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Sebastian Kowald (sk)02.12.08

Trek-Autoren bereiten sich auf Einschlag vor

Roberto Orci und Alex Kurtzman im Interview

Der neue "Star Trek"-Film wird zwar nicht vor Mai nächsten Jahres in die Kinos kommen, doch die Autoren Roberto Orci und Alex Kurtzman bereiten sich im Gespräch mit Wired.com schon mal auf die "Landung" vor.

Die Drehbuchtautoren-Kumpel, die schon zuvor mit dem Produzenten und Regisseur J.J. Abrams bei "Fringe" und "Alias – Die Agentin" zusammengearbeitet haben, haben gute Gründe, umsichtig zu sein, während sie den Neustart eines der beliebtesten Science-Fiction-Franchises überhaupt in Angriff nehmen: Sie werden mutig dahin gehen, wo sich nur solche mit einem gesunden Respekt für "Star Trek" hintrauen sollten.

Die Köpfe hinter "Star Trek XI": Orci, Abrams, Kurtzman
Abrams' "Star Trek" hat auch schon eine sarkastische Attacke von William Shatner provoziert, der sich darüber beschwert hat, dass ihm keine Hauptrolle angeboten wurde. Und frühere Kommentare von Abrams haben ein Trommelfeuer von skeptischen Äußerungen besorgter Fans hervorgerufen. Trotz des großen Drucks, in den Grenzen des existierenden Trek-Universums zu bleiben, bestehen Orci und Kurtzman darauf, dass ihr Drehbuch den Regeln entspricht, auf eine Art und Weise, die selbst den größten Verteidiger der Macht zufriedenstellen sollte.

Sie sind schließlich zuallererst Fans. Orci, Fan durch und durch, ist mit einem Telefon in der Form der Enterprise aufgewachsen. Kurtzman wurde zu einem Konvertiten, nachdem er 1982 "Star Trek: Der Zorn des Khan" gesehen hatte. Während sie mit Wired.com sprechen, tauschen sie Gedanken aus über ihre persönliche Besessenheit vom Trek-Kanon, die Voraussetzungen, die Abrams in den Stuhl des Regisseurs gebracht haben, und die Ideenfindungssitzungen mit dem "Lost"-Koproduzenten Damon Lindelof, der angeblich ein bisschen "Star Wars"-Charme zu der "Star Trek"-Mythologie gebracht hat.

Frage: Mr. Orci, Mr. Kurtzman, waren Sie wirklich eingeschüchtert von der Aufgabe, das "Star Trek"-Franchise neu zu beleben?

Roberto Orci: Das ist nicht etwas, was man auf die leichte Schulter nimmt, außer man ist davon überzeugt, dass man wirklich etwas dazu beitragen kann, denn wir sind mit "Star Trek" aufgewachsen. Wir konnten es nicht aus Ignoranz ablehnen oder weil wir feste Meinungen darüber hatten, was wir an "Star Trek" mögen. Es stellte sich mehr die Frage: Sind wir würdig genug? Und wir sind zu der Schlussfolgerung gekommen, nun, das ist unsere Berufung! Also können wir es auch versuchen!

Alex Kurtzman: Und mit Damon zusammen - Damon Lindelof, Koproduzent von "Lost", der auch ein großer Fan von "Star Trek" ist - saßen wir drei da und überlegten uns, wie viel Spaß es uns machen würde, bei diesem Projekt zusammenzuarbeiten. Mit dem Wissen, einen Rettungsanker in Form von Damons Gehirn zu haben, gab es keinen Grund mehr, Nein zu sagen. Wir konnten uns nicht von der Angst überwältigen lassen.

Frage: Es gibt eine Menge Sachen in "Star Trek", mit denen man arbeiten kann. Wie konnten Sie sich auf eine bestimmte Geschichte einigen, die Sie erzählen wollen?

Kurtzman: Wir haben uns darauf geeinigt, dass es die ursprüngliche Mannschaft sein würde. Und mit dieser Entscheidung haben wir unseren Spielraum ganz schön eingegrenzt.

Frage: Worum dreht sich die Handlung?

(Achtung: Kleine Spoiler voraus!)

Orci: Es geht um das Zusammenkommen der ursprünglichen Mannschaft, das niemals in seiner Gesamtheit behandelt wurde, weder von der Serie noch von den Spielfilmen. Niemand hat jemals die Geschichte erzählt, wie die Enterprise ihre Segel setzt!

Kurtzman: Es gibt Details in den offiziellen Episoden, wo die Charaktere über ihre Vergangenheit berichten. Aber es gibt auch viele Interpretationen und eine Menge weißer Flecken, wo man sich sagt: "Warte, ich verstehe das schon, aber wie sind sie von da nach da gekommen?" Und das ist die Stelle, wo wir ein bisschen Luft haben.

Kurtzman und Orci wollen den Kanon wahren, konsistent bleiben
Frage: Während man konsistent bleibt...

Kurtzman: Man muss konsistent bleiben. Man darf keine bereits etablierten Regeln brechen.

Frage: Mr. Kurtzman, wann kam es zu Ihrer ersten Berührung mit "Star Trek"?

Kurtzman: Ich war ein bisschen zu jung für den allerersten Film. Mein erster "Star Trek"-Film war "Der Zorn des Khan". Die Erfahrung, in einem Kino zu sein und diesen Film zu sehen, war sicherlich das erste Mal, das etwas an "Star Wars" herankam in Sachen emotionale Intensität und Science-Fiction-Feeling. Das allein - das Gefühl, dieses Gefühl zu erschaffen - war Grund genug für mich, diesen Film zu machen, selbstverständlich unter Einhaltung der Regeln.

Frage: Als Sie also angeheuert wurden, um einen neuen "Star Trek"-Film zu schreiben, sind Sie losgezogen, um sich alle DVDs der Serien und Filme nochmals anzuschauen?

Kurtzman: Bob musste das nicht machen.

Frage: Es ist alles in Ihrem Kopf?

Kurtzman: Als ich Bob zum ersten Mal auf der High School traf, hatte er ein Telefon in Enterprise-Form, welches mit dem Alarmgeräusch der Brücke klingelte...

Orci: (stimmt zu)

Kurtzman: (lacht) Also hatten wir Bob versorgt.

Orci: Du hast immer mit der Untertassensektion geantwortet: "Hallo."

Frage: J.J. Abrams macht kein Geheimnis daraus, dass er mehr der "Star Wars"-Typ ist und sich gar nicht so sehr für "Star Trek" interessiert, aber Sie beide sind richtige Fans?

Orci: In Sachen Fangemeinde auf jeden Fall, und Damon Lindelof ist ja auch dabei... Wir werden nichts aus Ignoranz falsch machen. Niemand kann sagen, dass wir uns mit "Star Trek" nicht auskennen würden. Es gibt vielleicht ein paar Dinge, die wir machen, die die Leute infrage stellen können und dann sagen: "Ich hasse sie wegen ein paar anderen Gründen." Aber sie werden nicht sagen können: "Sie kannten sich mit der Materie nicht aus."

Und es ist kontrovers genug, überhaupt "Star Wars" und "Star Trek" im gleichen Satz zu benutzen, aber Alex hat gesagt: "Wir müssen mehr 'Star Wars' in 'Star Trek' einfließen lassen."

Kurtzman: (hustet vor Lachen) Ursprüngliches "Star Wars".

Orci: Das ursprüngliche "Star Wars". Ich möchte den Weltraum erleben, ich möchte die Geschwindigkeit fühlen und ich möchte all die Dinge fühlen, die ein bisschen verloren gehen, wenn "Star Trek" ein bisschen zu herrschaftlich wird - was ich natürlich mag, aber...

Kurtzman: "Star Trek" ist oft das Weltraum-Gegenstück zum U-Boot-Kampf, was es einzigartig macht und unterscheidet von "Star Wars", das kann man also auch nicht verleugnen.

Hatte als Teenager ein Enterprise-Telefon: Roberto Orci
Orci: Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Frage: J.J. Abrams wollte ursprünglich nur Produzent von "Star Trek" werden. Ich vermute, Ihr Drehbuch hat ihn davon überzeugt, dass er auch Regie führen muss?

Orci: J.J. ist in keiner Hinsicht ein "Star Trek"-Fanatiker. Wir haben uns gedacht, wenn wir uns eine Geschichte ausdenken, die ihn als Durchschnittsfan interessiert...

Kurtzman: Es war unser geheimer Plan, J.J. an Bord zu holen, so dass er nicht Nein sagen kann.

Frage: Neben der kreativen Zusammenarbeit mit Abrams, warum war es so wichtig, dass er Regie führen würde?

Kurtzman: Was wir davon haben, dass J.J. Regie führt, ist eine hundertprozentige Umsetzung vom Drehbuch in die Szene. Ein episches Weltraumabenteuer ist etwas, was nicht viele Regisseure durchstehen können. Man braucht jemanden, der das Genre und den Geist von Trek versteht, um einen Film von diesem Ausmaß zu machen, der größer ist als alles, was Trek jemals gesehen hat. Trotzdem ist es hoffentlich gleichzeitig vertraut.

Frage: Ihre "Star Trek"-Geschichte hat J.J. Abrams überzeugt. Es hört sich so an, als ob Sie sich der Zustimmung der Fans sicher sind.

Orci: Wenn der Film in die Kinos kommt, wird es eine Diskussion darüber geben, ob er konsistent und canon ist. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass er es ist. Aber es gibt wirklich nichts, was wir über diesen Film sagen können. Selbst wenn wir denken, dass er nicht kontrovers ist, werden die Leute sagen: "Oh, das ist bequem, sie erzählen einfach eine Geschichte, die nie zuvor erzählt wurde, anstatt sich mit Kanon-Fragen auseinander zu setzen."

Frage: Es ist ein ziemlich intensives Vermächtnis.

Kurtzman: Die Fragen, die uns am meisten interessieren, sind: Was sind die Regeln dieser Charaktere und was die Regeln des Universums und was macht gutes "Star Trek" aus? Wenn wir nicht genau daran anknüpfen, ist es egal, wie konsistent unser Film ist, niemand wird sich dafür interessieren. Aber wenn wir daran anknüpfen und uns etwas ausdenken, was das Gefühl, welches wir hatten, als wir "Star Trek" zum ersten Mal gesehen haben, wiederbringt, dann haben wir hoffentlich "Star Trek".

(sk - 02.12.08 - Quelle: Wired.com)

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