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Stephan Mark (sm)22.10.00

Moores Zerwürfnis mit Braga

Ron Moore erläutert, warum er bei "Voyager" ausstieg

Warum Moore "Star Trek" mit verletzten Gefühlen verließ und warum seine Beziehung zu Co-Autor Brannon Braga mit einem "Fuck this!" endete, beschrieb der Drehbuchautor und Produzent in einem ausführlichen Interview. Das Original finden Sie auf Fandom.com.

Einige Zeit ist vergangen, seit Moore seinen Hut bei "Star Trek" genommen hat und er fühlt sich nun bereit, mehr von seinen Gedanken und Gefühlen mit uns zu teilen. Er sitzt zu Hause und bereitet auf das lange Interview vor, als er meint: "Ich habe oft darüber nachgedacht, ob sich ein nährreicher Boden für Gespräche finden lässt. Ich bin offen, einige oder alle dieser Dinge zu diskutieren."

Zuerst etwas zum Zusammenhang: Moore, ein großer Fan der Classic-Serie kam als Autor zu TNG, arbeitetet sich zum Produzenten hoch und schrieb einige beliebte Episoden wie "Besuch von der alten Enterprise" ("Relics") und das Finale "Gestern, Heute, Morgen" ("All Good Things..."). Nach dem Ende von TNG schrieb er mit Brannon Braga die Drehbücher zu "Star Trek: Treffen der Generationen" und "Star Trek: Der erste Kontakt", wechselte dann zu DS9 und konnte nach dem Serienende nicht wiederstehen, zu "Voyager" zu wechseln. Dort gab es ein Zerwürfnis mit den Produzenten Berman und Braga, die ihn schlecht behandelten und die nur sich als Zentrum von "Voyager" sahen.

Mit seinem langjährigen Autorenpartner Brannon Braga überwaf Moore sich zum Schluss
"Ich bereue, dass ich zu dieser Serie ging, ich denke, dass es mein Fehler war", meint Moore und fährt dann fort: "Ich hätte es besser wissen müssen und ich hätte klug genug sein müssen, um das zu erkennen. Ich und er [Brannon Braga] waren Freunde und ich dachte, wir würden das schon hinkriegen. Dann kommt man in eine solche Situation und die Dinge ändern sich. Ja, die Dinge änderten sich und es war wie eine kalte Dusche. Ich glaube, die Autoren von DS9 haben es gewusst und doch sagte keiner 'Du macht da einen Fehler', aber ich sage nicht, dass sie das hätten tun müssen. Und ich hätte sowieso nicht auf sie gehört. Ich hätte mit DS9 aufhören sollen, weil es ein Höhepunkt war. Ich hätte die Bühne mit donnerndem Applaus und einem guten Gefühl verlassen könnten."

"Da kam ein Anruf und ich ging. Den Fehler hatte ich bei Rick Berman nicht gemacht, als er mich und Brannon anrief, um über 'Star Trek IX' zu sprechen. Ich sagte ab, denn ich wollte, dass 'Star Trek: Der erste Kontakt' mein Schwanengesang für 'Star Trek' wird. Ich hätte auch smart genug sein sollen, um den 'Voyager'-Gig abzusagen. Aber ich wollte einfach nicht das ganze Geschäft verlassen, ich liebte 'Star Trek' und hatte es sehr genossen. Ich wollte nicht aussteigen. Und sie machten es mir sehr einfach. Ich bekam viel Geld, durfte mein eigenes Büro behalten. Und dann bekam ich die andere Seite der Medaille zu sehen und es wurde ein böser Trip, ein schlechter Platz zum Arbeiten und eine unglückliche Erfahrung."

"Ich war von Leuten umgeben, die unglücklich über ihre Arbeit waren und unglücklich über die Leute, mit denen sie zusammenarbeiten mussten. Es wurde schwierig, da zu arbeiten. Ein Teil von mir ist verletzt, ein anderer wütend auf Brannon, auf persönlicher Ebene, auf Brannon als Freund, nicht als Boss. Als sein Freund kam ich mir einfach verarscht vor. Aber ich bin nicht mehr wütend. Ich bin nur froh, dass ich nicht mehr täglich bei dieser Serie arbeiten muss, Ich weiß, es wäre nicht besser geworden."

Moore lacht. "Es wäre überhaupt nicht besser geworden. Es kam keine göttliche Eingebung. Es ist kein glückliches Schiff, die gute Voyager. Wenn ich nicht gegangen wäre, hätte ich mich wohl immer gefragt, ob ich nicht hätte gehen sollen. Oder wäre es besser geworden? Oder wäre ich dann in die neue Serie integriert worden? War das eine verpasste Gelegenheit? Jetzt weiß ich, dass alle drei Fragen mit Nein zu beantworten sind und dass ich da keine Gelegenheit verpasst habe. Es war einfach nicht mehr lustig."

Was genau hat denn Moore veranlasst zu gehen? Einige sagen, dass Storybesprechungen ohne Moore und ohne sein Mitwissen stattgefunden hätten und dass viel hinter seinem Rücken passiert wäre. Das meiste davon behält er noch für sich und seine Nächsten. Er meint dann: "Ich habe sehr verletzte Gefühle gegenüber Brannon. Was da zwischen mir und ihm geschah, das betrifft nur ihn und mich. Es war ein Vertrauensbruch. Ich hätte jede Serie verlassen, bei der mir nicht erlaubt worden wäre, mich am Entwicklungsprozess auf diese Art zu beteiligen. Es war mir nicht erlaubt, mich an diesem Prozess zu beteiligen und ich war nicht wirklich ein Teil der Serie."

"Ich fühlte mich, als wäre ich ein Freiberuflicher in meiner eigenen Serie. Das war das Gefühl, das ich hatte. Ich war einfach nicht genug daran beteiligt. Ein Teil von mir sagte: 'Was soll's? Du hast hier dein Baby und du machst 'ne Menge Kohle. Halts Maul, genieß es, geh am Abend früh nach Hause und komm spät am Morgen, entspann dich. Das waren lange zehn Jahre, nimm dir eine Pause.' Aber ich konnte nicht. Die Sache fraß sich in mich hinein, es war eine Frage der persönlichen Integrität. Ich geh mit viel Stolz zur Arbeit und die Arbeit bedeutet mir etwas. Ich war stolz auf das, was ich mit TNG, DS9 und den Filmen erreicht hatte. Aber auf diese Weise konnte ich hier nicht arbeiten."

Moore: "Es wäre nicht besser geworden"
Er fügt hinzu: "Es geschah mit Brannon, mit meinem Autorenpartner. Wir hatten ein solch tiefes und ehrliches Vertrauen, das wir haben mussten, wenn wir gemeinsam in einem Raum saßen und ein Skript schrieben und uns gegenseitig Dinge wie 'Das ist blödsinnig!' oder 'Dieser Satz nervt!' klarmachen mussten, ohne persönlich zu werden. Keiner von uns hat jemals versucht, seine eigenen Worte über die des anderen zu setzen und dessen Anteil am Skript rauszuschmeißen. Das ist eine sehr emotionale Sache. Es ist eine sehr intensive Erfahrung und es funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig voll und ganz traut."

"All die Jahre lang haben wir uns immer vertraut. Wenn dieses Vertrauen dann auf eine solche Weise zerbricht, dann kannst du nicht zurückgehen. Du kannst es einfach nicht. Ich ging. Es gibt Dinge, die kann man zwar vergeben, aber nicht vergessen. Ich konnte einfach nicht mehr dahin zurückkehren. Ich begriff, was da passiert war und sagte mir: 'Ich werde das nicht mitmachen. Ich kümmere mich nicht um das viele Geld, das da mitspielte. Es war das einfach nicht wert. Wenn ich einmal diese Entscheidung getroffen hatte, dann würde ich nicht mehr zurückschauen. Es würde vorbei sein, und es war vorbei und ich ging weg. Ich war sehr enttäuscht, dass mein langjähriger Freund und Schreibpartner auf diese Weise gehandelt hatte, dass es mich zu einem Punkt brachte, an dem ich fühlte, dass ich weg von 'Star Trek' musste."

"'Star Trek' bedeutete mir sehr viel seit langer Zeit, von meiner Kindheit bis zu meiner ganzen Karriere. Aber ich war absolut nicht bereit, auf diese Weise dabei zu sein. Da es auf Brannon zurückfiel, wog es noch schwerer und hat mich gezwungen zu handeln. Ich sagte: 'Fuck this! Ich werde das nicht tun, ich will das nicht tun und ich bedauere es auch nicht. Ich fühle, dass es die richtige Entscheidung ist.' Ich wünschte, es wäre nicht passiert. Ich wünschte, die Dinge wären anders verlaufen. Ich hätte es anders handhaben können. Ich dachte, ich könnte früher einsteigen und sagen 'Das ist Mist. Lasst es uns klären.'"

"Ich dachte, ich würde es aus der Bahn werfen, ohne Rücksicht auf was ich tat. Es musste einfach passieren. Das ist das Hollywood-Ende einer Aschenputtel-Story. Ich habe die ganze Kette möglicher Ereignisse in Hollywood gesehen, vom ersten Tag, an dem ich als junger Mann mit einem Drehbuch unter dem Arm auf das Set kam und mein Traum Wirklichkeit wurde, bis zu dem Tag, ab dem ich mit verletzten Gefühlen ging, wegen unverhältnismäßigen Machtverhältnissen in den Beziehungen. Ira Behr [Ausführender Produzent bei DS9] hat das zu mir gesagt und weiter: 'Jetzt ist deine Ausbildung und Erziehung komplett. Jetzt hast du alles gelernt, was es über Hollywood zu wissen gibt - von deinen Erfahrungen bei 'Star Trek'."

(sm - 06.06.09 - Quelle: Fandom.com)

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