehr praktisch aus.

Das war eine großartige Ästhetik für ein Raumschiff, weil so viele Raumschiffe einfach mit flachen Ebenen mit Blinklichtern dargestellt wurden. Sie haben sich zu etwas sehr Langweiligem und etwas sehr Sterilem entwickelt und ich wollte, dass der Maschinenraum stärker den Maschinenräumen ähnelt, die ich in der Marine zu Gesicht bekommen hatte. Ein Maschinenraum in einem Zerstörer ist ein heißer, lauter, schwieriger Arbeitsplatz. Das war kein schöner Ort, an dem man rumlungern und sich mit Scotty unterhalten wollte. Das war ein Raum, aus dem man so schnell wie möglich wieder raus wollte und ich wollte, dass der Maschinenraum eines Kampfsterns sich genauso anfühlt.

TrekMovie: Sie haben die Marine angesprochen. Nick Meyer hat mit "Star Trek II" das Gefühl der Schifffahrt in "Star Trek" eingeführt, das sich in der "Next Generation"-Zeit wieder verflüchtigt hat. Sie haben viel von der Marine in "Battlestar Galactica" eingebracht. Wollten Sie auch etwas davon in "Next Generation" einbringen?

Moore: Oh ja, die ganze Zeit. Es gab eine ganze Menge an Protokollen und kleinen Traditionen, die ich, wenn immer es möglich war, eingefügt habe. Wie in "Datas Tag" ("Data's Day") einfach die Situation, dass der Tag damit anfängt, dass Riker auftritt und Data von seiner Schicht ablöst und Data ihm den Status des Schiffs melden muss und Data abtritt und man das Gefühl bekommt, an Bord beginnt eine neue Schicht. Ich habe damit angefangen, mich auf Schichten zu beziehen und auf Brückenoffiziere und dass man als Deckoffizier zugelassen werden muss. All diese Dinge wollte ich auf das Schiff bringen, weil Marine-Schiffe so betrieben werden und das die Tradition von Beginn an war. Es war als Marine-Kommandostruktur entworfen und Gene [Roddenberry] erwähnte immer Horatio Hornblower als einen der Einflüsse für Captain Kirk und ich hielt die Marine-Tradition immer für einen wichtigen Bestandteil von "Star Trek".

Die Kinofilme: Probleme der Vergangenheit & Chancen für die Zukunft

TrekMovie: Lassen Sie uns auf die Filme zu sprechen kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie oder Rick [Berman] das gesagt haben, aber im Nachhinein sagten einige Leute, "Die alte Enterprise" ("Yesterday's Enterprise") hätte einen besseren ersten TNG-Kinofilm abgegeben als "Treffen der Generationen" ("Generations"). Stammt das von Ihnen?

Moore: Ich glaube, das hat Rick gesagt.

TrekMovie: Was meinen Sie dazu?

Moore: Ich denke, das ist wahrscheinlich ein guter Punkt. Wenn Sie sich den Audiokommentar auf der DVD zu "Treffen der Generationen" anhören, sprechen Brannon [Braga] und ich relativ offen über unsere Unzufriedenheit mit dem Film und die Gründe, warum er nicht funktioniert hat und die Gründe, warum wir damit nicht glücklich waren. Ich halte ihn für eine verpasste Gelegenheit und einen Film, der als Ganzes nicht funktioniert.

"Die alte Enterprise" hätte einen großartigen Film abgegeben. Man hätte daraus einen ziemlich bedeutenden großen Kinofilm machen können. Er wäre aufsehenerregend dunkel geworden. Ich bin überrascht, dass Rick [Berman] sich dafür ausgesprochen hat, weil die andere Enterprise so dunkel und kriegsartig und ein total anderes Föderationsraumschiff gewesen wäre. Es wäre auf der großen Leinwand ein viel kantigeres und raueres Gefühl gewesen. Ich wäre dann dafür gewesen, über große Teile oder gar den gesamten Film über, die Idee zu erkunden, was es bedeutet, auf der Enterprise im Krieg zu sein. Das wäre großartig geworden! Also ja, ich hätte mir "Die alte Enterprise" als ersten Kinofilm gut vorstellen können.

TrekMovie: Leonard Nimoy sagte, er mochte das Drehbuch für "Treffen der Generationen" nicht und wollte auch nicht Regie führen. Er mochte die Rolle für Spock nicht, daher hat er sie abgelehnt und er hielt Kirks Tod für unbegründet.

Moore: Ja, ich weiß. Leonard lehnte das Drehbuch ab, den Posten als Regisseur auch und ich wusste, dass er das Drehbuch nicht mochte. Aus heutiger Sicht kann man kaum behaupten, dass er falsch lag. Ich denke, aus unserer Sicht damals war Kirks Tod ein wichtiger Teil des Films, weil es ein Film über den Tod war. Im Film ging es um Sterblichkeit. Picard erreichte ein gewisses Alter und ihm wurde klar, dass mehr Tage hinter ihm lagen als vor ihm. Sein Bruder war gestorben, die Enterprise selbst starb und selbst dieser legendenhafte Held fand ein sterbliches Ende.

Obwohl wir uns unserer Sterblichkeit bewusst sind, leben wir doch weiter und versuchen, das Beste aus unserem Leben zu machen. Darum sollte es im Film gehen. Brannon und ich waren an dem Punkt unserer Karriere nicht bereit, den Film zu schreiben. Unser Eifer übertraf unser Können. Als Autoren, und wohl auch als Menschen, fehlte uns die Reife und das Alter, etwas so Bedeutendes anzugehen und es mit einem Action-Abenteuer-"Star Trek"-Film zu verschmelzen. Daher hatte Leonard den richtigen Riecher. Er hat seinen Finger in die Wunde gelegt. Ich habe mich nicht persönlich mit ihm getroffen, aber Rick traf sich mit ihm und teilte uns seine Vorbehalte mit und warum er es nicht mochte. Er hat die richtigen Probleme aufgezeigt.

Der Nexus war ein Problem. Der Nexus war ein schwieriges Konzept, das wir nie richtig zu fassen bekamen und Kirks Tod verdeutlichte die Themen nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir taten unser zu der Zeit Bestes und dachten, dass es klappen würde. Wir glaubten an das Projekt und wollten es zustande bringen, aber wir schrieben zur gleichen Zeit auch noch die Fernsehserie. Im Rückblick kann man einfach sagen, hier sind all die Probleme und daher ging es den Bach runter, aber zu der Zeit haben wir hart dafür gearbeitet, den besten Film zu machen, den wir konnten und wir dachten, wir hätten einen guten Film auf der Hand.

TrekMovie: Dass Kirk in "Treffen der Generationen" gestorben ist, ist der offizielle Grund und soweit ich weiß ein großer Faktor dafür, dass William Shatner nicht im neuen Film zu sehen sein wird. Wie lässt man jemanden nur für ein Cameo wieder auferstehen? Es gibt eine große Bewegung, Kirk wieder auferstehen zu lassen und das, was Sie geschrieben haben, zurückzudrehen. Was halten Sie davon?

"Kein Grund, Kirk wieder auferstehen zu lassen"
Moore: Was mich betrifft, arbeiten sie mit Kirk und Spock. Ich weiß nicht. Ich mag Bill. Ich habe nichts gegen Bill, aber glaube nicht, dass es einen Grund gibt, über "Treffen der Generationen" hinweg Bill noch einmal zurückzubringen. Ich weiß nicht. Ich begreife nicht, warum es so ein Hauen und Stechen gibt, ob man das tun oder lassen sollte. Das geht an der Sache vorbei. Sie gehen zurück zum Beginn und fangen noch mal von vorn an. Sie binden Leonard mit ein, aus dem Wunsch, einen Verbund zwischen dem alten und dem neuen Trek herzustellen, aber für mich ist das einfach eine tolle Möglichkeit, neu anzufangen. Ich denke, der Film wird sich mehr um den neuen Kirk und den neuen Spock und den neuen McCoy drehen als um Verbindungen zu den alten.

TrekMovie: Viele Leuten würden sagen, dass "Der erste Kontakt" ("First Contact") sowohl finanziell als auch was die Kritik angeht, der letzte erfolgreiche "Star Trek"-Film war. Er war ein Hit und die Fans mochten ihn. Das macht Sie zu einem Experten für das Schreiben eines guten "Star Trek"-Films...

Moore: ...weil ich eine Erfolgsrate von 50 Prozent habe. (lacht)

TrekMovie: Als Experte, was halten Sie für die Schlüsselelemente eines großen "Star Trek"-Films? Was hätten Sie J.J. [Abrams] vor zwei Jahren geraten, als er gerade damit angefangen hat?

Moore: Das ist schwierig, weil "Der erste Kontakt" zu einer ganz bestimmten Zeit unter ganz bestimmten Umständen entstanden ist. Zu der Zeit war "Der Zorn des Khan" ("The Wrath of Khan") der Goldstandard und alle wollten so einen Film mit einem anderen Titel machen. Sogar bei "Treffen der Generationen" haben wir uns über "Der Zorn des Khan" unterhalten. Der Film zeigt, wie man einen guten "Star Trek"-Film macht. Er ist ein Action-Abenteuer. Es gibt einen großen Widersacher. Man hat das Thema des Älterwerdens und großartige kleine Charaktermomente, dazwischen kleine lustige Momente. Er bezieht alle Charaktere mit ein. Man lacht mit ihnen und man weint mit ihnen. Er endet mit einem bittersüßen aber hoffnungsvollen Gefühl. Er ist einfach ein großartiger Film und wird seinem Anspruch gerecht.

"Der erste Kontakt" hat auch vieles davon, aber wurde mit einem eingeschränkten Budget gedreht. Paramount wollte nicht allzu viel Geld für die Trek-Filme ausgeben. Daher war der Action-Quotient ziemlich lahm. Wenn man sich die Action-Sequenzen genau anschaut, sind sie nicht wirklich aufregend. In Produktionsbesprechungen saßen wir da und haben Phaserschüsse gezählt und Dollar getauscht, das war eine absurde Art, einen Film wie diesen zu drehen. Wir haben viele Themen behandelt, Zeitreisen, was es bedeutet, menschlich zu sein und nach den Sternen zu greifen und so weiter, es war ein großartiges kleines Stück.

Wenn J.J. mich gefragt hätte, glaube ich nicht, dass ich ihnen viele Ratschläge zu Trek-Filmen erteilt hätte. Ich denke, mir wäre es wichtiger gewesen, den Geist der Classic-Serie einzufangen. Als Fan davon interessiert mich das mehr. Das Gefühl wieder einzufangen, draußen an der Grenze zu sein und am Rand des Bekannten zu stehen, das hat die Classic-Serie ausgemacht. Ich habe die Serie meinen Kindern gezeigt, weil sie jetzt alt genug dafür sind und mich berührt es immer noch, wie sich Kirk und Spock und McCoy gefühlt haben müssen, ganz allein dort draußen.

Die Enterprise war immer weit von Sternenbasen entfernt. Nachrichten brauchten eine lange Zeit, bis sie ankamen. Man hatte wirklich das Gefühl, dass die dort draußen allein waren und niemand konnte ihnen zur Hilfe kommen. Es war ein großartiges Gefühl von der Grenze und dem Unbekannten, wo man nicht wusste, was einem hinter der nächsten Ecke begegnet und man konnte sich nur auf sich selbst verlassen. Ich glaube, davon haben wir uns mit den nachfolgenden Serien entfernt. Wir haben uns sehr stark mit der Föderation beschäftigt. Es gab viele andere Raumschiffe. Das Sternenflottenkommando war nie weit weg.

Sogar in "Der erste Kontakt" kehren wir zur Erde zurück. Es gab eine große Schlacht mit vielen anderen Raumschiffen. Einmal in der Zeit zurückgereist, sind sie auf sich allein gestellt, aber das alles geschieht im Kontext eines sehr stark bevölkerten Trek-Universums, wo hunderte von Leuten herumschwirren und tausend Dinge geschehen. Hornblower und sein Segelschiff dort draußen im Pazifik, ganz allein und weit weg von der Admiralität, wo sie die anderen Schiffe, die aus dem Nichts auftauchen, besiegen müssen, das hat einfach was. Der Grips von Hornblower und die Stärke und der Mut seiner Männer an den Gewehren wären der Geist, den ich für den neuen Film hätte einfangen wollen.

TrekMovie: Sie hatten die Gelegenheit, das Set zu besuchen. Wie viel haben sie Ihnen über das Drehbuch und die Handlung erzählt?

Moore: So gut wie nichts ... und ich habe auch nicht wirklich gefragt. Ich wollte das gar nicht wissen, denn dies ist das erste Mal seit langem, dass ich an diese Trek-Dinge einfach nur als Fan herangehen kann und das wollte ich mir behalten. Für lange Zeit habe ich es vermieden, mir den Teaser-Trailer anzuschauen, aber schließlich konnte ich es nicht mehr aushalten und ich hab ihn mir angesehen. Ich war wieder dafür bereit, ein Föderationsraumschiff zu betreten und nicht zu wissen, worum es ging und welcher Charakter gleich um die Ecke kommen würde. Ich wollte nur einfach wieder einen Moment lang Fan sein und nicht zu viel von den Insider-Dingen wissen.

TrekMovie: Waren Sie auf dem Enterprise-Set?

Moore: Ich habe es gesehen. Es hat mir gefallen. Ich mochte das Aussehen. Ich mochte das Produktionsdesign. Der Eindruck hat mir sehr gefallen. Ich habe glaube an das, was sie tun. Sie haben großes Vertrauen in diese Produktion. Es ist ein sehr fröhliches Set. Sie scheinen alle sehr ihren jeweiligen Aufgaben verschrieben. Ich glaube, das wird funktionieren.

(hk - 28.03.09 - Quelle: TrekMovie.com)

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