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Sebastian Kowald (sk)13.04.10

Make-up, Oscars & Klingonen

Ein Interview mit Oscarpreisträger Barney Burman

Der erste Oscar für einen "Star Trek"-Film überhaupt ging im März an Barney Burman und sein Maskenbildnerteam. Mit TrekMovie sprach er über die Arbeit an "Star Trek XI" und Wünsche für das Sequel.

Barney Burman ist Maskenbildner in dritter Generation aus einer großen Familie, die schon seit Jahrzehnten im Maskenbildner-Geschäft tätig ist. Er hat schon bei über 80 verschiedenen Film- und Fernsehprojekten mitgewirkt, seit er als Jugendlicher damit angefangen hat. 1984 war sein erster Job in der Maskenbildner-Werkstatt von "Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock" - außerdem hat er bei "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" mitgewirkt. 2004 gründete er zusammen mit seinem Partner Steve Prouty die Firma Proteus Make-up FX. Burman hat zum ersten Mal mit J.J. Abrams gearbeitet, als Proteus für "Mission: Impossible III" engagiert wurde. J.J. Abrams hat ihn zurück zu "Star Trek" gebracht, was in seinem Oscar-Gewinn gipfelte.

Barney Burman
TrekMovie: Wie hat das Gefühl, für den Oscar nominiert zu werden, Ihr Leben verändert?

Barney Burman: Nun, es hat mir eine Menge Öffentlichkeit eingebracht und ich habe jede Menge Unterstützung und Liebenswürdigkeit von einer großen Menge Leuten erhalten. Es waren ein paar wirklich gute Wochen und ich fühle mich gut.

TrekMovie: Sie teilen Ihre Nominierung mit Mindy Hall und Joel Harlow, können Sie uns erklären, wie Sie bei "Star Trek" zusammengearbeitet haben?

Burman: Ich habe Joel als meinen Hauptmaskenbildner zuerst ins Team geholt, damit er das Set überwacht, während ich in der Werkstatt entworfen und modelliert habe. Sobald wir mit dem Drehen begannen, hatte ich so viel zu tun in der Werkstatt, dass ich mich dazu entschieden habe, die Romulaner an Joel abzugeben, nahe dran, wo J.J. sie jeden Tag sehen konnte. Also haben wir uns aufgeteilt. Und Mindy hat sich immer um das normale Schminken gekümmert. Also hatten wir drei verschiedene Standorte, aber wir blieben immer in Kontakt miteinander und haben uns gegenseitig geholfen. Wir haben so eng als ein Team zusammengearbeitet wie möglich, obwohl wir eigentlich drei Teams waren.

Romulaner-Design für "Star Trek XI"
TrekMovie: Waren Sie überrascht, wie wenig CGI-Effekte J.J. für die Außerirdischen benutzte, angesichts solch großen Popcorn-Kinos?

Burman: Anfangs unterhielten wir uns darüber, mehr auf das Vermischen von Masken und Computereffekten zu setzen, damit wir die Form der Leute ein bisschen verändern können, aber Zeit und Geldrestriktionen verboten dies. Also haben wir diesen Plan ziemlich schnell über den Haufen geworfen. Aber ich war nie überrascht davon, dass J.J. eine große Portion von praktischen Effekten machen wollte, da ich wusste, dass er dieses Zeugs einfach mag. Und er glaubt daran, immer so viel wie möglich vor der Kamera zu haben und das mag ich so an ihm. Ich liebe Filmemacher, die eine Welt erschaffen wollen, in welcher Leute in diesem Moment leben und interagieren können.

TrekMovie: Glauben Sie, dass in der Post-"Avatar"-Welt Leute wie J.J., die das Praktische mögen, dabei bleiben werden? Oder wird es Druck geben, mehr Computereffekte zu benutzen?

Burman: Ich weiß nicht, ob es Druck ist, aber es wird solche Regisseure geben, die alles in der Nachbearbeitung kontrollieren wollen. Und es wird Leute wie J.J. geben, die so viel wie möglich vor sich sehen möchten, um es dann in der Nachbearbeitung noch verbessern zu können. "Avatar" war natürlich ein Meilenstein und ein wundervoller Film, aber ich denke, er ist immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Oder zumindest hoffe ich das.

Schlechtes Bier, langes Gesicht? Ein namenloser Außerirdischer, erschaffen von Burman
TrekMovie: Ich erinnere mich noch daran, wie ich schon im Jahre 2008 ein paar Szenen aus dem Film gesehen habe und zu einem der Produzenten eine Bemerkung machte, wie gut doch die Computereffekte bei diesem Typen mit dem langen Gesicht aussahen, und ich war überrascht, als ich erfuhr, dass das alles mit Maskenbildern gemacht wurde. Haben Sie solche Reaktionen von Leuten aus der Industrie gehabt, die nicht realisiert haben, wie viel von dem, was wir von "Star Trek" sehen, durch die Arbeit Ihres Teams erschaffen wurde?

Burman: Ich habe mit einer ganzen Menge von Leuten gesprochen, die das nicht gewusst haben. Wenn ich beispielsweise Bilder aus meinem Portfolio zeige, sagen die Leute: "Toll, ich wusste gar nicht, dass der Typ wirklich da war." Das ist eine komische Art von Kompliment. Sogar eine unserer Maskenbildnerinnen hat den Fehler gemacht, mir zu sagen, dass sie dachte, wie gut doch die Bewegung des Charakters nach der Nachbearbeitung aussah.

TrekMovie: Es gab ein paar computergenerierte Ergänzungen zu einigen der Charaktere, wie zum Beispiel Keensers Augen, richtig?

Burman: Für Keenser war es schon immer geplant gewesen, etwas mit dem Computer für die Augen zu machen. Und der Außerirdischen, welche man auf der Kelvin sieht, wurde ein Blinzeln hinzugefügt. Aber sie hatte auch ein paar Gesichtsbewegungen, welche sich die Schauspielerin ausgedacht hat, um den Mund ein bisschen flackern zu lassen, was sehr interessant war.

TrekMovie: Welcher Außerirdische war die größte Herausforderung für Sie?

Burman: Das ist schwer zu sagen, aber vielleicht der erste in der Bar, weil das auch einer unserer ersten Außerirdischen war. Ich habe es mit Silikon gemacht und deshalb musste ich lernen, wie die Schwerkraft beeinflusst, wie sich das Silikon auf den Schauspieler niederlässt. Es gab einen Außerirdischen, der eine Art von Korallenfisch darstellte, und ich glaube, wir haben ihn nie ganz hinbekommen, wie ich wollte, aber am Ende wurde die Szene ohnehin herausgeschnitten, deswegen ist es egal.

Der für "Star Trek XI" neu gestaltete Salzvampir wurde genauso aus der Endfassung geschnitten...
TrekMovie: Einige Leute haben sich gefragt, ob der Extraterrestrische mit dem langen Gesicht in der Bar eine Anspielung auf den Charakter Morn aus "Deep Space Nine" war. Ich weiß, dass Ihr Onkel Ellis damals bei "Deep Space Nine" gearbeitet hat, also gibt es da eine Verbindung oder ist das nur ein Zufall?

Burman: Ich habe "Deep Space Nine" nie gesehen, also kannte ich den Charakter gar nicht. Ellis hat die Werkstatt geleitet, aber ich weiß gar nicht, ob er irgendwelche Außerirdischen entworfen hat. Wenn es irgendwelche Ähnlichkeiten gibt, dann sind die unbeabsichtigt. Das ist ein Charakter, bei welchem ich mich mit einer Büste und ein bisschen Ton hingesetzt habe und es einfach zusammengefügt habe. So entstand er.

TrekMovie: Eine Menge extraterrestrische Charaktere, welche in der Rura-Penthe-Szene waren, wurden herausgeschnitten. Von welchem konnten Sie sich am schwersten trennen?

Burman: Eigentlich waren das sogar einige in dieser Szene. Einer von ihnen war ein Charakter, den wir "Vier Quadrate" genannt haben, da er vier Augen hatte. Er ist in den gelöschten Szenen, wo er von den Klingonen gefoltert wird. Die Computerjungs haben die zusätzlichen Augen einfach hinzugefügt und ich war wirklich begeistert von dem Charakter. Es gab einen Gorn und einen Salzvampir und es tat mir auch Leid, sie gehen zu sehen. Es gab auch noch einige Überziehmasken mit Anzügen und Handschuhen. Aber sie waren schön ausgearbeitete Charaktere.

TrekMovie: Falls Sie für die Fortsetzung zurückkehren werden, welche Art von "Star Trek"-Herausforderungen würden Sie gerne annehmen?

...wie der Gorn, den man auf Rura Penthe hätte sehen sollen
Burman: Zuerst einmal habe ich keine Ahnung davon, wie das Drehbuch aussehen wird und was sie eigentlich vorhaben, aber ich würde denken, das schreit doch geradezu danach, die Klingonen ins Spiel zu bringen. Und ich würde wirklich gerne die klingonische Rasse noch einmal beleuchten und sie ein bisschen weiterentwickeln. In der Classic-Serie waren sie nur eine Farb- und Haarbehandlung. Und dann in "Star Trek: Der Film" hatten die Klingonen eine Art Wirbel um ihren Kopf. Dann hat mein Vater sie für "Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock" neu durchdacht und gab ihnen mehr von dieser dämonischen Stirn und brachte den Haaransatz zurück. Deshalb würde ich auch sehr gerne meinen Beitrag dazu leisten.

Ich denke außerdem, dass es Spaß machen würde, verschiedene Arten von Klingonen vorzustellen oder einige Charaktere ... wer auch immer die Außerirdischen sind. Es wäre nett, wenn man eine mehr im Detail ausgearbeitete Rasse präsentieren könnte, damit nicht alle von dem Planeten gleich aussehen. Mit den ganzen Unterschieden, welche wir bei den Menschen haben, würde ich es sehr interessant finden, wenn man solche Unterschiede auch bei einer extraterrestrischen Rasse herausarbeiten könnte. Ob es nun die Klingonen sind oder wer auch immer.

TrekMovie: Obwohl sie herausgeschnitten worden sind, haben Sie doch auch Klingonen für "Star Trek" erschaffen, obwohl Sie deren Aussehen mit den ganzen Masken und Helmen doch sehr verschleiert haben. Würden Sie sie also für die Fortsetzung gerne von ihren Masken befreien?

Auch die Klingonen schafften es nicht in die Kinoversion des Films
Burman: Ja! Ich würde es lieben, die Klingonen ohne Maske zu sehen. Für mich ist das wie bei "Batman Begins" und da haben sie es auch neu gemacht. Und dann in der Fortsetzung wusste man, dass sie den Joker bringen würden müssen, weil er der beliebteste Bösewicht bei "Batman" ist. Für mich ist es also dasselbe - wenn man einen zweiten "Star Trek" Film macht, dann sehen wir hoffentlich die Klingonen in der Fortsetzung.

TrekMovie: Sie haben Ihren Vater erwähnt. Ich weiß, dass es eine Menge Emmys und andere Auszeichnungen in der Familie gibt, aber er ist der Einzige mit einer Oscarnominierung. Haben Sie irgendwelche Ratschläge vom Vater bezüglich des Umgangs mit dem Druck erhalten?

Burman: Nun, ich fühle mich nicht wirklich unter Druck gesetzt, ich genieße es einfach und das ist auch genau das, was er gesagt hat, als ich mit ihm gesprochen habe. Er sagte, "Genieß es einfach nur." Wie ich fühle, ist alles, was ich kontrollieren kann und ich fühle mich ziemlich gut. Ich habe viel Spaß dabei, diese Zeit zu genießen.

Es gibt da noch eine lustige Geschichte. Vor 20 Jahren hatte ich diese wirklich gute Freundin beim Theater und wir haben immer darüber Scherze gemacht, dass derjenige der es zuerst zu den Oscars schafft, den Anderen mitnehmen muss. Viel Zeit ist vergangen, aber wir haben uns neulich über Facebook wiedergetroffen und sie hat eine Familie in New Jersey. Also habe ich sie angerufen und gesagt, "So, willst du immer noch zu den Oscarverleihung gehen?" Ich habe natürlich auch meine Frau mitgenommen, aber noch zwei extra Karten besorgt und deshalb konnte meine gute Freundin von vor 20 Jahren mitkommen und meinen Sohn begleiten. Anscheinend hat das große Wellen in ihrem kleinen Ort geschlagen, sogar der Bürgermeister weiß Bescheid.

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(sk - 13.04.10 - Quelle: TrekMovie.com)

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