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Henning Koonert (hk)11.07.11

Besser richtig als rechtzeitig

Die "Star Trek XII"- Autoren im Interview

Vor kurzem hatte unser US-Partner TrekMovie die Gelegenheit zu einem Gespräch, in dem die Autoren ausführlich zu Drehbuch und Fahrplan für "Star Trek XII" Stellung nehmen. Man könne planmäßig loslegen, aber wann die Dreharbeiten beginnen, soll J. J. Abrams entscheiden.

Das Gespräch fand Mitte Juni am Rande des LA Times Hero Complex Film Festival in Los Angeles statt. Nach Roberto Orcis GamePro-Interview zu "Star Trek: The Game" und "Star Trek XII" (siehe TZN-Übersetzung) von Anfang Juli ist es die neuste ausführliche Stellungnahme, die einen Eindruck von den Gedankengängen der Autoren vermittelt, sowohl was inhaltliche Einflüsse auf das Drehbuch betrifft als auch bezüglich des weiteren Produktionsfahrplans.

Damon Lindelof schreibt diesmal gemeinsam mit den "Star Trek XI"-Autoren am Drehbuch.
TrekMovie: Lassen Sie uns mit dem Status des Drehbuchs und dem Zeitplan beginnen. Zuletzt hörten wir, dass die Dreharbeiten im September beginnen sollen. Sind Sie zuversichtlich, dass das geschehen wird?

Damon Lindelof: (kichert) Zuversichtlich ist ein großes Wort. Wir denken so: Wir sind ziemlich klar der Meinung, dass die beste Version dieses Films eine unter der Regie von J. J. [Abrams] wird. Daher würden wir völlig seiner Verfügbarkeit den Vortritt lassen und wann er Regie führen möchte. Das bedeutet nicht, dass wir aus unserem Problem seines machen wollen, aber wir wollen aus unserm sein Problem machen. Ist es möglich, mit dem Dreh des Films im September anzufangen? Auf jeden Fall, wir wären total vorbereitet. Aber das bedeutet nicht, dass wir im September anfangen werden, das ist eine Frage, die nur J. J. beantworten kann.

Ich glaube, bei "Super 8" hat er im vergangenen Spätherbst mit den Dreharbeiten begonnen und er musste am [10. Juni] veröffentlicht werden. Und die Trek-Fortsetzung wird viel anspruchsvoller in der Nachproduktion als "Super 8" es war. Die grundsätzliche Vorstellung, ihn zu drehen und ihn abzuschließen und ihn im nächsten Juli in die Kinos zu bringen, ist gänzlich möglich und wir sind zuversichtlich, dass wir die richtigen Leute am richtigen Ort haben, um das zu erreichen, aber das wäre nicht unbedingt die beste Version des Films.

Alex Kurtzman: Wir haben uns beim ersten Film gegenseitig das Bekenntnis gegeben, den Film nicht zu veröffentlichen, bis wir das Gefühl hatten, es würde die beste Version des Films sein. Und das bedeutete, uns gemeinschaftlich Zeit zu nehmen. Der erste Trek hatte erst einen Kinostart zu Weihnachten und wir mussten ihn in den Sommer aufschieben, weil es nicht die beste Version gewesen wäre, es wäre gehetzt gewesen und es hätte niemals der Film sein können, den wir bereitgelegt haben. Teil unserer Verantwortung gegenüber Trek ist es sicherzustellen, dass es nicht gehetzt wird, dass wir uns Zeit nehmen und es richtig angehen.

Alex Kurtzman und Roberto Orci schreiben zum zweiten Mal das Skript für einen "Star Trek"-Film.
TrekMovie: Sie haben glaube ich im Oktober mit dem Drehbuch begonnen. Wir haben gerade gehört, wie Nick Meyer sagte, er habe das "Star Trek II"-Skript in zwölf Tagen fertig gehabt ...

Lindelof: Auf der Grundlage von fünf früheren Entwürfen!

TrekMovie: Stimmt. Brannon Braga und Ron Moore haben bekanntlich davon berichtet, wie sie während ihrer Arbeit an "Treffen der Generationen" auch das [TNG-]Finale "Gestern, heute, morgen" schreiben mussten, was Sie, Damon, wie ich weiß, für eines der besten Serienenden halten und tatsächlich gestohlen haben ...

Lindelof: Stehlen ist nur, wenn man nicht sagt, dass man es geklaut hat. (lacht)

TrekMovie: Und sie haben das innerhalb einiger Wochen geschrieben und sie sagten, der Zeitdruck habe sich für sie ausgezahlt und im Vergleich zu "Treffen der Generationen" sei das das bessere Drehbuch. Sind Sie besorgt darüber, dass dieser neunmonatige Prozess schädliche Auswirkungen haben könnte?

Alle Mitglieder des Produktionsteam waren in den vergangenen Monaten in weitere eigene Projekte eingebunden.
Lindelof: Na ja, es war nicht wirklich ein neunmonatiger Prozess. Sie richten sich darauf, wie wir im Oktober begonnen haben und jetzt haben wir Juni, also haben wir die ganze Zeit über an Trek gearbeitet, aber Tatsache ist, dass Alex bei einem ganzen Film ["Welcome to People"] Regie geführt hat, die Kerle hier ein paar Pilotfilme produziert haben, eine ganze Firma von Leuten gemanagt und ich im Wechsel zwischen London und hier an "Prometheus" gearbeitet habe.

Haben wir im Oktober an dem Film gearbeitet? Ja. Aber ich würde nicht sagen, dass es gänzlich akkurat ist, dass Trek unsere Vollzeitbeschäftigung war. Tatsächlich ist das jetzt vor uns liegende Zeitfenster unsere erste Gelegenheit, bei der die gesamte ursprüngliche kreative Gewalt hinter dem ursprünglichen Film Vollzeit zusammen in einem Raum sitzen und sich an die Arbeit machen kann.

Roberto Orci: Sie haben nicht Unrecht wegen der Abgabefristen. Abgabefristen sind toll. Wir haben noch keinen Abgabetermin gehabt und daher schließen wir es weiterhin nicht ab. Geben Sie uns eine Frist und wir bringen es zu Ende. Wir haben unseren Vertrag mit Paramount erst vor zwei oder drei Monaten abgeschlossen. Es geht also nicht nur darum, auch andere Dinge zu tun, es geht um: "Lasst uns rausfinden, wenn sie wirklich richtig loslegen wollen und dann machen wir und richtig an die Arbeit."

TrekMovie: "Star Trek II", den wir gerade gesehen haben, wird oft als der Film genannt, der "besser als der erste" war. Was bleibt bei Ihnen von "Star Trek II" hängen, und was nehmen Sie daraus mit, und ist es für Sie fast genauso einschüchternd, Ihren zweiten Film zu beginnen?

Orci: Ich sehe den Film immer als den, in dem die Charaktere so ganz sie selbst sind auf gewisse Art. Und wir haben dazu jetzt die Möglichkeit, weil es beim ersten darum ging ...

Kurtzman: ... sie einfach zusammenzubringen.

Am liebsten sähen die Autoren erneut J. J. Abrams auf dem Regiestuhl.
Orci: ... sie zusammenzubringen und sie zu treffen, bevor sie einem völlig bekannt vorkommen. Und jetzt haben wir die Möglichkeit, etwas zu tun, das "Star Trek II" getan hat, nämlich sie klarer zu erkennen und sie stärker in der Verfassung zu zeigen, in der man sie als Fan erwartet und erhofft. Und wenn Sie kein Fan sind und sie nie in dieser Haltung gesehen haben, können Sie es hoffentlich zum ersten Mal genießen, so wie "Der Zorn des Khan" ein Einstiegspunkt für viele war, darunter für einige von uns.

Lindelof: In vielerlei Hinsicht denke ich, und ich will nichts Geringschätziges über "Star Trek: Der Film" sagen, aber wenn man sagt, "der zweite war besser als der erste", wenn man über "Terminator" und "Terminator 2" spricht oder "Alien" und "Aliens", ist das eine ganz andere Unterhaltung als wenn man über "Star Trek: Der Film" und "Der Zorn des Khan" spricht. In vielerlei Hinsicht halte ich "Der Zorn des Khan" für eine Antwort auf die Fehltritte von "Star Trek: Der FIlm", was Tempo, den Gegner, die Dynamik zwischen den Charakteren, all das angeht. Und offensichtlich, dass man jemanden von außen beauftragte. Das ist diese Vorstellung, dass Nicholas Meyer nicht der Kerl ist, der den ersten Film gedreht hat und tatsächlich den ersten Film wahrscheinlich nie gesehen hatte, als er für die Regie von "Der Zorn des Khan" unterschrieb; das hat er heute zumindest so angedeutet. Da vergleicht man wirklich Äpfel mit Birnen.

Wir können "Der Zorn des Khan" überhaupt nicht neu verfilmen. Wir haben selbst so große Wertschätzung dem Film gegenüber, dass es gestalterischer Selbstmord wäre, wenn wir die Latte so hoch legten und sagen: "Da wollen wir drüber." Unser zweiter Film liegt in einem ganz anderen Denkmuster.

TrekMovie: In Ihrem Panel und auch zuvor haben Sie davon gesprochen, wie Ihr erster Film das Universum neugestartet hat und viele Freiheiten geschaffen hat, aber gleichzeitig hat er viel Altes mit dem Neuen durch zahlreiche Erwähnungen in der Waage gehalten. Jetzt sind Sie in dieser Welt der Freiheit. Fühlen Sie sich stärker von der Idee, völlig neue, komplett eigenständige Geschichten erzählen zu können, angesprochen? Oder fühlen Sie sich versucht, all die klassischen "Star Trek"-Bestandteile - klassische Außerirdische, Orte und so weiter einzubringen. Wenn Sie an die Classic-Serie denken, da gab es jede Woche etwas Neues.

Orci: Die Frage ist, wo man den Strich zieht. Wir wissen, dass wir Kirk wollen, wir wissen, dass wir Spock, Pille, Chekov, Uhura wollen. Schon an sich - das ist immer noch "Star Trek" und dort versucht man, den Strich zu ziehen. Wir verpflichten uns zu Geschichten, deren Ausgang man nicht erraten kann und bei denen man nicht Ursache und Wirkung erraten kann, selbst wenn einige der Bestandteile vertraut sind. Daher ist es unsere Herausforderung und unser Spaß, wo wir den Strich ziehen. Aber wir haben uns keine Richtlinien gegeben, ob wir eine bestimmte Anzahl von klassischem Zeug oder auch gar nichts einbauen müssen, oder ob es alles etwas sein muss, das man noch nie gesehen hat. Offensichtlich wird etwas Vertrautheit einen Teil des Spaßes ausmachen.

Kurtzman: Ich denke, unser Fansein nötigt uns dazu, die Geschichte des Kanon zu betrachten und uns zu fragen: "Gibt es hier Dinge, die wir lieben und die uns inspirieren?" Können wir sie auf eine Art verwenden, die von Bedeutung ist und dem, was wir borgen wollen, Respekt zollt, aber ihm eine Wendung gibt, die mit dem im Einklang steht, was wir jetzt versuchen wollen.

Die Crew soll im nächsten Film stärker den bekannten Charakteren gleichen.
Lindelof: Eine unserer Leitschnüre beim ersten Film war, dass wir uns immer gegenseitig gefragt haben: "Was würde ich als Fan hiervon sehen wollen?" Was daraus folgte, ist das, was Bob und Alex gerade so wundervoll ausgedrückt haben, dass wir beides wollten! Wir wollten neues Zeug, das wir noch nie zuvor gesehen hatten, aber wir wollten auch die vertrauten Gerichte auf der Speisekarte, weil wir die so gerne essen. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, in der wir beides harmonisch zusammenbringen können, sodass man nicht das Gefühl hat, die passen nicht zueinander, dann wird das zu einer Art Leitbild.

Also muss es in allem, was wir an Trek machen, Momente geben, bei denen zehn Prozent des Publikums über eine Erwähnung oder einen visuellen Hinweis oder ein Planetensystem, dem wir Respekt zollen, schmunzelt, die aber die übrigen 90 Prozent nicht aus der Bahn werfen. Es geht darum, die Gewichtung zu finden, sodass es nicht zu sehr inwendig wird, aber inwendig genug, damit die Leute, die sich die letzten 40 Jahre ihres Lebens mit dieser unglaublichen Sage beschäftigt haben, das Gefühl haben, dass sie etwas für ihr Geld bekommen.

TrekMovie: Vor einem Jahr hörten wir Worte wie "tiefer" und "Allegorie". Ich weiß, dass Sie, Bob, sehr politisch interessiert sind - ist Verschwörungstheoretiker das politisch korrekte Wort? Denken Sie darüber nach, Themen der Zeit und politische Konzepte in die Fortsetzung einzubringen?

Orci: Wir haben im Panel über den ersten [Film] darüber gesprochen. Wir dachten, auch im ersten finde das Widerhall. Der Trick ist, keinen "Film mit Botschaft" daraus zu machen. Er soll nur die Umgebung, in der wir uns befinden, reflektieren. Das hat der erste Film getan und haben das wieder vor, aber weil wir nicht mehr die Last tragen, erst alle treffen zu müssen, weil sie von Anfang an eine vereinte Truppe sein können, erlaubt uns das denke ich, etwas stärker über die Welt, in der sie leben, nachzudenken.

TrekMovie: Irgendetwas, das Sie den Fans gern noch sagen möchten?

Lindelof: Wir möchten sagen, dass wir sehr dankbar und verständnisvoll für eure Geduld sind. Wir sind selbst Fanboys und stünden wir auf der anderen Seite, würden wir sagen: "Los, macht endlich, wann kommt der Film raus?" Wir sind uns dessen vollkommen bewusst. Aber wir wissen auch, dass wir kein unterdurchschnittliches Produkt abliefern können. Am Ende des Tages ist alles, was zählt, war auf der Leinwand ist und ihr habt unser Wort, dass wir es nicht einfach so einreichen werden, egal ob es gut genug ist. Es muss richtig sein und wir stehen vollkommen dahinter, das Wirklichkeit werden zu lassen.

Orci: Was er gesagt hat.

(hk - 19.08.11 - Quelle: TrekMovie.com)

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