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Alexandra Rimpler (re)26.11.09

An der Grenze

Orci und Kurtzman zu "Fringe", "Transformers" und Trek

Fred Topel von Crave Online traf das Autorenduo zwischen "Fringe", "Transformers" und "Star Trek" bei mehreren Veranstaltungen Nun war es für ihn der richtige Moment, um von den Autoren Neues über die drei Erfolgsprojekte zu erfahren. Die beiden erklären, wie sie es schaffen, für Fernsehen und Kino parallel zu arbeiten und wie ihre Arbeitsaufteilung aussieht.

Crave Online: Was wird es in der zweiten "Fringe"-Staffel neben diesem Paralleluniversum, das sie im Finale vorgestellt haben, noch Neues geben?

Roberto Orci: Josh [Jackson] wird wirklich das Kommando übernehmen.

Trek-Autoren Kurtzman und Orci
Alex Kurtzman: Peters Charakter hatte im letzten Jahr viel damit zu tun, dass er in die Rolle als Beschützer seines Vaters hineingedrängt wurde. Ständig war er mit der Möglichkeit konfrontiert wegzulaufen. Das, was daran interessant für uns war, war die Tatsache, dass er ein Charakter war, der jeden anderen von jetzt auf gleich sitzen lassen konnte. Ich denke, vieles von dem, was wir gegen Ende der letzten und Anfang dieser Season gesehen haben, führt dazu, dass er bekennt "I'm the guy. Wenn wir etwas tun, dann tun wir es auf meine Weise. Ich übernehme jetzt das Kommando. Wenn ich in der Fringe-Abteilung dabei sein soll, dann müsst ihr euch auch an meine Art halten, wie wir die Fälle angehen." Ich denke, das ist eine ganz andere Art für einen Charakter, sich darzustellen.

Crave Online: Wie werden Sie und J.J. Abrams in diese Season eingebunden sein?

Orci: Wir versuchen, das aufzuteilen, so dass wir gewissermaßen einen Teil überwachen, J.J. einen anderen überwacht und wir alle zusammen ein- oder zweimal die nächsten größeren Schritte planen. Außerdem haben wir eine unglaubliche Truppe, die die Episoden aufteilt. Wir telefonieren zusammen und feilen an den Geschichten, sodass wir alle darin stecken. Jeff [Pinkner] und Joel sind diejenigen, die physisch anwesend sind und all die furchtbaren Dinge regeln, sodass wir damit nichts zu tun haben, damit wir zusätzlich noch die anderen Dinge tun können. Aber kreativ sind wir alle daran beteiligt.

Crave Online: Sind Sie die Meister des Multitasking?

Orci: Oh ja, das sind wir. Das ist einer der Gründe, warum wir alle gern Serien zusammen machen. Weil wir es so für jeden Einzelnen einfacher machen, daran beteiligt zu sein, als wenn es einer von uns allein machen würde. Manchmal kann J.J. sie treffen, wenn wir gerade nicht können, aber danach treffen wir uns mit J.J. Je mehr Leute eingeweiht sind, umso mehr kann jeder kreativ bleiben. Das ist ein Teil der Flexibilität, die man hat, weil man zu mehreren sicherer ist.

Kurtzman: Und ich denke, wir haben vom Fernsehen viel gelernt. Fernsehen lehrt dich wirklich Disziplin.

Orci: Und wie man multitaskingfähig wird.

Kurtzman: Wie man an mehreren Dingen gleichzeitig arbeitet, weil man ständig die Geschichten ändert. Während man das Buch schreibt, während des Drehs, während man die nächste beginnt.

Orci: Es gibt viel zu tun.

Kurtzman: Der Schlüssel ist, die Qualität hoch zu halten und deshalb braucht man andere Leute um sich herum, die sicherstellen, dass man sein Qualitätslevel hoch halten kann.

Crave Online: Wie teilen Sie beide Ihre Zeit ein?

Orci: Ach je, wir teilen alles so auf, wie es kommt. Was das Schreiben angeht, tun wir das zusammen und wir verbringen einen festen Anteil unseres Tages damit. Was unsere verschiedenen Projekte angeht, die wir entwickeln, läuft es meistens so, dass der eine oder andere, der dafür verantwortlich ist, dazu kommt und wir versuchen, uns beide mit beiden zu treffen. Aber wenn wir etwas aufteilen müssen, arbeitet er mit der halben Besetzung unseres Teams und ich mit der anderen Hälfte.

Crave Online: Wer von Ihnen kennt sich mit "Fringe" aus?

Orci: Nun, eigentlich wir beide. Immer, sogar wenn wir daran schreiben, schreiben wir es zusammen. Aber bei "Fringe" bin es wohl eher ich.

Crave Online: Hat Sie irgendein Teil von "Fringe" überrascht, weil es noch nicht erkennbar war, als es begann?

Orci: Allerdings, die Idee des Paralleluniversums war etwas, das Jeff Pinkner und die Crew hervorbrachten, als der Pilotfilm schon im Kasten war. Während wir also allenfalls den Hauch einer Ahnung hatten, mit welcher Antwort wir erklären könnten, was diese Zone verursacht, waren es Jeff Pinkner und das Team, die diese Idee hatten, uns förmlich darauf stießen. Und daher sind wir jetzt hier und reden darüber, wie die zweite Season werden wird, dabei war es das Team, das wir aufgestellt hatten, das sich das hat einfallen lassen.

Crave Online: Müssen Sie auf ein Ja von Leonard Nimoy warten, dass er Zeit und Lust zu schauspielern, bevor Sie ein William-Bell-Skript schreiben?

Orci: Wir bereiten zwei gleichzeitig vor. Im Sinne von "Hey, bock auf zwei weitere?" Kaufe eins, bekomme eins dazu - so in der Art.

Crave Online: Was denken Sie über Paralleluniversen?

Kurtzman: Ich denke, es gibt sie.

Gemeinsam mit J.J. Abrams (Mitte) sind Orci und Kurtzman für "Fringe" und "Star Trek" verantwortlich
Crave Online: Gibt es interne Diskussionen darüber, dass die alternative Realität, in der in "Lost" das Flugzeug nicht abstürzte, nicht zu ähnlich zu ihrer alternativen Realität sein darf?

Orci: Ich habe keine Ahnung, was dort vorgeht. Ich sage ihnen immer, dass sie mir nichts erzählen sollen, weil ich ihnen ihre Ideen nicht stehlen will. Ich habe in zwei Jahren nicht eine Folge davon gesehen. Für mich ist das eine ganz andere Welt.

Crave Online: Ist die Gefahr versehentlicher Überschneidungen nicht zu groß, wenn Sie nicht miteinander reden?

Orci: Vielleicht. Ich denke, das wird mir jemand sagen. Ich werde mich damit nicht beschäftigen. Genug Leute sehen sich "Lost" an, so dass sie mir hoffentlich sagen werden, wenn wir etwas zu ähnliches machen.

Crave Online: Haben Sie immer noch ein Forschungsteam, welches Ihnen Material bringt?

Orci: Oh ja. Deshalb haben wir auch aus den technischen Beratern Autoren gemacht. Damit sie beides sein können. Interne Autoren und Teil des Forschungsteams.

Crave Online: Nehmen Sie ihr Material und machen es lustig und dramatisch, oder können die das selbst?

Orci: Sie schreiben gerade ihr erstes Script, also schauen wir mal.

Crave Online: Wie oft haben Sie darüber gesprochen, wer Mrs. Bishop sein könnte?

Orci: Wir hatten einige, aber das scheint auf jeden Fall ein großes Ziel zu sein, bei dem man sicher gehen will, dass man es korrekt aufbaut.

Crave Online: Wie viel von Walter ist improvisiert und wie viel ist geschrieben? Wird es im Script vermerkt, wenn Walter abdreht?

Roberto Orci: Absolut. Zum Beispiel steht da "Im Hintergrund untersucht Walter alles, was auch immer seine Aufmerksamkeit erregt. Man ist nicht sicher, was er macht, bis man dorthin geht". Es ist zwar sehr ausführlich beschrieben, aber John [Nobles] Improvisationen sind wie Unterstreichungen und Rufzeichen in der Szenenbeschreibung. Eine Zeile kann die Szene ändern. Es kann so viel mit dem machen, was zuvor geschehen ist. Es ist doch beides nur geschrieben. Offensichtlich kann man einiges von diesem Zeug bei aller Liebe nicht darstellen. Es braucht ein Team dazu. Aber er kennt seinen Charakter wirklich und er kann auch ohne Skript hinein und hinaus schlüpfen.

Crave Online: Gibt es die Kuh in der Parallelwelt?

Orci: Oh, ja.

Crave Online: Sind ihre Flecken umgekehrt?

Orci: Gute Idee.

Crave Online: Haben Sie gehört, dass John Hughes tot ist?

Kurtzman: Ja, haben wir. Wir hörten davon.

Crave Online: Hat er Sie beeinflusst?

Kurtzman: Oh mein Gott, sehr sogar. Es war wirklich herzzerreißend.

Orci: In den Meetings reden wir immer noch über ihn.

Kurtzman: Immer.

Orci: Jeden Monat.

Kurtzman: John Hughes - wir hatten John Hughes genau zur richtigen Zeit. Wir waren 12 Jahre alt, als "Der Frühstücksclub" und "Das darf man nur als Erwachsener" und "Ferris macht blau" heraus kamen.

Orci: Er machte Filme für uns.

Kurtzman: Das Besondere an John Hughes, was ihn wirklich von anderen Filmemachern abhebt, war, dass er immer die Kinder respektiert hat. Seine Filme wurden aus der Sicht von Kindern erzählt, und das war außergewöhnlich, weil kein anderer Filmemacher Kinder so gut zu verstehen schien wie er.

Orci: Er sprach nicht von oben herab zu ihnen.

Kurtzman: Er sprach nie von oben herab zu ihnen. Sogar, wenn er witzig war und auch wenn seine Filme Parodien waren, waren es nie Parodien von Kindern. Fakt ist, dass er in einer Art zu uns sprechen konnte, die einmalig war. Es ist schrecklich traurig. Wirklich traurig.

Crave Online: Wie viel der Diskussionen um "Star Trek XII" dreht sich um die klassischen Missionen der Serie?

Orci: Alles ist möglich.

Kurtzman: Wir müssen alles durchwühlen und unter jeden Stein sehen, denn dies ist die Herangehensweise, an die ich denke... Die Rückmeldungen der Fans, auf die wir nach dem ersten Film gewartet haben. Und wissen Sie, offensichtlich gibt es große Erwartungen an die Fortsetzung.

Orci: Aber wir haben derzeit noch nicht alles im Griff.

Crave Online: Wie sehr müssen Sie aufpassen, damit Sie es nicht übertreiben?

Zumindest öffentlich sind beide zu bescheiden, um Erwartungen an eine Beteiligung an Fortsetzungen zu äußern
Kurtzman: Nun, es ist ein Balanceakt. Für uns war der Ansatz beim ersten Film, wie wir einerseits die Fans und andererseits die Leute zufrieden stellen können, die keine Beziehung zu Trek haben. Das ist die Frage, die wir uns ständig gefragt haben. Das ist eine sehr komplizierte Aufgabe.

Crave Online: Erwarten Sie, für mehr als die nächsten zwei oder drei Filme bei "Star Trek" zu bleiben?

Orci: Erwarten ist so ein schmutziges Wort, finde ich. Es wäre schön, aber wieder können wir nur einen Film nach dem anderen machen. Wenn man gerade darüber nachdenkt, "Star Trek XII" in zwei Jahren herauszubringen, ist es schwierig, zu sagen, ob man in drei Jahren sagen wird "Ja, ich unterschreibe für 3".

Crave Online: Hatten Sie schon die Gelegenheit, über einen dritten "Transformers"-Film nachzudenken?

Orci: Nein.

Kurtzman: Nein.

Crave Online: Ziehen Sie in Erwägung, einen dritten "Transformers"-Film zu machen? Ich vermute, Sie tun es nicht.

Kurtzman:Ich glaube nicht, dass wir das tun werden.

Orci: Werden wir nicht.

Kurtzman: Es sei denn, es gibt da etwas, was Sie mir jetzt sagen werden.

Crave Online: "Transformers 2" war ein Hit. Aber wie denken Sie als Künstler darüber?

Orci: Wissen Sie, wir haben bei keinem Film das Gefühl, fertig zu sein. Sogar Michael [Bay] wird Ihnen sagen, dass er sich zwei weitere Wochen im Schneideraum wünscht, um ihn zusammenzuschneiden. Ohne ihn anhand einer Kurve bewerten zu wollen, wie wir schon sagten, wissen wir, dass wir mit diesem Streich total in sein werden, zumindest für einen kurzen Zeitraum. Mit nur drei Monaten, um ihn vorzubereiten, mit der Ausarbeitung des Entwurfs, den Verhandlungen mit US Auto, dem Pentagon, zwei Studios, Michael Bay und Steven Spielberg. Wir sind einfach nur froh, dass wir es überlebt haben, ihn auf die Leinwand zu bringen, daher ist es unser eigener Sieg. Es gibt mehr, was wir dafür tun könnten. Wir sind nie fertig.

Der dritte "Transformers"-Streifen wird nicht mehr aus der Feder von Kurtzman und Orci stammen
Crave Online: Warum wollen Sie dann keinen dritten Film?

Orci: Ich weiß nicht, ich denke, dass das für das Franchise am besten ist. Bringen wir ein bisschen frisches Blut hinein. Michael hat von Anfang an mit uns übereingestimmt, dass jeder Film eigenständig sein soll. Deshalb sind wir nicht mit einer Trilogie im Hinterkopf daran gegangen. Es ist nicht, als würden wir in der Mitte das Konzert abbrechen. Wir haben zwei gemacht. Jeder sollte eigentlich eigenständig sein, dann schauen wir weiter. Möge die beste Idee gewinnen. Wir wollen sicherstellen, dass wir genug Raum lassen für die beste Idee.

Crave Online: Haben Sie noch einen Film für 2012?

Orci: Wir hatten eine Zeit lang einen, aber Roland Emmerich hat ihn während des Streiks selbst geschrieben und vorbereitet. Weil er es auf gut Glück getan hat, war es legal zu schreiben und so ist er uns zuvor gekommen und wir mussten es fallen lassen. Weil es auf gut Glück war und niemand dafür bezahlt hat. Wenn dich niemand bezahlt, kannst du für dich schreiben, was du willst. So konnte er es fertig stellen und während des Streiks ein ganzes Skript schreiben.

Crave Online: Sagen Sie, gibt es immer noch Dinge, die Sie sehen oder lesen, die Sie inspirieren?

Orci: Unbedingt. Aber meistens Sachliteratur. Es werden immer Dinge veröffentlicht, die neu interpretieren, was wir bereits zu wissen glaubten und das ist ein Teil davon, worüber "Fringe" handelt. Überdenken, was du zu wissen glaubst. Du glaubst, du hättest gelernt, dass George Washington einen Kirschbaum gefällt hat. Vielleicht hat er das nicht. Kolumbus entdeckte Amerika? Nicht exakt. Erwachsen zu werden ist ein Prozess, bei dem du siehst, dass die Dinge, die du gelernt hast und zu wissen glaubst, nicht immer das sind, was du denkst. Daher liebe ich es, Biografien zu lesen, neue Geschichte, Dokumente, die noch nicht freigegeben sind, Wissenschaft. All solche Dinge.

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(re - 26.11.09 - Quelle: CraveOnline.com)

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